Eva
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angsam erwachte Eva aus einer tiefen Ohnmacht. Ihre Sinne wurden ganz langsam wach und sie bemerkte wieder das leichte Schaukeln.
>Aha, ich bin immer noch auf einem Boot<, dachte sie. Sie konnte einen leichten Lichtschimmer erkennen, mühsam richtete sie sich auf und schaute sich um. Dort, wo der Lichtschimmer her kam musste die Tür sein. Unten durch die Luftschlitze konnte sie die Lichtquelle ausmachen.
>Auf dem Flur muss Licht an sein<, ging es ihr durch den Kopf. Sie probierte ihre Hände zu bewegen und es ging, sie war nicht gefesselt. Langsam tastete sie an der Wand entlang um einen Lichtschalter zu finden. Ihre Hände glitten über die Wand zum Kopfende und fühlten Stoff.
>Wie war es bei uns auf dem Boot, wir hatten Halogenstrahler in der Decke und da war auch der Schalter dran<, überlegte sie. Ihre Hände glitten hoch zur Decke und ertasteten die Lampe und den Schalter. Sie knipste den Deckahnstrahler an und schloss geblendet die Augen. Als sie sich langsam an das Licht gewöhnt hatte öffnete sie ihre Augen wieder.
Da sie seit Stunden, oder waren es schon Tage, kein Licht mehr gesehen hatte, waren ihre Augen doch sehr empfindlich. Rechts von ihr stand das zweite Bett und zwischen den Betten gab es einen kleinen Tisch auf dem eine Flasche Wasser und ein Glas stand. Es war eine kleine Kabine, die Kabine bestand aus zwei Betten, einem Nachtisch an der Seite, gegenüber ein kleines Sofa zwischen zwei Schränken. Rechts war die Tür die zum Flur führte von dem der Lichtschein kam. Sie hatte fürchterlichen Durst und wollte nach der Wasserflasche greifen, als ihr einfiel was sie beim ersten Mal erlebt hatte.
>Oh nein. Nicht schon wieder reinfallen...<, dachte sie; >...auch wenn ich verdursten werde, ich trinke von diesem Wasser nichts mehr<, sagte sie sich. Sie stand langsam auf und versuchte aus dem Bullauge, das sich über den kleinen Tisch zwischen den Betten befand, zu schauen. Nichts. Nur schwarze Nacht.
>Wo waren sie nur vor Anker gegangen, dass es draußen so dunkel sein konnte. Es gab auf dem Meer immer einen Lichtschein und wenn es die Sterne oder der Mond waren, die man sehen konnte.<
Dann erst bemerkte sie, dass vor dem Bullauge etwas herunter gelassen war. Ein Tuch, das verhindern sollte, dass Licht aus ihrer Kabine nach draußen dringen konnte. Eva versuchte das Bullauge zu öffnen, aber es gab nirgendwo einen Knebel, um es zu öffnen. Das Bullauge war nicht dafür vorgesehen geöffnet zu werden.
>Ja toll, die hatten doch wirklich an alles gedach.<
Sie ging zur Tür und versuchte die Klinke nach unten zu drücken, was auch gelang. Aber die Tür öffnete sich nicht, sie war verschlossen.
>Natürlich, was sonst. Aber man sollte die Hoffnung nicht aufgeben<, sagte sie sich im Stillen. Sie setzte sich auf das Fußende des rechten Bettes und überlegte.
>Wie spät hatten wir es denn? Mensch Eva, schaue doch einfach auf deine Uhr<, sagte sie sich und hob ihren rechten Arm. Es war drei Uhr fünfzehn und wahrscheinlich nachts. Alles an Bord schien zu schlafen.
>Aber warum sollte sie das dulden? Wie wäre es, wenn sie die Kerle ein wenig munter machen würde, ein wenig Bewegung würde ihnen bestimmt gut tun.< Gedacht und getan, sie stand auf und stellte sich vor der Tür in Position und schon ging es los. Wie eine Irre schlug sie mit beiden Händen an die Tür, dazu trat sie noch, im Wechsel, mal mit dem linken und mal mit dem rechten Bein unten gegen die Tür und, als wenn das nicht schon gereicht hätte einen Höllenlärm zumachen, schrie sie noch:
»He ihr da draußen, ich muss mal auf Toilette. He, kann mich irgendjemand hören, bevor ich in die Hose mache?« Es dauerte wirklich nicht lange und sie vernahm vor der Tür eine Stimme:
»Aufhören mit dem Lärm, bin ja nicht taub.« Sie hörte mit ihrer Körperbetätigung auf und es trat eine angenehme Stille ein.
»Ich muss mal auf Toilette.«
»Ist schon gut, zurücktreten zwischen die Betten«, vernahm sie die Stimme. Sie drehte sich um und ging zum Tisch am Kopfende und stellte sich mit dem Rücken zum Bullauge.
»O.K. ich stehe am Tisch«, sagte sie. Draußen wurde der Schlüssel umgedreht und die Tür wurde geöffnet. In der Tür stand ein großer Kerl mit einer schwarzen Kapuze über dem Kopf.
>Gut...<, dachte Eva; >...wenn sie sich nicht zeigen, dann haben sie auch nicht vor dich gleich zu töten. Wenn sie sich verstecken, dann wollen sie dich auch wieder frei lassen.< Ihre Angst wich einer kleinen Hoffnung.
»Mitkommen«, sagte der große Kerl und trat zurück in den Gang. Eva folgte ihn von da aus in den Salon, links gab es ein großes ovales Sofa und einen Tisch. Auf der rechten Seite war die Kombüse, klein aber vom feinsten, ausgestattet.
Der Typ ging geradeaus weiter und machte ihr die Tür auf der linken Seite auf. Geradeaus gab es auch noch eine, aber die führte wohl zur Hauptkabine. Sie ging auf ihn zu und ging in den kombinierten Dusch- und WC Bereich des Schiffes und verschloss sie hinter sich. Während sie im Bad war dachte sie:
>Den Schiffstyp kennst du, das ist eine Princess, nur die kleinere Ausführung als unsere, denn sonst hätte jede Kabine ein eigenes WC.<
Carlo und sie hatten zwei Princess Boote, die große V70 die für die Firma immer in Genua lag und für sich selbst hatten sie eine V50.
>Dann musste das eine V42 sein<, überlegte sie sich. >Carlo schwärmte immer von den Booten, wie schnell sie waren und was für eine tolle Ausrüstung sie hatten. 30 bis 39 Knoten konnten sie fahren, je nach Maschine. Aber das hier war bestimmt ein Leihboot und die hatten nur die kleine Maschine eingebaut, war also maximal dreiunddreißig Knoten schnell. Gut so, überlegte sie sich, unsere kleine Princess konnte locker neununddreißig Knoten fahren und Carlo sagte einmal, sie sei getunt worden und kann damit sogar auf locker fünfundvierzig Knoten kommen. Carlo sagt immer Schnellboot Geschwindigkeit, es war also dem hier weit überlegen.<
»Mach nicht zu lange, sonst hole ich dich da wieder raus«, hörte sein den Kerl sagen. Sie wusch sich die Hände und trank erst einmal einen großen Schluck aus dem Wasserhahn. Das tat gut. Sie schloss wieder auf und schaute sich schnell um, links neben der Tür zu ihrer Kabine ging der Niedergang nach oben. Beim vorbeigehen warf sie einen Blick hoch, sie konnte den Himmel erkennen und die Sterne. Die hatten also nicht das Cockpitverdeck zugezogen und auch die Abdeckung für den hinteren Liegebereich war offen. Man erwartete also keinen Regen.
»Los, los in die Kabine«, sagte der Kerl und gab ihr einen Stoss in den Rücken damit sie schneller wurde. Sie stolperte über die Schwelle und kaum war sie in der Kabine, verschloss er auch schon die Tür. Dann war es wieder ganz still auf dem Boot. Ihre Gedanken wanderten zu Carlo.
>He Carlo...>, dachte sie; >...was machst du gerade um mich zu befreien?<
Hamburg
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ben im Büro angekommen, setzte ich mich an meinen Schreibtisch und nahm das Telefon um die Nummer von Manfred aus dem Register zu wählen und anzurufen. In diesem Moment meldete sich mein Handy, ich sah auf das Display und konnte erkennen, dass es Thomas war.
»Hi Thomas, was gibt es?«
»Tja, da ist was am laufen was du wissen solltest. Wir haben doch die beiden Zuhälter aus Kleinbeeren mit ihrem eigenen Wagen ins „Haus Brandenburg“ gebracht. Das Delta Team hatte ein Sender angebracht und den Wagen auf einem öffentlichen Parkplatz in Berlin abgestellt um dann nach Hamburg zu fahren. Jetzt kommt das Sonderbare, der Wagen bewegt sich von Hannover aus kommend auf Hamburg zu, auf der A7. Ich habe ihn über die Satellitenortung rein bekommen«, erzählte er mir.
»Sonderbar, das beste ist wir Fangen ihn ab und bringen ihn hierher. Um diese Zeit ist nicht viel Verkehr auf den Strassen, da fällt so etwas nicht zu sehr auf. Wir machen mit zwei unserer Wagen die American Crash Car Methode. Wir stoppen sie auf der Autobahn, holen sie aus dem Wagen raus, bringen sie in unser Auto und dann hierher. Einer von dem Team übernimmt das fremde Auto und dann ab durch die Mitte in unser Haus Hamburg, dass müsste doch klappen. Die Frage ist nur, wie viel Personen sind in dem Wagen?«
»Das können wir nicht feststellen, ich weiß nur, dass wir uns beeilen müssen, wenn wir ihn noch auf der Autobahn abfangen wollen.«
»Ja, das wäre wohl am besten. In der Stadt hat er zu viele Möglichkeiten auszuweichen und eine Schiesserei will ich nichts riskieren. Also gut, wir fahren ihm mir zwei Teams entgegen. Weitere Infos gibst du uns von unterwegs. Bis gleich«, sagte ich, unterbrach das Gespräch und griff zur Haussprechanlage, legte die Knöpfe für die Küche und den Bereitschaftsraum im Keller um, damit man mich dort hören konnte.
»Achtung, Achtung. Alarmeinsatz für Team Echo und Sascha vom X-ray Team. Abfahrtbereit machen, kleine Ausrüstung, Treffpunk Küche«, sprach ich ins Mikrofon. Mir war klar, dass beide bestimmt noch in der Küche saßen und als ich in die Küche kam, wurde meine Annahme bestätigt. Alle drei waren abfahrbereit und ausgerüstet.
»Weitere Informationen unterwegs, wir haben Zeitnotstand. Die Fahrt geht Richtung Elbbrücken und weiter nach Hannover. Ich fahre mit Sascha den BMW X5, Monika und Pit den Subaru Legacy 3.0. Abfahrt!« Wir stürmten aus der Küche nach draußen und stiegen in die Autos. Kaum saß ich im Sitz schoss der Wagen auch schon los, hinter uns her kam der Subaru mit Monika am Steuer. Das Tor war schon geöffnet und auf beiden Seiten standen die Wachleute mit den Hunden zur Sicherung bis sich das Tor wieder geschlossen hatte. Ich aktivierte den Bildschirm und die Kommunikationstechnik.
»Thomas leite uns an das Fahrzeug heran. Wir müssen ihn unbedingt auf der Autobahn abfangen. Der Einsatz sieht wie folgt aus, das Echo-Team fährt vor und stoppt ihn durch Querstellen. Wir blockieren ihn von hinten. Pit und ich sichern dann das Fahrzeug, er die linke ich die rechte Seite. Kein Risiko eingehen, sollten wir Feuer bekommen sofort in Deckung gehen und erwidern. Das Hauptziel ist es, die Insassen lebend zu bekommen damit wir sie verhören können. Bis hierher Fragen?... « Keiner hatte eine und ich machte weiter; »...Gut. Wir verstauen die Personen in den BMW, hier können wir die Türen verriegeln und die Trennscheibe hochfahren. Pit übernimmt den gekaperten Wagen und wir treffen uns alle wieder im Haus Hamburg. Ich überlege mir noch, ob wir Tränengas einsetzten sollten? Was meint ihr dazu?«, fragte ich.
»Carlo hier ist Pit, da wir nicht wissen wie viele Personen es sind wäre es gut. Aber ich glaube wir können die Gasgranaten nicht so platzieren, dass die Wirkung auch schnell genug einsetzt. Das Gas muss ja schnell in den Innenraum gelangen, um zu wirken und da ist das Risiko. Die haben die Fenster bestimmt geschlossen«, erläuterte Pit.
»Achtung an alle... «, kam die Stimme von Thomas aus dem Lautsprecher; »...fahrt durch den Hafen über die Versmannstraße, die ist frei. Auf der Amsinckstrasse steht die Polizei und kontrolliert.«
»O.K.«, bestätigten Monika und Sascha, dass sie es verstanden hatten. Auf dem Display wurde der neue Weg angezeigt.
»Gut Pit...«, sprach ich weiter; »...dann lass es uns auf die schnelle und harte Art machen. Die Aktion läuft am Rastplatz Stillhorn. Wir wechseln auf die andere Autobahn Seite und beginnen mit der Abfangaktion, wenn er die Abfahrt Stillhorn passiert hat. Monika fährt aus dem Rastplatz raus vor seinem Wagen und bremst ihn aus. Monika, tu so als wenn du notorischer Linksfahrer bist und geh gleich von der Einfahrspur auf die linke Seite.
Hier kommst du ins Schleudern, so dass der Fahrer nach rechts ausweichen muss. Dann setzt du dich vor ihn und bremst ihn aus. Wir kommen dann von hinten und versperren den Rückweg. Wir können nur hoffen dass nicht noch ein anderes Fahrzeug dazwischen kommt.« Wir rasten durch den Hafen und ich war froh so erfahrene Rallyefahrer am Steuer der Wagen zu haben.
»Carlo, haben wir noch einen Wagen in Reserve?«, fragte mich Monika.
»Nein, wir müssen es allein schaffen. In der kurzen Zeit konnte ich nichts anderes planen. Die Verhöre dürfen nicht unterbrochen werden«, antwortete ich ihr.
»Gut, dann werde ich mal meine spezielle Schleudereinlage vorführen. Brutales Stoppen eines schnell fahrenden Fahrzeuges«, sagte sie. Wir hatten in der Zwischenzeit die Autobahn Richtung Hannover erreicht und standen kurz vor der Abfahrt Stillhorn.
»Thomas, wir werden uns auf den Rastplatz stellen. Sei so lieb und lass vom Computer, auf Grund der Geschwindigkeit des Objektes und der Beschleunigung von Monikas Auto, die Startzeit berechnen wann Monika los fahren muss. Wir hängen uns dann hinten dran und variieren den Abstand je nach Lage«, bat ich Thomas.
»Geht in Ordnung Carlo«, sagte er. Wie fuhren gerade aus der Ausfahrt raus. Bogen links ab, fuhren unter der Autobahn durch und bogen wieder links auf die Auffahrt ein. Beschleunigten, kamen auf die Autobahn und hielten uns gleich wieder rechts, um auf den Rastplatz zu fahren. Hier rollten wir in den hinteren Teil und hielten rechts, mit laufenden Motoren an. Ich sah auf dem Monitor das Objekt näher kommen. Thomas hatte eine Markierung eingeblendet, wenn das Fahrzeug den Punkt passierte, musste Monika voll beschleunigen und auf die Autobahn fahren. Ich beobachtete die anderen Spuren und stellte erleichtert fest, dass sie frei waren. Hoffentlich kam nicht gerade jetzt ein Lastwagen auf die Idee, auf die Autobahn rauf zu fahren. Ich ließ meinen Blick über den Parkplatz wandern und beobachtete jedes Fahrzeug.
»Sascha, wenn hier jemand im ungünstigen Moment vom Parkplatz weg will, fahr vor ihn und wir lassen ein paar Nägel aus dem Kofferraum herausfallen. Es darf uns niemandem in die Quere kommen, sonst kann Monika das Risiko der Aktion nicht mehr kalkulieren«, sagte ich zu Sascha an.
»Geht klar«, gab er zur Antwort. Wir waren so angespannt wie ein Bogen und starrten den näher kommenden roten Punkt auf dem Display an. Das besagte Objekt näherte sich rasend schnell dem markierten Startpunkt von Monika. Dann hörten wir die Stimme von Thomas:
»Achtung! Countdown läuft jetzt an. Zehn... Neun... Acht... Sieben... Sechs... Fünf... Vier... Drei... Zwei... Eins... Zero... Start!«, zählte Thomas die Zeit auf Null ab. Vor uns sprang der Wagen von Monika wie eine Raubkatze los und beschleunigte in sechs Sekunden auf die hundert Stundenkilometer Marke. Sascha fuhr mit Abstand hinterher, ich wurde in den Sitz gepresst. Schon waren wir auf der Auffahrtsspur, ich schaute nach links und konnte das Objekt auf der ganz linken Autobahnspur sehen. Ich schaute mich auf dem Parkplatz um, ob andere Fahrzeuge in der Nähe waren die uns eventuell behindern könnten, es war Gott sei dank alles frei.
Jetzt ging alles sehr schnell, Monika war vor dem Objekt auf die linke Spur gefahren, das fuhr langsamer werdend und hupend nach rechts auf die mittlere Spur und von da weiter auf die ganz rechte, weil Monika ihren Wagen auch nach rechts zog. Monika tat so, als wenn sie ins schleudern kommen würde und steuerte auch nach rechts hinter ihm her. Es sah so aus, als hätte sie total die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. Unser Objekt versuchte sich ganz nach rechts auf die Standspur in Sicherheit zu bringen. Das war der Moment als Monika, genau vor ihm zum Stehen kam. Sascha fuhr ganz dich von hinten auf und brachte unser Auto zum stehen. Ich riss die Tür auf und ging, die Maschinenpistole im Anschlag, auf die rechte Seite des Objektes zu. Vor mir sah ich Pit auf der linken Seite des Autos stehen, auch die Maschinenpistole im Anschlag.
»Motor aus, Hände nach oben«, schrie ich die Insassen im Wagen an. Pit und ich hatten unsere Skimützen übergezogen damit uns niemand erkennen konnte. Ich machte Pit ein Zeichen und wir rissen, jeder auf seiner Seite, die Türen auf.
»Aussteigen, hopp, hopp schneller!«, gab ich die nächsten Anweisungen und ich hielt den Lauf der Maschinenpistole ins Wageninnere. Es saßen zwei Mann im Auto und beide hatten vor Schreck weit aufgerissene Augen. Sie beeilten sich aus ihrem Wagen heraus zukommen.
»Umdrehen, Hände aufs Dach, Beine auseinander«, kam die nächste Anweisung von mir. Die beiden waren total überrumpelt und machten was ich ihnen sagte.
In der Zwischenzeit waren Sascha und Monika ausgestiegen, jeder schnappte sich einen und suchte ihn nach Waffen ab, drehte ihnen dann die Hände nach hinten, legte ihnen Handschellen an und brachten sie, durch Pit und mich gesichert, zum BMW.
Wir öffneten die hinteren Türen und stießen sie hinein. Dann stiegen ich vorne ein und ich legte den Hebel zum Verriegeln der hinteren Türen um und ließ die Trennscheibe hochfahren. Pit war schon in den Wagen der beiden eingestiegen und fuhr los. Monika und Sascha fuhren mit unseren beiden Wagen hinter ihm her. Alles war so schnell gelaufen, dass nicht mehr als zwei Minuten seit dem Abbremsmanöver vergangen waren.
Ich lehnte mich zurück und versuchte die Anspannung loszuwerden. Mein Herz raste und ich atmete tief ein und aus. Auch Sascha hörte ich tief ein und aus atmen. Wir rasten über die Elbbrücken in die Stadt rein und wurden langsamer. Hinten saßen beide wie zur Salzsäule erstarrt auf der Rückbank und hatten immer noch die Angst in den Augen stehen. Sie wussten nicht wer wir waren, Polizei, oder eine andere Gang. Beide Vorstellungen machten sie wohl sehr nervös. Wir hatten in der Zwischenzeit die Elbuferstrasse erreicht und ich war froh wieder ins Haus zu kommen. So langsam merke ich den Schlafmangel doch. Eine Nachricht von Eva war auch nicht da, sonst hätte ich schon über Telefon oder Funk Bescheid bekommen. Ich mache mir so langsam Sorgen. Hoffentlich haben meine Leute bald ihre vorgesehenen Einsatzorte erreicht damit sie jeder Zeit zum Einsatz kommen konnten. Dann kann ich mir Wolfgang selbst vorknöpfen.
Vor uns sah ich die Bremslichter von Pit aufleuchten, wir waren wieder zu Hause. Das Tor wurde geöffnet und die drei Fahrzeuge Fahren auf das Grundstück. Pit und Monika parkten ihre Fahrzeuge wieder abfahrbereit am Haus, Sascha fuhr hinten herum zum Kellereingang um die beiden gleich in eine Zelle verfrachten zu können. Als wir anhielten kamen Monika und Pit auch schon um das Haus herum auf uns zugelaufen. Ich winkte die drei zu mir, abseits vom Wagen, damit die Insassen auf der Rückbank nichts hören konnten und sagte zu ihnen:
»Lasst uns die beiden zu Wolfgang in die Zelle bringen und dann gönnen wir den armen Kerl eine Pause und lassen ihn in seine Zelle zurück. Mal sehen, was sie sich auf die Schnelle zu sagen haben.« Sie nickten und wir gingen zum Auto zurück, holten die beiden raus, brachten sie in den Keller und schlossen sie in die Zelle von Wolfgang ein.
»So, ihr könnt euch jetzt hinlegen. Werde euch heute früh bestimmt wieder benötigen, also gute Nacht«, sagte ich zu Monika, Pit und Sascha und schickte sie nach oben. Ich selbst ging in die Zentrale und sah mir den Bildschirm an, auf dem die beiden Neuankömmlinge zu sehen waren. Sie sahen sich an und zuckten die Schultern.
»Was war das denn jetzt?«, fragte der eine den anderen.
»Wer waren die und was wollen die von uns? Wo sind wir hier? Das ist doch keine Polizei, oder?«, fragte der andere zurück. Sie waren so richtig schön ratlos und noch total überrumpelt. Die Gelegenheit um eventuell mehr aus ihnen heraus zu bekommen, wenn sie gleich Wolfgang sahen. Ich betätigte zweimal den Knopf, der in der Verhörzelle, in der sich Wolfgang befand, ein Lichtsignal auslöste. Diese Lampe war so angebracht, dass sie Wolfgang nicht sehen konnte, Ralf und Paul vom Delta Team, die ihn gerade verhörten aber schon. Darauf hin standen sie abrupt auf und brachten den überraschten Wolfgang in seine Zelle zurück. Er hatte nicht damit gerechnet auf einmal so schnell aus dem Verhör heraus zu kommen. Kaum war die Zellentür hinter Wolfgang zu, brach es aus den beiden heraus.
»He Wolfgang, was machst du denn hier. Haben sie dich auch erwischt? Das wussten wir ja gar nicht. Der Krämer hat uns nur gesagt, dass wir das Auto holen, es nach Hamburg fahren und uns mit Doris treffen sollten. Wer sind die Typen denn?«, bestürmten sie ihn mit Fragen, bevor er ihnen mit Handzeichen anzeigen konnte, das sie ihren Mund halten sollten weil sie wahrscheinlich abgehört werden. Bestürzt brachen sie mitten im Satz ab und sahen sich um, konnten aber nichts erkennen. Mikrophon und Kamera waren so in die Wand integriert, dass man sie nicht erkennen konnte.
»Aber hier ist doch nichts«, sagte der eine zu Wolfgang.
»Man halt dein Maul du Vollidiot. Oder meinst du, dass die euch alles was sie hier eingebaut haben auf dem Tablett präsentieren?« In der Zwischenzeit waren Ralf und Paul in die Zentrale gekommen und sahen sich auch die Übertragung an.
»Wie haben sie euch denn geschnappt ihr Trantüten?«
»Mitten auf der Autobahn, wie es die amerikanisch Polizei immer macht. Wir hatten richtigen Bammel als sie da mit den Maschinenpistolen im Anschlag standen«, erzählten sie Wolfgang die Geschichte.
Jetzt kam es darauf an, die beiden auszuquetschen wer Doris war und wo sie hinfahren sollten. Noch, bevor Wolfgang den beiden weitere Instruktionen geben konnte.
»Ralf, Paul ihr schnappt euch wieder Wolfgang und versucht ihn weiter weich zu klopfen«, sagte ich den beiden. Sie gingen auch sofort los und holten ihn wieder aus seiner Zelle raus und brachten ihn, unter lautem Protest seinerseits, wieder zurück in den Verhörraum. Das ging alles so schnell, dass alle drei überrascht waren. Ich gab in den zwei anderen Verhörräumen das gleiche Zeichen wie vorher Ralf und Paul, die Verhöre abzubrechen. Als alle Teams in der Zentrale waren, vergab ich die weiteren Aufgaben.
»Die beiden Neuzugänge haben absolute Priorität. Macht sie mir weich bis sie Wachs in euren Händen sind. Droht ihnen, schmeichelt ihnen, macht das Spiel guter und böser Mann. Was wir erfahren müssen ist: Erstens, wer ist Doris. Zweitens, wo finden wir sie. Drittens, wer ist Krämer.«
»Das Bravo-Team mit Theo und Paul nehmen den einen und das Alpha-Team mit Michael und Berte den anderen in die Mangel. Wir brauchen so schnell wie möglich etwas Konkretes um weitermachen zu können«, ich sah auf die Uhr, es war mittlerweile vier Uhr geworden.
»Jungs, Schlaf kann ich euch noch nicht versprechen, das können wir hinterher genug. Um acht Uhr will ich die ersten Ergebnisse haben. Also los und viel Spaß mit den Typen«, verabschiedete ich sie. Als alle gegangen waren sagte Josef, der auch noch hinter seinen Bildschirmkonsolen tätig war, zu mir:
»Carlo, leg dich was hin. Sobald es etwas Konkretes gibt, wecke ich dich sofort.«
»O.K. Josef, werde ich tun. Bis später.«
»Ja, schlaf gut«, sagte er zu mir. Ich ging nach oben und schaute noch mal in die Küche rein. Hier saßen immer noch Sascha und Petra am Küchentisch.
»Gut, das ihr noch wach seid, könnt ihr bitte dafür sorgen, dass die Jungs unten genug Getränke und etwas zu Essen bekommen. Die müssen heute durcharbeiten. Ich bin oben zu erreichen, falls sich etwas tut.«
»Das ist doch klar Carlo, soll ich dir auch noch etwas bringen?«, frage mich Petra mit müden Augen.
»Nein, ich versuche zwei Stunden Schlaf zu bekommen. Bis nachher ihr beiden.«
»Ja, bis nachher«, sagte Sascha, während Petra sich schon am Herd zuschaffen machte, um alles für die Jungs im Keller herzurichten. Ich ging nach oben in mein Büro und gleich weiter in den hinteren Raum, der als Schlafraum eingerichtet war. Legte mich angezogen auf das Bett und schlief, mit den Gedanken an Eva, ein.
Eva
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va wachte auf. Sie war, mit den Gedanken bei Carlo, eingeschlafen. Vor dem Bullauge war es diesmal etwas heller. Selbst das dunkle Tuch konnte das Tageslicht nicht ganz draußen halten, aber dafür war es ja auch nicht gedacht. Sie lauschte, von irgendwo hörte sie ein Wasserplätschern. Es hörte sich so an, als wenn jemand im Wasser um das Boot herum schwimmen würde. Sie stand auf und ging ans Bullay.
>Vielleicht kann ich ja etwas erkennen<, dachte sie. Nichts! Dass Tuch hing sehr dicht an der Außenwand.
>Na gut. Dann muss ich eben wieder meine Körpergymnastik machen<, sagte sie sich und ging zur Tür. Auch diesmal dauerte es nicht lange und sie hörte wieder die bekannte Stimme auf der anderen Seite:
»Geht das auch etwas leiser, was wollen sie diesmal?«
»Ich muss auf die Toilette«, antwortete Eva ihn.
»Wie, schon wieder. Sie waren doch erst heute Nacht.«
»Nun ja, wenn ich aufgeregt bin muss ich eben öfter gehen«, sagte sie zu ihm durch die Tür.
»Gut, wie gehabt. Zurück an den Tisch«, sagte er. Als sie am Tisch stand rief sie:
»Es kann losgehen, ich stehe am Tisch.« Die Tür wurde geöffnet und der Kerl stand wieder im Türrahmen.
»Los geht’s, Beeilung. Ich muss gleich nach oben und habe keine Zeit dich abzuhalten«, gab er ihr die Anweisung.
Sie ging geradeaus auf die Toilettentür zu und schaute dabei nach rechts über die Schulter, den Aufgang hoch. Sie konnte nichts, außer dem blauen Himmel erkennen.
»Versuche keine Tricks, sonst kommst du nicht mehr aus deiner Kabine raus«, sagte er von hinten zu ihr. Als sie fertig war nahm sie wieder einen langen Schluck aus dem Wasserhahn und als sie die Tür wieder öffnete sagte sie zu ihm:
»Kann ich vielleicht was zu essen bekommen, ich habe Hunger. Wenn es geht, aber ohne Schlafmittel.«
»Auch noch eine Klugscheißerin, das fehlte mir gerade noch. Ich bringe gleich was vorbei«, sagte er und bugsierte sie wieder in die Kabine zurück. Als er abgeschlossen hatte lauschte sie mit dem Ohr an der Tür.
Sie hörte wie er mit dem Geschirr hantierte und wie eine zweite Person den Niedergang herunter kam.
»Was machst du denn da?«, hörte sie die Person.
»Ich mache ihr was zu Essen, hat ja schon lange nichts mehr bekommen.«
»Gebe ihr was rein, damit wir unsere Ruhe haben.«
»Genau das wollte sie nicht, wie sie mich wissen lies.«
»Wie, was hat sie dir gesagt und wann.«
»Ich habe sie gerade auf die Toilette gelassen und da hat sie es mir gesagt.«
»Na gut. Mach ihr was zu essen und vergiss nicht was zu trinken dabei zu tun sonst nervt sie uns wieder damit. Sag ihr, wenn sie nicht ruhig ist, gibt es was aufs Maul.« Dann vernahm sie nur noch das Rumoren aus der Kombüse als der große ihr das Essen zubereitete und den zweiten Mann wieder nach oben gehen. Nach ein paar Minuten vernahm sie wieder die Stimme des einen auf der anderen Seite der Tür.
»Geh wieder zurück an den Tisch, ich komme jetzt rein.«
»Bin da«, sagte sie als sie am Tisch stand. Die Tür wurde geöffnet und er kam, wieder mit der Kapuze über dem Kopf, in die Kabine und stellte ein Tablett auf dem Bett ab.
»Das Wasser ist sauber, es war nur die erste Flasche mit einem Schlafmittel versetzt.« Sie versuchte sich Einzelheiten von ihm einzuprägen, Größe, Figur, Hände, einfach alles was sie sehen konnte. Sie antwortete ihm mit fester und wie sie meinte sicherer Stimme:
»Ja hoffentlich!«
>Nur keine Unsicherheit oder Angst zeigen<, dachte sie bei sich. Er ging zurück zur Tür, ohne ihr auch nur kurz den Rücken zuzudrehen.
»Guten Appetit«, sagte er noch und schloss die Tür wieder zu. Sie ging zum Bett, setzte sich und aß voller Hunger alles leer.
>Egal ob da jetzt was drin ist oder nicht...<, dachte sie; >...ich muss jetzt was essen.< Aber es geschah nichts, dann trank sie vom Wasser und auch das schien sauber zu sein.
>Gut, dann haben wir ja die Fronten geklärt.< Sie legte sich wieder, gesättigt, auf die Koje und ließ ihre Gedanken fortfliegen. Zu Carlo!
Hamburg
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»arlo! Carlo, du wirst gebraucht. Wir haben Informationen über Doris«, hörte ich die Stimme von Petra, die langsam in mein Unterbewusstsein eindrang.
»O.K. Ich komme gleich runter Petra. Danke dir, geh nur noch kurz duschen«, sagte ich und sprang aus dem Bett. Sie schloss die Tür zum Schlafzimmer und ich ging ins Badezimmer. Auf dem Weg dahin schaute ich auf die Uhr, es war acht Uhr. Sowieso Zeit zum Aufstehen dachte ich, zog mich nackt aus, stellte mich unter die heiße Dusche und seifte mich genüsslich mit der, aus ätherische Ölen bestehenden und belebenden Lotion ein. Ich genoss die belebende Wirkung und stellte dann, zum Schluss, die Dusche wieder auf eiskalt. Meine Haut nahm langsam eine rötliche Farbe an und es war herrlich, das kribbeln der Haut zu spüren.
Ich lebte noch. Danach trocknete ich mich ab, ging wieder zurück ins Schlafzimmer und zog mich an. Als ich in die Küche kam, waren schon alle versammelt. Auch diejenigen die eigentlich frei gehabt hätten und sie hatten alle Tassen mit frischem, heißen Kaffee vor sich stehen oder in der Hand. Ich setzte mich an den Tisch und Petra brachte mir gleich ein Tablett mit dem Frühstück. Rührei mit Tomaten und Kräutern, Brötchen, Wurst, Marmelade und eine große Tasse dampfenden Kaffee.
»Danke Petra, das fehlt mir jetzt noch zu meinem Glück«, strahlte ich sie an und fing an zu essen.
»Was gibt es Neues. Petra sagte, dass wir wissen wer oder was Doris ist?«, fragte ich mit vollem Munde kauend, aber doch für jedermann verständlich.
»Ja, wir haben herausgefunden, dass die beiden Typen von heute Nacht, zu einer Doris fahren wollten. Den Auftrag hatten sie von ihrem Chef, dem besagten Herrn Krämer bekommen. Der ist der Chef einer Hamburger Gruppe die sich mit Erpressung und Mädchenhandel beschäftigt. Wie es aussieht, arbeiten er und Wolfgang zusammen und die zwei Typen sind so eine Art Verbindungsglied zwischen den beiden Gruppen«, erzählte mir Pit.
»Und wo ist diese Doris zu erreichen?«
»Die zwei sagten übereinstimmend, dass die Dame in einem Edelbordell arbeiten soll und nur nachts zu erreichen ist.«
»Und was wollten sie dann den ganzen Tag in Hamburg machen?«
»Sie wollten versuchen sie heute Morgen noch im Bordell zu erreichen. Normal soll sie bis fünf arbeiten, dann hätten sie die Dame ja noch erreicht. Deshalb waren sie ja auch so schnell unterwegs.«
»Wissen die beiden denn nicht wo sie wohnt?«
»Nein, die haben nur die Adresse von dem Bordell bekommen und den Namen Doris.« Pit hatte den Vorstand der Gruppe übernommen und das wundert mich überhaupt nicht. Er war immerhin der Älteste und hatte innerhalb der Gruppe den höchsten militärischen Rang.
»Gut, wo ist das Bordell?«, fragte ich und schob den letzten Bissen in den Mund und schob den Teller zurück. Sofort kam Petra und räumte ihn ab. Weil Pit mit einer Karte zu mir kam und sie vor mir auf dem Tisch ausbreitete:
»Hier in Wandsbek, auf dem Königslande 41, ist das Bordell«, sagte er und zeigte mit einem Stift auf die besagte Straße.
»Sieht wie ein Industriegebiet aus, die richtige Adresse für ein Bordell. Ist am Abend immer menschenleer... «, kommentierte ich die Lage des Hauses; »...habt ihr euch das Gebiet schon mal über Google Earth angesehen?«
»Ja haben wir. Das Haus liegt genau an der Kreuzung zur Schwarzlosestrasse, wir könnten hier mir drei Autos alles absperren«, erzählte er weiter und zeigte dabei mit dem Stift auf die besagte Strasse.
»Ich nehme an, dass sich die Verhöre bis jetzt nur auf die beiden Typen und Wolfgang konzentriert haben?«, fragte ich ihn weiter.
»Ja, die sind auch immer noch getrennt in den jeweiligen Verhörzimmern. So viel Platz, dass wir alle einzeln unterbringen können haben wir ja auch nicht«, sagte er und lächelte dabei.
»Gut.... «, sagte ich und stand auf; »...wir gehen wie folgt weiter vor. Wir lassen alle, bis auf Wolfgang, ins Haus Brandenburg bringen und stecken dort alle in eine einzige Zelle. Mal sehen was dabei rauskommt. Ich werde Brandenburg anrufen und sie abholen lassen. Da haben wir mehr Luft für nachfolgende Personen”, sagte ich lächelnd. Das Haus in Brandenburg war nicht so eine tolle Villa wie hier in Hamburg, es war viel einfacher gebaut, hatte aber dafür mehr Platz für Einzel- und Großzellen.
»Dann machen alle Teams, bis auf das X-ray Team, eine Auszeit und gehen schlafen. Heute Abend brauche ich wieder alle für den Einsatz bei Doris.
Sascha und ich fahren gleich nach Wandsbek rüber und sehen uns die Umgebung an, machen Aufnahmen und bereiten alles für den Einsatz vor. Lagebesprechung um siebzehn Uhr hier. Ich wünsche allen einen schönen erholsamen Schlaf.« Sie standen alle auf und gingen langsam nach draußen um sich auf die Zimmer zu verteilen. Pit stand mit Monika unschlüssig in der Tür.
»Carlo, sollen wir nicht lieber mitkommen«, fragte er und meinte Monika und sich als Echo Team.
»Danke euch. Aber ihr solltet euch jetzt wirklich etwas hinlegen. Macht einen Saunagang oder geht ins Fitness Studio, wenn ihr nicht schlafen könnt. Wenn ich euch brauche rufe ich ganz bestimmt an.« Sie nickten und gingen hinaus. Jetzt waren nur noch Petra, Sascha und ich in der Küche.
»So, Petra. Das gleich gilt auch für dich. Leg dich auch etwas aufs Ohr. Dich brauchen wir doch heute Nachmittag auch. Wer soll denn sonst für unser leibliches Wohl sorgen? Da musst du auch fit sein.«
»Ja, schick mich mal ins Bett wie ein kleines Kind«, sagte sie und tat so, als wenn sie beleidigt wäre. Aber sie schloss die Küchentür normal zu. Was mich beruhigte, zeigte es mir doch, dass sie es nicht ganz so ernst meinte wie sie es sagte.
»Sascha, ich muss noch mal ins Büro hoch. Machst du schon mal den Wagen klar?«
»Ja, mache ich. Was nehmen wir für eine Ausrüstung mit?«
»Lass uns die kleine Ausrüstung mitnehmen, das müsste reichen. Am besten wir ziehen die leichte Schutzweste drunter an. Muss ja nicht jeder sehen.«
»Gut, dann ziehe ich mich eben auch mal um und wir treffen uns am Wagen. Nehmen wir den BMW X5 wieder?«
»Ja, bis gleich«, sagte ich, ging aus der Küche und nach oben ins Büro. Im Haus war es still geworden, man konnte nicht glauben, dass sich über zwanzig Personen hier aufhalten. Ich setzte mich hinter meinen Schreibtisch, drehte den Stuhl herum und schaute auf die Elbe.
>Was macht Eva jetzt wohl und wo steckt sie?<, fragte ich mich. Ich drehte mich herum, nahm den Telefonhörer und wählte die Nummer von Komlei One.
»Guten Morgen Carlo«, hörte ich Thomas sagen.
»Guten Morgen Thomas. Gibt es schon was Neues aus Italien?«
»Du weißt doch, dass ich dich sofort informiert hätte wenn es etwas Neues gegeben hätte. Aber wenn du schon dran bist! Wir verfolgen gerade eine Spur, die wir von dem Aufklärer bekommen haben. Ein Boot ist um die besagte Zeit bei euch vorbei gefahren. Jetzt versuchen wir die Spur zu rekonstruieren um festzustellen ob da was dran ist.«
»Gut! Entschuldige, aber ich mache mir Sorgen was mit Eva ist. Was ist mit der „Sea Princess“, wo ist sie jetzt?«
»Die ist in gut einer Stunde vor eurer Hausbucht und geht dann vor Anker.«
»Gut. Sascha und ich fahren gleich nach Wandsbek. Hast ja den Verhörbericht schon bekommen? Wir schauen uns das Haus mal an und gehen heute Abend rein um uns diese Doris zu holen.«
»Ja den Bericht habe ich bekommen. Da wird das Haus ja langsam voll«, sagte er und erinnerte mich insgeheim daran, dass ich ja noch etwas erledigen musste.
»Thomas, sag bitte im „Haus Brandenburg“ bescheid, dass sie hier alles abholen sollen, bis auf Wolfgang. Die sollen dann alle in eine Zelle sperren, mal sehen was dabei heraus kommt.«
»O.K. werde ich gleich veranlassen. Ciao Carlo«, sagte er und unterbrach die Verbindung. Ja, was gab es auch sonst noch zu sagen. Ich stand auf und legte mir die leichte Schutzweste unter dem Hemd an. Wer weiß was uns dort alles erwartet, obwohl der Schuppen jetzt ja eigentlich zu haben sollte. Ich legte das Pistolenhalfter an, nahm meine Glock 18, überprüfte sie und schob dass einunddreißig Schuss Magazin in den Griff. Für die vollautomatische Variante der Glock 18 wurden extra diese Magazine entworfen, da sie eine Schnellfeuerpistole ist. Dann schnallte ich mir noch, jeweils eins an jedem Bein, ein Flying Knife an die Waden mit dem Griff nach unten natürlich um es schnell aus der Scheide ziehen zu können. So, das müsste eigentlich für den kleinen Ausflug reichen, jetzt noch die Jacke drüber und fertig. Ich ging nach unten und gleich nach draußen zum Auto. Sascha saß schon hinter dem Lenkrad und fuhr gleich los als ich auf dem Beifahrersitz saß.
»Ich habe schon die Verbindung zu Thomas aufgeschaltet... «, sagte er während wir durch das Tor fuhren; »...auf der Rückbank liegen unsere Schirmmützen mit den eingebauten Kameras.«
»Gut, dann bin ich mal gespannt was das für ein Schuppen ist«. Ich sah auf dem Display unsere Strecke nach Wandsbek. Ich nahm mir den Hörer des Funkgerätes.
»Thomas, hast du schon herausgefunden wem das Bordell gehört?«
»Carlo, unsere Informanten sind sehr zurückhaltend. Ich habe das Gefühl, als wenn irgendjemand im Hintergrund dafür sorgt, dass wir isoliert werden. Keiner will mehr irgendetwas für uns tun, drucksten herum und behaupten, nichts machen zu können. Die haben alle Angst was zu sagen.«
»Das deckt sich auch mit unseren Erfahrungen, die wir in der letzten Zeit mit der Polizei gemacht haben. Dann muss es aber ein großes Tier sein, das sich hier einmischt. Ich werde gleich mal den Polizeidirektor anrufen und nachhaken, vielleicht bekomme ich ja heraus, was da so läuft.«
»Ja, mach das. Ich habe auch noch ein Eisen im Feuer. Aber die Kontaktperson war bis gestern im Urlaub und ist heute das erste Mal wieder am Arbeiten und ich werde wohl frühestens heute Abend Informationen bekommen können.« Ich frage nie nach seinen Informanten, die würde er mir sowieso nicht verraten. Deshalb ging ich auch da nicht weiter drauf ein.
»Gut. Dann wollen wir mal sehen, was wir heraus bekommen können. Ciao!« Ich unterbrach die Verbindung und nahm mein Handy um den Polizeipräsidenten anzurufen. Wir kannten uns schon lange und trafen uns, wenn ich in Hamburg war, auch öfter bei Veranstaltungen auf die wir eingeladen sind. Deshalb duzten wir uns auch und ich hatte seine private Telefonnummer. Das Freizeichen ertönte.
»Guten Morgen Carlo, wo treibst du dich gerade herum? Wie geht es Eva?«, begrüßte er mich. Konnte er sich so verstellen, oder weiß er wirklich nicht, dass ich in Hamburg bin?
»Guten Morgen Albert. Das ist eine lange Geschichte. Bin gerade in Hamburg, hättest du heute Mittag vielleicht ein wenig Zeit für mich? Es gibt ein paar Probleme über die ich gern mit dir reden würde, das betrifft auch Eva.«
»Was ist mit ihr und du bist in Hamburg? Dann müssen wir uns auf jeden Fall wiedersehen.« Er kannte Eva natürlich und sie hat auch ihm mit ihrer liebenswürdigen Art total den Kopf verdreht.
»Gerade um Eva geht es, möchte aber nicht so gern über das Telefon darüber reden.«
»Gut Carlo, komme um zwölf Uhr in unser Stammlokal. Dann essen wir was zusammen und können reden.«
»Danke Albert. Bis dann«, sagte ich und unterbrach die Verbindung. Wir fuhren gerade durch die Holzmühlenstraße und bogen links in die Auf dem Königslande ein. Auf der linken Seite stand eine Kirche und dahinter begann das Wohngebiet.
»Lass uns hier an der Kirche parken... «, sagte ich zu Sascha; »...das passt ja mal wieder gut. Wie sagt man so schön? Wo eine Kirche ist, ist auch ein Puff.« Sascha lacht leise in sich hinein und stellte den Wagen ab. Wir stiegen aus, zogen unsere Schirmmützen an und gingen über die Straße. Hier, genau gegenüber der Kirche, stand das Haus. An der Strasse stand ein Schild, das den Besucher informierte, dass der Eingang und die Parkmöglichkeit für das Bordell, auf den Hof waren. Wir gingen um das Haus herum in den Hof. Von dem Hof ging ein Weg ab, der ganz nach hinten führte. Zu einem Haus, das an der parallelen Straße lag, den Hinschenfelder Stieg. Diesen Weg gingen wir entlang, unsere Kameras nahmen alles auf. An dem Hinterhaus angekommen, konnten wir sehen, dass hier eine Durchfahrt auf die Parallelstrasse führte.
»Hier müssen wir heute Abend auch ein Team stehen haben«, sagte ich zu Sascha. Wir gingen wieder den Weg zurück und standen jetzt vor der Eingangstür zum Bordell. Ich drückte die Klinke nach unten und siehe da, sie war offen. Sascha zog seine Waffe und sicherte mich, während wir langsam die Tür weiter öffneten und rein gingen. Hinter der Tür gab es einen, über die gesamte Flurbreite hängenden, schweren Vorhang. Langsam schob ich den Vorhang zur Seite und schaute in einen langgezogenen Raum. Rechts gab es eine Theke, die sich fast bis ans Ende durchzog. Links gab es kleine Nischen mit Rundsofas und Tischen. Der Raum war durch die Notbeleuchtung in ein helles Licht getaucht. Am hinteren Ende konnte ich eine Reinmachefrau erkennen, die den Boden aufwischte. Als wenn sie sich beobachtet fühlte, schaute sie auf und ihr Blick ging zum Eingang.
»Wir haben noch nicht auf, erst heute Abend ab zwanzig Uhr«, sagte sie automatisch. Ich glaube diesen Spruch lernt jede Reinmachefrau in einem Bordell als erstes.
»Ist der Chef schon da?«, fragte ich sie.
»Nein. Den erreichen sie hier erst ab zweiundzwanzig Uhr«, gab sie mir bereitwillig Auskunft. In diesem Moment ging hinter ihr die Tür auf und ein Gorilla von Mann kam herein.
»Ist alles klar Pipi?«, fragte er sie und zu mir, er konnte Sascha ja nicht sehen der noch hinter dem Vorgang stand:
»Hau ab und komm heute Abend wieder, jetzt gibt es hier noch nichts zu poppen.« Langsam machte er sich auf den Weg Richtung Tür, bevor er Sascha noch entdecken konnte ließ ich den Vorhang los und wir zogen uns zurück. Wir gingen rechts herum, über den Hof, wieder zurück auf die Straße. Als wir im Auto saßen, nahm ich den Hörer und funkte Thomas an:
»Haben wir alles auf dem Film was wichtig ist?«
»Ja, hast auch im Bordell schön lange deinen Kopf ruhig gehalten. So haben wir alles schön scharf aufnehmen können.«
»Gut... «, sagte ich; »...dann fahren wir jetzt noch einmal langsam um den Block herum und ich lass die Kamera dabei laufen.«
»Ja, macht das«, sagte Thomas.
»O.K. Sascha. Dann mal schön langsam im Kreis herum«, sagte ich lachend. Wir fuhren los, links die Auf dem Königslande runter bis zur Lesserstrasse, hier bogen wir dann links ab. Bis zur Hinschenfelder Strasse, dann ging es noch einmal links herum bis zur Holzmühlenstraße. Dabei sah ich mir besonders die Frontseite des Hauses an, wo der direkte Zugang zum Bordellhof war. Ich machte Sascha ein Zeichen anzuhalten und stieg aus.
»Ich gehe mal kurz ein Stück zurück und in die Hofeinfahrten rein. Bleib einsatzklar hier stehen«, sagte ich zu ihm und er nickte mir zu. Ich ging ein Stück zurück und ging in die Einfahrten rein um zu überprüfen ob sie keine anderen Zugänge hatten. Dann ging ich wieder zurück, an unserem Fahrzeug vorbei und schaute mich hier um. Auch nichts. Bis auf die Durchfahrt die wir schon gefunden hatten, gab es keinen anderen Zugang zum Bordell. Wieder an der Straße angekommen machte ich Sascha ein Zeichen und er kam zu mir gefahren, ich stieg ein.
»Alles klar. Es gibt keine anderen Zugänge mehr.« Während ich das sagte fuhr er los.
»Fahr doch bitte in die Stadt. Ich habe dort eine Verabredung mit dem Polizeipräsidenten im Lokal „Ständige Vertretung“ in der Stadthausbrücke. Am besten du parkst im Parkhaus Große Bleichen, dann gehen wir den Rest zu Fuß. Wir gehen getrennt rein und du bleibst in der Nähe. Die Schutzwesten sollten wir ausziehen und die Pistolen im Wagen lassen.«
»Gut, meine Messer behalte ich aber lieber bei mir. Zwar nicht wegen dem Polizeipräsidenten, aber wer weiß wer sich in seinem Dunstkreis aufhält.«
»Ja, das mache ich auch.« Wir waren kurz vor zwölf Uhr im Parkhaus, zogen unsere Westen aus und legten die Pistolen in einem speziell gesicherten Behälter im Kofferraum ab. Dann gingen wir den kurzen Weg zum Lokal, ich vorneweg und Sascha mit großem Abstand hinterher. Das Lokal war im Fleethof untergebracht und hatte zwei Eingänge. Das Gasthaus war wie eine Kölner Kneipe aufgemacht und bot auch Speisen und Getränke aus der Kölner Region an. Auf der linken Seite ganz im Hintergrund sah ich Albert sitzen und mir zuwinken. Ich ging, den Schankraum beobachtend, zu ihm an den Tisch und streckte die Hand aus.
»Moin, moin Albert, danke dass du dir die Zeit für mich nimmst.«
»Moin, moin Carlo, das ist doch selbstverständlich. Du weißt doch, dass ich noch nie etwas gegen ein gutes Essen einzuwenden hatte. Wie ich sehe gehst du noch immer lauernd und vorsichtig durch das Leben«. Ich setzte mich an seine Seite.
»Ja, jetzt noch mehr als sonst... «, gab ich zur Antwort; »...Hast du deinen Bodyguard dabei?«
»Nein bin ganz alleine hier, muss ja keiner wissen dass wir uns treffen. Oder?... «, fragte er mich mit einer lauernden Tonlage; »...und du, hast du jemanden dabei?«
»Ja, einen Mann. Aber nicht wegen dir, wir waren nur beide gerade unterwegs.«
»Gut, dann wollen wir mal bestellen, bevor wir verhungern«, sagte er lachend. In der Zwischenzeit kam Sascha herein und setzte sich ganz vorne am Eingang an einen Tisch. Ich sah mir die Speisekarte an und wählte mir ein Gericht aus. Als der Kellner kam, bestellten wir und warteten, bis er wieder weg war.
»Carlo, was gibt es den so wichtiges und wieso ist Eva nicht auch hier?«
»Albert, wir waren doch immer offen zueinander. Das will ich jetzt auch weiterhin sein. Also, Eva ist nicht hier, weil sie auf Sardinien entführt wurde. Wir haben aber auch herausgefunden, dass es hier Gruppierungen gibt, die entweder die Polizei unterwandert haben, oder aber die Polizei arbeitet seit kurzem gegen uns. Hast du darauf eine ehrliche Antwort? ...«, ich sah ihn dabei direkt in die Augen; »...und wenn es geht vor dem Essen, damit ich es mir so richtig schmecken lassen kann... «, sagte ich lächelnd; »...aber im Ernst Albert. Es würde natürlich an unserer Freundschaft nichts ändern, wenn so etwas von oben kommt und du gezwungen bist so zu handeln«, versuchte ich ihm eine Brücke zu bauen. Er sah mich lange ernst an, bevor er das Wort ergriff.
»Carlo, ich weiß das du nichts unrechtes tun würdest und du warst ja auch so ehrlich, mir damals von deiner Vergangenheit zu erzählen. Was ja alles schon verjährt ist. Wir hatten nie Geheimnisse voreinander und deshalb konnten wir uns auch immer aufeinander verlassen. Deshalb auch jetzt ein offenes Wort, ich muss nicht extra sagen, dass es unter uns bleiben muss.« Ich schüttelte den Kopf um ihm zu zeigen, dass ich ihn verstanden hatte und nichts weiter erzählen würde. Er redete weiter:
»Du hast Recht! Es gibt Anordnungen von ganz oben, deine Organisation schärfer unter die Lupe zu nehmen, zu beobachten und wenn möglich auch zu beschatten. Alle Ergebnisse sollen direkt ins Innenministerium nach Berlin gemeldet werden. Der Sekretär des Innenministers selbst hat mich angerufen um diese Anordnung meines Dienstherrn mündlich zu übermitteln.«
»Oha, der Innenminister selbst?«, fragte ich erstaunt.
»Nein, der Sekretär hat mich informiert.«
»Sehe ich das richtig, dass es nichts Schriftliches gibt?«
»Ja und genau das hat mich auch stutzig gemacht. Der Sekretär hat mir bei unserem Gespräch versichert, dass die schriftliche Anordnung des Innenministers noch nachgereicht wird. Nur ist bis heute noch nichts gekommen. Bei meiner Anfrage wurde mir gesagt, dass er zurzeit sehr viel zu tun hat und noch nicht dazu gekommen ist die Anweisung niederschreiben zu lassen. Aber in der Zwischenzeit wurden schon zwei Berichte über deine Organisation und dich persönlich verfasst und ins Ministerium geschickt. Tut mir leid, dass daraus die Entführung von Eva resultiert. Aber es waren nur allgemeine Informationen die ich habe weiter geben lassen.«
»Albert, war in diesen Informationen auch die Adresse auf Sardinien vermerkt?«
»Ja, bestimmt. Wie gesagt, eigentlich alles was unverfänglich war. Ich wollte sowieso mit dir darüber reden, aber anderseits auch die andere Seite ruhig halten.«
»Ja, das ist richtig. Konntest nicht wissen, dass es ein Loch im Ministerium gibt. Ich dachte schon die ganze Zeit, dass bei mir ein Maulwurf sitzt. Bin froh, dass es nicht so ist.«
»Carlo, meinst du, dass diese Informationen weiter gegeben wurden?«, fragte er mich erstaunt. Ich sah zum Eingang und bemerkte, dass Sascha alles im Blick hatte und es nichts Außergewöhnliches gab.
»Ja, es muss so gewesen sein. Bei uns sind zuerst zwei Typen aufgetaucht die versucht haben uns mit Gewalt Informationen zu entlocken um unsere Organisation für ihre Zwecke zu missbrauchen. Dann haben wir in Berlin einen Killer erledig und haben ein paar Leute erwischt, die hinter uns her waren. Jetzt haben sie Eva noch entführt und wir wissen noch nicht wo sie sich aufhält. Die Polizei in Berlin und hier in Hamburg hält sich total mit Informationen zurück und arbeitet sogar gegen uns. Da fragt man sich schon was läuft hier eigentlich ab.« Er sah mich mit Unglauben und Besorgnis im Blick an.
»Die Polizei in Hamburg und Berlin agiert gegen dich? Das habe ich aber nicht veranlasst.«
»Das glaube ich dir, da muss es noch mehr geben, als nur die Bitte an dich aus dem Ministerium«, gab ich ihm zu bedenken. Der Kellner brachte uns die Bestellung, stellte sie vor uns auf den Tisch und ging wieder, nachdem er uns einen Guten Appetit gewünscht hatte.
»Gut Carlo. Dann noch zum Schluss, bevor wir uns das Essen schmecken lassen. Ich werde in meiner Behörde und bei meinen Kollegen in Berlin nachforschen, was da hinter meinem Rücken läuft. Wenn ich etwas herausgefunden habe, telefonieren wir. So und jetzt lass es dir schmecken, ich lade dich natürlich ein. Guten Appetit.« Wir ließen es uns schmecken. Das Essen war gut und wir plauderten nur über den normalen Wahnsinn auf dieser Welt, bis wir mit dem Essen und dem Kaffee fertig waren.
»Das Essen war mal wieder sehr gut hier im Lokal. Aber um noch einmal auf dein Problem mit dem Maulwurf zurück zukommen. Ich glaube nicht, dass in deiner Organisation sich so einer aufhält. Das würde irgendeinem bei dir bestimmt auffallen, deine Männer sind doch alle auf dich eingeschworen. Also bleibt nur noch die Möglichkeit im Ministerium.«
»Ja, das sehe ich auch so Albert. Danke für die Einladung.«
»Gern geschehen und jetzt muss ich aber auch los. Wünsche dir noch viel Glück damit du Eva schnell findest«, er stand auf und reichte mir die Hand.
»Also, ciao Carlo bis zum nächsten Mal.«
»Tschüss Albert, pass auf dich auf.” Er drehte sich um und ging aus dem Lokal hinaus. Ich ging Richtung Ausgang, bei Sascha blieb ich stehen.
»Lass uns gehen« sagte ich.
Eva
E |
va lag halb vor sich hin dösend auf der Koje und war in Gedanken bei Carlo. Plötzlich schlug etwas ans Heck. Sie sprang sofort hoch und ging zur Tür um zu lauschen. War ein Boot angekommen? Oder waren die beiden Typen weg ohne dass sie etwas bemerkt hatte?
»Hallo Pepe, was machst du denn hier?« Hörte sie den Großen, überrascht fragen.
»Ciao Mike, ciao Stefan. Wollte mal sehen wie es meinen beiden Freunden so geht«, hörte sie einen Mann antworten. Er musste ein Italiener sein, so wie er sprach mit dem Akzent und älter musste er auch sein, wie man an der Stimme erkennen konnte.
»He Pepe, du kommst doch nicht extra vom Festland um nach uns zusehen«, hörte sie den anderen skeptisch fragen.
»Nein Stefan, ich mache mir Sorgen. Habe schon seit Tagen nichts mehr von Wolfgang gehört und dachte er ist hier bei euch.« Das Herz von Eva schlug schneller.
>Wenn die jemanden vermissten, dann konnte in dieser Situation nur Carlo dahinterstecken. Er war also auf ihrer Spur, Gott sei Dank!<
»Nein, hier ist er auch nicht. Wir sollten uns sowieso nicht bei ihm melden. Er wollte uns kontaktieren, wenn was los ist und er neue Anweisungen hat.«
»Na dann habe ich mir umsonst Sorgen gemacht. Worum geht es denn diesmal? Habt ihr jemanden unten versteckt? Geht es um Erpressung? Will er etwa ohne mich Geschäfte in Italien machen?«, fragte der Italiener immer lauter und seine Stimme wurde immer ärgerlicher.
»Nein Pepe, reg dich wieder ab. Das hier ist rein privat und hat mit dir nichts zu tun. Hier geht es nicht um ein Geschäft. Aber du kannst vielleicht, wenn alles geklärt ist auch davon profitieren«, hörte sie den Großen beschwichtigend sagen.
»Ah Vabene... «, hörte sie den Italiener sagen und dann mit scharfer Stimme weiterreden; »...Hört zu ihr beiden. Ich bin zwar schon alt aber noch nicht vertrottelt. Wenn Wolfgang irgendetwas in meinem Revier unternimmt ohne mich zu informieren, macht mich das immer hellhörig. Nimm Kontakt mit ihm auf und sag ihm er soll mich sofort anrufen.
Oder nein, am besten ist ihr ruft ihn jetzt an, dann kann ich ja gleich mit ihm reden.« Eva überlegte:
>Dieser Pepe war mit Sicherheit auch ein Halunke, wenn nicht sogar der größere. Aber man konnte die Situation vielleicht für sich ausnutzen. Konnte doch nur gut sein, wenn dieser Wolfgang von mehreren Seiten Druck bekommt. Dann würde er mehr zu tun haben und konnte sich nicht nur alleine auf Carlo konzentrieren.<
Gesagt getan, sie begann wieder mit ihren Körperübungen an der Tür um den Blutkreislauf in Gang zu bekommen. Gut dass die Tür so stabil war, sie klopfte bis sie jemanden den Niedergang runterkommen hörte und dann die Stimme des Großen ärgerlich sagen hörte:
»He, sei still und mach nicht so einen Lärm. Das habe ich dir schon mal gesagt.«
»Lassen sie mich bitte mal wieder austreten.«
»Jetzt nicht, später. Warst ja gerade eben erst.«
»Mann, ich hatte so einen Durst, dass ich die halbe Flasche leer getrunken habe.«
»Na gut, Moment«, antwortete er verärgert.
Sie hörte, wie er sich hinter der Tür bewegte, er zog sich wohl wieder die Kapuze über und dann ging die Tür auf. Er hatte vor lauter Aufregung sogar vergessen sie an den Tisch zurück zuschicken, sehr gut. Die Anwesenheit von diesem Pepe scheint die beiden doch etwas nervös zu machen.
»Nun mach schon, habe keine Zeit auf dich zu warten.« Sie ging bis zur WC Tür und schaute ihn dann an.
»Haben wir schon zusammen im Sandkasten gespielt«, fragte sie ihn mit aggressiver Stimme. Er schaute ganz verdutzt drein. Soweit man das hinter der Kapuze erkennen konnte.
»Wieso?, fragte er auch schon unsicher.
»Weil sie mich duzen und ich kann mich nicht daran erinnern ihnen das angeboten zu haben.«
»Nun mach aber los«, antwortete er sauer und wollte sie gerade Richtung Toilette schuppsen als von oben die Stimme des Italieners kam.
»Willst du mir die schöne Signora nicht vorstellen?« Eva drehte sich um und schaute den Niedergang hoch. Oben im Eingang stand ein sehr attraktiver älterer Italiener. Der Große bellte auch schon los.
»Bist du verrückt, wenn sie dich sieht.«
»Mach dir mal keine Sorgen um meine Sicherheit. Mir kann nichts passieren und für eine schöne Signora tue ich alles.« Der Große war in der Zwickmühle und wusste nicht wie er reagieren sollte.
»Nun bitte die Signora doch hoch, wir sind immerhin drei Männer. Wirst doch keine Angst haben das sie uns überwältigen wird«, hörte sie die hämische Stimme des Italieners sagen.
»Mike, zieh dir was über«, sagte er und dann zu Eva gewandt.
»Darf ich bitten, Signora«, und machte eine Handbewegung Richtung Aufgang. Sie ging zur Treppe und nach oben. Oben schaute sie sich schnell um, die Sonne stand schon tief und das Meer war leer, das Boot lag vor einer Landzunge die eine Bucht begrenzte. Das konnte doch nur die Isola di S. Pietro sein, diese Bucht dahinten sah aus wie die Lieblingsbucht von Carlo. Er nannte sie immer die Piratenbucht, sehr abgelegen und immer voll mit Strandgut. Die Sonnensegel waren sowohl über die Flybridge als auch über die hintere Sitzgruppe gespannt worden und deshalb lag alles in einem angenehmen schattigen Licht. Sie hatte nicht mehr Zeit sich weitere Gedanken darüber zumachen. Denn sie wurde von dem älteren Italiener, der noch immer trotz seines Alters, verdammt gut aussah, angesprochen.
»Signora, verzeihen sie das unhöfliche Verhalten der beiden. Sie haben es nie anders gelernt. Setzen sie sich doch bitte. Möchten sie vielleicht ein Getränk? Einen Kaffee vielleicht?« Eva setzte sich auf die Bank, links hinter dem Steuerstand. Der andere Typ, etwas kleiner als der andere, auch mit einer Kapuze über den Kopf saß im Steuerstand und schaute sie lauernd an.
»Ja, gern. Ein Kaffee wäre sehr gut. Danke«, sagte sie zu dem Italiener. Er sah zu dem Großen, der am Niedergang stand ohne etwas zu sagen und der ging nach unten, um den Kaffee zu holen. Das war eine Princess V42, jetzt konnte sie es klar erkennen. Gleich rechts neben dem Niedergang, gegenüber dem Steuerstand, gab es noch eine kleine Sitzgelegenheit. Dahinter, der großen Sitzgruppe gegenüber gab es eine kleine Bar. Hinter der Sitzgruppe, weiter nach achtern, gab es eine große Liegefläche zum Sonnen und darunter war das Beiboot untergebracht.
»Signora, darf ich mich vorstellen. Pepe! Einfach Pepe, das reicht fürs erste.«
»Signora Richter«, sagte Eva, reichte ihm die Hand und sah ihm in die Augen um eine Reaktion zuerkennen.
Denn vielleicht kannte er den Namen ja und tatsächlich, seine Augen flackerten einen Moment und dann sah er kurz zu dem Kerl im Steuerstand.
»Ah, Signora Richter. Es ist mir eine Freude sie kennen zu lernen. Warum halten diese beiden Sie den fest?«
»Pepe, das geht dich nichts an. Halt dich da raus«, warf der Kleinere dazwischen. Der Kopf von Pepe ruckte wie eine Klapperschlange zu ihm herum und er sah ihn durchdringend an.
»Du täuschst dich. Mich geht alles etwas an was in meinem Gebiet geschieht und Italien ist nun mal mein Gebiet, auch wenn ich mich nie um Sardinien groß gekümmert habe.« Eva wunderte sich, dass die beiden so einen Respekt, wenn nicht sogar Angst, vor Pepe hatten.
>Wer war er? Ein Mafioso?< Pepe drehte sich wieder zu Eva um und lächelte sie an.
»Meine Liebe, der Name Richter ist ja nicht unbedingt selten, kennen sie vielleicht einen Herrn Richter genannt der Organisator alias Carlo?«, kam die Frage wie ein abgeschossener Pfeil. Eva schlug das Herz bis zum Hals. Er kannte Carlo? Woher? Auch der kleine Gauner im Steuerstand wurde ganz unruhig. In dem Moment kam der Große mit dem Kaffee zurück und stellte ihn vor Eva auf den Tisch. Dann setzte er sich auf die Bank gegenüber dem Steuerstand.
»Pepe, lass uns nachher darüber reden und Signora Richter in Ruhe ihren Kaffee trinken. Ich rufe später auch an und du kannst selbst mit ihm reden«, sagte er. Eve bemerke wie sie alle versuchten krampfhaft die Namen nicht zu nennen. Aber das war ihr auch ganz Recht so, jeder Fehler den die machten, konnten sie das Leben kosten.
»Vabene, das ist ein Wort. Signora, ich muss ihnen ein Kompliment machen. Sie sehen umwerfend aus, wie kann ihr Mann sie alleine lassen.« Eva nahm einen Schluck Kaffee und beobachtete dabei die Umgebung. Aber hier kam selten jemand vorbei.
»Senior Pepe, wie kommen sie denn in diese abgeschiedene Gegend?«, wandte sich Eva, nachdem sie die Kaffeetasse wieder auf den Tisch gestellt hatte, an Pepe.
»Ah, sie denken mit. Natürlich mit dem Schiff, meine Yacht liegt auf der anderen Seite der Landzunge vor Anker.«
»Schön, und wie sind sie auf uns aufmerksam geworden«, fragte sie weiter um Zeit zu schinden.
»Die beiden waren so nett und haben sich dieses Boot in Rom ausgeliehen. Das erfährt natürlich ein Pepe sofort«, sagte er stolz.
»Ich sehe schon, man kann ihnen nichts vormachen«, sagte Eva und schaute ihm dabei ganz tief in die Augen.
»Das stimmt wohl Signora Richter. Das haben sie richtig erkannt.«
»So, wenn sie jetzt ihren Kaffee aus haben bringe ich sie wieder nach unten... «, mischte sich der Große ins Gespräch ein; »...wird mir langsam zu warm unter der Kapuze. Also los kommen sie.« Er stand auf und wartete bis sich Eva auch erhoben hatte.
»Signora, es war mir ein Vergnügen sie kennen gelernt zuhaben«, sagte Pepe zu ihr. Stand auf und reichte ihr die Hand zum Abschied. Eva ging zum Niedergang und drehte sich auf der ersten Stufe noch einmal um.
»Senior Pepe, ich habe mich auch gefreut sie kennen gelernt zuhaben. Ciao.«
»Es war auch eine Freude für mich Signora Richter. Vielleicht sieht man sich ja noch einmal unter anderen Umständen wieder. Ciao«, sagte er und lächelte sie an. Eva drehte sich um und stieg die Treppe runter.
»Auf in die Kabine«, empfing sie unten der Große.
»Moment mal, ich muss erst noch auf die Toilette«, sagte sie.
»Dann aber schnell.« Als sie wieder heraus kam, stand er wartend da und bugsierte sie in die Kabine zurück die er dann hinter ihr abschloss. Sie hörte ihn die Treppe rauf gehen und dann nur noch ein Stimmengemurmel.
>Anscheinend sind die drei nach achtern gegangen und unterhalten sich dort weiter<, dachte sie. Auch gut, sie legte sich auf die Koje und dachte über Pepe nach. Sie hatte den Eindruck, dass er Carlo kannte. Mal sehen was weiter passiert.
>Da die Jacht vor Anker lag und die Maschinen ausgeschaltet waren muss man doch etwas verstehen was die da oben sagen<, dachte sie. Sie legte ich Ohr an die Wand und konzentrierte sich. Tatsächlich konnte sie, über den Maschinenraum der hinter der Wand lag als Resonanzraum dienend, die Stimmen der Männer hören, zwar ganz leise, aber verständlich.
»Was ist jetzt, meldet sich Wolfgang endlich?«, hörte sie Pepe fragen.
»Nein. Er nimmt das Telefon nicht ab. Ich versuche mal über Berlin an ihn ranzukommen«, antwortete schon ganz nervös der Große. Eine zeitlang sagte keiner was, dann hörte sie den Großen wieder reden.
»Hallo Paul, hier ist Stefan. Wir versuchen schon die ganze Zeit Wolfgang zu erreichen. Weißt du, wo er steckt?« Dann, nachdem er wahrscheinlich eine gewisse Zeit diesem Paul zugehört hatte:
»Was, der Organisator ist uns auf die Schliche gekommen und hat schon ein paar unser Männer verschwinden lassen? Darunter auch Wolfgang? Aber wir haben doch seine Frau als Geisel hier, dann muss er unsere Männer doch frei lassen. Ja, ist gut wir warten auf weitere Anweisungen. Tschüss.«
»Was ist los?«, hörte Eva Pepe fragen.
»Der Organisator hat unsere Männer in Berlin und Hamburg Hopps gehen lassen, darunter auch Wolfgang.«
»Aber warum macht ihr dann keinen Austausch?«, fragte ihn Pepe.
»Ganz einfach, weil keiner Verbindung zu dem Organisator hat um ihn das anzubieten«, hörte sie den Großen sagen.
»Aber Eva muss doch wissen wie sie ihren Mann ans Telefon bekommen kann«, sagte Pepe aufgebracht.
»Na klar, dann lass uns sie doch mal gleich fragen.«
»Stefan, jetzt mal langsam. Wir müssen erst einmal einen Plan ausarbeiten. Bringe sie auf meine Yacht, da ist sie sicherer aufgehoben. Ich habe sechs meiner besten Männer dabei und noch vier Mann Besatzung.«
»Nein Pepe, so haben wir nicht gewettet. Wir können zusammen einen Plan entwerfen. Aber sie bleibt hier bei uns.«
»Stefan. Du weißt doch genau, wenn sich der Organisator was in den Kopf setzt dann zieht er es auch durch. Gerade dann auch noch wenn es sich um seine Frau handelt.«
»Ja, stimmt schon. Aber sie ist ja auch ein Pfand für uns und damit auch eine gewisse Sicherheit für uns«, gab er zur Antwort.
»Na gut, dann werde ich mal wieder zurückfahren und überlegen. Wir sollten unsere Schiffe vielleicht etwas dichter zusammenlegen aus Sicherheitsgründen. Dann könnten wir auch schneller eingreifen, wenn sich etwas tut«, schlug Pepe vor.
»Ja gut, das können wir machen. Wir verlegen dann heute Abend rüber zu euch.«
»Gut, dann bis später. Ciao ihr beiden.«
»Ja, ciao Pepe«, hörte Eva die beiden antworten.
Dann hörte sie wieder ein leichtes rumpeln, als das Beiboot ablegte und es trat Stille ein. Sie konnte keinen Motorlärm von dem kleinen Boot hören.
>Komisch...<, dachte sie; >...mit was für ein Antrieb fährt das Ding? Aber egal, dass war jetzt nicht das Wichtigste. Wichtig war, wer wird schneller von den beiden sein, Pepe oder Carlo?<
Hamburg
I |
m „Haus Hamburg“ angekommen gingen wir in die Küche und staunten nicht schlecht. Es saßen fast alle um den Tisch herum.
»Na, was gibt es Neues?«, empfing mich Monika gleich ganz neugierig mit ihrer Frage.
»Ja, der Polizeipräsident war ziemlich offen und wir wissen jetzt, dass die Polizei selbst nur auf Anordnung von oben gehandelt hat. Weder bei der Polizei noch bei uns gibt es allem Anschein nach einen Maulwurf. Der Maulwurf muss im Ministerium für Inneres sitzen.«
»Hast du denn daran gedacht, dass bei uns einer sitzen könnte«, fragte mich Ralf Sprengler vom Delta-Team.
»Ralf, ich habe mit Pit und Monika heute Früh darüber gesprochen. Es sah danach aus, aber ich hatte mich noch nicht darum gekümmert diesen Verdacht aus der Welt zu schaffen, was jetzt ja auch nicht mehr nötig ist. Aber ihr seht, dass es für mich nicht wirklich in Frage kam, sonst hätte ich gleich darauf reagiert«. Ein zustimmendes Gemurmel hob an.
»Gut, dann machen wir wie abgesprochen weiter?«, fragte Pit
»Ja, wir werden heute Abend loslegen und diese Doris holen. Um neunzehn Uhr machen wir eine Lagebesprechung. Bis dahin könntet ihr eure Ausrüstung klar machen. Wir nehmen die große Ausrüstung, wissen ja nicht was uns da erwartet und es ist ja auch relativ abgelegen. Petra, bist du so lieb und bringst mir einen Tee nach oben?«
»Ja klar, mache ich gleich.« Ich ging nach oben ins Büro und setzte mich auf meinen Schreibtischstuhl, drehte ihn zum Fenster um und schaute nach draußen. Entspannung, Abschalten, die Gedanken wieder einkriegen, das war jetzt wichtig. Was hatte ich vergessen? Ich ging noch einmal alles durch:
Punkt eins: die Boote lagen alle auf Position.
Punkt zwei: die Polizei steckt nicht direkt hinter den Fußangeln die für uns ausgelegt wurden.
Punkt drei: die Lagebesprechung um neunzehn Uhr musste noch durchdacht werden.
Punkt vier: ich musste gleich Thomas noch anrufen.
Das reichte fürs erste eigentlich auch und wie auf Kommando klopfte es an die Tür und Petra kam mit einem Tablett herein.
»Carlo, ich habe dir ein paar belegte Brötchen gemacht, hast ja noch eine halbe Stunde Zeit«. Sie kam an den Schreibtisch und stellte das Tablett ab, goss mir eine Tasse Tee ein und ging wieder raus. Ich drehte mich um und nahm mir ein halbes, mit Schinken, belegtes Brötchen und biss herzhaft hinein. Nachdem ich es aufgegessen hatte, nahm ich den Hörer und wählte die Nummer von Thomas.
»Hi Carlo... «, meldete er sich; »...wie geht es dir?«
»Gut. Thomas, du hast ja alles mitbekommen was hier gelaufen ist. Wie sieht es denn bei dir aus? Schon irgendwelche Ergebnisse aus Italien?«
»Ja, wir haben vor einer halben Stunde Material von einem AWACS Flugzeug rein bekommen. Sind aber noch am auswerten.«
»Schick mir doch die Daten auf meinen Bildschirm im Büro«, bat ich ihn.
»O.K. sind gleich da.« Ich schaltete den großen Wandbildschirm ein und nach wenigen Sekunden konnte man das Bild aus dem Komlei One sehen. Es war eine Luftaufnahme aus großer Höhe, aber die Details waren so gestochen scharf, man hatte das Gefühl aus einem Fenster zu sehen.
»Wie bist du denn an diese Aufnahmen gekommen Thomas.«
»Kann ich nicht sagen, ist „Streng Geheim“ und alle Mitwisser werden mit dem Tode bestraft«, sagte er lachend.
»Gut, dann sage es mir lieber nicht. Aber gut sind sie, gestochen scharf und klar.« Das Bild wechselte und es kam ein neues. Dass ging so weiter bis zum achten Bild. Plötzlich stutzte ich.
»Thomas, halt mal an. Das ist doch die Isola di S. Pietro, südlich von unserer Bucht.«
»Ja, soweit waren wir noch nicht. Bis jetzt haben wir nur drei Boote identifizieren müssen. Aber hier liegen gleich zwei Boote, die wir uns mal näher ansehen werden. Beide liegen, durch die Klippe getrennt, ziemlich dicht beisammen. Eine große Jacht und ein kleines schnelles Boot.« Die große Jacht wurde heran gezoomt und man hatte das Gefühl ins Meer zufallen, die Jacht kam immer näher, so nah, dass man sogar den Namen lesen konnte „Lucia”.
Es war eine Technema 95 von der Werft Rizzardi, dreißig Meter lang, Sechsmeterundachtzig breit, eine Hochseejacht vom Feinsten. Betten für vierzehn Personen. Normal eine Geschwindigkeit von neunundzwanzig Knoten, mit Turbolader konnte sie auf fünfunddreißig Knoten kommen und ich nahm an, dass dieses Boot das locker schaffen konnte.
Ich kannte diesen Bootstyp, hatte ich doch selbst zwei Jachten, zwar waren sie bei weitem nicht so groß, aber die italienischen Jachten hatten mich schon immer fasziniert. Da wir von oben auf die Jacht herunter zoomten, konnte man die offene Flybridge sehen. Hinter dem Steuerstand gab es eine Sonnenliege mit einer anschließenden Rundsitzgruppe. Gegenüber war eine Bar und Küchenzeile zu erkennen, diese war in einen Regenwasser geschütztem Schrank untergebracht. Neben diesem Schrank gab es ein weiteres Ledersofa. Hinter der Funk- und Radarbrücke stand normalerweise das Beiboot das mit einem kleinen Kran zu Wasser gelassen werden konnte und genau dieser Platz war leer und der Kran hing über Bord. An der Bestückung der Funk- und Radarbrücke konnte man schon erkennen, mit wie viel Technik dieses Boot ausgerüstet war. Es waren vier Personen an Deck, zwei auf der Flybridge und zwei standen an Deck, vorne am Ankerspill und schauten zur Landzunge hin, hinter der die kleinere Jacht lag. Diesen Jachttyp kannte ich, es war eine Princess V42, die kleinere Schwester meiner Boote. Hier konnte man nur erkennen, dass ein kleines Beiboot längsseits lag. Ich nahm an, dass es das Beiboot der „Lucia” war. Die dazugehörenden Personen befanden sich wohl unter dem Sonnensegel.
»Thomas, schau dass du von der kleinen Jacht auch den Namen heraus bekommst. Mal sehen welchen Touristen die beiden Boote gehören.«
»Gut, mache ich. Willst du das Bild noch haben«, fragte er und meinte die Übertragung auf den Bildschirm.
»Nein kannst du beenden, wir bereiten uns jetzt auf Wandsbek vor. Tschüss.« Ich legte den Hörer auf und meine Gedanken gingen zur nahe liegenden Arbeit, die Lagebesprechung. Ich nahm mir noch die restlichen Brötchen trank meinen Tee leer, schnappte mir das Tablett und ging nach unten. Wie nicht anders erwartet, waren alle wieder in der Küche versammelt. Ich stellte das Tablett auf die Spüle und ging zum Tisch, hier hatte man inzwischen ein Flipchart aufgebaut mit der Karte von Wandsbek und einer Detailkarte der Strasse.
»Ich habe gerade mit Thomas gesprochen, wir haben Aufnahmen von einer AWACS Maschine bekommen die Thomes jetzt auswertet. Wir werden uns, nach unserem Einsatz in Wandsbek, darauf vorbereiten nach Italien zu verlegen. Allerdings nicht mit allen Teams, sind ja schon drei von uns unten. Aber dazu später mehr, wenn wir zurück sind. Gut, wir verfahren wie folgt:
Das Charlie-Team und Delta-Team verhören Wolfgang weiter. Macht ihn richtig mürbe. Das Echo-Team mit Pit und Monika stellen sich auf die Zufahrt zum Parkplatz. Das X-ray Team, mit Sascha und mir, gehen ins Bordell. Erst geh ich rein und dann kommt Sascha nach und bleibt in der Nähe der Tür um diese zu öffnen. Das Foxtrott-Team stellt sich im hinteren Bereich in die Toreinfahrt. Das Golf-Team steht bereit um von Sascha ins Bordell gelassen zu werden…« Während ich den Plan entwarf, zeigte ich mit einem Stock auf die jeweils benannten Punkte. »…Da wir nicht wissen wie viel Personen sich in den hinteren Räumen aufhalten, steht auch das Echo-Team bereit reinzukommen. Ich werde wie gesagt, als erster hineingehen um mit der Kamera Aufnahmen zu machen. Die könntet ihr euch in den Autos ansehen, um mit den Räumlichkeiten vertraut zu werden. Wenn ich Doris gefunden habe, sage ich euch Bescheid. Dann kommt erst Sascha und auf ein Zeichen von mir, kommt das Golf-Team rein. Es sollte natürlich wie immer, alles sehr schnell und unauffällig ablaufen.« Ich sah mich um, alle hörten gespannt und aufmerksam zu, sahen abwechselnd auf die Karte und zu mir. Ich fuhr fort: »Wir sollten unsere Narkosepistolen mit Schalldämpfer einsetzen, es muss ja keiner verletzt werden wenn man es vermeiden kann. Fahrzeuge, wie gehabt. Sascha und ich fahren den BMW und der Ihr fahrt die Subarus. Gut, soweit wäre ich durch. Zu diesem Einsatz noch irgendwelche Fragen?« Ich sah in die Runde, aber es schien keiner eine Frage zu haben.
»O.K. wenn alles in Ordnung ist, dann würde ich sagen Abmarsch um zweiundzwanzig Uhr. Treffpunkt bei den Fahrzeugen. Bis dann.« Ich drehte mich um, verlies die Küche, ging über den Flur die Treppe hoch und wieder in mein Büro. Ich sah, dass der Bildschirm aktiv war und das Bild der beiden Jachten zeigte. Man konnte erkennen, dass das Beiboot der „Lucia” wieder an Bord genommen wurde und dass die kleine Jacht dichter an die Große verholt wurde. Sie lagen jetzt nur gute fünfzig Meter auseinander vor Anker. Am Schreibtisch blinkte die Lampe, als Zeichen, dass Thomas auf Empfang war und auf mich wartete. Ich nahm den Hörer auf:
»Na Thomas, was gibt es Neues?«
»Carlo, wir haben herausgefunden wem die beiden Jachten gehören Die Princess wurde in Rom gechartert und die große gehört einem Mafioso. Eine große Nummer aus Palermo Namens Pepe Tomalino.«
Ich hatte das Gefühl, als wenn man mir einen Knockout versetzt hätte, gut dass ich schon saß. War es dieser Pepe den ich kannte und was macht er da unten? Macht er diese Entführung gemeinsam mit Wolfgang?
»Carlo, ist alles in Ordnung?«, hörte ich die Stimme von Thomas aus dem Lautsprecher.
»Ja, ja Thomas. Ich melde mich gleich wieder bei dir«, sagte ich und legte den Hörer auf. Jetzt brauchte ich einen Grappa, ich stand auf, ging zum Barschrank und schenkte mir ein Glas Grappa ein. Was wurde hier gespielt? Es wird Zeit sich mit Wolfgang zu beschäftigen, den werde ich mir vorknöpfen, warte ab mein Freund. Du wirst noch dein blaues Wunder erleben, dachte ich mir. Der Grappa hatte wieder etwas Farbe in mein Gesicht gebracht, ich goss mir noch ein Glas ein und ich ging wieder zum Schreibtisch um mit Thomas weiter zu reden. Ich nahm wieder den Hörer und die Verbindung auf.
»Thomas, ist der Lear Jet schon in Hamburg?«
»Ja, steht abflugbereit auf dem Flughafen, habe vierundzwanzig Stunden Bereitschaft angeordnet.«
»Gut, den brauche ich heute Nacht noch. Ich werde mir nach dem Einsatz in Wandsbek, Wolfgang vorknöpfen und dann fliegen wir runter. Bitte alarmiere die beiden Boote, das wir morgen früh an Bord gehen. Wir fliegen bis Cagliarie und von dort mit dem Hubschrauber zum Haus. Wir haben drei italienische Teams unten, stimmt das?«
»Ja, eins im Haus und jeweils eins auf den Booten.«
»Gut, dann werden ich noch zwei Teams mitnehmen, dann müssten wir eigentlich genug sein. Thomas, schicke das Team das noch in unserem Haus ist nach S. Pietro rüber…«, ich sah mir das Bild auf dem Display an; »… gib mir doch bitte mal das Bild der Insel hier rüber«, sagte ich zu ihm und es dauerte nur Sekunden und die Boote verschwanden. Stattdessen war eine Karte von der kleinen, Sardinien vor gelagerte, Insel S. Pietro zusehen. Im Nordwesten war eine Markierung zu sehen, in einer Bucht in der die beiden Boote vor Anker lagen.
»Ja, genau. Schicke bitte das Team vom Haus sofort los. Die sollen sich in Position bringen und zwar genau über diese Bucht in der die Boote liegen. Der Monte della Borrona ist nur hundertsechsundsechzig Meter hoch aber sehr steil ins Meer abfallend. Bei uns im Haus haben wir im Ausrüstungsraum auch zwei Bergsteigerausrüstungen, die sollen sie unbedingt mitnehmen, sie werden sie brauchen ich kenne das Gebiet.
Beide sollen auch die Scharfschützengewehre mit Sprenggranaten mitnehmen. Sie sollen unsere Rückendeckung sein. Das Team muss sich beeilen, da sie bis Calasetta auf der Isola S. Antioco fahren müssen um dort mit der Fähre übersetzten. Die fährt aber nicht die ganze Nacht und ich muss sie morgen Früh in Stellung haben. Bitte um sofortige Mitteilung wenn sie am Einsatzort sind. Organisier das bitte, Thomas.«
»Gut wird gemacht. Aber willst du das Haus wirklich alleine lassen?«
»Ich rufe Luciano an und bitte ihn vielleicht ein oder zwei Polizisten bis morgen Früh rüber zu schicken die aufpassen können. Bis später.« Ich legte auf, lehnte mich noch einmal bequem in den Sessel zurück und wählte die Nummer von Luciano.
»Pronto«, meldete er sich.
»Bona Sierra Luciano.«
»Ah Dottore, haben sie schon etwas von Eva gehört?«
»Gehört nicht Luciano, aber ich weiß wo sie ist und werde sie morgen Früh zurückholen. Ich habe aber eine Bitte, da ich meine Männer im Haus benötige wäre es mir ganz lieb wenn du vielleicht ein oder zwei Mann heute Nacht dort einquartieren könntest, bis wir morgen da sind. Wäre das möglich?«
»Si Dottore. Ich schicke gleich zwei Mann rüber. Die werden sich bestimmt freuen wenn sie die Gelegenheit haben von Anna verwöhnt zu werden.«
»Ich danke dir und wir werden uns bestimmt mit einer großen Party bei allen bedanken.«
»Kein Problem Dottore, gibt es sonst noch etwas was ich wissen sollte?«
»Luciano, ich werde alles erzählen sobald wir Zeit dazu haben.«
»Gut, dann bis morgen. Ciao Dottore.«
»Ciao Luciano«, sagte ich und legte auf um gleich die Nummer von unserem Haus zu wählen.
»Si?«, hörte ich die Stimme von Anna.
»Hallo Anna, hier ist Carlo. Ist alles in Ordnung bei dir?«
»Ah Senior Carlo. Was ist mit Eva passiert, ihre Männer sagen sie sei entführt worden.«
»Ja, aber morgen wird sie wieder nach Hause kommen Anna. Ich wollte dich nur informieren, dass die beiden Männer gleich verschwinden werden aber Luciano schickt zwei Mann vorbei die bis morgen aufpassen werden. Verwöhne sie ein wenig.«
»Oh gut. Ich werde mein Bestes tun, Senior Carlo.«
»Gut Anna, danke. Dann bis morgen. Ciao«
»Ciao, Senior Carlo«, sagte sie und wir legten auf. Der Grappa hatte mir gut getan und wieder neue Lebensgeister geweckt. Am liebsten wäre ich jetzt schon in den Keller gegangen um mir Wolfgang vor zuknöpfen. Aber alles zu seiner Zeit. Ich blieb noch etwas auf meinem Sessel sitzen und schaute aus dem Fenster.
Was würde ich darum geben wenn ich wüsste wie es Eva ginge. Ich ließ meine Gedanken durch Zeit und Raum fließen und landete in Sardinien. Ob sie jetzt wohl schlief? Normal konnte sie nicht so früh einschlafen. Als es Zeit wurde legte ich meine Ausrüstung an und ging nach unten zu den Autos. Alle warteten schon abfahrbereit und kaum saß ich im Wagen, fuhr Sascha auch schon an. Kaum war unser Konvoi auf der Elbuferstrasse angekommen gaben sie Gas. Es dauerte nicht all zu lange und wir waren in Wandsbek. Ich nahm den Hörer auf und sprach hinein,
»Foxtrott, sagt Bescheid wenn ihr an der Toreinfahrt angekommen seid, dann rücken wir weiter vor.«
»O.K. machen wir.«
»Sascha, stell dich solange an der Kirche hin und warte bis Foxtrott bescheid gesagt hat.«
»Gut.«, kam die kurze Antwort. An der Kirche hielt er an, die drei anderen Fahrzeuge hinter uns. Es dauerte nicht lange und wir hörten wie Foxtrott sich meldete.
»Carlo, Foxtrott ist auf Position.«
»Gut, Golf und wir fahren jetzt auf den Hof, Echo sperrt dann die Zufahrt ab«, gab ich die Anweisung. Hinter uns fuhr das Auto vom Golf-Team los und bog vorne in den Hof ein. Dann fuhr Sascha an und bog auch in den Hof des Bordells ein drehte den Wagen so, dass er abfahrbereit stand. Hinter uns machte Monika vom Echo-Team die Einfahrt zu. Ich stieg aus.
»Bis gleich Sascha«, sagte ich und ging zur Tür um zu klingeln. Der Typ von heute Mittag machte die Klappe in der Tür auf um zu sehen wer davor stand und tatsächlich erkannte er mich noch.
»Ah, hast du es dir doch überlegt und willst ein wenig bumsen. Komm rein, es warten schöne Frauen auf dich«, sagte er und öffnete dabei die Tür. Ich ging durch den Vorhang und stand im Barraum, rechts die lange Theke und links die kleinen Nischen in denen sich ein paar Pärchen miteinander beschäftigten.
Ich ging ein paar Schritte weiter in den Raum, vor mir saßen drei Frauen in einer Unterhaltung vertieft, die sie aber sofort unterbrachen als ich rein kam und sie waren jetzt auf dem Weg zu mir. Sie kreisten mich regelrecht ein, eine stand rechts, eine links und eine blonde hatte sich hinter mich gestellt und streichelte meinen Nacken.
»Na Süßer, gibst du uns einen Piccolo aus?«, fragte die linke.
»Hast du es schon mal mit drei Frauen auf einmal getrieben. Hast du mal Lust dazu es auszuprobieren?«, fragte mich die rechts von mir.
»Du kannst dir aber auch nur eine von uns mit aufs Zimmer nehmen, wenn du willst«, flötete die hinter mir stehende. In der Zwischenzeit machte sich die Bardame auf den Weg zu uns um die Bestellung aufzunehmen.
»Also drei sind mir doch etwas zu viel auf einmal«, sagte ich.
»Wie wäre es dann mit zwei von uns? Während meine Kollegin dich reitet kannst du mir meine Muschi lecken, dass mag ich sehr. Das macht uns und dich bestimmt ganz toll an«. Die Bardame war bei uns angekommen und sah uns lächelnd an.
»Was kann ich euch denn bringen, ihr Lieben«, fragte sie zuckersüß.
»Wir wissen noch nicht was, komm gleich noch mal wieder«, sagte ich. In diesem Moment hörte ich, wie hinter dem Vorhang die Türklappe aufgemacht wurde und der Rausschmeißer fragte:
»Na, was willst du. Ein bisschen bumsen?« Ich hörte nur eine kurze Antwort und die Tür wurde aufgemacht. Kurz danach flog der Vorhang zur Seite und Sascha kam herein. Er schaute sich um und setzte sich gleich vorne am Eingang an die Theke.
»Dann werde ich mal weiter gehen mein Süßer. Da wartet noch ein Mann auf mich«, sagte die hinter mir stehende und ging zu Sascha rüber. Ich nutzte die Gelegenheit und fragte die beiden verbliebenen,
»Sagt mal, mir hat man gesagt ich sollte nach einer Doris fragen. Ist die heute hier?«. Die rechts stehende drehte sich um und ging zu Sascha.
»Ja, die ist aber oben und es kann noch etwas dauern bis die fertig ist. Aber ich mache auch alles was sie macht, also was ist mit uns beiden?«, fragte sie schon etwas genervter.
»Weist du was, leiste mir bei einem Piccolo noch etwas Gesellschaft und dann sehen wir weiter«, sagte ich zu Ihr.
»Gut, das können wir machen.« Und sie drehte sich schnell zur Bardame um die auf dem Weg zu Sascha war.
»Elvi, bring mir bitte ein Piccolo und ... «, sie sah mich an; »…was trinkst du denn?«
»Ich nehme einen Wodka Orange«, sagte ich.
»Und einen Wodka Orange«, rief sie Elvi zu, die bereits weiter gegangen war. Ich hörte wie Sascha zwei Piccolos und für sich ein Gin Tonic bestellte.
»Wie heißt du denn?«, fragte mich meine Begleiterin.
»Ich bin der Carlo und du?«
»Ich bin die Ronja, die Räuberbraut«, kicherte sie.
»Carlo, kennst du die Doris näher?”, wollte sie wissen.
»Nein, überhaupt nicht. Sie wurde mir nur empfohlen von einem Freund.«
»Ach so, da habe ich ja doch noch eine Chance bei dir«, lachte sie.
»Wer weiß, der Abend ist ja noch jung. Vielleicht gehen wir ja auch zu zweit hoch.«
»Wie zu zweit, die Doris und ich?«, fragte sie mich verwundert. Nebenan hörte ich die beiden Lachen und wie es schien waren sie mit Sascha zufriedener als mit mir.
»Ja, das habt ihr doch eben selbst angeboten«, brachte ich es in ihre Erinnerung zurück.
»Na klar, mit der Elke und Barbara, aber doch nicht mit der Doris. Die steht doch nur auf harte Sachen. Hat Dir das dein Freund nicht erzählt?«
»Nein, vielleicht wollte er mich auch damit überraschen.« Bei mir im Kopfhörer, der in der Ohrmuschel steckte, hörte ich die Stimme von Pit,
»Carlo, hier will jemand rein. Sollen wir ihn durchlassen?« Ich betätigte die Ruftaste in meiner Tasche einmal, was Ja bedeutete. Wer weiß wie lange die Doris sich noch da oben aufhält, würde auffallen den Parkplatz solange zu zustellen.
»Wieso, stehst du den auch auf harte Sachen?«, fragte Ronja mich.
»Nein, ich mag es eher zärtlich.«
»Das ist gut, dass mag ich auch. Ich liebe es dich vorher richtig zärtlich zu streicheln und französisch, bevor wir es richtig doll zusammen treiben«, versuchte sie mir den Mund wässrig zu machen und mich herum zu bekommen. Ich hörte wie an der Tür wieder Bewegung war und kurz danach kam auch schon ein neuer Freier herein. Er ging an uns vorbei, ganz nach vorne an die Theke. Ich schaute zu Sascha rüber und dachte, ob er jetzt eine der beiden Schönheiten verlieren würde.
Tatsächlich löste sich eine der beiden und ging zu dem neuen Gast. Als sie bei uns vorbei ging sagte sie:
»Na ihr beiden. Habt ihr euch schon geeinigt«, und sie blinzelte mir dabei zu. So jetzt waren alle beschäftigt, es fehlte nur noch die Doris um hier endlich zu verschwinden.
»Achtung, es kommt noch ein Gast rein. Der ist zu Fuß durch den hinteren Torbogen gekommen«, hörte ich Pit sagen. Noch ein Gast war gut, da konnte Sascha seine an ihn abgeben und er hatte die Möglichkeit sich dann, wenn es soweit war, um den Türsteher zu kümmern. Ich sah zu ihm rüber und unsere Augen trafen sich. Er nickte mir zu, er hatte auch alles verstanden und seine Konsequenzen gezogen. Ich hörte ihn sagen:
»Weißt du, ich glaube du bist nicht ganz mein Typ. Ich schaue mich noch etwas um, sei mir nicht böse.« Er hob sein Glas und prostete ihr zu.
»Auf dein Wohl Süße.«
»Ja, du mich auch. Viel Spaß noch«, sagte sie und machte sich auf den Weg zur Barfrau, die ganz hinten stand. Genau in diesem Moment ging der Vorhang auf und es kam der neue Gast herein. Sofort machte sie kehrt und steuerte auf ihn zu.
»Hallo Gerd, wollen wir es uns vielleicht gleich auf dem Sofa etwas gemütlich machen?« Sie schien ihn zu kennen und er ging mit ihr in eine der Nischen rein.
»Wollen wir uns auch etwas zurückziehen Da kann ich dir schon mal zeigen was auf dich zukommen kann wenn wir hoch gehen«, brachte sich Ronja wieder in Erinnerung.
»Ja, dass können wir gleich machen. Bestell uns noch das gleiche zu trinken und ich gehe eben noch mal für Königstiger«, schlug ich ihr vor. Sie strahlte über das ganze Gesicht und gab mir ein Kuss, bevor ich aufstehen konnte. Langsam erhob ich mich, während Ronja ganz aufgeregt zu Elvi hinüber winkte um ihre Bestellung loszuwerden, und ging in den hinteren Teil des Raumes. Hier vermutete ich die Toiletten, als Elvi meinen suchenden Blick bemerkte sagte sie:
»Hinten gleich links die erste Tür.« Ich sah sie an und bedankte mich. Ich ging in den Raum und stellte mich ans Waschbecken. Wie lange braucht die Doris dennoch um ihren Freier zu befriedigen? Wir haben nicht so viel Zeit, dachte ich mir. Ich ging in eines der WCs, schloss ab und setzte mich auf den Klodeckel. Dann aktivierte ich den Sprechfunkknopf,
»Ist bei euch da draußen alles in Ordnung Pit«, fragte ich.
»Ja, hier ist alles ruhig. Wie sieht es bei euch denn aus? Warum dauert es so lange?«
»Die Doris hat einen Freier und ist oben auf dem Zimmer. Wir warten bis sie wieder runter kommt.«
»Gut, bis dahin. Over and Out.« Ich schloss die Tür wieder auf, wusch mir die Hände am Waschbecken und ging wieder nach draußen. Hier hatte sich nicht viel verändert, nur unsere Getränke standen aufgefüllt auf der Theke und Ronja erwartete mich mit lachendem Gesicht.
»Na, alles klar bei dir? Wollen wir es uns jetzt gemütlich machen«, fragte sie mich. Ich schaute zur anderen Seite rüber wo die Nischen lagen.
»Ist denn da überhaupt noch was frei? Die sind doch noch alle belegt.«
»Ja, aber gleich verschwinden die beiden nach oben«, sagte sie und zeigte mit dem Kopf in Richtung der Nische in die unser neuer Gast, der Gerd, verschwunden war.
»Das machen die immer so, erst ausgiebig schmusen und streicheln, bis er nicht mehr kann, oder ab und an auch mal darüber hinaus und dann geht es nach oben um richtig zur Sache zu kommen«, erzählte sie mir die Geschichte der beiden. An der Treppe tat sich was, ich schaute hoch und erkannte dass ein Pärchen herunter kam.
»Das ist die Doris ... «, hörte ich ganz vorsichtig und leise Ronja sagen; »...gehst du jetzt mir ihr hoch?«
»Nein, mach dir mal darum keine Sorgen sagte ich. Das ganz bestimmt nicht.« Ich drehte mich etwas um und sah zu Sascha rüber. Als er mich ansah nickte ich ihm zu. Das Pärchen ging gemeinsam zur Bar und Doris setzte sich hin.
»Trinkst du noch was mit mir?«, hörte ich sie fragen.
»Nein, bin eh schon ziemlich spät dran. Tschüss bis zum nächsten Mal mein Dornröschen«, sagte er und ging zum Ausgang. Auf der Seite der Nischen tat sich auch etwas, Gerd hielt es wohl nicht mehr länger aus und kam mit seiner Begleitung heraus und beide gingen die Treppe hoch.
»Jetzt können wir uns zurückziehen mein Schatz«, flüsterte mir Ronja ins Ohr. Ich stand auf und nahm mein Glas um ihr zu folgen. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen wie Sascha mit Abstand hinter dem Gast herging. Die Tür wurde geöffnet und in diesem Moment verschwand Sascha auch schon hinter dem Vorhang. Dann vernahm man ein leichtes Stöhnen, was man aber durch die Musik die lief kaum hören konnte.
Ronja und ich waren in der Nische angekommen und setzten uns aufs Sofa. Hier hatte ich einen guten Überblick in den Raum ohne selbst gleich gesehen zu werden.
»Schön, dass wir es uns gemütlich machen Carlo. Ich mag dich und da bin ich ganz besonders zärtlich«, sagte sie und ihre Hände fingen an sich durch meine Haare zu wühlen. Ich konnte im Ohr den Befehl von Sascha hören.
»Zugriff, Zugriff, die Zielperson sitzt an der Theke, hat einen roten Pullover und einen Lackminirock an. Zufahrten absperren.« Es dauerte nur eine Minute und der Vorhang wurde wieder zur Seite genommen und meine drei Männer kamen herein. Das Golf-Team mit Maske und Maschinenpistolen im Anschlag, dahinter Sascha auch mit einer Maske übers Gesicht.
»Ruhe und keine Panik, dann passiert auch nichts. Doris los komm, dich wollen wir abholen«, sagte Sascha während die beiden anderen den Raum sicherten. Er nahm sie am Arm und begleitete sie nach draußen. Ronja, saß stocksteif neben mir. Ich stand auf und langte in die Tasche,
»Hab keine Angst, es passiert dir nichts. Hier, das müsste für die ganzen Auslagen reichen. Bleib ganz ruhig hier sitzen, bis wir weg sind«, sagte ich zu ihr und reichte ihr drei fünfzig Euro Noten. Zwei ließ sie gleich in ihrem Ausschnitt verschwinden, ich wusste schon immer, dass die Damen vom ältesten Gewerbe der Welt, sehr anpassungsfähig waren.
»Schade, dafür hätte ich gern mit dir geschlafen«, sagte sie noch keck, während ich mich auf den Weg zur Tür machte. Das Golf-Team kam sichernd hinterher und schloss die Tür. Wir liefen zu unseren Wagen und stiegen ein. Sascha hatte Doris schon auf die Rückbank verfrachtet, ihr Handschellen angelegt und ihr eine Kapuze über den Kopf gezogen.
»Kann mir mal einer sagen was das alles soll?«, hörte ich sie dumpf aufgeregt fragen während unsere Fahrzeuge aus dem Hof herausfuhren und mit hoher Geschwindigkeit zurück zu unserem Haus fuhren. Ich nahm mir den Hörer zur Hand,
»Einsatz ist beendet, alles zurück zum Standort. Over and Out.«
»Seid ihr von der Polizei? Oder was sonst«, fragte sie weiter. Ich drehte mich zu ihr um und sagte zu ihr:
»Doris, viel schlimmer. Schlimmer als du es dir jemals erträumt hättest«, gab ich ihr zur Antwort und drehte mich wieder nach vorne.
»Was, wie schlimmer? Schlimmer als die Polizei?«, ich gab ihr keine Antwort darauf und wir fuhren schweigend ins Haus Hamburg zurück, während sie immer hysterischer fragte und vor sich hin blubberte. Als wir vor dem Haus ankamen waren die Tore schon geöffnet und gesichert. Wir fuhren direkt an die Rückfront, wo auch der Hubschrauber noch stand. Es ging alles sehr schnell, das Golf-Team packte die immer noch zeternde Doris, brachte sie in den Keller und gleich in einen Verhörraum.
Der Rest der Mannschaft versammelte sich wieder in der Küche, der ideale Ort für Besprechungen und Treffen. Sie war groß genug, hatte genug Sitzgelegenheiten, war technisch für Videokonferenzen ausgerüstet und hier gab es immer Kaffee, Kuchen oder etwas anderes Leckeres zu Essen. Dafür sorgte immer Petra, der gute Geist des Hauses. Das nutzten wir jetzt auch aus, Petra und ihr Mann Sascha Palü waren schon auf den Ansturm vorbereitet und hatten ein Abendsnack aufgetischt.
Wir machten uns heißhungrig über das leckere Essen her und redeten über den Einsatz im Bordell. Natürlich hatten alle auch die Gespräche über Funk mitbekommen und das war der Gesprächstoff. Wer hätte gern mit wem und warum und alle lachten über diese Aussagen und hatten ihren Spaß dabei. Das war der normale Stress Abbau nach einem Einsatz, dass gehörte einfach dazu und keiner nahm es ernst. Nachdem wir fertig waren, räumte Petra alles ab und wir konnten uns den ernsteren Dingen zuwenden. Ich stand auf und stellte mich ans Tischende.
»So, nachdem uns Petra mal wieder verwöhnt hat und wir satt sind, können wir uns den nächsten Dingen zuwenden. Das Charlie-Team und Delta-Team wird unten Wolfgang ordentlich in die Mangel genommen haben, das schau ich mir gleich an. Der weitere Ablaufplan sieht wie folgt aus: Das Echo-, und Foxtrott-Team, geht mit mir nach Sardinien. Wobei Sonja bitte mit Sascha tauscht.«
»Oh, schade. Ich wäre gern mit runter geflogen und hätte die Kerle aufgemischt.«
»Das weiß ich Sonja, aber ich benötige dich hier. Du legst dir Wolfgang zurecht, du gibst ihm den Gnadenstoß, nachdem ich bei ihm war. Er wird vermuten, dass es für ihn eine Pause ist, wenn eine Frau das Verhör weiter führt und genau da bist du an der richtigen Stelle.«
»Na ja, das wird bestimmt auch sehr reizvoll sein«, sagte sie lachend.
»Gut, dann haben wir also die beiden Teams für Sardinien stehen, bereitet euch für den Abflug vor, packt eure Sachen die ihr benötigt.
Taucheranzüge, Maschinenpistolen, Handfeuerwaffen, Blend- und Sprenggranaten und die normale Personenausrüstung. Nehmt auch noch eure Badesachen mit, vielleicht gehen wir ja auch baden, damit meine ich jetzt aber nicht unseren Einsatz«, sagte ich lächelnd. Das X-ray Team wird hiermit bis auf weiteres aufgelöst. Die Charlie- und Delta-Teams bleiben, zusammen mit Sonja, hier im „Haus Hamburg“ und sorgen für das weitere Verhör und die Bewachung das Hauses. Damit Petra sich auch weiterhin in aller Ruhe um euer leibliches Wohl kümmern kann«, sagte ich lächelnd. Alle lachten und stimmten mir zu.
»Dann hätten wir alles geregelt. Ach ja, ihr bekommt hier in Hamburg auch alle Bilder auf den großen Bildschirm hier in der Küche gespielt. Somit könnt ihr auch an der Aktion teilhaben.«
»Das ist eine gute Idee Carlo, ich werde schon mal für die Befreiung Sekt kalt stellen«, sagte Petra mit strahlenden Augen.
»Aber denk daran Petra, das ist nichts für schwache Nerven und wir wissen nicht was da unten alles passieren kann«, sagte ich warnend zu ihr, weil ich weiß, dass sie sehr sensibel ist.
»Du wirst schon aufpassen, dass es nicht zu schlimm werden wird Carlo«, sagte sie voller Zuversicht zu mir.
>Na ja, ihr Wort in Gottes Ohr<, dachte ich mir.
»Gut, dann sind wir durch. Ich gehe jetzt nach unten und schau mir Wolfgang noch mal an. Mal sehen wie weit er ist. Dann packe ich meine Sachen und wir können los.« Ich schaute auf die Uhr und sah, dass wir schon nach Mitternacht hatten, es wurde Zeit. Ich nahm mein Handy und wollte Thomas anrufen, dabei stellte ich fest dass der Akku leer war. Na gut, dann eben später.
»Petra, bist du so gut und lädst mein Handy noch auf«, bat ich sie und reichte ihr das Handy.
»Ja, ich bringe es gleich hoch auf die Ladestation«, sagte sie, nahm das Handy und ging nach oben. Ich machte mich auch auf den Weg, aber in den Keller runter um mir Wolfgang vorzuknöpfen. Vor der großen Glaswand zum Verhörzimmer blieb ich stehen. Ich konnte sehen, dass das Charlie Team mit dem Verhör dran war. Wie es aussah war er schon ganz schön fertig, er saß auf einem lehnenlosen Hocker und konnte aus diesem Grunde auch nicht bequem sitzen. Die Augen hatten dunkle Schatten und sahen sehr müde aus. Die beiden Männer vom Charlie-Team saßen bequem in Armlehnstühlen vor ihm, etwas getrennt, damit er laufend, wenn er einen ansehen wollte, den Kopf drehen musste.
Jetzt wollte ich mir noch im Aufenthaltsraum ein paar Infos holen, was in den letzten Stunden wichtiges gesagt wurde und ging in den hinteren Teil des Kellers. Dabei kam ich an dem anderen Verhörzimmer vorbei und konnte sehen wie Doris schon in die Mangel genommen wurde. Als ich in den Aufenthaltsraum rein kam, erlebte ich die Überraschung, hier saß immer noch Josef vor den Geräten.
»Josef, du kannst dich wohl auch nicht trennen. Hast du überhaupt schon mal geschlafen?«
»Nein Carlo, schlafen kann ich noch genug wenn ich mal in der Kiste liege ... «, sagte er voller Ernst; »...ich sitze doch sowieso nur hier rum und höre zu was gesagt wird. Da bin ich doch wenigstens zu etwas nützlich. Und die Jungs haben ihren Schlaf verdient. Die müssen ja rund um die Uhr unsere Gäste verhören.«
»Gut, du machst das schon. Gab es denn in den letzten Stunden etwas Wichtiges zu hören?« Josef nahm seine Schreibunterlagen zur Hand und ging sie durch.
»Wir hatten nichts über die Entführung von Eva gefragt, oder in diese Richtung eruiert. Das Hauptaugenmerk haben wir auf die Aktionen, Übernahme des Unternehmens, das Killerkommando auf Sardinien, die Aktionen in Berlin und zu guter letzte Doris. Wobei er, als dieser Name ins Gespräch kam, etwas anfing nervös zu werden. Wir haben es auch noch offen gelassen, dass wir sie uns holen. Aber schon als wir ihren Namen nannten fing er an zu schwimmen. Was Berlin angeht, hat er ziemlich cool reagiert. Hier scheint er sich ziemlich sicher zu fühlen. Wahrscheinlich durch seinen Kontakt zum Ministerium.« Josef blätterte seine Unterlagen weiter durch.
»Wir haben auch die Chinesen angesprochen, hier schien es, dass er selbst unsicher wurde als die zur Sprache kamen. Es sieht so aus, dass er wirklich keine Ahnung hatte, das sich die Chinesen auch um seine Killer kümmern wollten.«
»Gut, da habe ich doch schon mal ein paar Anhaltspunkte, wenn ich jetzt zu ihm rein gehe.«
»Du willst da rein zu ihm. Das halte ich für keine gute Idee Carlo.«
»Ja, ich werde da rein gehen und ihm alles aufs Tablett servieren, bis zur Entführung, die bevorstehende Befreiung und die Anwesendheit von Pepe.«
»Da hast du also vor die brutale Art durch zu führen. Die Schocktherapie?«
»Ja, genau die kommt jetzt dran.«
»Aber pass auf, dass dein Temperament nicht mit dir durchgeht. Ich kenne dich, wenn du wütend bist bleibt kein Stein auf dem anderen.«
»Dafür, dass nichts passiert, sind ja noch Gerd und Helmut da. Die schaffen es bestimmt mich zu stoppen«, sagte ich augenzwinkernd.
»Na ja, wollen wir mal hoffen. Ich lege aber zu Sicherheit ein neues Band ein.« Da die Verhöre alle aufgenommen wurden, wollte er mein Auftreten bei Wolfgang auf ein extra Band festhalten. Wahrscheinlich war er sich wirklich nicht so sicher wie ich reagieren würde wenn ich Wolfgang gegenüber stand.
»Gut Josef, dann gehe ich mal rüber. Bis gleich dann.«
Er hantierte schon an den Aufnahmegeräten herum um in dem zweiten ein neues Band einzulegen, dann konnte er sofort umschalten, von einem auf das andere Gerät. Ich ging langsam zurück und an der Glaswand vorbei, schaute noch eine zeitlang in das Verhörzimmer rein und ging dann zur Tür. Durch die Flurtür kam man in einen kleinen Gang, von hier gingen dann jeweils eine Tür rechts und eine links ab, in die jeweiligen Verhörzimmer. Ich öffnete die rechte und stand im Zimmer hinter Wolfgang. Entweder hatte er nicht bemerkt das die Tür aufging, oder er war schon, durch das dauernde wechseln der Verhörteams, daran gewöhnt und drehte sich deshalb nicht mehr um.
Ich öffnete meine Ledergürtel und zog ihn aus der Hose heraus, wickelte die beiden Enden einmal um jede Hand und trat hinter ihn. Dann ging alles so schnell, dass Wolfgang nicht reagieren konnte. Ich stellte mein Bein auf den Hocker, schwenkte gleichzeitig den Hosengürtel über seinen Kopf, drückte von hinten mein Knie in seinen Rücken und zog den Gürtel um seine Kehle fest. Somit hatte ich ihn in einer Position in der er sich nicht wehren konnte, durch den Druck des Gürtels an der Kehle und meinem Knie im Nacken, wurde sein Kopf leicht nach hinten gebogen und es ging im langsam die Luft aus.
»Du verdammtes dummes kleines Arschloch, was hast du dir eigentlich dabei gedacht als Du Eva entführen liest? Wenn du mir nicht sofort sagst, wo du sie festhältst, drücke ich zu.« Meine Stimme war eiskalt und ich verstärkte den Druck des Gürtels, selbst meine beiden Leute liefen weiß an. Auch sie wurden durch mein Auftreten total überrascht, aber sie bleiben ruhig sitzen und schauten zu. Er zuckte beim Klang meiner Stimme zusammen. Ich hörte ein Krächzen aus seiner Kehle kommen und lockerte den Zug etwas.
»He, hör auf. Wenn du mich umbringst bekommst du sie nie wieder zurück.«
»„Meinst du, du arroganter Armleuchter, dass ich sie nicht alleine finden kann?«
»Mensch Carlo, lass uns reden. Du findest sie nie, denk an unsere alte Zeit.«
»Da hast du auch nicht dran gedacht als du sie entführt hast.«
»Ja, das war vielleicht ein Fehler. Aber anders konnte ich dich bestimmt nicht überzeugen, mit mir zusammen zuarbeiten.«
»Das kannst du auch jetzt nicht. Übrigens, arbeitest du noch mit Pepe zusammen?«, schoss ich die erste Frage ab.
»Wie kommst du denn jetzt darauf?«
»Ich frage mich, was er dazu sagen würde, wenn du auf eigene Faust solche Aktionen vor seinen Augen durchführst.«
»Ha, ha«, er lachte in sich hinein und ich zog, als Reaktion darauf, den Gürtel enger und sagte:
»Mir ist nicht zum Lachen zumute, Wolfgang.«
»Ist ja schon gut, du wirst doch nicht einen alten Mann umbringen wollen. Aber was habe ich mit Pepe zu tun und wieso vor seinen Augen. Der ist doch in Italien.«
»Genau, gerade deshalb frage ich mich, was seine Jacht genau in diesem Moment vor Sardinien zu suchen hat.« Ich konnte erkennen, wie er noch blasser wurde und sein Gehirn versuchte auf Hochtouren zu arbeiten, aber die lange Zeit ohne richtigen Schlaf und der Verhörstress hatte das ihre getan um ihn mürbe zu machen. Ich konnte erkenne, dass er zu keinem Ergebnis kam.
»Woher weißt du, wo Pepe seine Jacht ist?«, fragte er als eine Möglichkeit Zeit herauszuschinden um weiter überlegen zu können.
»Ganz einfach, ich beobachte euch schon lange. Deshalb habe ich auch Doris nebenan sitzen um mit ihr zu plaudern.« Wieder ein Schlag und ich hatte das Gefühl, als wenn seine Verteidigungsmauer, die er sich aufgebaut hatte, so langsam bröckeln würde.
»Wie kommst du auf Doris?«, fragte er.
»Weißt du, auch wenn ich hier die Fragen stelle, bekommst du ausnahmsweise mal eine Antwort, deine Leute halten nicht so dicht wie du es gern hättest.« Er stöhnte auf und ich weiß nicht ob es von der sehr ungemütlichen Stellung herrührte in der er sich befand, oder ob es die Aussage war, dass seine Leute nicht dicht gehalten haben.
»Hast du mir was zu sagen?«, fragte ich ihn. Meine Stimme war leise und schneidend. Er schüttelte nur leicht den Kopf, soweit er es überhaupt konnte.
»Wen ich in dem ganzen Reigen eigentlich noch vermisse sind meine alten Freunde Mike und Josef. Die habe ich noch nicht erwischt. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?«, stellte ich ihn, lauernd, die nächste Frage.
»Das kommt ganz drauf an, für wen«, antwortet er mir und ich hatte das Gefühl, das er meinte wieder etwas Luft bekommen zuhaben. Deshalb zog ich den Gürtel wieder etwas fester um ihm die Luft wieder wegzunehmen, rein symbolisch natürlich, denn meine nächste Frage sollte ihn ganz die Luft wegnehmen.
»Hat man dich schon informiert, dass Andreas von meinen Männern erschossen wurde?«, schoss ich die Frage ab. Das war wohl doch zu viel, er sackte noch mehr in sich zusammen.
»Das ist deine Schuld, du hast ihn auf mich gehetzt.«
»Das ist nicht wahr, das war ich nicht. Diese Aktion hat der Paul Krämer geleitet. Für ihn hat der Andreas zuletzt gearbeitet. Ich bin doch nur für Hamburg zuständig.«
»Wer hat das so aufgeteilt? Unser alter Freund Fu Ling?«, setzte ich gleich nach ohne ihm lange Zeit zum Nachdenken zu geben.
»Ach der ist doch schon längst tot. Viel schlimmer, es ist seine Tochter Mai Ling«, und auf einmal verstummte er. Er hatte bemerkt, dass er schon zuviel gesagt hatte. Ich wollte ihn nicht zur Ruhe kommen lassen und eröffnete ihm gleich die nächste Hiobsbotschaft.
»Sie hat also ihre Finger im Spiel? Gut, dann weiß ich ja schon mal Bescheid wer den Herrn im Ministerium in der Hand hat.«
»Mensch Carlo, die ist auch für dich zu groß. Lass die Finger davon. Die schnippen nur mit dem Finger und eine ganze Armee greift an und macht dich und deine Firma fertig.«
»Wolfgang du weißt doch, wer mich, oder einen meiner Leute angreift, spielt mit dem Leben. Ich lasse es nicht zu, dass irgendjemanden etwas geschieht.«
»Ja, ja. Du mit deinem Samariterdenken fällst auch noch mal auf die Schnauze«, gab er zur Antwort. Langsam wurde mir die Position mit dem gehobenen Bein etwas zu unbequem, deshalb beeilte ich mich weiter zu kommen.
»Übrigens, soll ich nachher Pepe von dir grüßen, wenn ich ihn Treffe?«. Er zuckte zusammen.
»Wo trifft du ihn denn?«
»Bei der Isola di S. Pietro, soll ich auch Mike und Stefan von dir grüßen? Wenn sie es überleben.« Ich ließ den Gürtel los, gab ihm einen Stoß in den Rücken und drehte ihn gleichzeitig um, so dass er zwischen dem Hocker und dem Tisch zu Boden fiel und auf dem Rücken zu liegen kam. Ich stieß den Hocker zur Seite und stellte meinen Fuß auf seine Kehle.
»Ja glaubst du Idiot denn, dass ich mich von dir verarschen lasse. Dass ich blind vor Angst dir alles in den Schoss legen werde was ich mir mühsam aufgebaut habe? Du wirst noch dein blaues Wunder erleben«, sagte ich zu ihm. Ich nahm meine Fuß wieder runter und drehte mich um und ging zur Tür. Dort drehte ich mich noch einmal um und sagte zu meinen Leuten.
»Macht weiter, genau da wo ich aufgehört habe. Ich möchte alles wissen was er weiß, einfach alles. Sollte er sich weigern, macht ihn fertig. Ich brauche ihn nicht mehr. Wir haben Eva gefunden und befreien sie heute Morgen.« Er lag unter dem Tisch und bekam große Augen, man konnte die Angst riechen die er hatte. Ich öffnete die Tür und ging hinaus, den Gang entlang und zum Fenster um noch einmal in das Zimmer zu sehen. Gerd und Helmut, waren gerade dabei ihn in ihre Mitte zu nehmen und wieder auf die Beine zu stellen. Sie stellten den Hocker wieder hin und setzten ihn drauf. Man konnte schon sehen, dass er nicht mehr lange machen wird. Vielleicht können wir dann den ganzen Klan auffliegen lassen. Ich ging wieder zum Aufenthaltsraum, als ich die Tür aufschloss sagte Josef gleich:
»Carlo, da hast du uns aber einen ganz schönen Schreck eingejagt, nicht nur Wolfgang. Dachte schon, wir müssten einschreiten und dich zurückhalten. Das mit dem Gürtel sah ganz so aus, als wenn du ihn umbringen wolltest.«
»Gut, dann sah es wenigstens echt aus. Ich hoffe, dass es gereicht hat ihn mürbe zu machen damit unsere Männer alles aus ihm heraus bekommen. Jetzt wo er sieht, dass er nichts mehr gegen uns in der Hand hat, versucht er vielleicht seinen eigenen Hals zu retten. Es sei denn, er hat mehr Angst vor seinen Hintermännern als vor uns«, sagte ich.
»Das wollen wir jetzt mal nicht annehmen und wenn doch, legen wir noch einen kleinen Gang mehr dazu. Mal sehen wieviel Angst er vor der großen Unbekannten hat.«
»Also, wenn es wirklich die Tochter von Fu Ling ist, dann können wir uns warm anziehen. Selbst wenn sie nur annähernd ihrem Vater ähnlich ist, reicht das schon, aber Wolfgang sagt sie sei schlimmer. Vielleicht wollte er mir ja auch nur Angst machen. Wir werden sehen. Ich werde jetzt mit den Teams nach Sardinien fliegen und dort erst einmal Klarschiff machen. Wenn sich irgendetwas Wichtiges anbahnt oder bei den Verhören herauskommt, lass mich informieren oder rufe selbst auf meinem Handy an.« Während ich es zu Josef sagte, langte ich da hin, wo mein Handy sonst immer hing, an den Gürtel. Aber da war nichts und jetzt viel es mir ein, ich hatte ja Petra gebeten es in meinem Büro auf die Ladestation zu legen. Ich durfte es nicht vergessen einzustecken.
»Nehmt euch auch die Doris vor, die scheint eine Art Schnittstelle zwischen Berlin und Hamburg zu sein. Spielt sie gegeneinander aus. So jetzt muss ich aber los. Tschüss Josef«, sagte ich und verlies den Aufenthaltsraum. Auf dem Weg nach oben kam ich wieder an den Fenstern der Verhörzimmer vorbei und sah, dass Wolfgang und Doris im Kreuzverhör meiner Leute saßen. Gut so, desto mehr wir heraus bekommen konnten, umso leichter hatten wir es, den Ring zu zerschlagen. Denn eins war klar, es nutzte nichts Eva nur zu befreien, wenn man denen nur einmal in die Schusslinie geraten war, ließen sie nicht locker. Nicht eher, bis man selbst oder sie, das Zeitliche gesegnet hatten.
Bevor ich mich auf den Weg in mein Büro machte, schaute ich noch mal kurz in der Küche vorbei und wie erwartet, saßen schon alle abflugbereit am Tisch.
»Gut gemacht Carlo... «, empfing mich Pit gleich; »...sah wie echt aus«, sprach er lächelnd weiter.
»Was ist, wann fliegen wir los?«, fragte Monika.
»Jetzt gleich, ich hole eben nur noch meine Sachen von oben«, sagte ich, drehte mich um und lief nach oben. Hier packte ich alles ein, was ich brauchen würde und steckte, im Vorbeigehen, mein Handy in die Tasche. Ich stieß die Tür zur Küche auf und rief,
»Auf geht’s!« Alls sprangen auf, schnappten sich ihr Gepäck und gingen an mir vorbei zur Hintertür und von da zum Hubschrauber.
»Petra, pass mir auf dich auf. Tschüss.«
»Danke Carlo, pass du auch auf dich auf und vor allem auf Eva. Guten Flug«, wünschte sie mir noch. Ich schloss die Tür und folgte meinen Frauen und Männern zum Hubschrauber. Als ich auf den Rasen trat, startete der Pilot gerade die Maschinen. Ein immer lauter werdendes Blopp, Blopp, Blopp, ertönte, ich duckte mich und lief zur Einstiegsluke. Es streckten sich mir Hände entgegen, die erst mein Gepäck und dann mich in den Innenraum zogen. Die Tür wurde geschlossen und mir ein Helm gereicht. Ich zog ihn an und das laute Geräusch wurde etwas gedämpft.
»Ist alles angeschnallt?«, hörte ich die Stimme des Copiloten fragen. Wir gaben nach einander das O.K. und schon hob er ab.
»Ist es richtig, dass wir euch zum Flughafen Hamburg bringen sollen?«, vergewisserte sich der Pilot.
»Ja, das ist richtig. Bitte informieren sie unseren Piloten vom Lear Jet, dass wir im Anflug sind. Er soll schon alles zum Start vorbereiten, damit wir keine großen Verzögerungen haben«, bat ich ihn.
»Ja, wird gemacht. Guten Flug wünsche ich euch«, sagte er noch und zog die Maschine in eine enge Kurve. Der Flug dauerte nicht lange und wir konnten vor uns schon die Lichter des Flughafens sehen. Der Pilot ließ sich die Erlaubnis geben auf dem Platz neben dem Lear Jet zu landen und bekam sie auch. Kaum gelandet öffneten wir die Tür und gingen geduckt, wegen der rotierenden Rotorblatter, zum Lear Jet um dort gleich einzusteigen. Kaum waren wir aus dem Sicherheitsradius des Hubschraubers raus, hob er auch schon ab und verschwand im Nachthimmel. Er hatte von Thomas die Anweisung bekommen, wieder zurück zum Haus zu fliegen um dort einsatzklar zu sein. Kaum saßen wir auf unseren Plätze, meldete sich der Pilot über den Bordfunk.
»Meine Herren, wir haben noch keine Startfreigabe. Der Tower hat uns gebeten noch etwas zu warten.« Was sollte das? Jetzt mitten in der Nacht gab es doch kaum Flugverkehr. Maschinen mit einem Lärmzertifikat, hatten seit einem Jahr die Erlaubnis auch nachts zu starten und zu landen. Nur um das zu erreichen benötigte man schon sehr leise Triebwerke, ich hatte diese vor neuen Monaten extra einbauen lassen, so dass wir unabhängig von der Zeit agieren konnten. Ich schnallte mich wieder ab und ging nach vorne ins Cockpit.
»Was genau haben die Herren im Tower gesagt?«, fragte ich den Piloten.
»Ja, das ist schon etwas komisch. Aber sie haben mir eine sehr fadenscheinige Ausrede genannt, dass sie noch auf eine reinkommende Maschine warten wollten, bevor sie uns die Startfreigabe geben.«
»Ja, wirklich sehr fadenscheinig. Machen sie sich für einen Alarmstart bereit, sollte irgendetwas Unvorhergesehenes eintreten, Starten sie und drehen so schnell wie möglich auf die offene See ab. Außerhalb der Dreimeilenzone dürften sie uns nichts mehr anhaben können. Was für ein Flugziel haben sie angegeben?«
»Ich habe nur Rom angegeben, in Italien wollte ich dann, wie immer, eine Flugplanänderung nach Sardinien bei den Italienern anfordern.«
»Das ist gut. Was ist das denn da vorne?«, fragte ich ihn. Obwohl auch ich erkennen konnte das ein Auto auf unser Flugzeug zufuhr. Ich drehte mich um und rief in die Kabine,
»Achtung! Alles fertig machen für einen Außeneinsatz. Man will uns vielleicht mit einem Auto am Losfliegen hintern, dass Fahrzeug muss aus dem Weg geräumt werden. Keine Verletzten, wenn möglich.« Ich drehte mich wieder nach vorne um, während hinter mir sich alle fertig machten nach draußen zu springen und den Wagen zu entfernen. Da sah ich, dass es der Dienstwagen von Albert, dem Polizeipräsidenten aus Hamburg war. Aber ich ließ den Alarm lieber bestehen, wer weiß, was da im Busch war. Ich ging zum Ausstieg und blieb dort kurz stehen um die Leute zu informieren.
»Es ist der Polizeipräsident, was der um diese Zeit will kann man auch nur erraten. Bleibt einsatzklar, nur zur Vorsicht.« Dann stieg ich die Einstiegsleiter runter und stellte mich daneben um sie frei zu halten, falls meine Leute rausspringen mussten. Der Wagen hielt neben mir an und die Scheibe wurde heruntergedreht.
»Guten Abend Carlo, ich kann mir vorstellen, dass ich jetzt im Fadenkreuz deiner Männer bin. Das ist aber nicht nötig Carlo.«
»Guten Abend Albert, was machst du um diese Zeit hier? Solltest doch längst im Bett, bei deiner Frau liegen und schlafen.«
»Das kann ich dich auch fragen, Carlo. Ich habe darum gebeten, mich sofort zu informieren, wenn dein Lear Jet eine Startfreigabe beantragt.«
»Und warum das, willst du mich hier behalten?«, fragte ich ihn lauernd.
»Nein, keine Angst. Das Risiko würde ich jetzt in dieser Situation nicht eingehen. Weiß ich doch, dass du in der Lage bist den Start zu erzwingen. Will dich doch nicht in Schwierigkeiten bringen. Nein ich wollte dir nur noch eine Information geben.«
»Warum hast du mich dann nicht angerufen?«, fragte ich ihn etwas verwundert.
»Weil dein Handy nicht angeschaltet ist«, gab er zur Antwort. Ich nahm mein Handy aus der Tasche und sah es an. Tatsächlich, dadurch dass der Akku leer war hat es sich ausgeschaltet. Ich stellte es wieder an und bemerkte dass mehrere Personen versucht haben mich anzurufen, darunter auch Albert. Ich steckte es wieder ein und entschuldigte mich bei ihm:
»Entschuldige, habe gar nicht bemerkt dass es aus ist. War viel los heute Nacht. Was gibt es den so wichtiges, das du sogar persönlich hier raus kommst?«
»Ich war nicht ganz untätig, als du mir etwas von einem Maulwurf gesagt hast. In Berlin habe ich mich einmal vorsichtig umgehört. Ja, da muss etwas im Gange sein. Man steckte mir, dass eine Chinesin ihre Finger im Spiel haben soll.«
»Ja Albert, das stimmt. Sie heißt Mai Ling und ich hoffe, dass wenn ich zurückkomme, dir mehr über sie sagen kann. Jetzt muss ich erst einmal zusehen, dass ich Eva befreien kann.«
»Gut, dann lass uns, wenn du wieder zurück bist uns noch einmal zusammensetzen und unser Wissen austauschen. Jetzt wünsche ich dir erst einmal einen guten Flug. Grüße mir Eva von mir. Tschüss Carlo?«
»Danke dir Albert. Ciao«, sagte ich und stieg die Leiter wieder hoch ins Flugzeug. Dann holte ich die Leiter ein und schloss die Tür. Kaum war ich damit fertig, kam die durchsage vom Piloten.
»Leute bitte anschnallen, wir haben die Startfreigabe bekommen.« Meine Leute setzten sich auf ihre Sitze, verstauten ihre Waffen unter den Sitzen und schnallten sich an. Ich setzte mich auch in meinen Sessel, schnallte mich auch an und lehnte mich zurück. Wir rollten auf den Runway, blieben einen Moment lang stehen und dann, als der Pilot den Leistungshebel nach vorne schob, raste die Maschine über die Startbahn und hob nach kurzer Zeit auch schon ab. Der lange Tag und das monotone Geräusch der Maschinen tat wohl das ihre dazu, dass ich einschlief.
Eva
E |
va war mit den Gedanken an Carlo eingeschlafen und wurde jetzt, von Lärm und Fußgetrampel an Deck, geweckt. Das Boot schaukelte, sie lauschte und konnte den großen Typen, den Pepe immer Stefan nannte, reden hören:
»He Pepe, was soll das. Warum kommst du mit deiner halben Armee hier her?«
»Stefan, ganz einfach. Wenn ich schon mit von der Party bin, dann möchte ich mich auch absichern. Die zwei sollen euch doch nur helfen, oder glaubst du, dass Carlo in den letzten drei Tagen nichts gemacht hat um euch zu finden?«
»Hier sind wir absolut sicher. Oben führt keine Strasse vorbei und von See kann uns hier keiner sehen, wenn er nicht direkt vorbei fährt.«
»Gut, so soll es auch bleiben. Die zwei sind für eure Sicherheit da. So jetzt zu meinem Plan. Wir holen Eva gleich hoch und sie soll Carlo anrufen, oder versuchen ihm wenigstens eine Nachricht zukommen zu lassen. Die lautet:
>Carlo, lass die von dir geschnappten Männer frei, wozu auch Wolfgang zählt. Dann lassen wir Eva frei und du bekommst sie unversehrt zurück.<«
»Du meinst, dass er darauf eingeht?«, fragte Stefan.
»Na ja, zumindest wird er reagieren oder sich bei uns melden.«
»Paul hat sich in der Zwischenzeit auch gemeldet und gesagt, dass er nicht herausfinden konnte, wo die Leute versteckt werden. Er hat auch schon seinen Mann im Ministerium kontaktiert, der hat zwar alles getan um die Leute frei zu bekommen. Aber mehr als Zeit konnte er auch nicht heraus schinden.«
»Gut, dann hol sie mal hoch«, sagte Pepe zu ihm.
Sie hörte den Großen den Niedergang herunter kommen. Die Tür wurde aufgeschlossen und er stand, mit der Kapuze über dem Kopf an der Tür.
»Komm, erhebe dich. Jetzt wird es ernst. Pepe will dich sprechen.« Eva stand vom Bett auf und folgte ihm nach oben. Sie setzte sich in die Rundsitzgruppe. Sie schaute sich um und konnte einen der Männer von Pepe auf der Badeplattform stehen sehen, der zweite saß vor dem Cockpit an Deck. Der Kleine hatte, wie letztes Mal, seinen Platz im Steuerstand eingenommen.
Das Beiboot lag wieder am Heck vertäut und es war Nacht. Bis auf die gedämmte Schiffsbeleuchtung war alles ringsherum dunkel. Es musste schon spät sein.
»Ah, Signora Eva. Schön sie bei bester Gesundheit anzutreffen. Ich habe diesmal eine dringende Bitte an sie. Versuchen sie doch ihren Mann zu informieren, dass sie wohl auf sind und dass er alle Personen die er versteckt hält, doch bitte freilassen soll. Dann werden auch wir sie freilassen und der alte Zustand ist wieder hergestellt. Jeder Kontakt läuft über dieses Handy und der weitere Ablauf wird mit mir persönlich abgestimmt. Erste Kontaktaufnahme wird morgen Früh um zehn Uhr sein. Man soll mich morgen Früh um zehn Uhr auf diesem Handy anrufen.«
»Senior Pepe, ich hatte damals schon den Gedanken und das Gefühl dass sie meinen Mann kennen. Woher denn?«
»Ach Signora, wenn er es ihnen nicht erzählt hat, dann bin ich wohl der Letzte, der dieses Geheimnis lüften sollte. Vielleicht erzählt er es ihnen ja nach der Freilassung bei einem schönen Abendessen. Aber eins sollten sie wissen, es ist schon sehr lange her und jetzt rufen sie ihn bitte an«, sagte er mit etwas schärferer Stimme und reichte ihr ein Handy.
»Sollten sie auch nur ein falsches Wort sagen wird mein Mann hier unten schießen. Wäre doch schade um das weiße Leder, oder?« Sie nahm das Handy entgegen und schaute nach links zur Badeplattform, da stand der Typ mit Sonnenbrille hatte eine Pistole mit Schalldampfer in der Hand und zielte in aller Seelenruhe auf ihren Kopf. Ihr Herz begann auf einmal schneller zu schlagen, dieser Pepe meinte es todernst. Sie überlegte:
>Sollte sie dass Handy von Carlo direkt wählen? Oder vielleicht doch besser alles über Peter Steiner, den Rechtsanwalt der Firma, laufen lassen?<
Sie entschloss sich Peter anzurufen und wählte die Nummer von seiner Kanzlei, ganz unverfänglich. Es war zwar schon spät, aber sie wusste dass, wenn keiner im Büro war das Gespräch automatisch auf den Apparat der Sekretärin zu Hause weitergeleitet wurde. So konnte er den Service anbieten, rund um die Uhr erreichbar zu sein.
»Rechtsanwaltskanzlei Steiner, Fiebold«, hörte sie die Sekretärin sich melden.
»Guten Tag Frau Fiebold, hier ist Eva, Eva Richter, könnte ich bitte dringend Herrn Steiner sprechen?«
»Ah Frau Richter, aber natürlich, sofort. Ich verbinde sie gleich. einen Moment Bitte«, hörte sie ihre nervös gewordene Stimme antworten.
Es knackte in der Leitung und es wurde Musik eingespielt, aber nicht lange und es meldete sich Peter:
»Eva, wo bist du? Geht es dir gut? Kannst du reden?«
»Peter, es geht mir den Umständen einsprechend gut. Bitte richte Carlo folgendes aus, er soll alle Personen die er hat frei lassen, auch diesen Wolfgang. Dann lassen die mich auch frei. Der Kontakt und der weitere Ablauf erfolgt nur über dieses Handy, die Nummer hast du ja auf dem Display. Erster Kontakt soll morgen Früh um zehn sein, du musst um zehn Uhr zurück rufen um den weiteren Ablauf abzusprechen«, sie wusste dass Peter alle Gespräche auf ein Tonband aufzeichnete aber sie wollte noch etwas Zeit gewinnen und fragte ihn deshalb:
»Peter, hast du alles mitbekommen und verstanden? Die meinen es wirklich sehr ernst, sag das bitte Carlo.«
»Schluss jetzt, das reicht«, sagte Pepe recht böse zu ihr und nahm ihr das Handy aus der Hand.
»Senior Steiner, hier spricht Pepe. Wie sie sich überzeugen konnten geht es der Signora gut. Noch! Also richten sie Carlo genau das aus was sie gesagt hat. Ciao«, sagte er und unterbrach die Verbindung.
»Schön Signora, jetzt dürfen sie wieder nach unten gehen«, sagte Pepe.
»Besteht vielleicht die Möglichkeit, dass ich mich einmal duschen kann. Bin schon seit drei Tagen auf dem Boot und fühle mich nicht sehr wohl so ungepflegt zu sein«. Pepe schaute Stefan, den großen, an und nickte ihm zu.
»Aber natürlich Signora, gehen sie ruhig duschen.« Eva stand auf und ging, gefolgt von dem Großen nach unten und in die Dusche. Als sie fertig war begleitete er sie in ihre Kabine und schloss sie wieder ab. Sie legte sich wieder aufs Bett und zitterte immer noch leicht vor Angst und dachte:
>Mensch Carlo, woher kennst du solche miesen Typen?<
Sardinien
C |
»arlo, Carlo hier ist ein Gespräch für dich.« Ich konnte nicht lange geschlafen haben und wir mussten noch in der Luft sein, ich hörte die Triebwerke des Flugzeuges voll arbeiten. Ich sah auf und erkannte Pit, der mir ein Bordtelefon hinhielt.
»Carlo, es ist Peter.« Ich nahm das Telefon und setzte mich gerade um die Rückenmuskeln zu dehnen.
»Peter, was gibt es so wichtiges?«
»Carlo, du wirst es nicht glauben aber ich habe heute Abend mit Eva gesprochen«. Ich war blitzartig wach.
»Wann und wo?«, konnte ich nur fragen.
»Sie hat mich auf der Büroleitung angerufen, was sehr geschickt war. Denn sie wurde von ihren Entführern dazu gezwungen Kontakt mit dir aufzunehmen. Ich versuche schon seit gestern Abend dich auf deinem Handy anzurufen und als ich dich nicht erreichte habe ich Thomas gefragt und der hat gesagt, dass du gerade den Einsatz in Wandsbek fährst. Da dachte ich mir, das du dich schon melden wirst, wenn du auf deinem Handy siehst das ich angerufen habe.«
»Entschuldige, das Handy war leer und danach habe ich es nur eingesteckt und nicht mehr draufgeschaut ob was war. War doch schon sehr spät. Was hat Eva denn jetzt gesagt? Geht es ihr gut?«
»Ja, soweit man das am Telefon beurteilen kann geht es ihr gut. Die Entführer verlangen, dass du alle Personen die du gefangen hast freilassen sollst, dann lassen sie auch Eva laufen. Ich muss morgen Früh um zehn Uhr einen gewissen Pepe auf seinem Handy zurück rufen um den weiteren Ablauf zu klären.«
»Dann hat sich der alte Fuchs also doch eingemischt«, sagte ich laut.
»Wie, du kennst den?«
»Ja, von früher. Aber dazu später mehr. Um zehn hoffe ich schon an Ort und Stelle zu sein um einschreiten zu können. Ruf ihn an und hör dir an was er zu sagen hat. Versuche herauszufinden, wen von den Leuten die wir gefangen haben, er kennt und ob er auch was mit den Asiaten zu tun hat. Lass dir die Übergabeprozedur genau erklären.«
»Ja, klar. Ich halte dich auf jeden Fall auf dem Laufenden. Ich habe meine Büroleitung von Komlei One in den Kommunikationskreis mit einbinden lassen, so kann er alle Gespräche mitverfolgen.«
»Peter, ich danke dir. Es werden auch nur die Gespräche die uns betreffen gespeichert.«
»Ja, ich weiß. Das hat mir Thomas schon erklärt und versprochen. Also, bis später dann und noch einen guten Flug. Tschüss«, sagte er noch und unterbrach die Verbindung. Jetzt war an Schlaf nicht mehr zu denken. Ich stand auf um die anderen zu informieren.
»Hört mal eben her, tut mir Leid eure verdiente Ruhe zu stören, aber es gibt Neuigkeiten. Man hat bei Peter angerufen und ihn informiert, dass man Eva freilassen würde, wenn wir die Personen frei lassen würden die wir in Gewahrsam haben.« Ein lautes Gemurmel erhob sich und wie nicht anders zu erwarten, übernahm Pit das Sprechen.
»Wozu hast du dich entschieden?«
»Die Typen von Wolfgang werden vielleicht wirklich Eva frei lassen, aber es hat sich noch jemand in das Spiel eingemischt. Ein Mafioso aus Palermo, den ich von früher kenne. Ich glaube er kann es sich nicht leisten Eva freizulassen noch Eva festzuhalten. Was gibt es da noch für eine Alternative?« Es kam wie aus der Pistole geschossen aus Pit’s Mund:
»Ein Unfall.«
»Ja, genau und am besten noch vor unseren Augen und bei der Übergabe, damit wir sehen können, dass er nichts damit zu tun hat.«
»Lasst uns die Zeit nutzen schon einmal einen Plan zu entwerfen, damit alles noch schneller gehen kann als gedacht.« Sie nickten alle und wir setzten uns an den Tisch im Heck der für Besprechungen gedacht war.
»Gut. Die Lage:
Erstens: wir haben die Princess One, die „Sea King“ mit Luciano Muscio und Enzo Pallei, hier würde ich gern noch Sascha und Belen mit an Bord nehmen. Belen zieh deinen schönen Bikini an und verdrehe den Typen die Köpfe…«, sagte ich augenzwinkernd und alle lachten.
»…Zweitens: auf der „Sea Princess“ sind Salvatore Bacci und Zenca Kumaccio, hier steigen Pit, Monika und ich dazu.
Drittens: Pietro Bonci und Tom Elbers liegen oben auf den Klippen mit ihren Scharfschützengewehren und Sprenggranaten. Sie werden uns auch Bilder über die Bucht liefern damit wir immer auf dem Laufenden sind.
Viertens: um Punkt zehn Uhr müssen wir soweit sein sofort eingreifen zu können. Dann nimmt Peter den ersten Kontakt mit Pepe auf und bekommt die ersten Instruktionen. Weiter darf es dann nicht kommen, zu diesem Zeitpunkt müssen wir zuschlagen und sie überraschen.
Fünftens: ich beabsichtige zwei Tauchteams loszuschicken, ein Team für jedes Boot. Luciano und Enzo von der „Sea King“ gehen an das kleine Boot und Salvatore und Zenca nehmen sich die große Jacht vor. Hier wird wohl auch Eva festgehalten. Was wir spätestens bei der Kontaktaufnahme erfahren werden. Die vier sind ausgebildete Kampfschwimmer und es ist für sie ein Leichtes die zwei Jachten fahruntauglich zu machen. Sechstens: unsere „Sea King“ wird, nachdem sie die beiden Taucher abgesetzt hat, in die Bucht fahren. Belen und Sascha tut so, als wenn ihr ein ruhiges Plätzchen suchen würdet. Ein Pärchen im Badeanzug das schmusend im Steuerstand steht wird man hoffentlich nicht all zu sehr verdächtigen. Den Rest überlasse ich eurer Improvisation, sollte man euch wegschicken, tut so als wenn ihr wegfahren wollt. Siebtens: hier beginnt die Spekulation und Improvisation. Wir müssen zum Zeitpunkt X in die Bucht fahren. Das Boot mit Eva kapern, sie befreien und gleichzeitig das große Boot in Schach halten. Wenn es sein muss, auch versenken. Obwohl ich ganz gern ein Wörtchen mit Pepe wechseln würde, bevor es zu spät ist. Aber wenn es nicht anders geht dann eben so.
Wir wissen noch nicht wie viel Männer an Bord der beiden Boote sind, aber ich hoffe, das wir bis dahin Näheres von Pietro und Tom erfahren haben. Gesehen haben wir schon vier Mann auf der großen Jacht, plus mindestens einen der mit dem Beiboot unterwegs war und wahrscheinlich zwei auf der kleinen Jacht, das wären also mindestens sieben Personen. Wir sind mit elf im Einsatz, das sollte reichen. Ach übrigens habe ich vor uns vom Heli direkt auf die Boote bringen zu lassen. Habt ihr noch Fragen oder Anregungen?«, stellte ich die Frage in den Raum.
»Wir seilen uns auf die Boote ab? Wie ist die Wettervorhersage für dieses Gebiet um diese Zeit?«, fragt mich Pit.
»Ja wir seilen uns ab. Dass geht wohl am Schnellsten und die Ausrüstung die wir benötigen haben wir an Bord oder jeder selbst dabei. Das Wetter ist sonnig und windstill. Die Kommunikationsleitung hat Komlei Two in Rom, die „Sea Princess“ hat die Einsatzleitung und die Operationssprache ist englisch. Komlei One ist immer mit involviert und kann bei einem Ausfall von Komlei Two alles übernehmen.« Wir diskutierten und sprachen den Einsatz noch einmal durch, überprüften ihn auf Schwachpunkte und Fehler und bemerkten nicht wie schnell die Zeit verging.
»Achtung an alle…«, hörten wir den Piloten über die Bordsprechanlage; »…wir landen in wenigen Minuten auf dem Aeroporto Cagliari. Bitte schnallen sie sich an.«
»O.K. der Plan müsste so wie er steht durchzuführen sein. Lasst uns auf unsere Plätze gehen. Die nächste Besprechung finden auf den Booten statt über eine Videokonferenz.«
Wir standen auf, nahmen unsere alten Sitzplätze wieder ein und schnallten uns an. Ich war kein bisschen müde, obwohl die Nacht schon herum war und ich kein Auge zugemacht hatte. Durch die linken Fenster konnte man schon am Horizont die Sonne aufgehen sehen, Blutrot. Hoffentlich war das kein schlechtes Ohmen. Wir landeten als eine der ersten Maschinen an diesem Morgen auf dem Flugplatz.
Unser Pilot rollte mit dem Learjet zum Abstellplatz für die Privatflieger und stellte die Triebwerke ab. Durch die rechte Fensterreihe konnte ich unseren Hubschrauber stehen sehen. Wir nahmen unser Gepäck, stiegen aus und gingen über den Rasen zum Helikopter. Hier waren die Türen schon geöffnet so dass wir nur einsteigen mussten. An der Ausstiegsluke war ein Kran zum Abseilen angebracht. Wir legten unser Rettungsgeschirr an, das man zum Abseilen braucht. Es hatte vorne eine Öse, an die der Karabinerhacken der Winde eingehängt wird. Unser Gepäck wurde dann nach uns heruntergelassen. Wir setzten uns auf den Boden und kaum waren die Türen geschlossen hob er auch schon ab. Wir flogen nach Westen, Richtung Iglesias. Nach guten dreißig Minuten hatten wir die Küste erreicht und ich konnte unten unser Haus sehen und an der Küste lagen unsere beiden Jachten vor Anker.
Der Pilot des Hubschraubers hatte schon Kontakt mit den Besatzungsmitgliedern aufgenommen und sie standen erwartungsvoll an Deck. Als erstes schwebte der Hubschrauber über die „Sea King“. Sascha und Belen machten sich zum Aussteigen fertig. Der Copilot kam nach hinten, hackte seine Sicherungsleine ein und öffnete die Ausstiegstür, ein warmer Wind blies herein. Sascha gab Belen den Fortritt, sie hakte sich ein, gab dem Copilot das Zeichen mit hochgerecktem Daumen, dass sie bereit zum Aussteigen war. Dann winkte sie uns noch zu und ließ sich nach draußen fallen. Langsam wurde sie nach unten gelassen, dass Problem bei diesem Manöver war, dass der Pilot die Maschine ruhig halten musste. Denn der Landeplatz war die Sonnenliege im Heck und die war mal gerade zweimal zwei Meter groß.
Unten wartete schon Enzo auf sie, kaum stand sie mit beiden Beinen auf der Liege, klickte sie das Windenseil los und streckte den Daumen nach oben, Nummer eins war gelandet. Die Winde wurde wieder eingeholt und mit Sascha wiederholte sich das gleich Spiel. Als beide unten waren kam ihr Gepäck dran, auch das klappte ohne Probleme, gelernt ist eben gelernt.
Kaum hatten sie das Gepäck in Empfang genommen verschwanden sie auch schon unter Deck und der Hubschrauber flog auf die „Sea Princess“ zu. Hier hatten wir etwas mehr Fläche zum Landen, denn wir nahmen das vordere Deck. Hier hatten wir zweimal drei Meter zur Verfügung. Salvatore hatte sich schon auf das Deck gestellt um Hilfestellung zu geben. Als erstes wurde Monika herunter gelassen, dann kam Pit an die Reihe und zu guter Letzt war ich dran. Haken einrasten, kontrollieren, Handzeichen geben und rauskippen lassen. Langsam schwebte ich nach unten und schon konnte ich das Deck unter den Füßen spüren. Hinstellen, ausklinken, Daumen nach oben und der Hacken schwebte wieder nach oben um unser Gepäck runterzulassen.
»Ciao Salvatore, alles klar bei euch?«, fragte ich auf Italienisch.
»Si Carlo, bei uns ist alles klar.« Ich schaute nach oben und schon kam unser Gepäck. Pit löste den Haken und gab das Zeichen an den Copiloten zum Einziehen des Windenseiles. Monika und ich schnappten unser Gepäck und liefen an der Backbordseite nach hinten. Kurz nach uns kamen Pit und dahinter auch schon Salvatore. Im Heck angekommen sah ich nach oben und gab dem Piloten das Zeichen, dass alles in Ordnung war, Daumen nach oben. Sofort nahm er Geschwindigkeit auf und flog wieder Richtung Aeroporto Cagliari davon. Wir gingen in den Salon und legten unser Gepäck ab.
»Ciao Zenca«, sagte ich zu dem zweiten Mann des Teams der im Steuerstand saß.
»Ciao Carlo, schön euch zu sehen.«
»Salvatore, welche Kabine habt ihr belegt?«, fragte ich.
»Ah, wir haben uns die Einzelbett Kabinen genommen.«
»Gut. Monika, Pit, möchte einer von euch die Kabine achtern nehmen, oder teilt ihr euch die Bugkabine?« Sie sahen sich an und nickten lächelnd.
»Wir nehmen zusammen die Bugkabine«, sagte Monika.
Das war mir schon klar, die beiden fanden sich sehr sympathisch, was aber ihrer gute Zusammenarbeit nicht im Wege stand.
»Gut, dann lasst uns unser Gepäck verstauen und uns noch etwas Frischmachen. Treffpunkt in vierzig Minuten im Salon zur Lagebesprechung.« Sie nickten und gingen den Niedergang nach unten in ihre Kabine. Ich ging in den Steuerstand und nahm das Funktelefon zur Hand.
»Achtung an alle, Lagebesprechung in vierzig Minuten über die gesicherte Videoverbindung.« Ich nahm mein Gepäck und ging auch nach unten. Links ging es in die Einzelbettkabine, gerade aus war die Bugkabine, rechts die gut ausgestattete Küche. Einmal um Hundertachtzig Grad gedreht ging es nach hinten in die Heckkabine, die Eignerkabine. Ich öffnete die Tür und war in einer anderen Welt.
Die große Kabine ging über die gesamte Bootsbreite und das Boot hatte immerhin eine breite von fünf Meter, die Raumtiefe betrug drei Meter. In der Mitte des Zimmers stand das große Doppelbett. An beiden Seiten gab es vier große Rechteckige Fenster. Links stand noch ein Sofa an der Wand und rechts gab es einen Schreibtisch rechts vom Schreibtisch ging es in das große Badezimmer. Die Möbel waren aus Wurzelholz, das Sofa, der Stuhl und die Decke waren mit hellem Leder und Stoff bespannt. Ich legte mein Gepäck auf das Sofa und warf erst einmal meine Sachen von mir, ging in die Dusche und genoss das Wasser. Es war schön wieder auf einem Schiff zu sein, auch wenn die Situation nicht gerade schön war. Diese einundzwanzig Meter lange Jacht hatte eine Verdrängung von achtunddreißig Tonnen und konnte eine Geschwindigkeit von locker fünfundvierzig Knoten erreichen, dafür sorgten zwei Maschinen mit je tausendsiebenhundertfünfzig Pferdestärken. Es gab drei Kabinen und eine Mannschaftskabine im Heck, mit jeweils zwei Kojen, jede Kabine hatte ihr eigenes Bad. Ich trocknete mich ab, ging in die Kabine und legte mich auf das Bett. Es war angenehm frisch, dank der Klimaanlage die es in jeder Kabine gab.
>Nur ein paar Minuten entspannen<, dachte ich. Es klopfte an die Tür und ich schreckte hoch, schaute auf die Uhr. Es waren inzwischen fünfunddreißig Minuten vergangen.
»Ja, ich komme«, sagte ich, sprang aus dem Bett und zog mir meine Badehose an. Als ich oben ankam saßen schon alle um den ovalen Tisch herum. Das Hardtop war zurückgefahren, so konnte der warme Wind in das Cockpit wehen. Ich setzte mich dazu und wir sahen auf den LCD-Bildschirm, der auf der anderen Seite auf dem Schrank stand. Ich langte in den Steuerstand und nahm das Funktelefon:
»Guten Morgen Giovanni, hast du alle unter einen Hut bekommen und kannst du uns aufschalten?«, fragte ich meinen Komlei Two Chef Giovanni Borga.
»Ciao Carlo, ja ich habe alle auf Sendung. Hier ist das Bild von der Bucht.« Kaum hatte er es gesagt, ging auch schon der Bildschirm an und man konnte die beiden Jachten unten in der Bucht liegen sehen. Das Bild wurde von unserem Team gemacht das oben auf den Klippen lag. Die Jachten lagen noch genau so wie wir es von dem Überwachungsbild der AWACS her kannten.
»Gut Giovanni, dann mal los. Also, wir sind alle gut auf unseren Booten gelandet und fahren gleich los. Hier auf der „Sea Princess” werden wir alles mit der Deckkamera aufzeichnen, so habt ihr immer ein Bild von dem Geschehen aus unserer Sicht. Das Quadro-Team auf der Klippe übermittelt die Bilder aus der Vogelperspektive. So haben wir das Geschehen immer im Bild und Giovanni ist unser Regisseur und hält uns über Funk auf dem Laufenden. Giovanni gebe uns doch bitte mal beide Bilder als Splittscreen auf den Bildschirm.« Sofort änderte sich das Bild. Der Bildschirm teilte sich und man konnte jetzt zwei Bilder sehen. Links das von unserer Bordkamera und im rechten Bereich das vom Quadro-Team aus der Vogelperspektive in der Bucht.
»Gut so, jetzt gehen wir noch einmal den Plan durch. Aber zuerst bitte die Rückmeldungen aller beteiligten Teams und dann noch von Dietmar, ob ihr auch alles verstehen könnt.« Es meldeten sich alle Teams nacheinander, dass sie auf Empfang sind und zum Schluss noch Dietmar.
»Carlo, hier ist Dietmar. Ich kann auch alles empfangen und auf meinem Bildschirm sehen.«
»Gut Dietmar, wir schalten uns ab zehn Uhr auf dein Telefon damit wir alles mitbekommen was du mit Pepe besprichst. So und jetzt die Lage für alle: Wir werden mit unseren Booten an die Bucht heran fahren. So dass wir pünktlich um zehn Uhr, wenn Thomas Pepe anrufen soll, vor Ort liegen und alle Männer Einsatzklar auf ihrer Positionen sind.
Der Ablauf des Einsatzes: Wir fahren direkt bis an die Bucht heran und lassen unsere vier Taucher aussteigen. Luciano und Enzo nehmen sich die große Jacht vor, Salvatore und Zenca die kleine. Hier wird wahrscheinlich auch Eva festgehalten. Näheres, sobald wir da sind, von unserem Team auf dem Berg. Die Taucher bringen Wasserminen am Heck der Jachten an. Diese werden von mir gezündet, aber erst wenn ich sicher bin, dass unsere Taucher auch in Sicherheit sind.
Das ist eine reine Vorsichtmaßnahme damit sie nicht verschwinden können. Wenn wir das O.K. der Taucher haben, beginnt die „Sea King“ mit ihrem Ablenkungsmanöver. Heranfahren und so tun, als wenn sie ein Liebespaar sind und sich ein stilles Plätzchen suchen wollen. Unsere Taucher machten sich fertig zum Eingreifen. Nach meiner Berechnung sollte dann eine Überraschung glücken, wenn wir mit Vollgas in die Bucht einfahren und die große Jacht aufs Korn nehmen. Während unsere Taucher und die „Sea King“ das kleine Boot in Schach halten. Unser Team auf dem Berg tut das seine mit ihren Scharfschützengewehren um sie ruhig zu halten. Dazu noch Fragen?«. Keiner hatte eine.
»Gut dann gehe ich davon aus, dass alles verstanden wurde. Auf geht’s und viel Glück. Over and Out.« Ich legte den Hörer wieder zurück und wandte mich an Monika:
»O.K. Monika! Du fährst das Boot. Peilung auf das Kap La Punta der Insel S. Pietro. Die Entfernung müsste einundzwanzig Kilometer sein, von dort bis zur Buch dann noch einmal etwa acht Kilometer. Gebe der „Sea King“ das Zeichen und dann nichts wie hin, die Zeit läuft uns weg.« Sie stieg in den Steuerstand, betätigte die elektrische Ankerwinde und informierte die „Sea King“, dass es losgeht. Pit setzte sich zu ihr auf den zweiten Sessel und übernahm die Navigation. Salvatore und Zenca gingen in den Salonbereich, der hinter dem Steuerstand lag und durch eine Glastür getrennt war. Sie beschäftigten sie sich mit ihrer Taucherausrüstung und legten schon ihre Taucheranzüge an.
Ich ging auch nach achtern und legte mich auf eine der Sonnenliegen. Wir fuhren mit Höchstgeschwindigkeit an der sardischen Küste vorbei. Auf der halben Stecke konnte ich links, den Ort Fontanamare liegen sehen, direkt am Meer und hinter dem Ort ging es hundertsiebenundfünfzig Meter steil hoch. Ich schaute auf die Uhr, es war schon neun Uhr. Aber wir konnten es schaffen, auch wenn wir es vom Cap bis zur Bucht noch acht Kilometer hatten. Unsere Jachten fuhren nebeneinander her und hinterließen einen breiten Streifen im Kielwasser. Kaum war die Isola Piana, die achthundert Meter vor S. Pietro lag, auf der linken Seite zu sehen, änderten die Boote die Richtung und wir fuhren Richtung Bucht.
Ich stand auf und ging nach vorne an Salvatore und Zenca vorbei, die sich gegenseitig halfen die Taucherausrüstung zu überprüfen. Wir verwendeten die gleiche Ausrüstung die auch die Kampfschwimmer benutzten. Der Vorteil war, dass keine Luftblasen aufsteigen und niemand an der Wasseroberfläche die Taucher bemerken konnte.
Die ausgeatmete Luft wurde in eine separaten Flasche geleitet, so hatten die Taucher zwar drei Flaschen auf dem Rücken. Der Vorteil war, dass keine aufsteigende Luftblasen gesehen werden konnten. Der Nachteil war die kurze Tauchzeit. Im Steuerstand, links vom Niedergang, gab es noch zwei weitere Sessel, wo ich mich auf einen setzte.
»Halte kurz vor der Buch an, direkt hinter der Felsnase. Dann können unsere vier Taucher aussteigen«, sagte ich zu Monika.
»Ist gut«, sagte sie und informierte über Funk die „Sea King“. Wir glitten mit gedrosselten Maschinen bis zur Felsnase, Kurz davor kamen wir zum Stillstand. Unsere Taucher waren in der Zwischenzeit schon auf die Badeplattform gegangen und standen bereit. Ich sah zur „Sea King“ rüber und sah, dass auch hier alles bereit war. Ich nahm den Hörer und sprach ins Mikrofon:
»Quadro-Team, wie sieht es bei euch da oben aus?« Dabei schaute ich auf den Bildschirm wo die Bucht und die beiden Jachten zu sehen waren.
»Wir haben keine Veränderungen zu melden und sind einsatzklar. Wie es aussieht ist Eva immer noch auf der kleinen Jacht.«
»Gut, dann beginnen wir jetzt mit der Aktion Befreiung.«
Ich ging nach achtern und gab den Tauchern das Zeichen zu starten. Sie sprangen ins Wasser und waren sofort aus dem Blickfeld verschwunden, keine aufsteigenden Blasen verrieten sie, sie waren zu unsichtbaren Haien geworden. Bereit, mit ihren Waffen ganze Schiffe auf den Meeresboden zu schicken. Mir lief es eiskalt über den Rücken, gut dass ich sie nicht zu Feinden hatte, dachte ich mir. Wir hatten alles auf Lautsprecher geschaltet und konnten so, über den Sprechfunk, ganz leise die Aqua Lunge der Taucher hören wenn sie ein- und ausatmeten. Das war lange Zeit das einzige Geräusch, dann ganz klar die Stimme von Luciano:
»Das Uno-Team hat die Sprengladung angebracht und ist auf seiner Einsatzposition.« Nicht viel später auch die Meldung von Salvatore,
»Das Due-Team hat die Sprengladung angebracht und ist auf seiner Einsatzposition.« Ich sah zur „Sea King“ rüber und gab das Zeichen zum Losfahren. Langsam, wie es sich für ein verliebtes Pärchen gehörte, fuhren sie los. Ich sah Sascha am Steuer stehen und Belen, in ihrem Bikini sah sieh umwerfend aus, saß hinter ihm auf der Lehne der Bank. Langsam umfuhren sie die Felsspitze und glitten aus unserem Blick. Ich schaute auf den Bildschirm und sah wie sie langsam in die Bucht einfuhren. Beide schienen so mit sich beschäftigt zu sein, dass sie die beiden Jachten erst gar nicht zu bemerken schienen.
Auf einmal schreckte Sascha hoch und stoppte das Boot. An Bord der großen Jacht kamen zwei Männer an Deck und man konnte erkennen was sie sagten und das unterstrichen sie noch mit Handgesten die eindeutiger nicht sein konnten.
>Verschwindet von hier.<
Sascha hatte unterdessen die „Sea King“ zwischen die beiden Booten gesteuert. Belen stand auf, ging zur Reling und sprach mit den beiden. Jetzt konnte man sie in voller Größe und Schönheit bewundern, was die beiden auch gebührend taten. Sascha stand immer noch im Steuerstand und schaute zu. Einer der beiden sagte etwas ins innere der Jacht und kurze Zeit später kamen noch zwei weitere Männer an Deck um Belen zu bewundern. Auf der kleinen Jacht tat sich auch etwas. Da die beiden Sonnensegel für das Cockpit und der Sitzgruppe achtern geschlossen waren, konnte man die beiden Männer erst erkennen, als sie auf die Badeplattform traten. Jetzt könnte man die beiden mit zwei gezielten Schüsse ausschalten und Eva wäre in Sicherheit. Ich nahm den Hörer zur Hand uns sprach hinein:
»Pietro, Tom, könnt ihr die beiden auf der kleinen Jacht ausschalten? Mit Narkosepatronen?«
»Hier ist Tom, ja wir haben sie im Visier.«
»Gut, schaltet sie aus und dann nehmt euch die Männer der großen Jacht vor. Auf mein Kommando... « und dann gab ich den Befehl für alle:
»... Achtung an alle. Zugriff! Zugriff!« In diesem Moment schob Monika die Maschinenhebel auf Vollgas und das Boot schoss, wie aus einem Gewehr abgefeuert, los. Wir mussten uns an den Haltegriffen festhalten. Jetzt passierte alles auf einmal. Ich sah auf dem Bildschirm, wie die beiden Männer auf der kleinen Jacht zusammenbrachen. Im gleichen Moment tauchten die Männer vom Due Team auf und kletterten an Bord um die Jacht zu entern und Eva zu befreien. Zwei der Männer auf der großen Jacht brachen kurz danach auch zusammen. Bevor die anderen beiden überhaupt begriffen was los war, dann aber blitzartig unter Deck verschwanden.
Das war der Zeitpunkt als wir auch mit aufschäumender Bugwelle um das Kap rasten und auf die große Jacht zuhielten. Ich schaute rüber zur kleinen Jacht und stellte fest, dass sie von meinen Männern gesichert war. Meine beiden Leute hatten die ohnmächtigen Typen gleich gefesselt und waren gerade auf dem Weg unter Deck.
In der Zwischenzeit hatte Monika mit der „Sea Princess“ und Sascha mit der „Sea King“ die große Jacht ins Sandwich genommen. Belen und Sascha hatten sich bewaffnet und zielten mit ihren Maschinenpistolen auf die große Jacht. Pit stand, auch mit einer Maschinenpistole bewaffnet, an Deck und sicherte von dieser Seite. Achtern im Wasser der Jacht schwammen Luciano und Enzo. Sie hatten auch ihre Waffen in der Hand und sicherten von achtern. Ich gab Monika ein Handzeichen und sie nahm das Mikrophon für die Lautsprecher zur Hand. Wir hatten abgesprochen dass sie Pepe zur Aufgabe auffordern sollte.
»Achtung, Achtung. Hier spricht die „Sea Princess”. Senior Pepe, bitte kommen sie alle mit erhobenen Händen an Deck. Sie haben keine Gelegenheit zur Flucht, wir haben eine Haftmine an ihrem Heck angebracht«. Ich hörte, im internen Funkkreis, wie sich Salvatore meldete:
»Carlo, wir haben Eva. Sie ist unverletzt, wohlauf und lässt dich grüßen«. In ging zum Steuerstand und nahm den Hörer zur Hand:
»Danke Salvatore, ich lass sie auch grüßen. Nehmt die Haftmine wieder ab und fahrt mit der Jacht raus auf offene See und wartet auf weitere Anordnungen.«
»Gut, machen wir.« Ich sah wie der Anker geborgen wurde, einer ins Wasser sprang und kurze Zeit danach wieder mit der Mine in der Hand an Bord kletterte. Langsam nahm die Jacht Fahrt auf und fuhr aus der Bucht. Ich wurde abgelenkt von einer Bewegung auf der großen Jacht. Es kamen vier Männer mit erhobenen Händen an Deck.
»Monika, sag denen sie sollen auf die Badeplattform gehen und frag sie wo Pepe ist, der soll auf die Flybridge gehen.« Schon hörte ich Monikas Stimme, auf Italienisch, über die Außenlautsprecher. Die vier gingen, wie Monika es verlangt hat, auf die Badeplattform.
>Wo war Pepe der Fuchs<, dacht ich mir.
»Monika, die sollen ins Beiboot steigen und fünfzig Meter weit von der Jacht weg rudern.« Als Monika diese Anweisung weiter gab, ließen die Männer das Beiboot zu Wasser, setzten sich rein und ruderten von der Jacht weg. Ich nahm das Telefon:
»Sascha, geht längsseits und an Bord, sichert den Zugang wir kommen nach.«
»Machen wir.« Belen hing die Pfänder über Bord, damit die Schiffe nicht beschädigt wurden und schon ging die „Sea King“ längsseits und machte an der großen Jacht fest.
Belen und Sascha sicherten sie und stiegen an Deck. Belen ging auf die Flybridge und Sascha sicherte den Bereich achtern und den Eingang zum Salon. Ich gab Monika ein Zeichen und wir glitten auf der anderen Seite auf die Jacht zu. Ich hing auch bei uns die Pfänder über Bord, während Pit mich sicherte. Dann lagen wir Bordwand an Bordwand und ich vertäute die Schiffe.
»Monika, bleib du bitte an Bord und sichere unsere Boote. Pit wir gehen rüber.« Als wir an Bord der großen Jacht standen, konnte man den Unterschied spüren. Das hier war eine neunzig Tonnen Jacht, die „Sea Princess“ hatte mal gerade eben vierzig Tonnen Wasserverdrängung. Wir standen an Deck unter der Flybridge, ich ging langsam sichernd nach achtern.
»Sascha hat sich drinnen schon was gerührt?«, fragte ich ihn.
»Nein, es ist alles ruhig.«
»Gut, Pit und ich gehen jetzt rein und durchsuchen sie.«
Pit und ich nähern uns den Glastüren die in den Salon führten. Sie waren, bis auf einen kleinen Spalt geschlossen und bestanden aus dunklem Glas, so dass man nicht hinein sehen konnte. Pit öffnete langsam die beiden Türen und ging als erster rein. Ich folgte ihm und wir blieben, überwältigt von der Größe und der Ausstattung, stehen.
Direkt am Eingang standen rechts und links zwei weiße Ledersofas mit Tisch. Weiter vorne stand noch einmal ein Sofa, aber quer zum Schiff und mit Blickrichtung auf einen riesigen Bildschirm, der an der Holzwand befestigt war. Rechts und links davon standen an der Wand, jeweils ein Sideboard. Auf dem Sofa vor dem Bildschirm konnte man jemanden sitzen sehen.
»Ah, der Organisator oder darf ich Carlo sagen? Du entschuldigst bitte, aber aus diesem Alter bin ich raus wo ich noch mit erhobenen Händen irgendwo hingehe. Komm setz dich zu mir und lass uns reden. Das konntest ja nur du sein, der so einen Handstreich durchführt.«
»Guten Tag Pepe, ich hoffe, dass du nichts in deinen Händen hältst was wie eine Waffe aussehen könnte? Meine Männer sind sehr nervös und zielgenau was das betrifft.«
»Nein, nein, komm ruhig her. Deine Männer können ruhig in der Zwischenzeit das Schiff durchsuchen.«
»Sascha, Pit, durchsucht die Jacht. Belen, komm bitte auf das Achterdeck zur Sicherung.«
»Ja, das hast du mal wieder geschickt eingefädelt, Carlo. Wie hast du uns gefunden?«. Ich ging nach vorne und setzte mich neben Pepe auf das Sofa. Er sah gut aus für sein Alter, gepflegt und braungebrannt.
»Gut siehst du aus Pepe, hast dich sehr gut gehalten. Was macht die Familie?«
»Ah! Schade, dass du damals nicht Lucia heiraten wolltest. Wären ein gutes Team gewesen wir beide. War ich sehr verärgert darüber, aber du warst auf einmal verschwunden.«
»Ja, das war auch gut so. Wer weiß was du sonst mit mir gemacht hättest.«
»Du hast aber meine Frage noch nicht beantwortet, wie du uns gefunden hast.«
»Du auch nicht meine. Wie es deiner Familie geht.«
»Ach Carlo, Lucia ist mit ihrem Mann nach Amerika gegangen und hat mich allein gelassen. Meine Frau ist gestorben, was bleibt da einem alten Mann noch übrig.«
»Das tut mir leid Pepe. Aber sonst scheint es dir ja an nichts zu fehlen. Hast du eigentlich gewusst was Wolfgang vorhatte?«
»Nein, damit wäre ich auch nicht einverstanden gewesen. Ich kenne dich, dir geht die Familie auch über alles und du hättest die Welt umgedreht um Eva zu finden. Übrigens eine tolle Frau.«
»Ja, da hast du Recht. Jetzt sitzt Wolfgang bei mir und ich werde alles aus ihm herausholen was er weiß.« Pit und Sascha kamen in den Salon.
»Die Jacht ist sauber, bis auf die beiden narkotisierten Typen, die wir eingesperrt haben, ist keiner mehr an Bord«, sagte Pit.
»Danke euch. Macht bitte alles fertig um von hier wegzukommen. Holt die vier Männer von Pepe wieder an Bord, verfrachtet sie auch nach unten und sperrt sie ein. Luciano soll die Haftmine entfernen, das Quadro-Team soll zum Haus zurück fahren. Monika fährt mit der „Sea Princess“ hinter uns her. Belen und das Uno-Team fahren auf der „Sea King“ zum Haus zurück. Wir drei und das Tauchteam fahren mit dieser Jacht nach Calasetta. Eva soll auf die „Sea Princess“ umsteigen. In Calasetta übergeben wir dann die beiden Jachten der Polizei. Salvatore soll mit der kleinen Jacht auch hinter uns her kommen.«
»Gut, werden wir organisieren«, sagte Pit und die beiden gingen nach draußen.
»Hast deine Leute aber gut im Griff«, sagte Pepe zu mir als die beiden draußen waren.
»Nein Pepe. Nicht im Griff. Die Leute sind freiwillig bei mir und wenn sie einen Fehler in meinen Anordnungen sehen, sagen sie mir das. Das ist der Unterschied zwischen deinen und meinen Männern. Deine arbeiten aus Angst oder Ergebenheit für dich. Meine Leute arbeiten für mich aus Loyalität und auf eigenem Wunsch.«
»Ja Carlo. Was hast du den jetzt weiter mit uns vor? Wirst uns doch nicht der Polizei ausliefern wollen? Wir haben nichts mit dieser Entführung zu tun und sind sowieso in kürzester Zeit wieder frei. Was Wolfgang betrifft, mach mit ihm was immer du willst.«
»Verbindet dich nichts mit ihm? Freundschaft?«
»Nein. Mit ihm hatte ich nur Geschäfte gemacht und in den letzten Jahren noch nicht einmal das.«
»Ich habe gehört, dass er mit den Chinesen zusammenarbeitet. Weist du da was davon?«
»Ja und Nein. Er soll mit einer gewissen Mai Ling zusammen arbeiten. Eine knallharte Frau die über Leichen geht, wie ihr Vater. Mehr weiß ich auch nicht. War auch ein Grund mehr die Verbindung mit ihm abzubrechen.«
»Na ja Pepe, das nehme ich dir nicht ganz ab. Auch wenn du vielleicht wirklich nicht mehr im Geschäft bist. Aber wissen, was um dich herum geschieht, das weißt du immer noch recht gut. Du alter Fuchs«. Er lächelte in sich hinein.
»Willst du was trinken, bevor wir losfahren?«, fragte er mich.
»Ja, gib mir bitte einen Prosecco.« An Deck konnte ich hören wie Sascha und Pit die vier Männer von Pepe an Bord schafften und durch den anderen Niedergang nach unten verfrachteten. Pepe hatte uns, aus der Bar, jedem ein Glas Prosecco eingeschenkt und hielt es mir hin.
»Bitte Carlo, las es dir schmecken. Salute mein Freund, auf die Familie«, sagte er und stieß mit mir an.
»Pepe, die beiden Männer von Wolfgang werde ich auf jeden Fall in Calasetta der Polizei übergeben. Vor dem Hafen werden meine Männer und ich deine Jacht verlassen. Tu mir einen Gefallen, lass mich auch meinen Lebensabend in Ruhe genießen.«
»Das ist ein gutes Angebot Carlo, schön dass du mir die Unannehmlichkeiten ersparst. Ich kann dir garantieren, dass du von mir nichts mehr zu befürchten hast. Was aber deinen Lebensabend angeht, weiß ich, dass du noch ganz schön aktiv bist mit deiner Firma.
Aber das geht mich nichts an, wenn du mich in Ruhe lässt und du mir nicht in die Quere kommst. Sobald du die Jacht verlassen hast, lasse ich meine Männer wieder frei und wir fahren zurück nach Palermo«. Ich hob mein Glas und prostete ihm noch einmal zu.
»Auf, dein Wort Pepe. Wenn du dich zurückgezogen hast, kommen wir uns bestimmt nicht mehr in die Quere. Salute Pepe.«
»Salute Carlo.« Pit kam hoch und gesellte sich zu uns, goss sich ein Glas Wasser an der Bar ein und trank es in einem Zug leer.
»So, wir sind fertig und könnten starten.«
»Gut Pit, ich komme gleich hoch auf die Brücke. Diese Jacht muss ich einmal selbst fahren«, sagte ich zu ihm und lachte ihn dabei an.
»Kann ich verstehen. Also, bis gleich«, sagte er und ging nach hinten raus um auf die Flybridge hoch zu gehen.
»Mein Kompliment Carlo, da hast du dir sehr gute Männer ausgesucht. Soweit ich weiß, war Pit eine Legende beim englischen Spezialkommando SAS gewesen und der Rest der Mannschaft hat sich, in ihren jeweiligen Spezialgebieten, auch einen Namen gemacht.«
»Ich denke du hast dich zurückgezogen, woher weißt du das alles?«, fragte ich ihn neugierig.
»Ja, das stimmt auch. Aber man hat noch so seine Verbindungen. Du weißt doch Wissen ist Macht und mehr Wissen macht auch nichts... «, sagte er lachend und fuhr fort; »...seit ich weis, dass Eva deine Frau ist, habe ich mir alle Informationen über dich besorgt, um vorbereitet zu sein. Dazu zählen auch Informationen über deine Männer mit denen du immer zusammen arbeitest. Auch wenn da nur sehr wenig in Erfahrung zu bringen ist. Aber du warst zu schnell, oder sollte ich sagen Gott sei Dank. Wer weiß, was meine Leute alles unternommen hätten, wen sie mehr Zeit zum Reagieren gehabt hätten.«
»Ja, ist gut gelaufen. Bis auf die zwei angeschossenen Männer von dir und Wolfgang, gab es keine Verletzten. Aber das sind ja nur Fleischwunden die schnell wieder verheilen.«
»Womit habt ihr denn geschossen, wir haben nichts von Schüssen gehört und dann sind die einfach umgefallen?«
»Ich hatte zwei Scharfschützen oben am Berg liegen, die euch schon den ganzen Morgen beobachtet haben. Benutzt haben wir Narkosepatronen.
Das sind keine normalen Stahlmantel Geschosse, sondern extra von uns entwickelte Patronen, die ein Betäubungsmittel enthalten.« Wir tranken unsere Gläser aus und ich stand auf um auf die Brücke zu gehen und um die Jacht in den Hafen zu fahren.
»Bleibst du hier, oder kommst du mit nach oben?«
»Ach, lass einen alten Mann mal ruhig hier sitzen. Draußen ist es mir zu heiß.«
»Gut, bis später dann«, sagte ich und ging nach achtern. Hier stand Sascha noch an der Reling gelehnt und wartete auf mich.
»Sascha, sei so nett und leiste Pepe doch noch etwas Gesellschaft, bis wir die Jacht verlassen. Pepe wird dir auch sicher ein Getränk anbieten. Bis gleich.«
»Oh ja, Durst hätte ich schon«, sagte er lachend und ging in den Salon um bei Pepe zu bleiben, damit er erst gar nicht auf dumme Gedanken kommt und seine Leute schon etwas früher frei lässt. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ich stieg die Treppe zur Brücke hoch und nahm zum ersten Mal richtig die Ausmaße dieser Jacht wahr. Ich freute mich schon, sie zu fahren.
Ich schaute mich um, unser Boot hatte bereits abgelegt und die „Sea Princess“ lag schon draußen vor der Bucht, neben der kleinen Jacht, um Eva zu übernehmen. Pit stand an der Steuerbordseite und genoss auch den Ausblick. Ich nahm den Hörer des Funkgerätes zur Hand, stellte unsere Frequenz ein und sprach ins Mikrofon:
»An alle, seid ihr klar zur Abfahrt?« Sofort kamen die Klarmeldungen der anderen drei Jachten. Ich startete die Maschinen und holte den Anker elektrisch ein. Als die Signallampe anzeigte, dass der Anker arretiert war legte ich meine Hand auf den Fahrthebel und drückte ihn langsam nach vorne. Sofort spürte ich die Kraft die, die Maschinen auf die Schiffswelle gaben. Die Jacht glitt langsam und majestätisch aus der Bucht und ich winkte im vorbeifahren Eva zu, die auf der Brücke der „Sea Princess“ stand und sie winkte lachend zurück. Hinter mir gingen die zwei Boote in mein Kielwasser, nur die „Sea King“ änderte ihren Kurs und steuerte nach rechts Richtung Küste.
Kaum waren wir aus der Bucht schob ich den Maschinenhebel ganz nach vorne und steuerte nach links. Ich beschleunigte und schoss über das Meer. Es war ein tolles Gefühl, mal wieder auf der Brücke eines Schiffes zu stehen und die unbändige Kraft zu verspüren, mit der es durch das Wasser pflügte.
»Es ist schon ein tolles Gefühl damit zu fahren«, sagte Pit zu mir und ich bestätigte es mit einem Kopfnicken. Ich schaute auf den Geschwindigkeitsmesser und sah, dass er ganz am oberen Ende stand, sechsunddreißig Knoten. Ich musste nicht nach den anderen Booten sehen, wusste ich doch, dass diese Geschwindigkeit auch die beiden anderen Schiffe schaffen konnten. Wir fuhren an der Nordwestküste der Isola S. Pietro Richtung Südwest vorbei. Dann erreichten wir schon das Capo Sandalo und änderten unseren Kurs auf Süden. Es sah toll aus, wie die drei Jachten mit voller Geschwindigkeit durchs Wasser glitten, mit hoch erhobenem Bug und tief im Wasser liegendem Heck, einen phosphorzierenden Streifen hinter sich lassend.
»Ich geh mir mal was zu trinken holen. Willst du auch ein Wasser?«, fragte Pit mich.
»Ja, danke gern«, sagte ich und widmete mich wieder der Jacht. Es war schon der südliche Zipfel der Insel S. Pietro zu sehen. Hier mussten wir den Kurs nach links auf Nordost ändern um in den Hafen von Calasetta zu kommen. Pit kam den Niedergang hoch uns stellte mir ein Glas Wasser hin. Ich nahm einen großen Schluck.
»Ist unten alles in Ordnung?«, fragte ich ihn.
»Ja, Sascha hat alles im Griff und trinkt Pepe die Bar leer«, sagte er lachend. Außer dem kraftvollen leisen dröhnen der Maschinen, war nichts zu hören. Ich schaute zurück und sah Eva immer noch auf der Brücke der „Sea Princess“ stehen. Ich nahm den Hörer des Funkgerätes zur Hand.
»Hi Eva, wie geht es dir? Haben sie dich gut behandelt?«
»Hi Carlo, schön dich zu hören und zu sehen. Ja, die haben mir nichts getan. Du hast den Wettlauf gewonnen und warst erster.«
»Welchen Wettlauf?«, fragte ich sie verwundert über Funk.
»Ja, ich habe mit mir Gewettet, dass du schneller bist als Pepe. Der wollte mich ja auf seine Jacht holen.« Ich bekam nachträglich noch einen Schrecken. Wenn ich mir vorstelle was passiert wäre, wenn sie während der Befreiungsaktion, hier auf der Jacht gewesen wäre. Die Männer von Pepe hätten sie bestimmt als Geisel eingesetzt und ich weiß nicht, was wir dann gemacht hätten.
»Da bin ich aber froh, dass ich Sieger geworden bin«,
sagte ich erleichtert zu ihr.
»Ich mal erst. Ist jetzt alles vorbei?«
»Ja, wir überlassen die Männer von Wolfgang der Hafenpolizei. Pepe bekommt seine Jacht wieder zurück und verschwindet nach Palermo.
Er hat mir versprochen uns in Ruhe zu lassen. Aber da können wir nachher im Haus noch in Ruhe darüber reden.«
»Gut, gib Gas. Sonst überholen wir euch noch«, antwortete sie lachend und betätigte das Signalhorn der „Sea Princess“. Der Ton ging einem durch Mark und Bein. Ich drehte noch etwas an der manuellen Einstellung und kitzelte so noch gut zwei Meilen mehr heraus. Aber man merkte schon, dass die Jacht an ihrem Schmerzpunkt angekommen war. Wir hatten das Cap erreicht und ich drehte nach Backbord ab, mit Kurs auf Calasetta, der nördlichen Hafenstadt auf der Isola di S. Antioco. Kurz vor der Hafenmole wurden die Maschinen gedrosselt und ich brachte die Jacht zum Stehen. Dann nahm ich den Hörer des Funkgerätes zur Hand:
»Achtung, bereitet das Umsteigemanöver vor. Pit, Sascha und ich steigen auf die „Sea Princess“ über. Kommt bitte längsseits.«
»O.K. machen wir«, hörte ich Monika sagen und die „Sea Princess“ kam langsam näher. Während Belen die Pfänder über Bord hängte um Schrammen zu vermeiden.
»Pit, lass uns umsteigen«, sagte ich zu ihm und wir gingen nach unten. Pit machte die „Sea Princess“ an Backbord fest, während ich in den Salon ging.
»Sascha, wir können jetzt umsteigen.«
»O.K. dann werde ich mal rüber gehen... «, und zu Pepe gewandt; »...war mir ein Vergnügen sie kennen gelernt zu haben Pepe«, sagte Sascha.
»Ciao Sascha, ganz meinerseits«, sagte Pepe und nickte Sascha zu, der nach draußen ging. Ich ging zu Pepe und gab ihm die Hand.
»Ciao Pepe, jetzt kannst du wieder nach Hause fahren. Lass es dir gut gehen und denke an unsere Abmachung.«
»Ja, ciao Carlo. Werde Dich nicht vergessen. Grüße Eva von mir und sag ihr, dass ich es bedauere sie nicht näher kennengelernt zu haben.«
»Mach ich Pepe. Also dann, ciao mein altere Freund«, sagte ich zu ihm und ging nach draußen an Deck und stieg zur „Sea Princess“ über.
»Ablegen und volle Kraft voraus nach Calasetta«, gab ich die Anweisung. Pit und Sascha machten die Halteleinen los und Belen holte die Pfänder wieder ein. Kaum hatten wir uns von der Jacht gelöst, gab Monika Vollgas, so dass die Jacht aufbäumend nach vorne schoss. In unserem Kielwasser folgte die kleine Jacht.
Auf dem Weg nach oben, schaute ich noch einmal zurück zur Jacht von Pepe und sah, wie sie schon nach kurzer Zeit wendete und mit schäumender Bugwelle Richtung italienischem Festland davon fuhr. Im Salon angekommen, lag mir Eva schon im Arm und wir hielten uns lange so fest, bis wir uns innig küssten.
»Schön dich wieder im Arm zu halten, mein Schatz«, sagte ich zu ihr und sie strahlte mich an.
»Ja, das finde ich auch Seemann. Das habe ich schon die ganze Zeit vermisst.« Wir nahmen uns an die Hand und gingen nach vorne zum Steuerstand und schauten zu wie Monika in den Hafen einfuhr und gleich zur Mole der Hafenpolizei steuerte. Hier wurden beide Jachten, mit dem Heck zuerst, festgemacht. Ich ging nach achtern um an Land zu gehen. Kaum hatte ich meine Füße an Land gesetzt, standen schon vier Polizisten auf dem Kai vor mir.
»Senior, sie dürfen hier nicht festmachen. Diese Anlegestelle ist für die Polizeiboote gedacht.«
»Ja, das wissen wir. Wir möchten ihnen nur diese Jacht übergeben und gegen die beiden Männer die sich an Bord befinden Strafanzeige, wegen Entführung stellen.«
»Ah, das ist was anderes. Kommen sie doch bitte mit ins Büro«, sagte der Leiter der Gruppe. Bevor ich ihm folgte drehte ich mich noch mal zu Pit um und sagte:
»Pit, bringst du und Sascha die beiden bitte rüber ins Revier.«
»Ja, machen wir«, sagte er und stieg mit Sascha rüber auf die kleine Jacht um die beiden zu holen. Ich drehte mich um und folgte den Polizisten ins die Polizeistation. Kaum im Büro angekommen, wurde auch schon das Protokoll aufgenommen. In der Zwischenzeit brachten Pit und Sascha die beiden Männer ins Revier und sie wurden sofort nach hinten in die Zellen gebracht. Danach bestätigten Pit und Sascha noch meine Aussage als Zeugen und wir waren entlassen, nicht ohne darauf hingewiesen zu werden, doch die Pier so schnell wie möglich wieder freizumachen. Wir gingen an Bord und warfen die Leinen los. Unsere beiden Männer die, die kleine Jacht gefahren hatten, waren auch schon an Bord gekommen und saßen im Salon.
„Monika, bring uns nach Hause. Zeig uns was die „Sea Princess“ kann”, sagte ich lachend. Das lies sie sich nicht zweimal sagen, kaum waren wir aus dem Hafen raus gab sie Vollgas und das bedeutete bei der „Sea Princess“ immerhin gute fünfundvierzig Knoten Reisegeschwindigkeit.
Ich setzte mich zu den Männern, wo auch Eva schon saß und wir unterhielten uns über die vergangenen Stunden und wie sie jeder einzelne erlebt hatte. Die Fahrt zu unserem Haus dauerte auch nicht all zulange und wir wurden erst aus unserem Gespräch gerissen, als Monika die Fahrt drosselte. Wir schauten alle auf.
»Wie schon da?«, fragte ich sie überrascht.
»Ja, unser Schätzchen ist schon schön schnell«, sagte Monika lachend und stellte endgültig die Maschinen aus. Ich hörte wie sie den Anker, elektrisch ins Wasser ließ.
»So, wir sind zu Hause. Alles aussteigen«, gab sie uns Bescheid. Wir standen auf und gingen nach achtern. Hier waren gerade Salvatore und Zenca dabei, das Beiboot zu Wasser zu lassen. Neben uns lag schon die „Sea King“ vor Anker und am Strand konnten wir Luciano und Enzo stehen sehen. Das Beiboot fuhr zweimal hin und her um alle Personen und das Gepäck an Land zu bringen. Dann gingen wir zum Haus hoch um uns frisch zu machen.
Unterwegs kamen uns schon unsere drei Hunde bellend entgegen und bekamen sich vor lauter Freude nicht mehr ein. Wir mussten jeden einzelnen begrüßen und streicheln, bis sie sich wieder daran erinnerten wofür sie da waren und wieder auf das Gelände ausschwärmten. Nur Blacky begleitete uns bis zum Haus. Anna begrüßte uns erfreut und mit Tränen in den Augen erzählte sie uns, dass sie schon alles für einen kleinen Umtrunk heute Abend hergerichtet habe. Wir bedankten uns bei ihr.
»Schatz, ich gehe noch zu den Stallungen hoch um nach den Pferden zu sehen, kommst du mit?«
»Ja, lass uns nachsehen was die Pferde machen, bevor wir duschen gehen«, sagte Eva. Wir nahmen uns an die Hand und schlenderten, Blacky immer bei uns, hoch zu den Ställen. Hier war es ruhig und wir begrüßten unsere vier Pferde, gaben ihnen eine Leckerei und machten uns wieder auf den Weg zum Haus. Hier gingen wir gleich ins Schlafzimmer um uns endlich zu duschen. Wir duschten uns gemeinsam und legten uns danach auf das Bett und nahmen uns in den Arm.
»Hi Seemann, schön dich wieder zu spüren. Wurde aber auch Zeit, dass du mich da wieder rausgeholt hast. Danke dir«, sagte sie mit leiser Stimme und gab mir einen Kuss.
»Was blieb mir schon anderes übrig. Wo wir doch so gut zusammen auskommen.
Sollte ich mich noch in meinem Alter an jemanden anders gewöhnen?«, sagte ich lachend. Sie drehte sich mit einem lauten Aufschrei herum und warf sich auf mich, ihre Finger fingen an mich zu kitzeln und zu bearbeiten. Diese Attacken endeten meist in einem sehr intensiven Liebesspiel und auch diesmal ging es in dieser Richtung weiter, nur noch viel intensiver als sonst. Es war einfach schön mit ihr.
Als wir uns genug ausgeruht hatten, zogen wir uns an und gingen auf die Terrasse. Hier lag Blacky schon wartend im Schatten und begrüßte uns. Drüben beim Gästehaus, saßen unsere Leute schon auf der Terrasse und wurde von Anna verwöhnt. Wir gingen, von Blacky begleitet, langsam hinüber.
»Na, habt ihr euch ein wenig ausgeruht?«, fragte ich die Runde. Alle lachten und nickten bestätigend. Wir setzten uns dazu, Anna brachte uns ein Fruchtgetränk und stellte es vor uns auf den Tisch.
»Hat euch Anna schon verraten was es heute Abend zu Essen gibt?«, fragte ich sie.
»Nein, sie ist verschwiegen wie ein Grab und will uns überraschen«, meinte Pit.
»Ja, so ist sie. Aber lasst uns noch den weiteren Ablauf durchsprechen, bevor wir feiern. Unsere vier italienischen Kollegen, Luciano, Enzo, Salvatore und Zenca, werden morgen Nachmittag mit dem Helikopter abgeholt und wieder zu ihren Standorten gebracht. Monika, Belen, Pit und Sascha bringen die „Sea Princess“ wieder nach Genua zurück und fliegen von dort aus, mit unseren Lear Jet, zurück nach Hamburg. Ihr könnt euch aber ruhig Zeit dafür lassen... «, sagte ich lächelnd zu den vier; »...die „Sea King“ bleibt hier an der Küste liegen, die bringen Eva und ich dann selbst in den Hafen. Ich werde gleich mal in Hamburg anrufen und mich über den neusten Stand der Verhöre informieren und euch anschließend berichten. Danach können wir auch gern noch eine Runde schwimmen gehen.« Ich sah zu den vier Tauchern rüber.
»Oder habt ihr die Nase voll vom Wasser?«
»Nein, sonst wären wir ja keine Kampfschwimmer geworden…«, sagte Salvatore lächelnd; »...aber das ihr euch traut mit uns ins Wasser zu gehen, wundert mich schon«, sprach er augenzwinkernd weiter.
»Ha Salvatore. Wir nehmen unsere Waffen mit und ihr geht nackt rein«, sagte Monika und konnte sich vor lachen kaum noch halten. So ging es die ganze Zeit weiter, jeder neckte jeden.
Ich trank mein Glas leer und stand auf. Sofort war Blacky an meiner Seite und wir gingen rüber ins Haus. Hier legte sich Blacky wieder vor die Tür und ich ging ins Haus und gleich weiter ins Büro. Setzte mich an meinen Schreibtisch und aktivierte den TFT Bildschirm an der Wand. Nahm den Hörer vom Telefon und wählte die Nummer von Thomas, der sicher immer noch im Komlei One saß.
»„Hallo Carlo. Ist alles glatt gelaufen bei der Polizei?«
»Hi Thomas, ja wir haben die beiden Männer von Thomas und die Jacht bei der Polizei abgegeben. Pepe habe ich mit Mann und Maus und seiner Jacht zurück nach Palermo geschickt.«
»Meinst du, dass das richtig war?«
»Das wird sich noch herausstellen. Aber ich glaube, dass man ihm trauen kann. Hat sich schon was bei euch getan?«
»Ich werde mal eine Verbindung ins Haus Hamburg zu Josef schalten.«
»Gut, mache das. Legt euch beide auf den Bildschirm.«
»O.K. ein Moment noch«, ich hörte wie er auf der Tastatur herum tippte. Dann wurde der Bildschirm hell und das Bild von Thomas erschien.
»So und jetzt hole ich noch Josef ins Bild.« Er hantierte am Computer und ich hörte das Freizeichen.
»Hallo Thomas, was gibt es?«, hörte ich Josef fragen.
»Josef, ich habe eine Videoverbindung mit Carlo. Schalte bitte deinen Bildschirm ein.«
»Ah ja. Hi Carlo, ich Grüße dich. Wie geht es bei euch da unten?«. Der Bildschirm teilte sich und auch das Bild von Josef erschien.
»Tag Josef, hier ist alles überstanden und wir werden heute Abend von Anna verwöhnt«, sagte ich lachend.
»Ja, ja. Ich weiß, warum ich auch dabei sein wollte. Aber gut, dass alles so schnell abgelaufen ist«, sagte er.
»Josef, was hat sich in der Zwischenzeit bei dir ergeben?«
»Tja. Nach deinem Auftritt ist Wolfgang richtig aus sich heraus gegangen und hat allerhand preisgegeben. Auch Doris war gesprächig und hat ein paar Storys aus Berlin erzählt. Wenn wir alles zusammenziehen, könnte man den Maulwurf in Berlin schachmatt setzten und Wolfgang hinter Gitter bringen. Er wollte aber unbedingt noch mit dir reden.«
»Das kann er sich abschminken. Ich habe keine Lust den noch einmal zusehen. Wir haben ja die Verhöre alle auf Video aufgenommen.
Pack alles zusammen und lass Wolfgang und Doris ins Polizeipräsidium bringen. Ich rufe gleich Albert an und sage ihm Bescheid, dass sie gebracht werden.«
»Ja, das mache ich. Er wollte dich nur bitten ihn nicht an die Polizei auszuliefern. Er möchte dir helfen Mai Ling dingfest zu machen.«
»Ja, das kann ich mir vorstellen. Wenn sie weg ist, hat er freie Bahn. Übernimmt ihre Organisation und macht weiter. Ich habe kein Interesse an Mai Ling, solange sie uns in Ruhe lässt. Nein, bring die beiden zu Albert.«
»Er meint aber, dass Mai Ling uns bestimmt nicht in Ruhe lässt, weil wir ihre Leute abgefischt und der Polizei übergeben haben.«
»Josef, es gibt keinerlei Hinweise, dass sie irgendetwas gegen uns im Gange führt, noch dass sie überhaupt etwas von uns weiß. Wir werden zur Sicherheit diese Gruppierung beobachten und im Blick behalten, was hältst du davon?«
»Ja, ganz so Unrecht hat er wahrscheinlich nicht. Die Asiaten sind sehr nachtragend, aber um uns die vom Leib zu halten brauchen wir nicht Wolfgang.«
»Thomas, was ist deine Meinung zu diesem Thema?«
»Ich habe mir die letzten Verhörbänder angesehen und bin der Meinung, dass Josef Recht hat. Was Wolfgang erzählt hat, war schon ziemlich viel und die Polizei bekommt bestimmt auch noch was aus ihm raus. Mehr weiß er bestimmt nicht über Mai Ling. Wenn er sagt, er weiß noch mehr, dann nur um mit dir verhandeln zu können.«
»Gut, dann bleibt es dabei. Ihr bringt die beiden und alle Unterlagen zu Albert. Damit er endlich den Maulwurf in Berlin und die andere Typen verhaften lassen kann.«
»Carlo, ich werde gleich alles veranlassen. Grüße mir bitte unsere Mädels und die Jungs von mir«, sagte Josef.
»Ja, das werde ich tun und jetzt rufe ich Albert an und sage ihn, dass ihr mit den beiden kommt. Tschüss Josef. Tschüss Thomas.«
»Tschüss Carlo«, hörte ich Josef sagen.
»Tschüss Carlo, Grüße die anderen noch von mir«, sagte Thomas. Ich legte den Hörer auf und der Bildschirm wurde dunkel. Gleich danach, nahm ich den Hörer wieder auf und wählte die private Nummer von Albert.
»Siemers«, hörte ich Albert sich melden.
»Moni, moin Albert. Hier ist Carlo.«
»Ah Moin, moin Carlo. Wo bist du und wie geht es Eva?«
»Wir sind auf Sardinien und ich habe Eva wieder, es geht ihr gut. Haben alles gut überstanden, aber deswegen rufe ich dich nicht an.«
»Ja, das dachte ich mir schon. Was gibt es denn sonst womit ich dir helfen kann?«
»Albert, meine Männer werden dir gleich eine Frau und Wolfgang vorbeibringen. Mit den ganzen Videobändern der Verhöre die bei uns erstellt wurden. Vielleicht kannst du ja damit etwas anfangen und bestenfalls sogar den Maulwurf überführen.«
»Lass sie vorbeibringen. Was die Videos betrifft, die muss ich mir erst einmal selbst anschauen, bevor ich sie weiter gebe. Privatleuten ist es ja im Regelfalle nicht erlaubt, Menschen festzuhalten und zu verhören.«
»Ja, ist schon klar. Aber es ist niemand von uns zu sehen, nur zu hören.«
»Dachte ich mir schon und was sagen deine Gäste dazu?«
»Sie werden bestimmt nicht auf die Idee kommen eine Klage gegen uns anzustreben. Wenn doch, haben sie absolut keine Handhabe oder Zeugen gegen uns.«
»Gut, dann werde ich mal sehen was du bringen lässt. Grüße Eva von mir und ich melde mich bei dir um dich auf dem Laufenden zu halten. Also, tschüss Carlo.«
»Ja, danke dir Albert. Tschüss dann«, sagte ich und legte den Hörer auf.
>Gut. Dann wäre ja alles geregelt<, dachte ich bei mir.
Ich ging wieder hinaus und gesellte mich zu den anderen um ihnen alles zu erzählen, was ich erfahren hatte und was wir weiter vorhaben. Alle waren zufrieden, wir gingen noch etwas ans Meer zum Schwimmen und es wurde noch ein fröhlicher Abend. Anna hatte für uns Wildschweinbraten zubereitet, ein echtes sardisches Nationalgericht. Dem sardischen Wein wurde auch zugesprochen und so war es nicht verwunderlich, dass wir alles schon vor Mitternacht in den Betten lagen und schliefen. Am nächsten Morgen, oder besser gesagt Vormittag, trafen wir uns alle zum Frühstück auf der Terrasse. Nach dem reichhaltigen Frühstück, nahmen wir noch ein erfrischendes Bad im Meer und tollten wie kleine Kinder herum.
Das Mittagessen nahmen wir auch noch gemeinsam ein. Der Hubschrauber holte die vier Männer, vom Komlei Two Team, ab. Monika, Belen, Pit und Sascha brachten ihre Sachen an Bord der „Sea Princess“. Als alles erledigt war, verabschiedeten wir uns am Strand und die vier gingen an Bord. Monika stand am Steuer und lichtete den Anker.
Wenn sie an Bord war, hatte keiner Gelegenheit die Jacht zu fahren. Sie ließ niemanden ans Ruder. Wir winkten zum Abschied, als die Jacht in einem weiten Bogen hinauf aufs Meer steuerte. Alle vier standen auf der Brücke und winkten zum Abschied zurück.
»Carlo, haben wir es geschafft?«, fragte mich Eva.
»Ja, jetzt haben wir erst einmal unsere Ruhe. Lass uns doch da weitermachen, wo wir aufgehört haben und danach machen wir eine lange Spazierfahrt mit der „Sea King“. Raus aufs Meer wo wir alleine sind«, sagte ich lächelnd zu Eva. Ich wollte sie nicht beunruhigen und ihr sagen, dass es wahrscheinlich nie aufhört so lange noch einer der Familie Ling am leben ist. Wir werden bestimmt noch auf irgendeiner Art und Weise von ihr hören. Immerhin hat sie eine große Schlappe durch uns einstecken müssen und das lässt ein Ling und erst recht kein weiblicher, auf sich sitzen. Aber jetzt wollte ich erst einmal die Ruhe und das Zusammensein mit Eva genießen. Ich nahm sie an die Hand und sagte:
»Komm Seemannsbraut lass dich an die Hand nehmen«, und führte sie hinauf ins Haus und da gleich ins Schlafzimmer.
»Mach es dir schon mal bequem, ich hole uns nur noch etwas zu trinken.« Ich ging in die Küche und holte eine Flasche Prosecco aus dem Kühlschrank, schnappte mir zwei Gläser und brachte alles ins Schlafzimmer. Hier lag Eva schon, wie Gott sie erschaffen hatte auf dem Bett und nicht nur weil es so heiß war. Ich zog mich auch aus, goss uns die Gläser voll und wir prosteten uns zu. Dann ließ ich etwas von dem guten Stoff über ihren Bauch in den Bauchnabel fließen um ihn dann dort mit meiner Zunge wieder aufzusaugen. Langsam wanderte ich weiter nach unten. Wir genossen das Zusammensein, bis wir erschöpft auf die Kissen zurücksanken und anschließend, uns in den Armen haltend, einschliefen.
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