1971
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ittlerweile war über ein Jahr vergangen und ich habe während der ganzen Zeit weder etwas von Wolfgang noch von Fu Ling gehört und Gott sei dank auch nichts gesehen. Damit ist der erste Teil der Abnabelung, die ich mir ausgedacht hatte, geglückt. Hätten sie mich doch erwischt, sah es auf jeden Fall nicht wie eine Flucht aus. Ich war immer noch in Norderstedt verheiratet, hatte den Führerschein in der Zwischenzeit gemacht und wir hatten uns ein Auto zugelegt. Meine Mühe, in der ganzen Zeit nicht unbedingt entdeckt zu werden, hatte sich gelohnt. Jetzt war es an der Zeit in meinem Beruf weiter zukommen und ich meldete mich auf der Fachhochschule Seefahrt in Hamburg an und blieb immer in der Nähe der Reeperbahn. Wenn man mich suchte, dann bestimmt nicht hier in der Schule, auch wenn es von hier nicht weit zur Reeperbahn war. Aber ich vermied es der Reeperbahn auch nur auf einen Kilometer zu nahe zukommen.
Aber ich wurde von Tag zu Tag neugieriger, wollte wissen wie es um Wolfgang stand. Ob er noch da war oder sich schon abgesetzt hatte. Auch was mit Fu Ling war interessierte mich. In den Zeitungen habe ich gelesen, wie sich die Banden der Asiaten und der Kurden bekriegt haben um die Oberhand auf der Reeperbahn zu bekommen. Aber es wurde in diesem Zusammenhang nie der Name Fu Ling oder der von Wolfgang genannt. Es ging um Rauschgift, Erpressung, Frauen- und Waffenhandel. Die alten Zuhältern und Gangs gab es nicht mehr. Deshalb wollte ich wissen wie es um Wolfgang stand. Aus diesem Grund rief ich eines Tages im „Schwarzen Kater“ an, es war zwanzig Uhr und ich war überrascht. Es meldete sich immer noch Michael der Wirt:
»Schwarzer Kater«, kam seine Stimme aus dem Hörer.
»Hi Michael, hier ist der Organisator. Tu nicht zu überrascht und sage nichts. Kann ich Wolfgang mal sprechen?«
»Nein. Den kenn ich nicht«, kam seine Antwort.
»Ist er tot?«, fragte ich weiter und auf Grund seiner Zurückhaltung war mir klar, dass er nicht alleine ist. Das Gespräch durfte nicht zu lange dauern, sonst machte er sich verdächtig.
»Keine Ahnung wer das sein soll«, antwortete er.
»Was ist mit Fu Ling, ist er immer noch bei dir drin?«
»Ja, da haben sie sich wohl verwählt«, sagte er und legte auf.
Scheiße! Was war da los? Aber auf Grund dessen das Michael nicht meinen Namen genannt hatte war mir klar, dass er auch böse aufpassen musste um nicht auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Wolfgang nicht da, Michael wusste nicht was mit ihm war und Fu Ling hatte immer noch seine Hand im Spiel. Ich musste Michael noch einmal anrufen. Aber nicht in der Kneipe, sondern zu Hause. Ich dachte:
>Die Kneipe war meistens bis zwei Uhr morgens auf, dann war er so um vier Uhr zu Hause. Aber wo wohnte er? Vor allem wie war der Nachname von Michael? Für den hatte ich mich noch nie interessiert, in habe ihn immer nur mit dem Vornahmen angesprochen.< Ich ging in eine Post und blätterte die Telefonbücher durch. Erst suchte ich den „Schwarzen Kater“ heraus, in der Hoffnung den Namen des Besitzers zu finden und tatsächlich, hier stand Michael Sierske. Toll die deutsche Bürokratie, da kann man sich immer darauf verlassen. Jetzt hoffe ich, dass er in Hamburg sein Domizil hatte, als suchte ich unter „S“ und weiter, bis ich ihn fand. Sierske, wohnhaft in Hamburg Uhlenhorst in der Kanalstraße 20. Schöne Gegend, direkt am Uhlenhorster Kanal, würde mich nicht wundern, wenn er da nicht sogar ein Schiff liegen hatte. Ich beschloss dorthin zu fahren und zu warten, bis er nach Hause kam, dann wollte ich von der Zelle aus anrufen und mit ihm sprechen. Es wurde drei Uhr, bis er kam, ziemlich früh, auch das hatte sich geändert. Als er ins Haus ging, stieg ich aus dem Wagen, lief zur Telefonzelle und wählte seine Nummer.
»Welcher Arsch ruft denn so spät noch an«, kam seine Stimme sauer aus dem Hörer.
»Michael ich bin es. Habe extra auf dich gewartet um mit dir zu reden«, sagte ich. Wohlweislich nannte ich nicht meinen Namen.
»Ah Organisator du bist es. Was willst du?«, sagte er und seine Stimme klang etwas ruhiger. Dass er mich mit Namen ansprach zeigte mir dass es keine direkten Mithörer gab.
»Michael, was ist mit Wolfgang passiert. Weißt du was über ihn?«, fragte ich gleich weiter.
»Nein. Ich weiß nicht viel. Er und Fu Ling, hatten vor drei Monaten Streit und danach war Wolfgang verschwunden. Habe Fu Ling auch nicht gefragt, dass macht man nicht bei dem. Aber ich hatte den Eindruck, dass er auch überrascht war. Er versuchte dich zu finden und lies nach dir suchen. Aber über Wolfgang wurde nicht mehr gesprochen, so wie „weg ist weg”. Er ließ auch nicht nach ihm suchen und ich dachte mir, dass er dann wahrscheinlich genau wusste was mit ihm passiert ist.
Aber Wolfgang war einfach nicht interessant genug für ihn.« Das war eine lange Ansprache für Michael, ich stocherte weiter.
»Weißt du was er von mir wollte und sucht er immer noch nach mir?«
»Was er wollte ist doch klar. Du solltest ein paar Aufgaben für ihn übernehmen. Er hat im Moment alle Hände voll mit den Russen zu tun und braucht jetzt jeden Mann. Er ist aber immer noch dabei nach dir zu suchen, hat es noch nicht aufgegeben dich zu finden. Aber hier ist so viel los, dass er wohl so langsam die Lust daran verliert.«
»Tu mir einen Gefallen und sag ihm nicht, dass ich angerufen habe«, sagte ich.
»Bestimmt nicht, sonst wäre ich heute Abend am Telefon nicht so zurückhaltend gewesen. Wenn ich das trotzdem tun würde käme er sonst noch auf andere Ideen und ich hätte kein ruhiges Leben mehr«, kam die Antwort.
»Ja, das stimmt. Ich danke dir. Halt die Ohren steif und pass auf dich auf. Tschüss Michael.«
»Organisator, tu mir ein Gefallen. Ruf mich nie mehr an. Tschüss«, sagte er und legte auf. Ich hatte das Gefühl, als seien jetzt die letzten Verbindungen zu früher zerrissen. Es schmerzte, aber es war das was ich wollte, die Verbindungen zur Vergangenheit kappen. Es war eine tolle Zeit, eine spannende Zeit, aber auch eine gefährliche Zeit.
Ich ging aus der Telefonzelle und zum Auto, dabei schaute ich mich vorsichtig um. Rein aus Gewohnheit, konnte aber nichts Ungewöhnliches entdecken. Auf dem Weg nach Hause fuhr ich ein paar Umwege und erst als ich sicher war, nicht verfolgt zu werden, fuhr ich zu mir. Die erste Phase meines Verschwindens war eingeleitet und hatte geklappt. Jetzt folgte die zweite Stufe, dazu zählte auch der Besuch der Fachhochschule. Nach eineinhalb Jahre hatte ich die Schule abgeschlossen und musterte wieder auf einen Schiff an. In der Zwischenzeit gab es auf der Reeperbahn Mord und Totschlag zwischen den Chinesen, den Kurden und anderen Gruppierungen. War ich froh nicht mehr dabei zu sein!
Berlin
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»eine Herren, bitte schnallen sie sich an. In wenigen Minuten landen wir in Berlin«, drang die Stimme des Flugkapitäns zu mir durch und ich wurde langsam wach. Ein Blick aus dem Fenster zeigte mir, dass wir schon im Landeanflug waren. Ich schnallte mich an und hörte wie das Fahrwerk ausgefahren wurde. Wir landeten, der Copilot kam nach hinten, öffnete die Tür und ließ die Treppe runter.
»Vielen Dank für den ruhigen Flug meine Herren, bis zum nächsten Mal«, sagte ich und stieg aus. Auf dem Rollfeld näherte sich unser Wagen und hielt vor uns an. Ein Flughafenangestellter stieg aus uns sprach mich an.
»Ihr Wagen Herr Richter«, sagte er.
»Danke für den tollen Service, können wir sie irgendwo rauslassen?«, fragte ich ihn.
»Nein danke, ich werde abgeholt«, sagte er und ging langsam Richtung Flughafengebäude. In der Zwischenzeit, hatten der Copilot, Pit und Josef, unser Gepäck vom Flugzeug in den Wagen verladen und die beiden saßen schon im Wagen und warteten auf mich. Ich stieg ein und Pit fuhr an.
»Pit, lass uns gleich in die Steinstrasse fahren. Mal sehen, was unsere Leute herausgefunden haben.« Er gab Gas und wir fuhren bis zum Neben-ausgang des Flughafens, hier hielten wir an. Ein Zöllner schaute auf das Nummernschild und in den Wagen und gab ein Zeichen zur Schranke, die sich daraufhin öffnete und wir hindurch fahren konnten. Unsere Fahrzeuge waren alle auf die Firma zugelassen und der Hauptsitz war in Berlin. Aus diesem Grunde hatten alle zugelassenen Fahrzeuge als Kennzeichen das „B“ für Berlin, dann EK der Firmenname und eine vierstellige Nummer. Diese Kennzeichen wurden bei den Behörden wie Zoll und Polizei, als Sonderkennzeichen geführt und waren leicht zu merken. Deshalb kamen wir auch ohne Kontrolle aus dem Zoll, was bei internationalen Flügen sonst nicht der Fall ist. Pit beschleunigte und bog auf die Umgehungsstrasse ein. Hier konnte er die volle Kraft des Wagens ausnutzen, was er auch tat. Ich nahm das Telefon und rief Manfred wie abgesprochen an, um weitere Informationen über die Wohnung zu bekommen.
»Ja«, meldete er sich.
»Guten Abend Manfred, wir sind jetzt auf dem Weg in die Wohnung. Habt ihr etwas herausgefunden?«, fragte ich ihn.
»Ja, unsere Techniker waren drin und ich sage dir, die war vielleicht abgesichert. Mit Bewegungs- und Infrarotmelder, Türsicherung mit Sprengkapsel und Trittsensoren im Flur und vor den Fenstern, alles war aktiv und scharf geschaltet. Das hätte ein Feuerwerk gegeben, wenn man da einfach reinspaziert wäre. Sie brauchten zwei Stunden um alles zu deaktivieren.«
»Gut, gibt es sonst noch etwas was wir wissen müssen?«
»Ja, ich habe den Komlei Bus in der Nähe stehen und ihr könnt über Kanal zwölf Verbindung mit ihm aufnehmen. Im Bus stehen vier Leute für euch auf Abruf parat, jeder mit einem Einsatzfahrzeug ausgerüstet. Dann wurde das Telefon noch angezapft und getestet.«
»Gut, dann sind wir ja vorbereitet wir sind auch gleich da. Tschüss bis später”, sagte ich und unterbrach die Verbindung. Es dauerte nicht lange und wir bogen in die Seitenstrasse ein. Langsam fuhr „Pit“ weiter und wir beobachteten dabei die Nummer zweiundzwanzig. Es gab nichts Ungewöhnliches zu sehen und deshalb drehte er am Ende der Strasse um und fuhr zurück. Etwas vor dem Haus hielt Pit an, Josef langte ins Handschuhfach, nahm drei Mini-Sprechfunkgeräte heraus und gab zwei davon uns.
»Wir arbeiten auf Kanal elf der Komlei Bus hat Kanal zwölf«, sagte ich und zu Josef gewandt:
»Josef, geh doch schon mal in das Treppenhaus und schau dich um ob alles sauber ist«, sagte ich und legte mir das Sprechfunkgerät an.
»Gut, ich checke alles ab und sage euch bescheid, meinte Josef«, stieg aus und ging langsam zum Haus Nummer zweiundzwanzig.
»Test, Test. Könnt ihr mich verstehen«, kam es über Sprechfunk. Ich drückte zur Bestätigung zweimal die Sprechtaste und Pit sagte:
»Ja, laut und klar.«
Josef öffnete blitzschnell die Tür und ging hinein. Nach einer Weile hörten wir ihn über Funk sagen:
»Die Luft ist rein, die Wohnung ist in der ersten Etage.«
»Gut wir kommen jetzt auch rein«, sagte ich und wir stiegen aus. An der Tür zeigte Pit, dass er genauso schnell eine verschlossene Tür öffnen konnte wie Josef und wir gingen ins Treppenhaus. Es war dunkel und wir machten das Flurlicht an, gingen langsam in die erste Etage.
An der Tür zur Wohnung stand Josef und arbeitete an einen elektronischen Gerät, das er in der Hand hielt, herum um die elektromagnetischen Wellen auszumessen. Josef steckte das Gerät wieder ein und gab uns ein Zeichen, dass alles in Ordnung war und öffnete die Wohnungstür. Wir gingen hinein und schlossen die Tür. Ich schaltete den Kanal am Sprechfunkgerät auf Kanal zwölf um.
»Komlei One hier ist Carlo, könnt ihr mich verstehen?«
»Carlo von Komlei One, verstehe sie laut und klar. Ist alles in Ordnung bei euch?«
»Ja, es ist alles klar hier. Wir sind jetzt in der Wohnung. Over and Out«, sagte ich und beendete das Gespräch. Pit und Josef hatten in der Zwischenzeit auch die Kanäle des Funkgerätes gewechselt und sich in der Wohnung umgesehen.
»Es ist alles in Ordnung wir können uns einrichten. Ich hole unser Gepäck aus dem Wagen«, sagte Josef und ging nach unten zum Auto um alles zu holen. Pit ging zum Telefon und kontrollierte die Anschlüsse, hob den Hörer ab und wählte eine Telefonnummer.
»Hi Thomas, wollte noch einmal den Anschluss testen«, er lauschte in den Hörer und sagte:
»O.K. wir werden noch einen Sensor einbauen bevor wir uns hinlegen«, er hörte auf die Antwort von Thomas und sagte dann:
»Ja, das ist gut. Wir schalten die Verbindung zum Komlei Bus. Tschüss bis morgen«, sagte er und legte den Hörer auf.
»Thomas sagt, wir sollen einen Bewegungssensor im Flur aufstellen und ihn mit dem Bus verbinden. Dann könnten wir in aller Ruhe schlafen und wenn was ist, informieren sie uns vom Bus aus. Er meint, es würde ja reichen, wenn sie im Bus Wacheschieben«, sagte Pit zu mir.
»Ja, da hat er Recht«, sagte ich. In diesem Moment kam Josef mit unseren Taschen zurück und stellte sie ins Wohnzimmer ab.
»Josef, Thomas meint wir sollten einen Bewegungsmelder einbauen und mit dem Komlei Bus verbinden«, informierte Pit auch ihn.
»Gut, dann werde ich das mal gleich einrichten«, sagte Josef, griff sich seine Tasche und ging in den Flur. Ich ging durch die Wohnung und überlegte wie wir uns aufteilen sollten. Die Wohnung bestand aus zwei Schlafzimmern, einem Wohnzimmer, Bad und Flur. Das Beste wird wohl sein, wenn die beiden in den Schlafzimmern und ich im Wohnzimmer schlafe. Ich ging zurück ins Wohnzimmer wo sich beide mittlerweile aufhielten.
»Ich habe mir überlegt, dass es wohl am besten ist, wenn ihr euch die Schlafzimmer nehmt und ich hier im Wohnzimmer schlafe«, sagte ich zu den beiden.
»Gut«, sagten beide wie auf Kommando. Ich nahm mir meine Tasche und stellte sie neben dem Sofa ab. Pit und Josef nahmen ihre Taschen und zogen sich in ihre Zimmer zurück, nicht ohne vorher eine gute Nacht gewünscht zu haben. Ich machte mich im Badezimmer fertig und legte mich dann auf das Sofa, legte meine Pistole griffbereit unters Kissen und machte das Licht aus. Ich konnte mich auf meine Leute verlassen, deshalb dauerte es auch nicht lange und ich war in einen tiefen Schlaf gefallen.
»Carlo, es ist jemand an der Tür«, hörte ich die Stimme von Pit flüstern und spürte seine Hand auf meiner Schulter. Blitzartig war ich hellwach, griff unters Kissen, stand auf und legte mein Funkgerät an. Ich schaute auf die Uhr, es war drei Uhr, das war jetzt aber kein langer Schlaf gewesen.
»Josef ist im Flur und wartet darauf, dass sie in die Wohnung kommen. Es sollen drei Typen sein, sagt der Bus«, flüsterte mir Pit zu.
»Klick, klick«, hörte ich das "Achtung" Signal von Josef im Kopfhörer.
»Klick«, gab Pit zur Antwort, dass er verstanden hatte.
»Sie kommen«, sagte er zu mir. Ich hob kurz die Hand zum Zeichen das alles klar war.
»Komlei One hier ist Pit. Habt ihr eine Einsatzgruppe unten vor dem Haus?«, sprach er leise ins Mikrophon.
»Positiv. In zwei Minuten sind sie da«, kam die Antwort vom Bus. Ich schlich zur Wohnzimmertür und machte Pit ein Zeichen Position auf der anderen Seite der Tür einzunehmen. So standen wir links und rechts von der Tür.
»Klick, Klick, Klick«, kam ein neues Zeichen von Josef.
»Klick«, die Antwort von Pit, dass er verstanden hatte. Josef lag am anderen Ende vom Flur auf der Lauer. Er konnte mit seinem Nachtsichtgerät alles überblicken und gab uns ein Zeichen, dass sie vor der Wohnzimmertür waren. Wir hatten unsere kleinen, starken Stablampen so an den Pistolenlauf befestigt, dass sie in Schussrichtung zeigte, so war die linke Hand frei. Wir spürten mehr als das wir es sehen konnten, dass sich die Zimmertür öffnete. Es war abgemacht, wenn ich das Signal gebe, schalten wir alle drei die Lampen ein, blenden dadurch den Feind richten dadurch auch unsere Waffen auf ihn.
»Klick.« Wie auf Kommando gingen die Lampen an und waren auf die Tür gerichtet.
Die drei Eindringlinge hoben instinktiv ihre Hände vor die Augen und wir sahen, dass sie auch Waffen in den Händen hielten. Josef kam von hinten, Pit und ich von vorne. Drei schnelle Schläge und schon waren sie entwaffnet und wir hatten ihre Waffen, es waren Revolver, in den Händen.
»Hebt die Hände hoch, stellt euch an die Wand, Beine auseinander und einen Schritt zurück«, gab ich den Befehl.
»Polizei?«, fragte einer der drei.
»Los aufstellen«, gab ich den Befehl ohne auf seine Frage einzugehen. Sie stellten sich, durch ein wenig Druck von Josef und Pit unterstützt, an die Wand im Flur auf. Pit ging von rechts und Josef von links vor und tastete sie auf weitere Waffen ab, ich stand zur Sicherung hinter den dreien.
»Was wollt ihr hier in der Wohnung«, fragte ich sie.
»Das geht euch einen Scheiß an«, bekam ich als Antwort.
»Das werden wir ja sehen.« Pit und Josef traten zurück und nickten mir zu. Alles sauber, sollte es heißen.
»Legt ihnen Handschellen an«, sagte ich und die beiden holten sie aus den Taschen um sie den dreien anzulegen.
»Komlei, wir haben alles im Griff. Welches Team ist unten?«
»Es ist das Alpha-Team, Carlo.«
»Alpha, seid ihr schon einsatzklar«, sprach ich ins Mikrophon.
»Ja, wir stehen vor der Tür«, kam die Antwort.
»Kommt hoch und holt die drei Kerle ab, bringt sie weg auf das Revier«, gab ich die Anweisung.
»O.K. wir kommen«, kam die Antwort. Pit ging zur Tür und wartete auf das Alpha-Team um sie hereinzulassen. Nach kurzer Zeit hörte ich im Kopfhörer:
»Wir sind jetzt an der Wohnungstür.« Pit öffnete die Tür und Josef schob die drei zur Tür.
»Auf geht’s zum Polizeirevier«, sagte er dabei. Alpha nahm sie an der Tür in Empfang und legte den dreien noch eine Fußkette an, die sie zusammenband. Damit war gewährleistet, dass sie nicht so viel Spielraum hatten, weil sie sich gegenseitig behindern würden und ging mit ihnen nach unten.
»Lasst uns noch etwas hinlegen«, sagte ich während Pit die Wohnungstür schloss. Wir gingen wieder in unsere Zimmer.
Ich behielt diesmal das Sprechfunkgerät an und legte mich noch einmal auf das Sofa um noch etwas zu entspannen. Ich weiß nicht wie lange es dauerte, als mich eine Stimme aus dem Sprechfunk Gerät weckte.
»Carlo, es ist gerade ein Wagen bei euch vorgefahren. Ein BMW 545i mit vier Personen drin, scheinen auf etwas zu warten.«
»Komlei, ist Alpha schon wieder einsatzklar?«, fragte ich.
»Carlo, wir stehen fünfzig Meter vor dem Haus und sehen den BMW auch«, kam die Antwort vom Alpha-Team.
»Gut! Wenn die Herrschaften alle ins Haus gehen, kommt hinterher und unterstützt uns.« Gab ich dem Team die Anweisung und dann rief ich den Bus:
»Komlei, schick uns noch das Bravo-Team zum Haus.«
»Sind schon unterwegs«, wurde mir geantwortet. Ich stand auf und ging zum Fenster um nach draußen zu sehen. Da stand der BMW direkt vor dem Haus und war abgedunkelt. Ich betätigte wieder das Funkgerät:
»Pit, Josef schaut euch das mal an. Ich bin im Wohnzimmer am Fenster«, sagte ich ins Mikrophon.
»Klick«, bekam ich das Zeichen, dass sie mich Verstanden hatten. Kurz darauf ging auch schon die Wohnzimmertür auf und sie kamen ans Fenster. Josef hob sein Nachtsichtgerät an die Augen und schaute hinaus.
»Ich sehe von hier nur die zwei Personen auf der uns zugewandten Seite. Sie rauchen und haben die Fenster eine Hand breit geöffnet«, beschrieb er was er sah.
»Gut, dann könnten wir doch mit KO-Gas arbeiten. Was meint ihr dazu?«, fragte ich die beiden.
»Ja! Wenn unsere Männer unbemerkt ans Auto kommen könnte es klappen«, gab Pit zur Antwort. Ich schaltete wieder den Sprechfunk ein.
»Alpha, wo genau steht ihr. Vor oder hinter dem Wagen.«
»Wir stehen ein paar Meter vor dem Wagen und können direkt in die Frontscheibe rein sehen.«
»Gut dann könnte es klappen«, sagte ich zu Pit und Josef und aktivierte wieder das Funkgerät.
»Achtung an alle, wir gehen folgendermaßen vor. Alpha lenkt die Insassen im Wagen ab, damit Bravo an den Wagen heran kommen kann. Dann wirft Bravo eine KO-Gasgranate in den Wagen. Bravo gibt das Startzeichen, wenn es auf Position ist.« Beide Teams bestätigten mir, dass sie verstanden hatten.
»Pit, Josef, geht runter in den Flur und haltet euch dort einsatzklar, falls ihr draußen gebraucht werdet«, sagte ich zu den beiden.
»Gut.«, gab Pit zur Antwort und die beiden gingen aus der Wohnung. Jetzt hieß es nur noch zu warten bis die Teams soweit waren. Nach gut vier Minuten hörte ich im Funk das Bravo-Team:
»Alpha, ihr könnt mit dem Ablenkungsmanöver anfangen, wir sind soweit.«
»O.K. viel Glück.«, bestätigte das Alpha-Team. Dann ging es los. Der Angriff auf den Wagen musste schnell und lautlos erfolgen. Jetzt sah ich wie das Alpha-Team ausstieg und beide sich über das Dach des Fahrzeuges beugten, mit den Händen diskutierten und leise redeten. Ich öffnete das Fenster etwas.
»Du glaubst doch nicht, dass ich ihn dafür auch nur in die Hand nehme, was glaubst du denn wen du vor dir hast? Und wenn ich mit dir in die Wohnung gehen soll dann kostet das noch einen Hunderter extra. Gutes ist eben nicht billig.« Das leise reden von Alpha hatte Erfolg, ich sah wie am BMW die Fenster noch mehr herunter gedreht wurden um ja nichts zu verpassen. Zur gleichen Zeit näherten sich zwei schwarze Schatten aus dem toten Winkel des Autos. Das Gespräch vom Alpha-Team ging weiter, der zweite Mann antwortete jetzt auf das Angebot und versuchte etwas zu beruhigen.
»Ist ja gut. Entschuldige, bekommst von mir hundertfünfzig wenn du mit nach oben kommst.«
»Das ist ja nicht zu fassen, dafür hole ich dir aber nur einen runter, das kannst du aber auch im Auto haben. Zweihundert oder die ganze Nacht für fünfhundert.«
Das Bravo-Team war unbemerkt am BMW angekommen, sie hatten ihre Gasmasken auf. Sie entschärften die Narkosekapseln und ließen das Gas in den Wagen strömen, dann zogen sie ihre Pistolen und warteten an die Karosse gelehnt darauf, dass die Typen den Wagen fluchtartig verlassen würden. Die Insassen mussten so von dem Ablenkungsmanöver gefesselt sein, dass die Reaktion ziemlich spät kam, zu spät. Sie rissen die Wagentür auf und schon beim Aussteigen fielen sie ohnmächtig auf den Gehweg und der Strasse zusammen. Die beiden Teams waren schon bei den Insassen und entwaffneten sie, bevor sie wieder zu sich kamen. Das Gas wirkte nur kurz und war speziell für solche Einsätze, in kleinen Räumen, entwickelt worden.
»Pit, Josef, kommt wieder hoch. Die Teams haben alles im Griff«, rief ich die beiden über Funk zurück.
»Klick«, kam die Bestätigung der beiden.
Ich sah wie die beiden Teams die vier Insassen fesselten und in den BMW auf der Rückbank und in den Kofferraum verfrachteten.
»Carlo von Alpha, das sind Asiaten. Was sollen wir mit ihnen machen?«, wurde angefragt.
»Bringt sie nach Brandenburg in unser Haus. Dort sollen sich unsere Verhörspezialisten um sie kümmern. Möchte wissen was sie vor dem Haus zu suchen hatten«, antwortete ich.
»Gut, dann bringen wir die vier mal hier weg. Over and Out.« Unten sah ich wie einer vom Team in den BMW stieg und wegfuhr, der zweite Mann vom Alpha fuhr mit ihrem eigenen Wagen hinterher.
»Bravo, bleibt ihr vor dem Haus stehen«, sprach ich ins Mikrofon.
»Klick«, wurde mir bestätigt. Pit und Josef kamen ins Wohnzimmer.
»Lohnt es noch sich hinzulegen, oder sollen wir uns Frühstück machen und frische Brötchen holen gehen?«, fragte mich Pit.
»Lasst uns Frühstück machen und dann sprechen wir den weiteren Ablauf durch. Vor allem müssen wir im Polizeirevier anfragen was das für Typen waren, die in der Wohnung eingedrungen sind.«
»Gut! Josef, gehst du Brötchen holen? Ich setze uns Kaffee auf«, sagte Pit.
»Ja, dann gehe ich mal. Habe um die Ecke einen Bäcker gesehen«, sagte Josef. Pit und ich gingen in die Küche, kochten Kaffee und deckten den Tisch. Als wir fertig waren rief ich den Bus über Funk an.
»Komlei, habt ihr schon etwas vom Polizeirevier gehört? Wer die drei Typen sind? Wenn nicht kümmert euch mal darum. Ich muss wissen wer oder warum sie geschickt wurden.«
»Carlo, wir melden uns gleich wieder«, kam die Antwort vom Komlei. Wir setzten uns an den Küchentisch und warteten auf Josef.
»Pit, was meinst du was hier abläuft? Erst die drei Typen in der Wohnung und dann die vier Asiaten unten im Auto?«, ich sah ihn fragend an.
»Für mich sieht es so aus, als wenn zwei verschiedene Gruppen versuchen unsere beiden Killer zu beschatten. Oder Informationen von ihnen zu bekommen«, antwortete er mir wie aus der Pistole geschossen.
»Ja, das sehe ich auch so. Nur zu welcher Gruppe gehört der Auftraggeber der beiden? Oder ist das die dritte Gruppe im Spiel?«
Überlegte ich laut weiter. Die Flurtür ging auf und Josef kam mit einer Tüte unter dem Arm herein.
»Frühstück! Jetzt habe ich aber auch Hunger«, sagte er. Wir fingen an zu Essen und unterhielten uns weiter über die Situation.
»Josef, hast du draußen was auffälliges bemerkt?«, fragte ich ihn.
»Nein, da draußen ist noch alles ruhig.«
»Wir haben uns gerade überlegt wer zu wem gehört«, informierte ich ihn über unser Gespräch.
»Ja, dass ist schwer zu sagen. Ich kann mir schon vorstellen, dass der Auftraggeber jemanden hierher schickt um festzustellen was die beiden erreicht haben«, sagte er und biss kräftig in ein Wurstbrötchen, das er sich vorher geschmiert hatte.
»Aber der weiß doch, wie gefährlich die beiden sein können. Da lässt er doch nicht einfach drei Männer hier reinschneien und geht das Risiko ein, dass sie erschossen werden«, gab Pit zu bedenken. Ich nahm einen Schluck Kaffee, nahm den letzten Happen von meinem Brötchen in den Mund und sagte kauend:
»Dann müssen es doch drei verschiedene Gruppen sein die sich für unsere beiden Freunde interessieren.« Josef beteiligte sich nicht an der Überlegung und widmete sich voll und ganz dem Frühstück.
»Das heißt, wir haben es mit einer deutschen und einer asiatischen Gruppe zu tun. Plus den Auftraggeber, von dem wir noch nicht wissen wer er ist«, sagte Pit zu mir.
»Ja, davon gehen wir jetzt mal aus und planen dementsprechend unser weiteres Vorgehen und die Sicherheitsvorkehrungen. Wir holen noch zwei Teams her. Drei Teams müssten für die weitere Operation eigentlich ausreichen«, überlegte ich laut. Ein Einsatzteam bestand immer aus zwei Männern oder auch Frauen natürlich.
Nachdem wir unser Frühstück beendet hatten, ging ich ins Wohnzimmer und gab die Anweisungen an den Komlei Bus weiter. Von der Polizei waren noch keine Informationen eingegangen erfuhr ich bei dieser Gelegenheit. So verging die Zeit bis zum Nachmittag ohne, dass irgendetwas passierte. Unsere zwei Teams meldeten sich bei uns an, als sie eingetroffen waren und verteilten sich mit ihren Fahrzeugen rund ums Haus.
»Rinnggg, Rinnggg«, das Telefon im Wohnzimmer klingelte. Ich sprach in mein Funkmikrofon:
»Komlei, es geht los. Das Telefon klingelt und ich hebe jetzt ab.«
»O.K. wir legen dann sofort mit der Standorterkennung los«, kam die Antwort. Ich ging zum Telefon und nahm den Hörer auf und meldete mich:
»Ja.«
»Wo ist das Wetter am schönsten?«, kam die Frage von dem Unbekannten auf der anderen Seite der Leitung, während ich versuchte die Stimme zuerkennen. Sie war dunkel und mit absoluter Sicherheit war der Sprecher ein Deutscher. Er sprach auch ohne Akzent, hochdeutsch und gebildet hörte sich die Stimme an.
»Auf Sardinien«, gab ich zur Antwort.
»Gut! Wie ist es gelaufen? Habt ihr die Informationen und die Zugangscodes? Lebt er noch oder habt ihr die beiden eliminiert?«, stellte er seine Fragen.
»Wir haben alles was sie benötigen. Wir haben sie noch am Leben gelassen aber zur Sicherheit eingesperrt. Falls die Informationen nicht stimmen, können wir noch einmal auf die beiden zugreifen«, gab ich ihm zur Antwort. Ich hatte absolut keine Vorstellung wer der Fremde sein könnte.
»Gut so! Gut mitgedacht und wo sind sie jetzt? Doch nicht etwa auf ihrem Anwesen?«, sprach er weiter.
»Nein. Natürlich nicht. Wir haben ein Haus angemietet, abseits und einsam gelegen und dort haben wir sie in den Keller gesperrt. Sie haben auch genug zu essen und zu trinken. Keiner würde sie hören wenn sie schreien und sie kommen da auch nicht raus... «, gab ich zur Antwort; »...wie verfahren wir jetzt weiter«, fragte ich ihn.
»Sie schreiben mir alle Informationen auf, legen sie in ihren Briefkasten und ich werde veranlassen dass es gegen das ihnen noch zustehende Geld eingetauscht wird«, gab er zur Antwort.
»Gut, wir legen sie heute Abend ab zwanzig Uhr in den Briefkasten und werden um einundzwanzig Uhr das Geld herausholen.«
»Versuchen sie erst gar nicht eine krumme Tour. Der Bote weiß von nichts. Sollte ich eine krumme Tour erkennen, werden sie keine Gelegenheit mehr haben das Geld auszugeben«, kam seine Antwort. Ich bekam über Funk ein Signal, das der Standort meines Gesprächspartners lokalisiert wurde.
»Haben wir nicht vor und entspricht auch nicht unserem Geschäftsgebaren«, gab ich ihm zur Antwort und legte den Hörer auf.
Es war alles gesagt und es wäre aufgefallen, wenn ich mehr in Erfahrung hätte bringen wollen.
»Thomas, habt ihr alles mitgeschnitten? Bitte ein Team zum Standort schicken. Sollen sich bei mir melden, wenn sie angekommen sind. Das Band vom Mitschnitt bitte zu mir bringen. Später mehr. Over and Out«, gab ich kurz und bündig meine Anweisungen über Funk.
Wieder war warten angesagt. Bis das Team am Standort war, wird es wohl etwas dauern. Aber das Band müsste gleich hier sein. Dann werde ich mir noch einmal die Stimme anhören und versuchen zu erkennen, wer es sein könnte.
»Carlo hier ist Delta, wir stehen an der Tür. Nehmt bitte das Band entgegen«, kam die Meldung über Funk. Ich schaute zu Josef, er nickte und ging zur Tür um das Band entgegen zu nehmen. Als er wieder zurückkam, legte er es in die Stereoanlage im Wohnzimmer und startete das Band. Wir hörten das Gespräch wieder und wieder ab, es kam mir keine Idee wer es sein könnte. Also, mussten wir weiter machen um ihn zu entlarven.
»Josef, geh bitte zu Komlei One und besorge uns die Technik um den Brief zu verwanzen. Damit wir ihn immer orten können wenn er unterwegs ist. Ich schreibe in der Zwischenzeit ein paar Informationen auf um ihn damit zu füttern. Bis er heraus bekommen hat, dass es Spielmaterial ist, sollten wir ihn eigentlich haben.« Josef nickte wie immer und machte sich auf den Weg zum Bus.
Ich setzte mich hin und füllte zwei DIN A4 Bögen mit Daten. Dabei benutzte ich meine Originaldaten, änderte aber immer ein paar Zahlen ab. So wird er hoffentlich nicht gleich den Betrug erkennen. Josef kam zurück und brachte ein Ortungsgerät mit, ein mobiles Peilgerät. Der Bus und die Einsatzfahrzeuge der Teams waren auch mit dieser Technik ausgestattet und hatten so auch die Möglichkeit den Sender zuorten. Dadurch hatten wir die Gelegenheit eine Kreuzpeilung vorzunehmen, was die Genauigkeit des Standortes noch vergrößerte. Außerdem hatte Josef natürlich noch einen Sender dabei, der in dem Brief versteckt werden musste. Der Sender war zwar sehr klein, aber wie versteckt man so ein Gerät in einem Brief?
»Pit, was meinst du, wie befestigen wir den Sender an den Papieren ohne das er gleich auffällt?«, fragte ich den Fachmann.
»Am einfachsten wäre es, wir legen ihn in den Briefumschlag, da schaut keiner nach.
Nur wenn die Blätter heraus genommen werden und der Umschlag weggeworfen wird, haben wir schlechte Karten... «, überlegte er laut vor sich hin; »...also müssen wir den Sender an einem Blatt befestigen, aber wie?«, stellte er sich die rhetorische Frage und nach einer Weile des Überlegens.
»Ich hätte da eine Idee, müsste dazu aber rüber in den Bus um etwas auszutesten.«
»Gut! Ich komme mit, Josef kann hier die Stellung halten und wenn du fertig bist bringst du die Papiere wieder her. Dann könnt ihr von hier aus, als Team Echo, die Beschattung aufnehmen. Ich verfolge alles aus dem Bus heraus und kann dann, wenn es erforderlich ist, mit einem Wagen eingreifen«, gab ich zur Antwort. Wir packten unsere Sachen, denn wenn heute Abend die Übergabe war, hatten wir hier nichts mehr zu suchen.
»Josef, lass die Überwachungseinrichtung noch installiert. Würde mich interessieren was oder wer hier ein- und ausgeht«, sagte ich zu Josef, bevor Pit und ich die Wohnung verließen. Unten nahmen wir den Wagen und fuhren zum Komlei Bus, der ein paar Ecken weiter auf einem Parkplatz stand. Wir stellten den Wagen neben dem Bus ab, stiegen aus und gingen in den Bus. Er hatte wie alle Busse, zwei Einstiege, einen vorne und einen in der Mitte. Er war rundherum verspiegelt bis auf die Frontscheibe, so dass man keinen Einblick hatte aber heraus sehen konnte. Hinter dem Fahrer gab es eine Trennwand und der Durchgang nach hinten war mit einem Vorhang verschlossen, so konnte man auch direkt von vorne nicht durch den ganzen Bus sehen. Der Bus war ein Hochdecker, im unteren Abschnitt waren die Technik, Wasser- und Abwasserkanister, sowie die Vorräte untergebracht. Im mittleren Bereich, beim Einstieg, waren die Toilette, Küche und zwei Betten eingebaut.
Wir nahmen den mittleren Einstieg und der Fahrer, der uns durch die Rückspiegel sah, öffnete uns die Tür. Im hinteren Bereich gab es eine Rundsitzecke und zwei Sitz- und Schlafsessel davor. Im Anschluss, durch eine Videowand nach vorne abgetrennt, lag der Kommunikation- und Leitstellenbereich. Dieser besteht aus sechs Computertischen, jeweils drei rechts und links an den Seitenwänden.
Im Bus wurde ich gleich von Thomas, den Leiter vom Komlei One, begrüßt und informiert, dass die Polizei zurückgerufen hatte.
Die drei Deutschen gehörten zu einer, in Hamburg ansässigen, Gruppierung die sich mit Erpressung und Mädchenhandel beschäftigte und von einem gewissen Krämer geführt wurde. Was hatten die mit den beiden Killern zu tun? Das musste auch noch geklärt werden, dachte ich mir.
Die Polizei ließ uns wissen, dass nichts gegen sie vorliegt und dass man sie spätestens am Nachmittag wieder freilassen muss, wenn nicht eine Anzeige erfolgte. Na toll! Wieder mal so ein Ding was mich total ärgert. Dann müssen wir eben eine Anzeige machen. Nur was können wir Ihnen vorwerfen? Körperverletzung? Aber wozu habe ich Anwälte, sollen die sich darum kümmern und sich die Köpfe zerbrechen. Ich nahm mein Handy zur Hand und wählte die Nummer meines Rechtsanwaltes Dietmar Pfeiffer. Als sich seine Sekretärin meldete bat ich sie mich mit ihm zu verbinden.
»Hallo Carlo! Was gibt’s es neues, wie kann ich dir helfen? Wie geht es Eva? Du ruft doch nicht einfach so an um mir einen schönen Tag zu wünschen«, redete er gleich drauf los.
»Hallo Dietmar. Nein, natürlich nicht. Einen schönen Tag hast du doch sowieso immer, bei deinen Preisen«, antwortete ich ihm und lächelte in mich hinein.
»Wie nennst du diese kleinen Summen die du mir immer überweist? Preise! Da kann man ja weder von Sterben noch von Leben«, kam es gespielt entrüstet zurück.
»Na, übertreibe es mal nicht. Aber um deine Nachfrage an Eva zu beantworten, es geht ihr gut. Sie ist noch in Sardinien und ich bin in Berlin. Brauch dich dringend, wegen einer Anklage«, kam ich gleich auf den Punkt.
»Oh gut. Ich meine gut das es Eva gut geht... «, dann ganz Geschäftsmann; »...was ist mit der Anklage? Wirst du angeklagt oder willst du jemanden anklagen?«
»Dietmar, die Lage ist die. Wir haben gestern, hier in Berlin, drei Typen aus der Hamburger Unterwelt in Polizeigewahrsam gegeben. Die haben aber nichts gegen sie vorliegen. Ich möchte aber, dass sie noch eine Zeitlang hinter Gittern bleiben und überlege, sie wegen Körperverletzung anzuzeigen«, klärte ich ihn über die Situation auf.
»Ja, und was genau haben sie wirklich gemacht?«, stellte er die nächste Frage.
»Das genau, ist ja das Problem. Wir haben sie beim Eindringen in eine fremde Wohnung unschädlich gemacht. Das bedeutet, weder sie noch wir hätten dort sein dürfen.«
»Schlecht, sehr schlecht, was kann man da machen?... «, überlegte er so vor sich hin; »...die wussten doch auch bestimmt wem die Wohnung gehört, oder?«, fragte er mich weiter.
»Ja, bestimmt. Aber genau das wollte ich ja herausfinden. Was sie, beziehungsweise ihr Boss, mit dem Wohnungseigentümer gemeinsam haben, oder auch was sie nicht gemeinsam haben«, beantwortet ich seine Frage.
»Weißt du was wir da machen?«
»Nein was denn? Dazu habe ich ja dich um diese Frage zu beantworten«, gab ich die freche Antwort.
»Da hast du auch wieder Recht. Nein, aber im Ernst. Ich reiche einfach erst einmal eine Klage wegen Körperverletzung ein in wie viel Fällen? Wie viel Personen seid ihr gewesen als es passierte?«
»Wir waren zu dritt«, sagte ich ihm.
»Gut, dann Klage auf Körperverletzung in drei Fällen. Was nehmen wir denn als Ort des Vergehens?«, überlegte er weiter.
»Lass uns doch das Treppenhaus nehmen. Überfall im Treppenhaus der Steinstrasse 22 in Berlin«, gab ich ihm die Daten vor.
»Gut, dann will ich mal gleich im Polizeipräsidium anrufen und das schon mal vorab anmelden. Nicht, dass sie die Typen einfach wieder frei lassen. Also, bis später ich melde mich dann. Tschüss«, sagte er und legte auch schon den Hörer auf. Ich wählte gleich eine neue Nummer, die von Manfred, Manfred Kaminski Leiter meiner Operation Group, der in der Firmenzentrale sein Büro hat und von dort koordiniert.
»Hallo Carlo, ist ja viel Aktion bei euch. Was wollen die alle von unseren beiden Killern? Sind das so gefragte Leute? Oder haben sie so viele Freunde oder gar Feinde?«, fragte er mich gleich, weil er anhand der Telefonnummer gesehen hat, dass ich es bin der angerufen hat.
»Hallo Manfred, das frage ich mich auch die ganze Zeit. Du hast doch sicher auch die Informationen von der Polizei bekommen?«, fragte ich ihn.
»Ja die habe ich auch bekommen und habe auch gleich Erkundigungen über diese Gruppierung von dem Krämer eingeholt. Die kannst du dir über unser internes Netz abrufen«, gab er gleich, auf meine noch nicht gestellte Frage wer Krämer ist, die Antwort.
»Gut, dann logge ich mich gleich mal ein und lese mir alles durch. Ansonsten bleiben wir in Verbindung. Bis später dann. Tschüss.«
»Ja. Bis später. Tschüss«, sagte er und ich unterbrach die Verbindung. So jetzt noch ein Gespräch nach Sardinien mit Eva und es konnte weiter gehen. Ich wählte die Verbindung, hörte das Freizeichen und dann meldete sich auch schon Eva.
»Na mein Lieber, wie geht es dir. Ist alles in Ordnung bei euch in Deutschland?«, fragte sie mich gleich.
»Hallo mein Schatz, ja hier ist alles in Ordnung. Wir haben alles im Griff und ich hoffe, dass es bis morgen abgeschlossen ist. Habe eben mit Dietmar gesprochen und er hat sich nach deinem Befinden erkundigt und lässt dich grüßen. Wie geht es denn unseren neuen Familienmitgliedern?«, fragte ich und hoffte sie etwas beruhigt zu haben.
»Gut, dann will ich dir das mal glauben. Grüße Ditmar von mir, wenn du ihn wieder sprichst. Unsere beiden machen sich ausgezeichnet, haben sich schon voll integriert und sind eine gute Ergänzung zu Blacky. Sonst gibt es hier nichts Neues, dann bis morgen mein Schatz. Tschüss«, sagte sie und ich wusste, dass sie mir nicht alles geglaubt hat.
»Ja Liebes, bis morgen und lass es dir gut gehen. Tschüss«, sagte ich zu ihr und legte auf. Ich schaute mich nach Pit um und sah ihn ganz hinten im Bus an dem Tisch sitzen und basteln. Anders kann man das was er machte nicht nennen. Es sah so aus, als wenn er Papierseiten zusammen kleben würde um einen Flieger zu basteln. Ich ging nach hinten, setzte mich in die Sitzecke ihm gegenüber und sah ihm weiter zu. Nach einer Weile sah er auf und grinste mich an.
»Ich habe es geschafft... «, sagte er über beide Backen lachend; »...eigentlich ganz einfach, wir nehmen zwei dünne Blätter, tragen auf jeder Seite diese Substanz auf, die aus einer leitenden Masse und einer dünnen Folie, einer Antenne, besteht und kleben sie zusammen. Man kann dem Blatt nicht mehr ansehen, dass es präpariert ist... «, erzählte er mir voller Begeisterung seine Idee; »...das machen wir mit allen beiden Seiten, so fällt es noch weniger auf, dass sie etwas anders sind als normale dickere Seiten. Vor allem, wenn der Inhalt so spannend ist wie dieser«, führte er weiter lachend aus. Er reichte mir das bereits präparierte Blatt Papier und ich nahm es in die Hand um es mir genauer anzusehen. Tatsächlich, man sah, wenn man nicht unbedingt ein anderes Blatt daneben hielt, nichts Auffallendes. Es sollte ja auch nur für eine kurze Überprüfung halten, dann hofften wir ja, den Standort erfasst zu haben.
»Gute Arbeit Pit«, lobte ich ihn und als er mit dem zweiten Blatt fertig war, steckte ich sie in einen Umschlag und gab ihn Pit.
»Steckst du den Umschlag in den Briefkasten und legst euch auf die Lauer und folgt dann den Boten. Wäre es nicht am besten das mit Motorrädern zu tun? Warte mal eben«, sagte ich und rief noch vorne.
»Thomas, haben wir zwei Motorräder griffbereit da?«
»Die können wir in einer Stunde aus dem LKW hier haben«, rief er zurück.
»Gut, mache das klar. Die Motorräder sollen gleich in die Steinstrasse gebracht werden und von dort wird der Wagen vom Echo Team mit zurückgenommen. Lass Delta sich einsatzklar machen, sie sollen den beiden Motorrädern folgen und klar für den Zugriff sein.«
»Wird erledigt«, gab er mir zur Antwort.
»Gut Pit, dann macht alles klar das ihr die Fahrzeuge tauschen könnt und legt euer Gepäck, dass ihr nicht benötigt, in den Wagen. Treffpunkt ist immer der Bus hier. Weiteres über Funk«, sagte ich zu ihm.
»O.K. bis später«, sagte er. Nahm den Briefumschlag und ging raus um mit dem Wagen zur Wohnung zurück zu fahren. Ich setzte mich wieder auf die Eckbank und aktivierte mein Funkgerät, ich wollte bei unserem Team in Brandenburg nachfragen was mit den Asiaten ist.
»Alpha, wie sieht es bei euch aus? Habt ihr schon etwas in Erfahrung bringen können«, fragte ich an.
»Carlo, unsere Spezialisten sind noch dabei. Aber so wie es aussieht bekommen sie aus denen nichts heraus. Die sind stumm wie ein Fisch«, kam die Antwort.
»Macht Fotos von den vier und dabei unterhaltet ihr euch darüber, dass ihr sie ins Internet stellt, um eine große Suchaktion über sie zu starten. Sende uns die Bilder übers Netz rüber und dann warten wir mal ab wie sie reagieren«, gab ich die Anweisung.
»Gut, machen wir. Over and out.«
»Chef, wir sind jetzt einsatzklar und sitzen in der Wohnung auf der Lauer«, hörte ich Pit über Funk.
»O.K. Pit. Bis später, Over and Out.« So, jetzt war mal wieder warten angesagt. Alle lagen auf der Lauer und ich war gespannt was nun kommen würde. Ich stand auf und ging nach vorne zum Computertisch von Thomas, nahm einen Klapphocker und setzte mich so, dass ich Thomas und die Videowand sehen konnte.
»Thomas, drucke mir doch bitte mal die Daten von diesem Krämer aus, die Manfred ins Netz gestellt hat und dann fahrt noch einmal einen Testlauf für die Ortung des Briefumschlages und projiziere alles auf die Videowand«, bat ich ihn. Er drückte ein paar Knöpfe und arbeitete mit der Maus am Computer und schon erschien im Großformat der Stadtteil auf der Videowand, ein roter Punkt und drei grüne erschienen. Die grünen waren unsere Fahrzeuge, man konnte sehen wie sie sich um die Steinstrasse postiert hatten. Der rote Punkt war der Umschlag bzw. die Blätter darin. Dann spuckte der Drucker auch die Daten aus. Ich nahm sie mir aus dem Druckerschacht und las sie mir durch. Nichts, was ich nicht schon wusste. Dann schaute ich wieder auf die Videowand.
»Gut, das klappt ja alles und haben die anderen Teams auch schon einen Test mit ihren Empfangsanlagen durchgeführt«, fragte ich Thomas
»Ja, vor fünf Minuten und es hat alles geklappt«, antwortete er mir. Mein Handy vibrierte, ich schaute auf die Nummer und nahm die Verbindung an.
»Na Dietmar, hast du es geschafft?«, fragte ich meinen Rechtsanwalt.
»Auf jeden Fall sind die Behörden erstmal beschäftigt und dieser Krämer muss aus der Deckung kommen um seine Leute da raus zu holen. Aber länger als bis zur Verhandlung kann ich dir nicht versprechen«, gab er mir zur Antwort.
»Und wann ist diese Verhandlung frühestens?«, fragte ich.
»Wenn er gute Beziehungen zur Justiz hat schafft er es in drei Tagen oder so gar schneller«, beantwortete er mir die Frage.
»Das reicht mir aus, hast du etwas Neues über den Krämer und seinen Tätigkeiten heraus bekommen?«
»Ha, du bist gut. Zaubern kann ich ja, aber Wunder dauern etwas länger. Ich habe doch erst heute mit der Recherche begonnen«, sagte er gespielt empört.
»Dietmar, bei deinen Honorarsätzen, solltest du nur noch Wunder vollbringen«, stichelte ich ihn auf.
»Das ist mal wieder typisch Klient. Will immer mehr und nichts extra dafür bezahlen«, kam die schlagfertige Antwort.
»Gut, dann schau mal was du alles heraus bekommen kannst über unseren Freund. Eva lässt dich übrigens ganz lieb grüßen, habe vorhin mit ihr gesprochen.«
»Danke für die Grüße. Mit dem anderen werde ich noch mehr Dampf machen. Bis später. Tschüss«, sagte er und hatte auch schon aufgelegt. Immer schnell und unter Dampf der Kerl.
»Carlo, wir haben jetzt die Fahrzeuge getauscht«, rief mich Pit über Funk an.
»O.K. Pit. Over and Out.« Ich ging wieder zurück in die Sitzecke und holte mir auf dem Weg dorthin einen Kaffee aus der Küche. Machte es mir bequem und sah aus den großen Fenstern nach draußen, sah die Leute vorbeigehen und Fahrzeuge auf den Parkplatz rauf und runter fahren. Es wurde langsam dunkler und die Lichter der Stadt gingen an. Es war ein tolles Bild das sich mir aus dieser Perspektive bot. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich hochschrecke als der Funk anging.
»Carlo, eben ist hier ein Motorradfahrer vorgefahren und ins Haus gegangen«, hörte ich Pit sagen. Ich lief nach vorne und setzte mich wieder auf meinen Hocker neben Thomas, mit Blick auf die Videowand und richtig, der rote Punkt begann zu blinken was nicht mehr bedeutete, als dass er seinen Standort wechselt und in Bewegung war. Er bewegte sich erst langsam und dann, als der Motorradfahrer Gas gab wesentlich schneller über die Videowand.
»Gut, dass wir auch zwei Motorräder im Einsatz haben... «, sagte ich zu Thomas. »...Ich weiß nicht ob man ihn mit dem Auto hätte verfolgt könnte.«
»Nein. Bestimmt nicht«, gab Thomas zur Antwort.
»Carlo, er hat die Seiten aus dem Briefumschlag heraus genommen und ihn weggeworfen. Die Blätter hat er dann in seine Jacke gesteckt. Gut, dass wir es so gemacht haben. Josef fährt auf der Parallelstrecke mit und der Wagen ist hinter uns. So haben wir ihn immer zwischen uns«, erstattete Pit mir Bericht. Tatsächlich konnte man auf der Videowand erkennen, dass sie ein Dreieck gebildet hatten und der rote Punkt dazwischen war.
»O.K. danke. Over and Out«, beendete ich das Gespräch.
Wir beobachteten wie sich die Punkte immer weiter Richtung Großbeeren auf der B101 hin bewegten, hier konnten die drei nicht in ihrer Formation bleiben.
»Delta von Echo, wir ändern die Formation. Josef fährt vorne mit Nachtsichtgerät ohne Licht und bleibt dicht dran. Dann komme ich und dahinter ihr«, hörte ich Pit seine Anweisungen geben.
Ich hörte es einmal klicken, das war die Bestätigung von Josef und dann antworteten die anderen Teams:
»Verstanden! Over and Out.«
Wir konnten erkennen, dass sie ab Marienfelde, wie Perlen auf einer Perlenkette hintereinander fuhren. Vorne der rote Punkt und dahinter die drei grünen. Und kaum waren sie auf dem Abzweig Großbeeren, hier ging es auf die Schnellstrasse B101b, legte der rote Punkt noch mehr an Geschwindigkeit zu. Das war zwar für unsere Fahrzeuge kein Problem, nur musste Josef ohne Licht fahren und sah alles nur durch ein Nachtsichtgerät das die Umgebung in grünes Licht tauchte. Die entgegenkommenden Fahrzeuge blendeten ihn mehr, als wenn er kein Gerät angehabt hätte. Josef hatte zwar große Erfahrung mit Nachtsichtgeräten, aber es war immer mit einer großen Gefahr verbunden damit auch noch zu fahren. Pit war relativ dicht an Josef dran, nur Delta hielt sich zurück.
»Delta von Echo, bleibt zurück und nehmt die Abkürzung nach Genshagen. Er will hier auf die Autobahn Ludwigsfelde-Ost und ich schätze er fährt die nächste, das ist Genshagen, wieder ab.«
»O.K. Pit. Wir biegen ab.« Wir sahen wie der rote Punkt, im Schlepptau von zwei grünen, auf die Autobahn fuhr und tatsächlich in wenigen Minuten, bei einem Wahnsinnstempo, wieder die Autobahn verlässt. Der dritte grüne war unterdessen in Genshagen angekommen und stand an der B101 still. Kaum war er wieder auf der B101 fuhr er ganz gemächlich durch die Ortschaft, in der Hoffnung so Verfolger zu erkennen. Er fuhr an unserem Wagen vorbei.
»Pit, er fährt gerade vorbei. Wir ordnen uns wieder hinter euch ein.«
»O.K.«, kam die Antwort von Pit. Der jetzt auch an Delta vorbei fuhr. Hinter der Ortschaft beschleunigte er wieder sehr stark und hielt das hohe Tempo, bis Genshagen. Hier ging er auf die vorgeschrieben fünfzig Stundenkilometer herunter und fuhr, nach der Ortsausfahrt auf die Landstrasse nach Kleinbeeren. Ein wunderbares Fleckchen Erde um sich zu verstecken und ganz schnell in alle Richtungen flüchten zu können.
»Carlo, er biegt ab und fährt auf ein abgedunkeltes Haus zu«, hörte ich Josef sagen.
»An alle, Nachtsichtgeräte auf und Licht aus. Delta sperrt die Zufahrt zum Haus ab und schnappt sich den Motorradfahrer, wenn er wieder raus will. Pit fährt hintenherum und sichert die Rückfront des Hauses. Josef die Vorderfront«, gab ich die Anweisung.
Drei mal gab es ein »Klick« als Zeichen, dass sie verstanden hatten und wir konnten die Lichtpunkte beobachten wie sie das Haus einkreisten. Der rote Punkt hatte das Haus erreicht und blinkte nicht mehr. Ein Zeichen dafür, dass er still stand. Ich schätzte, dass es bis dort etwa zwölf Kilometer Luftlinie waren. Ich hielt es kaum noch in dem Bus aus.
»Dietmar, haben wir noch einen Wagen bereitstehen mit dem ich hinfahren kann«, fragte ich den Leiter von Komlei One. Er sah auf eine Liste, drückte einen Knopf und sprach in das Mikrofon auf dem Computertisch.
»Monika, von Komlei One. Du stehst doch noch in der Bismarckstrasse. Komm bei uns vorbei und hol unseren Chef ab. Er hält es hier nicht mehr aus«, sagte er lachend.
Ich konnte zwar die Antwort von Monika nicht hören, weil sie auf einem anderen Kanal gesprochen hatten, aber nach dem Gesicht von Ditmar zu urteilen war sie wohl auch seiner Meinung.
»Carlo, Monika kommt und holt dich ab. Sie fährt den BMW X5. Eine Rakete, das ist jetzt das richtige für dich. Sie hat gerade Schichtende und freut sich mitmachen zu können«, sagte er zu mir.
Monika ist normal im Personen- und Objektschutz, eines unserer Unternehmen, tätig. Nur ab und zu, wenn Not am Mann oder Frau ist, arbeite sie auch für die Operation Group. Ich sah sie schon auf der Strasse ankommen, schnell und souverän lenkte sie den großen Wagen durch den Verkehr. Mann konnte sofort an ihrem Fahrstiel erkennt, dass sie eine Rallyefahrerin war. Sie kam auf den Parkplatz und hielt genau am mittleren Eingang des Busses. Auf dem Weg nach draußen winkte ich Thomas zu, verabschiedete mich von den anderen, nahm meine Einsatztasche, die ich am Niedergang abgestellt hatte und stieg aus. Ich öffnete die Beifahrertür und legte die Tasche in den Fußraum. Musste mich ja noch während der Fahrt, für den Einsatz umziehen.
»Hi Monika, lange nicht gesehen«, begrüßte ich sie und gab ihr die Hand.
»Hi Boss, stimmt und doch wieder erkannt. Wirst auch nicht älter, hält dich Eva so jung und fit«, fragte sie mich frech lachend. Ich stieg ein, und legte mir den Hosenträgergurt an. Das war Monika wie sie leibt und lebt, frech, lustig und zuverlässig.
»Ja, so hat jeder seinen Jungbrunnen«, sagte ich und zwinkerte ich ihr zu. Während sie los fuhr, sagte ich:
»Wir loggen uns in den Kommunikationskanal vom Bus ein und sind damit Online.« Alle Fahrzeuge waren mit einem Navigations- und Computerbildschirm ausgestattet. Ich gab mein Passwort ein um mich ins Netz einzuloggen und somit auf die Kommunikationsebene vom Bus zu kommen. Dann erschien das gleiche Bild wie das auf der Videowand im Bus, die Karte mit Kleinbeeren und den leuchtenden Punkten.
»Ja, das ist gut. Dann habe ich auch gleich die Wegbeschreibung«, gab sie zur Antwort und gab Gas, weil wir in der Zwischenzeit auf der B101 angekommen waren. Ich öffnete die Tasche und holte mir meine Schutzweste heraus und legte sie an. Danach überprüfte ich meine Waffen.
»Oh, wird es jetzt wieder spannend?«, fragte mich Monika voller Vorfreude.
»Nicht nur das, ich vermute es wird sogar sehr ernst werden«, antwortete ich und verstaute meine Pistole und das Kampfmesser. Dann nahm ich mir die Maschinenpistole heraus, überprüfte sie und schob ein Magazin in den Munitionsschacht. Jetzt fuhren wir schon auf Kleinbeeren zu, die Punkte am Haus hatten sich noch nicht bewegt. Ich aktivierte den Funk.
»An alle, bin mit Monika gleich bei euch am Haus. Wir werden etwas abseits vom Haus stehen bleiben. Weitere Anweisungen folgen, Over and Out.« Monika brachte den Wagen zustehen und schaltete alle Lichter aus, stieg aus, ging nach hinten und holte sich aus dem Kofferraum ihre Einsatztasche um sich auch umzuziehen. Jeder von uns hatte so eine Tasche griffbereit, wenn er sich im Einsatz befand. Darin waren Schutzweste, Pistole, Kampfmesser, eine MP mit Schalldämpfer, Nachtsichtgerät, Erste Hilfe und Überlebenspäckchen verstaut. Sie setzte sich zum Schluss noch das Nachtsichtgerät auf und fuhr dann langsam den Weg weiter Richtung Haus. Hinter dem Wagen vom Delta Team, welches abseits des Weges hinter einer Hecke stand, blieb sie stehen. Beide Fahrzeuge waren vom Haus aus nicht zu sehen. Das Team hatte schon einen Fänger über die Strasse gespannt um den Motorradfahrer abzufangen, wenn er zurückkommen sollte. Eine etwas harte aber absolut sichere Sache um ihn zu stoppen, ohne eigene Verluste zu riskieren.
»Feuer! Feuer! Ich stehe unter Beschuss, fünfzig Prozent, Selbstversorgung, verteidige, NS im Einsatz«, hörten wir Josef über Funk sagen und man konnte hören, dass er Schmerzen hatte.
Er versorgte uns damit schnell mit allen Informationen die wir brauchten um die Situation richtig einschätzen zu können. Was er uns mit seiner Durchsage mitteilte war folgendes, seine Kampfkraft und Bewegungsfreiheit war um fünfzig Prozent reduziert, also das er verletzt war. Die Verletzung aber selbst behandeln kann und, dass er nur seine derzeitige Position verteidigen kann. Es bedeutet, dass er eine Beinverletzung haben musste und sich nicht an einer etwaigen Verfolgung beteiligen kann. Da wir keine Schüsse gehört haben, gehe ich davon aus, dass sie Schalldämpfer haben. NS heißt, dass sie auch Nachtsichtgeräte benutzen.
»Delta vorrücken zu Josef und sichern. Pit, bleib hinter dem Haus wir kümmern uns um Josef«, sprach ich in das Mikrofon.
»Monika... «, sprach ich sie direkt an; »...wir gehen auf die Position von Delta vor und halten da die Stellung.« Wir gingen los und sahen im Nachtsichtgerät wie sich das Echo Team vorarbeitete, jede Deckung nutzend und sichernd. Monika und ich gingen in dem Straßengraben in Deckung.
»Delta, ich werde weiter beschossen. Hier fliegen mir die Kugeln nur so um die Ohren«, hörte ich Josef über Funk sagen. Ich sah mir das Haus genauer an und da, neben der Tür, war ein kleines Fenster. Hier konnte ich dass Mündungsfeuer erkennen.
»Delta, rechts neben der Eingangstür kann ich dass Mündungsfeuer erkennen. Schützen ausschalten!«
»Verstanden«, kam die Bestätigung. Monika und ich beobachteten weiter, dann war auf einmal das Mündungsfeuer nicht mehr zu sehen.
»An alle, Haus stürmen!«, gab ich die Anweisung über Funk.
»Monika, hol den Wagen damit wir Josef abtransportieren können«, sagte ich zu ihr und stürmte schon, geduckt und jede Deckung ausnutzend auf das Haus zu.
»Pit an alle, hier hinten tut sich was. Zwei Personen wollen das Haus verlassen.«
»Pit, treibe sie ins Haus zurück, halte sie auf. Lass sie nicht aus dem Haus raus, wir sind gleich da«, rief ich ins Mikrofon während ich Josef erreichte. Hinter dem Haus konnte man Maschinenpistolenfeuer hören. Ich beugte mich zu ihm runter und fragte:
»Josef, alles klar bei dir? Monika kommt mit dem Wagen und bringt dich ins Krankenhaus.«
»Ja, habe mich verbunden ist nur ein Streifschuss, war wohl ein Querschläger. Delta hat den Schützen erwischt und sie sind am Haus«, gab er mir die Information.
»Carlo, wir sind an der vorderen Haustür. Sollen wir rein gehen?«, kam auch schon die Meldung vom Delta Team.
»Delta! Haus einnehmen und sichern«, gab ich den Befehl. Hinter mir hörte ich Monika mit dem Wagen kommen, natürlich fuhr sie ohne Licht.
»Josef, zeige Monika wo du liegst. Damit sie mit dem Wagen kommen kann und fahrt dann zum Krankenhaus. Wir erledigen hier den Rest und dann treffen wir uns am Komlei Bus«, sagte ich zu ihm und ging weiter Richtung Haus.
»Carlo! Wir sind im Haus und haben einen Toten in der Gästetoilette gefunden. Gehen weiter vor«, meldete Delta.
»An alle, hier an der Hinterfront ist jetzt alles ruhig. Die beiden Typen sind wieder ins Haus zurück geflüchtet«, gab Pit über Funk durch.
»An alle, bin an der Forderfront und sicher sie ab«, gab ich den anderen Bescheid.
»Delta an alle, das Haus ist sauber. Haben niemanden hier drin gefunden«, kam die Nachricht über Funk. Wo sind die beiden die wieder zurück ins Haus sind, fragte ich mich. Ich hörte wie Monika wieder wegfuhr.
»An alle, wir müssen das Haus noch einmal durchsuchen. Entweder es gibt einen geheimen Gang oder ein Versteck. Ich nehme an das letztere. Pit und ich sichern weiter von außen.« Ich sah und hörte nichts im Haus, kein Licht und keine Bewegung so, als wenn es leer wäre.
»Pit, gibt es hinter dem Haus eine Scheune oder ein anderes Gebäude?«, fragte Delta.
»Nein. Nur ein Stoppelfeld und einen Wassergraben«, kam die Antwort.
»Delta an alle, wir haben einen Einstieg im Wohnzimmer entdeckt. Ist durch einen Holzdeckel gesichert. Sollen wir ihn aufbrechen?«
»Echo, könnten Sprengfallen angebracht sein?«, fragte ich nach.
»Negativ, hier scheint alles sauber zu sein. Keinerlei Anzeichen von Fallen«, wurde geantwortet.
»Pit, rücke bis zur Tür vor. Ich komme jetzt rein«, durch ein »Klick« im Funkgerät, kam die Bestätigung.
Ich ging zur Vordertür und ging langsam ins Haus. Es war eine kleine Bauernkate und nach wenigen Schritten war ich an der Wohnzimmertür. Weiter hinten konnte ich Pit erkennen, wie er an die Hintertür kam.
Ich sah ins Wohnzimmer und sah, die beiden vom Delta-Team in der Mitte stehen und nach unten auf den Fußboden sehen. Ich ging näher heran und konnte erkennen, dass ein Teppich halb aufgeklappt war, darunter gab es eine kleine Klappe für die Hand um damit eine Falltür öffnen zu können. Ich gab beiden ein Zeichen, dass sie ihr Nachtsichtgerät ausziehen und ihre Taschenlampen nehmen sollten, ich tat es ihnen gleich. Dann gab ich das Zeichen die Falltür zu öffnen. Wir schalteten unsere Taschenlampen gleichzeitig mit dem öffnen der Falltür an und leuchteten nach unten. Zwei geblendete Gesichter schauten nach oben und blinzelten in das Licht.
»Raufkommen und die Hände über den Kopf«, gab ich den Befehl an die beiden. Sofort rissen sie die Hände hoch und ich konnte erkennen, dass einer der beiden meine Blätter in der Hand hielt. Sie stiegen langsam die Treppe hoch und wurden an die Wand gestellt.
»Pit, komm rein. Schalte das Licht an, wir haben Sicherheit.«
»O.K.«, kam die Antwort. Draußen im Flur ging das Licht an und nach kurzer Zeit auch im Wohnzimmer. Pit kam mit der Waffe in der Hand sichernd in den Raum.
»Ich schau mir mal den Toten in der Gästetoilette an, ob ich was bei ihm finde«, sagte er und ging wieder hinaus.
Die beiden waren in der Zwischenzeit nach oben gekommen und vom Delta Team durchsucht worden. Sie standen mit den Händen an der Wand und wurden von Delta gesichert. Ich ging näher heran und sagte:
»Umdrehen und die Hände über den Kopf.« Sie drehten sich um und ich schaute sie mir genauer an, aber ich kannte keinen von ihnen.
»Wer seid ihr denn? Von der Polizei? Sondereinheit?«, fragte der links stehende.
»Was geht das euch an? Wer seid ihr denn?«, fragte ich zurück, ohne mit einer Antwort zu rechnen. Ralf, vom Delta-Team, reichte mir die Ausweispapiere der beiden, die sie ihnen beim Durchsuchen abgenommen hatten. Die Namen sagten mir nichts. Ich notierte mir ihre Daten und gab ihnen die Ausweise zurück. In diesen Augenblick kam Pit ins Zimmer.
»Hier ist der Ausweis des Toten«, sagte er und reichte mir die Papiere. Ich beobachtete die beiden und stellte fest, dass sie erschrocken zusammenzuckten. Sollten sie noch nicht gewusst haben, dass er tot war? Ich nahm mir den Ausweis und schaute ihn mir an. Andreas Klein stand auf dem Ausweis. Mir wurde etwas mulmig im Magen. Diesen Namen kannte ich doch von früher.
Andreas hat doch zusammen mit Willi damals den Daniel Jost in Italien gesucht. Daniel war der Kerl, der damals Fu Ling beklaut hatte.
»Warum hat Andreas Klein auf uns geschossen?«, fragte ich die beiden mit trockener Kehle.
»Er dachte, dass ihr von einer anderen Gang seid«, sagte wieder der linke.
»Was macht Wolfgang?«, versuchte ich die beiden zu überraschen und tatsächlich machten sie verdutzte Gesichter.
»Woher kennen sie denn Wolfgang«, fragt diesmal der rechte.
»Kennt ihr auch Mike und Stefan?«, redete ich weiter, ohne auf seine Frage zu reagieren.
»Ja, die beiden sind seine Bodyguards. Die kennen sie auch?«, fragte er noch überraschter.
»Was solltet Ihr für Wolfgang tun? Nur die Papiere hier besorgen?«, fragte ich weiter ohne auf seine Fragen zu reagieren und hielt die Blätter hoch.
»Ja, er hatte alles organisiert. Wir sollten die Papiere nur abholen und ihm bringen«, kam die Antwort diesmal wieder vom linken.
»Wo finde ich Wolfgang? Oder wie kann ich Verbindung zu ihm aufnehmen?«
»Ha, wir sagen doch nicht, wo er ist«, kam die grosspurige Antwort.
»Gut, wir werden sehen... », und zu Pit gewandt sagte ich mit eiskalter Stimme; »... Pit, zeig den beiden doch mal wie man in Afrika den Leuten die Zunge löst, wenn sie nicht reden wollen.«
»Das können sie nicht tun, das darf die Polizei nicht«, kam der schnelle Einwand.
»Polizei? Wer ist denn hier bei der Polizei?«, fragte ich zurück. Die beiden wurden weiß.
»Ihr seid nicht von der Polizei. Aber wer seid ihr denn dann?«
»Wir stellen hier die Fragen, also was ist nun mit Wolfgang?«
»Man, der bringt uns um, wenn wir was verraten.«
»Besser er, als wenn ihr bei uns dafür länger braucht und euch noch herumquälen müsst.« Pit hatte in der Zwischenzeit sein Kampfmesser gezogen und kam mit finsterer Miene auf sie zu.
»Das könnt ihr doch nicht machen«, sagte der linke schnell.
»Was wir machen können, haben wir schon bei Andreas gezeigt. Das kann aber bei euch gleich weiter gehen«, sagte ich zu ihnen.
Sie sahen sich an, Ralf und Paul vom Delta-Team zogen auch gelassen ihre Kampfmesser und sahen sie auffordernd an. Das gab wohl den Ausschlag und der linke fing an zu reden:
»Wolfgang ist nur über Handy erreichbar.«
»Wohin solltet ihr denn die Papiere bringen.«
»Wir sollten erst bei ihm anrufen und Bescheid sagen, dass wir sie haben.«
»Das habt ihr doch sicher schon gemacht«, kam meine lauernde Antwort.
»Ja. Als wir die Papiere überprüft hatten.«
»Womit habt ihr denn telefoniert«, fragte ich sie. Denn meine Leute hatten nirgends ein Handy oder Telefon gefunden. Der linke deutete nach unten in die Grube, wo sie sich versteckt hatten. Ich machte Paul ein Zeichen und er stieg runter. Nach kurzer Zeit tauchte sein Kopf wieder in der Luke auf und er brachte ein Handy mit und gab es mir. Ich sah mir die Liste aller geführten Gespräche an. Die war aber sehr übersichtlich, es stand nur eine Nummer aus Hamburg drin.
»Ist Wolfgang in Hamburg?«, fragte ich den Links stehenden, der ja sowieso meistens Antwortete.
»Ja, da sollten wir auch hinkommen, wenn wir hier fertig waren.«
»Wo habt ihr euren Wagen stehen?«
»Andreas sollte mit dem Motorrad fahren und wir mit dem Auto. Das steht vorne an der Strasse im Gebüsch.«
»Ich brauch die Adresse von Wolfgang.«
»Die können wir nicht sagen, weil wir sie auch nicht kennen. Wir kennen nur seinen Stammplatz, da wo wir uns immer treffen.«
»Wo ist dieser Platz?«, hakte ich nach.
»Die „Hansa Klause“ in der Greifswalder Strasse.«
»Was wisst ihr über Wolfgang«, schoss ich die nächste Frage ab, in der Hoffnung ihre Angst noch mehr ausnutzen zu können. Ich durfte ihnen keine Zeit lassen, lange zu überlegen.
»Tja, der war auf einmal mit seinen Leuten da und hat das Hansaviertel übernommen«, kam die Antwort.
»Wann war das?«
»Vor ungefähr einem Jahr.«
»Wie viel Leute hatte er damals dabei?«
»Es müssen bestimmt an die zwanzig gewesen sein.«
»Was habt ihr beide denn vorher gemacht?«
»Wir waren schon im Hansaviertel, Zuhälter und Rausschmeißer. Mussten dann aber für ihn arbeiten.«
»Habt ihr schon mal von einem Fu Ling gehört«, kam meine nächste Frage wie aus der Pistole geschossen.
»Nein, den kennen wir nicht. Aber was soll das hier werden, ein Verhör?«, kam die aufmüpfige Frage. Meine drei Leute rückten mit drohender Gebärde und erhobenen Messern näher an sie heran.
»Ist ja schon gut, ist ja schon gut. Was wollt ihr denn noch alles wissen?«, sagte der linke schnell.
»Hattet ihr einen festen Termin für das Treffen mit Wolfgang?«
»Nein, irgendwann morgen Nachmittag.«
»Gut. Delta bringt die beiden, mit ihrem Auto nach Brandenburg in unser Haus und kommt dann nach Hamburg. Pit, wir treffen uns am Bus. Ich nehme den Wagen vom Delta Team und schau mir mal an, wie es Josef geht«, gab ich die weiteren Anweisungen.
»Wer seid ihr denn überhaupt«, konnte der linke es nicht sein lassen zu fragen.
»Gute Bekannte von Wolfgang, die er schon sehr lange nicht gesehen hat. Das wird sich aber ja bald ändern. Abmarsch! Wegen dem Toten rufe ich die Polizei an und mache Meldung«, informierte ich meine Leute noch. Das Delta Team legte den beiden Handfesseln an und brachte sie nach draußen. Pit schloss die Luke und legte den Teppich wieder darüber. Da wir im Einsatz immer Handschuhe trugen, brauchten wir nicht zu befürchten, dass die Polizeierkennung unsere Fingerabdrücke finden würden. Was für die weitere Ermittlung der Polizei einfacher war, den wir mussten sie ja über den Vorfall informieren. Pit legte den Ausweis wieder zurück in die Tasche des Toten und schloss das Haus ab.
»Pit, fahr doch die Maschine von Josef bitte noch rüber zur Strasse und stelle sie dort ab. Dann kann unsere Technik das Motorrad abholen.«
»Gut, mache ich. Bis später«, sagte er und machte sich an die Arbeit. Unsere Leute vom Komlei Track würden das Motorrad später dann abholen. Ich ging zum Wagen vom Delta Team und setzte mich rein als der Funk aktiviert wurde:
»Carlo, Monika hat gerade aus dem Krankenhaus angerufen. Josef ist in Ordnung und verarztet. Die beiden kommen gleich hier her. Müssen nur noch der Polizei Meldung machen wegen der Schussverletzung. Welche Aussage sollen sie machen?«, fragte Thomas aus dem Komlei Bus.
»Thomas, ich rufe jetzt Dietmar an der wird sich mit der Polizei in Verbindung setzten und sie über den Toten informieren. Wenn Josef sagt, dass er beschossen wurde als er das Haus betreten wollte und in Notwehr zurückgeschossen hat, passt das schon. Alles in Ausübung eines Auftrages. Dann haben sie den Zusammenhang der Geschichte«, gab ich die Antwort. Da meine Leute alle als Personenschützer gemeldet sind und einen Waffenschein hatten, durften sie auch Waffen tragen.
»In Ordnung, dann werde ich die beiden einmal informieren was sie zu sagen haben. Bis später dann«, sagte er und unterbrach die Funkverbindung. Ich nahm mein Handy und rief Dietmar an.
»Na, kommst du nicht los von mir? Oder warum ruft du mitten in der Nacht an?«, legte er gleich los als er meine Nummer auf dem Display erkannte.
»Dietmar, du musst bei der Polizei anrufen und sie informieren, dass in Kleinbeeren im Buschweg 20, ein Toter liegt und es dieser Mann war, der Josef angeschossen hat. Josef ist im Krankenhaus und sagt bereits aus, dass es in Ausübung eines Auftrages passiert ist. Kümmere dich bitte um ihn, Monika ist auch bei ihm«, erklärte ich gleich die Situation ohne auf seine Froostlerei einzugehen. Dafür war jetzt keine Zeit.
»Gut, das mache ich sofort. Ist sonst noch was passiert was ich wissen müsste?«, fragte er.
»Nein, wir fahren heute noch mit der ganzen Crew nach Hamburg um da weiterzumachen. Alle Fäden weisen dorthin.«
»Gut ich fliege morgen früh auch gleich in mein Büro nach Hamburg, ihr werdet mich dort bestimmt auch brauchen, wie ich dich kenne.«
»Ja, das ist eine gute Idee. Also, bis später Ditmar. Ciao«, gab ich ihm zur Antwort und unterbrach die Verbindung. Pit kam gerade mit seinem Motorrad den Weg herunter und fuhr vorbei. Er winkt mir zu und beschleunigte dann seine Maschine. Ich aktivierte meinen Funk und rief den Bus.
»Thomas, wir haben das Motorrad von Josef hier an der Strasse abgestellt. Lass es bitte von der Technik abholen.«
»Das geht in Ordnung, Carlo«, kam auch gleich die Bestätigung. Ich startete den Wagen und bewegte ihn zurück in die Stadt. Die Fahrt zum Komlei Bus dauerte nicht all zu lange, um diese Zeit waren die Strassen frei. Hier angekommen, parkte ich neben dem Bus auf dem Parkplatz und stieg ein.
»Guten Morgen.« Begrüßte ich die gesamte Besatzung.
»Guten Morgen Chef«, kam es zurück. Pit saß schon im hinteren Bereich in der Sitzgruppe und reinigte seine Waffen.
»Hat sich Monika gemeldet und gesagt wann sie hier sind«, fragte ich Thomas.
»Ja, vor fünf Minuten. Sie müssen auch gleich hier sein«, informierte er mich.
»Gut, dann Lagebesprechung in dreißig Minuten«, sagte ich. Holte mir einen Kaffee aus der Pantry und setzte mich zu Pit, streckte mich aus und schloss die Augen um mich ein wenig auszuruhen.
»Carlo, Monika und Josef sind jetzt auch da«, hörte ich die Stimme von Pit in mein Unterbewusstsein dringen. Ich öffnete die Augen, muss wohl für einen Moment weg gewesen sein.
»Danke Pit«. Ich nahm einen Schluck von meinem Kaffee und verzog das Gesicht.
»Ahh.... kalter Kaffe. Den mag ich ja überhaupt nicht. Wie lange war ich weg«, fragte ich Pit.
»Gut zwanzig Minuten. War wohl nötig«, sagte er lächelnd.
»Ja, scheint so. Dann hole ich mir mal einen heißen Kaffee um wieder munter zu werden«, gab ich zur Antwort, stand auf und ging in die Pantry. Vorne bei Thomas standen Monika und Josef. Ich holte mir den Kaffee und ging zu ihnen.
»Na Josef, alles in Ordnung mit dir?«, fragte ich ihn.
»Ja, war eh nur ein Streifschuss. Ist nichts Großes, hatte schon schlimmere Verletzungen. Thomas hat uns alles erzählt wie es weiter gelaufen ist.«
»Gut, wir machen in fünf Minuten Lagebesprechung«, sagte ich zu ihm und zu Thomas gewandt:
»Thomas, schalte in der Lagebesprechung bitte das Delta Team dazu. Damit sie auf dem Laufenden sind. Die sollen ja auch nach Hamburg kommen.«
»Ich baue die Verbindung gleich auf, wenn wir beginnen«, kam die Antwort. Mit meiner Tasse Kaffee in der Hand ging ich nach hinten und setzte mich auf einen Stuhl. Von hieraus hatte ich den Bus und die Sitzecke im Blick.
»Komm Josef, setzt dich und mache es dir bequem«, rief ich und winkte Josef zu mir.
»Willst du auch etwas zu trinken Josef«, fragte ihn Monika.
»Ja, bring mir bitte einen Traubensaft und Wasser mit. Danke dir«, war seine Antwort. Als alle versorgt waren, stand ich auf und stellte mich, auf der Höhe der Videowand, mit dem Rücken zur Scheibe, damit mich jeder hören und auch sehen konnte. Thomas hatte eine Funkleitung für das Delta Team dazugeschaltet, so dass sie jedes Wort aus dem Bus verstehen konnten.
»Hallo Ralf, hallo Paul. Habt ihr die Kerle abgeliefert?«, fragte ich sie als erstes.
»Ja, wir sind jetzt schon auf dem Weg nach Hamburg. Thomas hat uns informiert«, kam die Antwort von Ralf.
»Wenn ihr in Hamburg seid, fahrt zu unserem Haus und schlaft euch erst mal aus. Wir treffen uns dann um elf Uhr auf dem Zentral Omnibus Bahnhof an der Adenauerallee, da steht unser Bus und wir haben Platz für die Autos und Motorräder die wir benötigen.«
»Gut das machen wir«, antwortete Ralf. Ich machte mit der Lagebesprechung weiter:
»So, jetzt geht es um den Einsatz in Hamburg. Wir werden nach dieser Besprechung alle nach Hamburg fahren und uns auf den Busbahnhof stellen. Hier geht es um folgendes.
Wir müssen in der Greifswalder Straße, aus der Kneipe „Hansa Klause”, eine Person rausholen und in unser Haus in Hamburg bringen. Es muss schnell und ohne großes Aufsehen erfolgen. Das Problem wird sein, dass sich diese Person nicht freiwillig in unsere Gewalt bringen lassen wird und dass er Leute bei sich hat, die auch versuchen werden dieses zu verhindern. Nachteil für uns ist, wir haben keinen Standortvorteil und wir kennen die Kneipe nicht von innen... «, hier machte ich eine kleine Pause und trank von meinem Kaffee; »...dann ist diese Person sehr gerissen und mit allen Wassern gewaschen. Wir müssen damit rechnen, dass es Nebenausgänge gibt um verschwinden zu können... «, ich gab Thomas ein Zeichen und er projizierte die Detailkarte von Hamburg St. Georg auf die Videoleinwand und ich fuhr fort; »...Ralf und Paul, wir haben jetzt hier die Karte vor uns, loggt euch doch bitte ins Netz ein. Dann habt ihr sie auch auf eurem Bildschirm«, teilte ich den beiden mit und fuhr fort:
»Das Haus liegt zwischen der Greifswalder Straße und der Langen Reihe und ist aus diesem Grunde ideal gelegen. Die Person, der Name ist Wolfgang Kling, hat sicher in jeder Strasse einen Ausgang.
Unsere Aufgabe ist es, Wolfgang, von dem wir noch nicht einmal ein Bild haben, dingfest zu machen«. Ich machte eine Pause und trank meine Tasse leer, ich hasse eben kalten Kaffee.
»So weit die große Lage, jetzt geht es ans Eingemachte. Wir werden sofort das Bravo Team aus Hamburg in die Kneipe schicken um Fotos zu machen und die Lage zu erkunden. Vielleicht haben wir Glück und können schon die Person heraus selektieren. Diese Bilder werden wir heute Mittag um elf Uhr hier im Bus ausarbeiten. Wir werden vier Teams direkt um die Kneipe postieren. Das Bravo-, Delta-, Hotel-, Foxtrott- und X-ray Team. Team- Golf und Alpha bleiben in Reserve beim Bus. Ich werde mit Pit das Echo Team bilden. Somit hätten wir vierzehn Mann im Einsatz, damit müssten wir ihn eigentlich bekommen. Dazu noch Fragen?«
»Ja, ich habe eine Frage Boss... «, meldete sich Monika zu Wort; »...warum ist dieser Kerl für uns so wichtig? Oder haben wir einen offiziellen Auftrag für diesen Einsatz?« Sie hat mal wieder den wunden Punkt und den Nagel auf den Kopf getroffen.
»Tja, da hast du natürlich deinen Finger in meine Wunde gelegt. Nein, es ist kein offizieller Auftrag von irgendeinem Kunden oder Behörde. Dieser Fall betrifft nur mich bzw. die Firma. Wir wurden bedroht und man hat versucht mich zu erpressen, ich sollte die Firmendaten und Firmeninternes preisgeben, damit man die Firma für kriminelle Zwecke einsetzten kann. Wir haben, während unserer Ermittlungen, den Weg zurückverfolgt und sind in Hamburg angekommen. Das ist der Stand den wir jetzt haben. Ich gehe davon aus, dass dieser Wolfgang, der mich übrigens von früher kennt, der Drahtzieher ist. Bei dieser Aktion könnten wir es aber nicht nur mit der Hamburger Unterwelt zu tun bekommen, sondern auch eventuell mit der Asiatischen Gesellschaft«, gab ich die wichtigsten Informationen bekannt.
»Frage beantwortet?«, fragte ich Monika.
»Ja, danke für die Offenheit Carlo.«
»Gut, sonst noch Fragen?«
»Ja. Welche Ausrüstung nehmen wir für den Einsatz? Ist der Polizei bekannt, dass wir das Ding durchziehen? Oder müssen wir ganz in Zivil auftreten?«, stellte Pit die nächste Frage an mich. Er fragte das deshalb, weil wenn wir wie hier in Berlin einen Einsatz fahren, natürlich unsere schwere Schutzweste und Maschinenpistolen mitführen. Das kommt aber auf offener Strasse nicht gut.
»Wir nehmen die leichte Ausrüstung für den Einsatz. Zur Not können die Reserveteams dann mit der schweren Artillerie aufmarschieren, wenn es nötig tut«. Alle nickten und zeigten damit ihr Einverständnis an.
»Die nächste Lagebesprechung ist um elf Uhr in Hamburg auf dem Busbahnhof. Bis dahin gute Fahrt und gute Nacht.« Die Funkbrücke wurde unterbrochen und die Leute gingen an die Arbeit. Pit und Monika gingen nach draußen um mit den Autos nach Hamburg zu fahren. Der Busfahrer vom Komlei startete den Bus und fuhr los. Josef saß in der Sitzecke und ich setzte mich zu ihm.
»Wäre es nicht besser du fährst nach Hause und pflegst dich gesund?«, fragte ich ihn.
»Nein, doch nicht wegen so einer Lappalie. Das heilt ganz schnell und ich kann euch auf jeden Fall von hieraus unterstützen«, gab er mir zur Antwort.
»Gut, dann leg dich unten hin und schlafe eine Runde, ich komme auch gleich nach«, sagte ich zu ihm. Stand auf und ging nach vorne zu Dietmar. Josef humpelte zum Niedergang und ließ sich runter in den Schlafbereich.
»Dietmar, ich lege mich noch etwas hin. Wecke mich, wenn wir in Hamburg sind oder wenn etwas mit dem Bravo Team ist.«
»Gut, mache ich. Schlaft gut Carlo«, sagte er zu mir.
Ich drehte mich um und ging auch nach unten in den Schlafbereich um mich hinzulegen. Josef lag schon schlafend auf dem zweiten Bett. Ich legte mich angezogen aufs Bett und war in wenigen Minuten im Tiefschlaf.
»He Carlo!«, ich wurde an der Schulter wachgeschüttelt. »Carlo wir sind in Hamburg«. Ich machte die Augen auf und sah Josef auf dem Bett gegenüber sitzen.
»Danke Josef, ich komme gleich hoch«, sagte ich noch etwas schlaftrunken zu ihm. Er stand vorsichtig auf, humpelte gebückt zum Aufgang und verschwand nach oben. Ich benötigte etwas länger als sonst um in die Gänge zu kommen. Streckte mich noch einmal ausgiebig und machte mich dann auch auf den Weg nach oben. Nicht ohne mir vorher noch eine Tasse Kaffee aus der Pantry mitzunehmen. Hier stand die Kaffeemaschine nie still und es gab immer einen frischen Kaffee. Langsam, darauf bedacht den Kaffee nicht zu verschütten, ging ich in die Sitzecke und traf dort schon auf Pit und Monika, die sich mit Josef unterhielten. Vorne, an den Terminals, waren die Busbesatzung und Thomas am arbeiten um die Lagebesprechung vorzubereiten.
Die Techniker an den Terminals hatten die Möglichkeit, ihre Sitze zu Schlafsesseln umzuwandeln, um auch im Einsatz ein paar Stunden schlafen zu können.
»Guten Morgen«, begrüßte ich die beiden.
»Morgen Carlo«, sagten sie im Kor.
»Stehen wir schon lange hier?«
»Nein, sind erst vor einer halben Stunde hier angekommen, die Teams sind jetzt auch alle hier und haben sich schon mit Kaffee versorgt«, gab mir Monika die Auskunft.
»Gut, dann können wir ja gleich loslegen. Ich gehe mal nach vorne zu Thomas, und sehe mir das Video vom Team Bravo an.« Ich trank den Kaffee aus, stand auf und ging nach vorne zum Terminal von Thomas.
»Guten Morgen Thomas.«
»Guten Morgen Carlo, hast du etwas schlafen können?«, fragte er mich.
»Ja, ich war tief weg. Was hat uns das Bravo Team mitgebracht?«, fragte ich ihn neugierig. Er hantierte mit der Tastatur und dann lief ein Video auf seinem Terminal ab. Man konnte erkennen wie sie in die Kneipe gingen. Sie hatten jeder eine Kamera in den Schirmmützen eingebaut die sie trugen und durch drehen des Kopfes hatten sie die Möglichkeit alles aufzuzeichnen.
Man konnte die ganze Kneipe erkennen, links vom Eingang gab es einen Tisch und auf der rechten Seite standen vier Tische die alle besetzt waren. Man konnte sehen, wie sie sich an den Tresen setzten und ein Getränk bestellten. Nach dem ersten Bier ging einer von beiden, auf die Toilette und nahm dabei den Flur auf. In der Toilette machte er auch einen Schwenk durch den Raum, die Räumlichkeiten waren fensterlos. Danach ging er wieder in den Flur zurück. Auf der gegenüberliegenden Seite der Toilette befand sich noch eine Tür. Die Kamera ging nach unten als er den Kopf vornüber beugte um die Tür, die verschlossen war, mit einem Diedrich zu öffnen. Seine Hand drückte die Türklinke herunter und öffnete sie, dahinter befand sich eine Treppe die in den Keller führte. Die Tür wurde wieder verschlossen und er ging wieder zu seinem Stuhl an der Theke zurück. Nach dem zweiten Bier, bezahlten die beiden ihre Rechnung, standen auf und gingen nach draußen. Vor der Tür gingen sie nach links und einmal um den ganzen Häuserblock herum, über die Lange Reihe wieder zurück zum Eingang der Kneipe. So hatte man einen kompletten Überblick von der Umgebung bekommen.
»Danke Thomas, da haben wir ja wenigstens etwas. Sind die Teams alle einsatzklar?«
»Ja, sie haben sich alle klar gemeldet und warten auf die Lagebesprechung.«
»Gut, schalte in fünf Minuten auf Sendung und gib die Videowand für das Video frei.«
»O.K. mache ich«, sagte er und hantierte schon wieder an seinem Terminal herum und rief die einzelnen Teams an um sie zu informieren. Ich ging zurück und nahm meine leere Kaffeetasse vom Tisch, ging in die Pantry und holte mir noch ein großes Glas Wasser. Als ich wieder oben war, konnte ich auf der Videowand die Karte von St. Georg erkennen. Die aktiven Symbole der einzelnen Teams waren zu erkennen, ein Hinweis, dass sie aufgeschaltet waren. Ich legte mir ein Headset um und aktivierte die Verbindung.
»Einen wunderschönen Guten Morgen an alle. Ich hoffe ihr konntet wenigstens etwas Schlaf bekommen. Aber nach der Besprechung habt ihr noch etwas Zeit euch auszuruhen. Wir werden uns erst einmal das Video vom Alpha-Team ansehen, speichert es auf eure Datenbank. Dann könnt ihr euch heute Abend das Video noch mal ansehen um euch die Gegend einzuprägen. Da wir ja nicht alle dort einen Rundgang machen können«, sagte ich lächelnd. Ich machte Thomas ein Zeichen und auf der Videowand lief der Film an.
»Wie ihr sehen könnt, ist es eine trostlose Gegend und auf der Strasse ist nicht viel los. Aber schaut euch besonders die Häuser links, rechts und gegenüber der Kneipe an. Hier sollte sich das Alpha-Team heute Nachmittag noch mal umsehen«, auf mein Zeichen hin stoppte Thomas die Aufzeichnung. Die Kamera hatte einen Schwenk über die Häuserfront in der Greifswalder Strasse gemacht.
»Wir müssen ein Team in der Nähe der Kneipe postieren, am besten geeignet kommt mir das gelbe Haus gegenüber der Kneipe vor. Wichtig ist auch zu erfahren, ob die Häuser zwischen der Langen Reihe und der Greifswalder Strasse untereinander verbunden sind oder gar einen Zugang zur Kneipe haben. Wir dürfen in dieser Strasse nicht zu viel Aufsehen erregen. Die ist so leer, dass hier jedes fremde Auto auffällt. Dazu aber später mehr.« Ich gab Thomas einen Wink weiter zumachen und man konnte erkennen wie die beiden in die Kneipe gingen.
»Kommen wir zur Kneipe selbst. Wichtig ist für uns die Tatsache, dass sich links und rechts vom Eingang Sitzgelegenheiten befinden.«
Gegenüber vom Eingang war die Theke zu sehen, an die sich unsere Leute setzten. Die Kamera machte einen Schwenk um Hundertachtzig Grad. Man konnte die vier Tische rechts vom Eingang erkennen die ja auch alle besetzt waren. Links vom Eingang gab es nur einen Tisch, hier saßen nur zwei Männer.
»Ich nehme an, dass der Tisch links vom Eingang, wie immer, für Wolfgang reserviert bleibt. Dass hat er schon immer so gemacht. Thomas, stopp bitte mal das Video und Zoom die Gesichter der zwei Typen heran.« Man konnte die Gesichter, trotz schummrigen Lichts, erkennen. Aber sie sahen nicht wie Wolfgang aus. Oder so wie ich ihn mir jetzt vorstellen würde. Nur bei einem hatte ich das Gefühl ihn zu kennen, nur dass es eben nicht Wolfgang war. Ich führte weiter aus:
»Bei den zwei Personen kann es sich eigentlich bei keinem um Wolfgang handeln, aber die Person die links sitzt, kommt mir irgendwie bekannt vor. Thomas, druck davon doch für jeden bitte ein Bild aus und lass es weiterlaufen«, sagte ich und er gab mir durch ein nicken das Zeichen, dass er mich verstanden hatte.
Dann wurde der Schwenk durch das Lokal beendet und die Kamera richtete sich auf den Wirt, ein beleibter großer Kerl, dem man nicht gern in der Nacht begegnet wäre. Nach dem ersten Bier was sie sich bestellt hatten folgte ein zweites, wäre sonst aufgefallen, wenn man nur eins getrunken hätte. Kaum stand das zweite Bier vor ihnen, stand einer vom Team auf und ging Richtung Toiletten. Diese befanden sich zwischen der Theke und dem, wie ich annehme, für Wolfgang reservierten Tisch.
Das hatte er ja auf der Reeperbahn auch immer so gemacht. Die Kamera ging jetzt in einen dunklen Flur hinein und die Technik musste sich nachregeln um überhaupt noch etwas zu erkennen, sie hatte einen Restlichtverstärker. Man konnte erkennen, dass sich links die Türen für die Damen- und für die Herrentoilette befanden. Auf der rechten Seite kam zuerst eine Tür mit der Aufschrift Privat.
»Wir müssen uns auf diese Tür konzentrieren, hier geht es in den Keller und von da bestimmt in die Nebenhäuser«, griff ich der Aufnahme vor. Auf der Videowand konnte man jetzt erkennen, nachdem unser Mann der aus der Toilette heraus kam und die Tür gegenüber öffnete, wie eine Kellertreppe sichtbar wurde. Er schloss die Tür wieder und ging zurück an die Theke, sie tranken ihr zweites Bier aus um sich, nach dem sie bezahlt hatten, nach draußen zu begeben.
Hier bleiben sie einen Moment lang stehen und die Kamera machte wieder einen Schwenk von rechts nach links.
»Wie ihr sehen könnt, ist die Strasse total leer, hier traut sich kein Tourist rein. Ich überlege mir, ob es nicht sicherer wäre die Strasse weitläufig abzusperren. Oder als Alternative, ein schnelles Zugreifen. Ran, rein, einkassieren und weg.« In der Zwischenzeit lief der Film weiter und man konnte sehen, wie das Bravo-Team links die Greifswalder Straße runter ging bis zur Danziger Strasse, um den Block herum und auf der Langen Reihe wieder zurück. Ich hob die Hand und Thomas stoppte wieder den Film.
»Hier in diesen Haus, in dem der Frisör drin ist, muss das Charlie-Team heute noch rein um zu sehen ob es eine Verbindung zwischen den Häusern gibt. Gerd und Helmut, seht euch vor allem nach getarnten Türen oder Durchlässen um«, sprach ich das Charlie-Team direkt an. Nachdem ich Thomas ansah und nickte, ließ er den Film weiterlaufen. Die beiden vom Alpha-Team kamen an der Baumeisterstrasse an. Man konnte eine Tankstelle und ein Parkhaus erkennen, hier ging es nicht mehr weiter, es war eine Sackgasse, links ging die Greifswalder Strasse ab. Der Film war zu Ende und die Karte von St. Georg erschien wieder auf der Videowand.
»Gut, das war es. Was mir Sorgen macht ist die Tatsache, dass wir nicht genau wissen ob und wann Wolfgang in der Kneipe ist. Aus diesem Grunde zieht das Hotel-Team gegenüber in das gelbe Haus ein, so dass sie immer eine optimale Sicht auf die Kneipe haben. Installiert eine Kamera und lasst sie die ganze Zeit laufen, am besten schon ab heute Nachmittag. Vielleicht findet ihr ja eine leere Wohnung, ansonsten bietet den Bewohnern Geld und sorgt dafür, dass sie während der ganzen Aktion keinen Kontakt nach außen haben. Ich werde mir diese Aufnahmen dann ansehen und versuchen Wolfgang eventuell zu erkennen... «, ich nahm einen Schluck Wasser und redete weiter; »...daraus ergibt sich, dass wir keine feste Einsatzzeit haben. Haltet euch ab neunzehn Uhr einsatzbereit. Sollten bis dahin unvorhergesehene Ereignisse eintreten, geben wir Alarm.« Ich nahm mir einen elektronischen Zeigestab, mit dem ich auf der Karte Punkte markieren konnte.
»So. Jetzt die Einteilung der Teams:
- Das Alpha-Team ist unsere Reserve und stellt sich mit ihrem Wagen in die Lange Reihe.
- Das Bravo-Team geht wieder in die Kneipe, dort kennt man sie ja schon.
Ihr bleibt bis auf Abruf dort und trinkt euer Bier und wenn es los geht muss einer nach hinten gehen um die Kellertür zu sperren. Der zweite hält die Leute im rechten Bereich in Schach. Wichtig ist, ihr müsst eure Stablampen mit rein nehmen, am besten mit dem Beinhalfter befestigt. Es wird mit Sicherheit in der Kneipe bei Alarm das Licht ausgemacht. Pit und ich haben auch welche dabei. Zieht wieder eure Caps mit der eingebauten Kamera auf und übermittelt die Bilder in den Bus.
- Das Charlie-, und Delta-Team beziehen Posten in den Restaurants auf der Langen Reihe. Rechts und links vom Objekt.
- Das Foxtrott-Team stellt sich an die Tankstelle in der Baumeisterstrasse, von hier habt ihr einen guten Blick in die Greifswalder Strasse. Von da aus, könnt ihr auch alles beobachten und wenn es sein muss, die Strasse sperren. Die Greifswalder Strasse ist eine Einbahnstrasse, dass heißt der Verkehr kommt auf euch zu.
- Das Golf-Team bezieht Position kurz vor der Soesterstrasse, auch die ist eine Einbahnstrasse, um im Notfall die Greifswalderstraße von unten abzusperren, oder Flüchtige stoppen zu können. Fahrt rechtzeitig hin, hier ist es schwer einen Parkplatz zu bekommen.
- Das Hotel-Team ist im gegenüberliegenden Haus, beobachtet und zeichnet alles auf Video auf. Ihr nehmt bitte noch ein Scharfschützengewehr mit, um eventuell eingreifen zu können. Bleibt noch das Echo-Team übrig, das besteht aus Pit und meiner Person. Wir gehen beim Startzeichen in die Kneipe und holen alle raus die in der linken Ecke sitzen um sie in den Transporter zu bringen den Monika fährt und mit Josef zusammen das X-ray Team bilden. Ich nehme an, dass er als Beifahrer doch sicher gern noch mitmischen möchte. Holt euch heute Nachmittag noch den Transporter in der Werkstatt ab und macht in einsatzfertig. Die Türen müssen von vorne zu verschließen sein und die Trennwand sollte durchsichtig aber Schlag- und Schussfest sein. Wir haben keine Zeit die Leute groß zu durchsuchen, wenn wir sie raus bringen. Monika übernimmt sie an der Tür und Josef gibt Rückendeckung aus den Wagen heraus. Das X-ray Team stellt sich auch in die Greifswalderstrasse und das bitte auch rechtzeitig. Pit und ich werden uns in die Danziger Strasse stellen. Als Ausrüstung, nehmen wir alle die leichte Variante, aber haltet alles Griffbereit. Die Foxtrott- und Golf-Teams müssen sich noch Reifenschlitzer einladen um eventuell Autos zu stoppen oder die Straße zu sperren. Noch Fragen?«, beendete ich mein Referat. Ich griff nach meinem Glas und trank noch einen langen Schluck.
»So wie es aussieht gibt es keine Fragen mehr. Gut, dann bis heute Abend um neunzehn Uhr auf dieser Welle. Ich wünsche allen einen schönen Nachmittag. Tschüss«, sagte ich und unterbrach die Verbindung. Ich ging nach hinten und setzte mich zu den dreien auf die Bank.
»Na, kam alles gut an?«, fragte ich sie.
»Ja, das war schon soweit klar. Aber wie machen wie es denn jetzt. Schnell oder mit Strassen Blockade?«, fragte mich Monika.
»Ich glaube, dass wir so flexibel sind und auch sein müssen, dass wirklich erst kurzfristig zu entscheiden. Wir werden die Bilder auswerten und sehen, ob wir mit absoluter Sicherheit sagen können, dass Wolfgang drin ist. Das Beste ist die schnelle Methode, da bekommt keiner so schnell etwas mit.«
»Ja, ich glaube das würde uns allen besser passen, als groß die Strassen zu sperren und Aufsehen zu erregen«, bestätigte Pit meine Meinung.
»Gut, hat jemand Lust auf einen Spaziergang? Außer Josef natürlich«, sagte ich und zwinkerte Josef zu.
»Lass mich raten, du willst nicht zufällig durch die Greifswalder Strasse gehen?«, fragte mich Monika lachend.
»Warum denn nicht. Man muss sich mit der Gegend vertraut machen. Die macht mir keinen sehr vertrauenswürdigen Eindruck. Dann machen wir mal einen Rundgang über die Lange Reihe und wieder zurück. Dann ruhen wir uns noch etwas aus und bereiten uns auf den Einsatz heute Abend vor«, gab ich zurück. Pit und Monika waren einverstanden und wir gingen los. Josef versprach, sich noch um den Transporter zu kümmern und wollte sich zu unserem Autohändler fahren lassen um alles zu beaufsichtigen.
Wir schlenderten wie ein paar Touristen über die Strassen, sahen uns die Auslagen und Schaufenster an, unterhielten uns angeregt und machten Bilder. Wir gingen über die Kirchenallee und bogen dann in die Lange Reihe ein, gleich rechts ging die Baumeisterstrasse ab und wir gingen ein Stück in die Sackgasse. Links bog die Greifswalder Strasse ab, eine ziemlich düstere, einspurige Strasse mit Kopfsteinpflaster.
Es war eine Einbahnstrasse und auf der linken Seite von uns aus gesehen, parkten Autos. Dann gingen wir wieder zurück auf die Lange Reihe. Hier gab es mehrere Lokale und mich interessierten speziell zwei, das Internetcafe und der City Treff. Beide grenzten an die Rückseite der Kneipe in der Greifswaldstrasse an.
Zwischen den beiden Geschäften stand das Haus mit dem Frisörgeschäft, dieses Haus, nahm ich an, gehörte auch Wolfgang.
»Lasst uns doch mal kurz im Internet surfen... «, sagte ich zu Pit und Monika; »...und danach gehen wir etwas im City Treff essen. Ich lade euch ein.« Wir gingen in das Internet Cafe, meldeten uns an der Theke und bekamen einen Computerplatz. Wir setzten uns um den Tisch und loggten uns ein.
»Monika, Pit, schaut euch doch mal hinten um.«
»Gut machen wir«, sagte Monika zu mir. Beide standen auf und gingen nach hinten. Ich surfte im Internet und beobachtete die Bedienung hinter der Theke, aber ich konnte nichts Auffälliges an ihr feststellen. Dann kamen auch schon Pit und Monika zurück und schüttelten die Köpfe.
»Nichts auffälliges zu entdecken«, sagte Pit.
»Bei den Damen auch nicht«, sagte Monika.
»Gut, dann lasst uns mal was essen gehen.« Wir standen auf, bezahlten die Gebühren und gingen nebenan ins City Treff. Hier setzten wir uns an einen Tisch im Hintergrund, um alles besser beobachten zu können und bestellten unser Essen. Danach erfolgte die gleiche Prozedur wie im Internet Cafe. Pit und Monika gingen nach hinten. Diesmal dauerte es etwas länger bis sie wiederkamen und dann sagte Pit:
»Unter im Keller gibt es eine Tür die verschlossen war.«
»Ich nehme an, dass sie dir nicht viel Arbeit gemacht hat?«, fragte ich ihn.
»Genau, aber sie scheint nicht sehr oft benutzt worden zu sein…«, sagte er; »… aber dahinter geht es auf jeden Fall ins Nebenhaus und endet auch an einer verschlossenen Tür. Die habe ich jetzt aber nicht aufgemacht, war mir zu riskant«, erzählte er weiter.
»Gut dann haben wir schon mal den Fluchtweg von Wolfgang ausfindig gemacht«, gab ich zur Antwort.
»Da müssen wir auf jeden Fall ein Team positionieren um ihn im Notfall abzufangen. Das macht das Charlie-Team, die können sich ja hier neben die Tür setzen und sich auf die Lauer legen... «, redete ich weiter; »...in das Frisörgeschäft gehen wir lieber nicht rein, würde wohl zu sehr auffallen. Aber wie ich ihn kenne wird er auch nicht gerade in seinem eigenen Haus einen Notausgang haben.«
Wir bezahlten unser Essen und gingen dann die Lange Reihe runter bis zur Danziger Strasse, an dem Krankenhaus vorbei und wieder über die Greifswaldstrasse zurück. Dabei sahen wir uns jedes Haus und jeden Hinterhof genau an.
»Die Hinterhöfe müssen wir besonders im Auge behalten, wenn Wolfgang da rein kommt, ist er im Gassengewirr von St. Georg verschwunden«, sagte ich zu den beiden. Wir gingen weiter, mein Handy klingelte. Ich sah auf das Display um zu sehen wer mich zu erreichen versuchte und sah, dass es Niclas vom Hotel-Team war.
»Hi Niclas, was gibt es«, fragte ich ihn.
»Hallo Chef, wir sehen euch gerade die Strasse herauf kommen... «, gab er zur Antwort; »...wir sind gegenüber der Kneipe im gelben Haus und haben einen guten Überblick.«
»Gut. Wir haben auf der Langen Reihe einen Durchschlupf entdeckt. Mehr heute Abend in der Videokonferenz. Ciao.«
»Tschüss Chef«, sagte er und unterbrach die Verbindung.
»Das Hotel-Team liegt schon im gelben Haus auf der Lauer«, informierte ich Monika und Pit. Wir gingen langsam wieder zurück zum Bus. Hier bemerkten wir schon rege Betriebsamkeit. Es wurden Gespräche geführt, und Informationen in den Computer eingegeben.
»Ich fahre schon mal rüber in die Werkstatt und sehe nach ob schon alles fertig ist... «, sagte Monika zu mir; »...dann lade ich mir Josef ein und fahre schon mal auf Position. Fällt wohl weniger auf, wenn wir schon vor dem Abend da stehen.«
»Ja, macht das«, gab ich zur Antwort. Pit und ich setzten uns in die Ecke und versuchten uns noch etwas zu entspannen. Nach ein paar Minuten klingelte mein Handy wieder, ich sah, dass es Dietmar war und nahm das Gespräch entgegen.
»Hallo Dietmar, schon was erreicht?«, fragte ich ihn gleich.
»Ja und nein, ich habe die Hamburger Polizei über alles informiert, von der Seite gibt es keine Probleme. Was aber die drei Typen betrifft, um die kümmert sich zurzeit niemand. Da komme ich nicht weiter. Ich hatte ja die Hoffnung, dass sich der Krämer selbst um die Freigabe seiner Leute kümmern würde, aber nichts! Noch nicht einmal ein Anwalt ist gekommen. Hier ist jemand ganz schön in Deckung gegangen.
Die Schiesserei in Berlin wird noch Probleme machen, bei einem Toten wollen die natürlich alles wissen und sind hinter jeder Information und dem Schützen her, wie der Teufel hinter einer armen Seele«, gab er zur Antwort.
»Gib ihnen was, damit sie erst mal zufrieden sind. Sag dass du in ein paar Stunden an mehr Informationen kommst und sie ihnen gibst. Was die drei Typen betrifft, hat die Hamburg Polizei auch nichts herausbekommen? Hier scheint jeder nichts zu wissen... «, sagte ich ärgerlich; »...es muss weiter gehen. Wir brauchen Informationen um etwas unternehmen zu können. Wer ist Krämer, wo steckt er, und was hat er vor. Da brauche ich Antworten, aber schnell«, erhitzte ich mich.
»Carlo, nun mach mal langsam. Denke an dein Herz und an Eva, reg dich nicht so auf.«
»Dietmar, verschone mich mit diesen Weisheiten. Hier steht mehr auf dem Spiel als mein Herz. Es geht um die Firma und uns alle. Wenn es schon so weit ist, dass sich irgend jemand für mich, oder die Firma interessiert und um das alles für seine kriminelle Zwecke einzusetzen, sieht es sehr ernst aus. Denn dieser Jemand hat dann auch die Macht uns Ärger zu machen, sehr großen Ärger«, erhitzte ich mich weiter.
»So Ernst ist die Lage?«, fragte er mich erstaunt.
»Ja und noch schlimmer. Also sieh zu, dass du etwas heraus bekommst und setzte alles ein was du hast«, forderte ich ihn auf.
»Gut, ich werde in Berlin meinen Sozi beauftragen noch mehr Druck zu machen und werde auch gleich mit der Polizei in Hamburg sprechen. Am besten mit dem Polizeipräsidenten direkt.«
»Gut, mach das. Wir starten unsere Aktion ab neunzehn Uhr und es wird heiß werden. Sag dem Präsidenten Bescheid, dass seine Leute sich etwas zurückhalten sollen.« Das konnte ich gut Fordern, weil der Polizeipräsident unsere Organisation gut kennt und weis, dass er das mit ruhigem Gewissen machen kann. Wir haben schon oft für ihn die Kastanien aus dem Feuer geholt und ihn damit aus der Klemme geholfen. Wir kennen uns sehr gut.
»Alles klar, werde mich ab neunzehn Uhr nur noch über Thomas melden. Wirst dann ja nicht mehr ans Handy gehen, nehme ich an. Also, viel Glück und Ciao«, sagte er und unterbrach die Verbindung. Jetzt wo ich gerade dabei war einen Rundumschlag zu machen, rief ich unser Haus in Brandenburg an, in dem wir die Asiaten festhielten. Ich wählte die Nummer und wartete bis sich einer meiner Leute meldete.
»Hallo hier ist Carlo, gibt es schon was Neues in Bezug auf unsere Gäste?«, legte ich gleich los.
»Nein Chef, die schweigen wie ein Grab«, bekam ich zur Antwort.
»Gut, oder auch nicht gut. Dann sag ihnen, dass wir sie auch dahin bringen. Nämlich ins Grab befördern werden, wenn wir nicht bald ein paar Informationen und Antworten von ihnen bekommen. Trennt sie und spielt die Foltermethode durch, spielt die Kassette mit den Schreien und Stöhnen ab. Zieht alle Register die wir haben. Wir brauchen Resultate und zwar schnell, am besten noch vor dem Start unserer Aktion hier in Hamburg um neunzehn Uhr«, forderte ich ihn auf.
»O.K. machen wir. Wir holen uns noch zwei Leute von unserer Firma, der Security in Berlin, die uns helfen können.«
»Ja, macht das. Jede weitere Verbindung läuft ab sofort über Thomas. Tschüss!«, gab ich die Anweisung und unterbrach die Verbindung. Pit beobachtete mich und sagte, nachdem ich das Handy zur Seite gelegt hatte, zu mir:
»Carlo, die werden es schon hinbekommen. Das sind gute Leute, die müssen nur wissen wie ernst die Lage ist. Lass es jeden wissen.«
»Hast Recht Pit, war mein Fehler. Habe es zu lange für mich behalten. Ich werde Status Red ausgeben«, gab ich ihm Recht, stand auf und ging nach vorne zu Thomas.
»Thomas, wir sollten für die Firma Status Red ausgeben«, gab ich ihm die Anweisung.
Status Red bedeutet, alle Mitarbeiter des Konzerns haben sich zu ihren Arbeits- und Dienststellen zu begeben. Es gilt absolute Geheimhaltung, alle Informationen werden nur über verschlüsselte Leitungen weitergegeben und solche auch nur an den Leiter der Aktion. Der auch, kombiniert mit meinem Schlüssel, diese Anweisung gibt. In diesem Fall ist es Thomas im Komlei One. Es gilt die sofortige Abruf-, und Kampfbereitschaft aller Einheiten der Operation Group, Europaweit.
»So ernst ist die Lage?«, fragte er mich.
»Ja und genau darum geht es. Damit jeder mitbekommt wie ernst die Lage ist geben wir Status Red aus.«
Er holte seinen Schlüssel heraus und ging mit mir zur Blackbox. Ein Gerät, das nur mit zwei Schlüsseln aktiviert werden konnte, seinem und meinem gleichzeitig.
Ich holte auch meine Schlüssel heraus und wir steckten sie in die dafür vorgesehenen Öffnungen, drehten sie, jeder in einer andere Richtung, damit wurden die Tastaturen der drei Alarmstufen Green, Yellow und Red freigegeben, die sich noch unter Sicherungsklappen befanden. Ich öffnete die Sicherung vom roten Knopf, drücke auf ihn und löste damit weltweit den stillen Alarm aus. Aufgrund dieser Aktion, bekommt jeder Mitarbeiter, egal wo er ist und was er gerade tut, einen Anruf mit Sprachmeldung, eine SMS, Fax oder Email mit dem Text:
>RED, RED, RED. Bitte begeben sie sich sofort zu ihrer zuständigen Abteilung und befolgen ihre Anweisungen für diesen Status. RED, RED, RED.<
Ich legte den Sicherungsbügel wieder über die rote Taste und wir verriegelten alles wieder indem wir die Schlüssel herauszogen. Der Status Red blieb jetzt solange bestehen, bis wir wieder gemeinsam die grüne Taste betätigten. Sofort bemerkten wir eine größere Aktivität über die Telefon- und Funkleitungen. Die Operatoren an den Tischen hatten alle Hände voll zu tun um die Anfragen zu beantworten und die in einem Alarmablaufplan bestehende Order weiter zugeben. Ich ging wieder zurück zu Pit und setzte mich hin.
»Kann mich ärgern, dass ich wegen diesem Kerl, die Leute nervös machen muss«, sagte ich vor mich hin.
»Ist aber besser so, als wenn sie alle überrascht werden«, gab er mir zur Antwort.
»Hast ja Recht... «, sagte ich und stand auf; »...willst du auch etwas zu trinken?«, fragte ich ihn.
»Ja, bring mir bitte ein Wasser mit.«
Gesagt getan, ich ging in die Pantry und holte uns die Getränke. Langsam wurde es dunkler und wir näherten uns dem Einsatzzeitpunkt. Pit und ich gingen nach vorne und sahen uns die Videoleinwand an. Unsere Teams waren durch Punkte gekennzeichnet, jedes hatte eine Farbe.
»Thomas, schalte uns doch bitte das Bild vom Hotel Team auf die Videowand«, bat ich ihn. Auf der Leinwand erschien das Straßenbild und man konnte den Eingang der Kneipe sehen.
»Ist das Bravo Team schon in der Kneipe?«, fragte ich Thomas.
»Nein, die fahren gerade los und sind in zehn Minuten dort«, gab er mir zur Antwort.
»O.K. Pit. Legen wir unsere Ausrüstung an und machen uns startbereit«, sagte ich und ging nach hinten um die Ausrüstung anzulegen.
Das Sprechfunkgerät im Ohr, das Halfter mit der Pistole unter der Achsel, das Kampfmesser wurde am rechten Bein und die Taschenlampe am linken Bein befestigt. Dann steckte ich noch ein Notfallpäckchen ein. Ich überprüfte noch einmal die Pistole auf ihre Funktionstüchtigkeit und steckte sie dann wieder ins Halfter zurück. Pit machte das gleiche, nahm aber noch zusätzlich seine Armbrust, verstaute sie in ein Futteral und klemmte sie sich unter den Arm.
»O.K. ich bin fertig«, sagte er zu mir. Wir hatten das Outfit eines Touristen und nur genaue Beobachter hätten die Ausbuchtungen unter der Achsel gesehen und denen wäre auch das Futteral mit der Armbrust in Pit’s Hand aufgefallen. Dann gingen wir wieder nach vorne zu Thomas.
»Thomas, schalte bitte die Aufnahmen vom Hotel Team auf die Leinwand. Ist das Bravo-Team schon vor Ort?«
»Ja, sie sind gerade angekommen und müssten gleich zu sehen sein«, gab mir Thomas die Information und in diesem Augenblick kam das Bravo-Team auch in den Sichtbereich der Kamera.
»Thomas, mache bitte einen Splittscreen damit wir beide Aufnahmen sehen können.« Das Bild teilte sich und wir konnten jetzt die Aufnahme einer Cap Kamera vom Bravo-Team sehen, dass in die Kneipe ging und die Aufnahme des Hotels Teams, das den Eingang der Kneipe zeigte. Die Kneipe war gut gefüllt und die Kamera schwenkte zur Ecke die uns am meisten interessierte. Hier saßen drei Personen, aber keiner der Typen kam mir bekannt vor. Das Team setzte sich wieder an die Theke und bestellte sich ein Bier. Es war genau neunzehn Uhr, ab jetzt konnte Wolfgang jeden Moment auftauchen und dann musste alles sehr schnell gehen.
»Pit, lass uns vor Ort fahren, damit wir loslegen können, wenn er auftaucht. Dürfen ihn keine Minute Zeit zum Nachdenken lassen…«, und zu Thomas sagte ich; »…Thomas, gib das Startzeichen für die Operation.« Pit und ich verließen den Bus und gingen zu unserem Wagen, stiegen ein und fuhren in die Danzigerstrasse auf Position. Während der Fahrt schaltete ich den Computer und den Bildschirm an. Wir schalteten auf das Bild vom Bravo-Team um das Geschehen in der Kneipe verfolgen zu können und wir warteten. Es wurde zwanzig Uhr und es tat sich nicht viel in der Kneipe, die Gäste im rechten Bereich kamen und gingen, die drei in der linken Ecke spielten eine Runde Skat und machten nicht den Eindruck dass sie auf etwas warteten. Hatte ich mich verkalkuliert?
Waren es falsche Informationen die ich bekommen hatte? Es wurde einundzwanzig Uhr. Ich aktivierte den Sprechfunk.
»Charlie, wie sieht es bei euch aus? Ist im „Frisör Haus“ Bewegung auszumachen oder tut sich da auch nichts?«
»Hier Charlie, nein es ist hier auch alles ruhig. Wie wir finden viel zu ruhig. Keiner geht hier rein oder raus, als wenn das Haus nicht bewohnt ist«, kam die Antwort über Funk.
»Wir haben uns das Haus nicht angesehen, geh doch mal einer von euch rein und schaut euch mal um, ob es überhaupt Vermietet ist«, sagte ich.
»Gut! Gerd geht mal rein und schaut sich um«, sagte Helmut vom Charlie Team. Ich antwortete:
»Gerd, gehe kein Risiko ein. Sag Bescheid, wenn du etwas Ungewöhnliches bemerkst und wir schicken dir Verstärkung.«
»Gut mache ich, mache mich jetzt auf den Weg«, sagte er.
»Delta-Team, rückt dichter an das Frisörgeschäft heran und haltet euch bereit. Ihr habt ja alles mitbekommen, kann sein dass es sehr schnell gehen muss um Gerd zu helfen«, gab ich die Anweisung.
»O.K. machen wir«, gaben sie zur Antwort. Auf einmal lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken, diese Situation kam mir so bekannt vor. Zwei Häuser in zwei Strassen, Rückseite an Rückseite und beide sind mit einem Gang verbunden. Das war doch die Art und Weise wie sich Wolfgang immer abgesichert hatte und in seinem Haus gab es damals mehr als genug Alarmvorrichtungen und Fallen.
»Gerd, stopp! Nicht in das Haus rein gehen. Geh wieder ins Internet-Cafe zurück. Im Haus sind mit Sicherheit, eine Menge Fallen und Sicherungen eingebaut. Wo bist du jetzt?«
»Genau an der Haustür, wollte sie gerade öffnen.«
»Lass es sein und geh zurück, die knacken wir später wenn es sein muss.«
»O.K.«
»Delta-Team, ihr haltet die Haustür im Auge und macht Aufnahmen von jedem der da rein und raus geht. Haltet euch für eine Verfolgung bereit.«
»Klick«, kam die Bestätigung vom Delta-Team. Ich muss die Reserve heran holen, falls das Delta-Team zum Einsatz kam.
»Alpha Team, macht euch bereit. Falls Delta zum Einsatz kommt, schließt ihr auf die Position von Delta auf und übernehmt deren Aufgabe, das Haus zu beschatten.«
»Alpha hat verstanden und rückt dann auf«, kam die Antwort.
»Carlo, vor der Kneipe tut sich was. Es fährt ein Auto vor und wartet«, hörte ich Thomas über Funk sagen. Sofort schaltete Pit das Display im Armaturenbrett von unserem Wagen auf die Wiedergabe der Bilder vom Hotel Team um. Wir sahen einen schwarzen Mercedes mit laufendem Motor mitten auf der Strasse vor der Kneipe stehen, der sperrte damit fast die ganze Strasse ab. Wenn jemand vorbei wollte, musste er über den Bordstein fahren.
»Achtung Golf-Team, macht euch bereit den Mercedes zu beschatten.«
»Machen wir«, kam die Antwort. Jetzt begann es interessant zu werden, was lief da ab? Hatte er etwas bemerkt und bereitete schon seine Flucht vor? Oder war es nur eine seiner üblichen Vorsichtmaßnahmen? Ich schaltete die Wiedergabe um auf den Innenraum der Kneipe, hier war alles unverändert. Ich schaltete wieder auf die Außenaufnahme um. Es war etwas im Gange, ich kannte dieses Spannungsgefühl, so als wenn man unter einer Hochspannungsleitung stehen würde. Das ist immer der schlimmste Moment, das Warten, bevor es losging, angespannt zu sein und die Spannung nicht los zu werden, nichts tun zu können. Ich hörte das Signal:
»Klick, Klick«, zweimal kurz, vom Bravo-Team aus der Kneipe, es tat sich was. Pit hatte das Bild auf dem Display umgeschaltet und wir sahen wie die Helmkamera einen Schwenk zum besagten Tisch auf der linken Seite machte. Es hatte sich eine Person an den Tisch gesetzt, mit dem Rücken zur Kamera.
»„Thomas, kannst du das Bild in der Kneipe näher heran zoomen?«, fragte ich ins Mikrofon.
»Moment«, kam die Antwort und der Rücken kam näher. Ich war mir nicht sicher nach all den Jahren, aber ich hatte ein positives Gefühl, die Haltung kam mir bekannt vor. Wo kam er plötzlich her? Von draußen kann es nicht gewesen sein, dann hätte es das Hotel Team gemeldet.
»Thomas, markiere ihn als Zielperson... «, und dann: »...an alle, Zielperson identifiziert. Fertig machen für den Zugriff. Auf mein Kommando.« Ich überprüfte noch einmal den Wagen vor der Kneipe, er stand immer noch unverändert und mit laufendem Motor da.
»Mini, geh runter und überzeuge den Fahrer bei Aktionsstart wegzufahren«, sagte ich und meinte den Teil vom Hotel-Team, der deshalb Mini genannt wird, weil er einen unaussprechlichen italienischen Namen hatte.
»Mach ich«, bestätigt er. Ich schaute mir noch einmal die Kneipe an. Die Zielperson saß immer noch am Tisch und unterhielt sich mit den anderen. Dann drehte er sich um und es schien, als wenn er genau in die Kamera schaute. Es war Wolfgang! Er sagte irgendetwas und hob dabei die Hand mit vier ausgestreckten Fingern. Er bestellte bei dem Wirt vier Getränke und drehte sich wieder um. Er ist älter geworden, wie wir alle, aber es waren die Augen die sich verändert hatten. Sie waren härter geworden und schauten zynischer aus.
»Thomas, mache von seiner Frontalen bitte ein Standbild, vergrößere es und gebe es auf den Bildschirm.«
»Dauert ein paar Minuten«, kam die Antwort. Es ging natürlich schneller und die Großaufnahme erschien auf dem Display.
»Ja, das ist er«, sagte ich zu Pit. Holen wir ihn uns. Pit fuhr los und genau in dem Moment, als wir die Kneipe erreichten, hatte „Mini” auch den Fahrer des Mercedes überzeugt wegzufahren. Wir konnten ihn auf dem Beifahrersitz sehen wie er seine Pistole an die Schläfe des Fahrers hielt.
»An alle. Zugriff! Zugriff!« Sprach ich ins Mikrofon während Pit schon vor der Kneipe anhielt. Jetzt liefen mehrere Aktionen gleichzeitig ab. Thomas gab dem Bravo-Team durch ein Funksignal das Startzeichen. Monika fuhr mit dem Transporter vor die Kneipe und hielt hinter unserem Fahrzeug so, dass die gesamte Strasse gesperrt war. Bevor ich mit Pit ausstieg rief ich noch das Charlie-Team an.
»Charlie, verschafft euch jetzt den Zutritt ins „Frisör-Haus“. Versucht den Eingang und den Durchgang in die Kneipe zu sperren«. Die Antwort kam sofort:
»O.K. wir sind schon unterwegs.« Ich folgte Pit und stürmte in die Kneipe, Taschenlampe und Pistole in der Hand. Wie bereits erwartet, ging sofort das Licht aus. Paul vom Bravo-Team, stand auf der rechten Seite und leuchtete die Personen an den Tischen an und hielt sie in Schach. Theo vom Bravo-Team stand am Durchgang zum Flur und sperrte dort alles ab. Pit stand an dem Tisch links von uns. An dem unsere Freunde saßen und hielt Wolfgang die Pistole an die Schläfe, mit der Taschenlampe zeigte er auf die drei anderen. Es war totenstill, man hätte eine Stecknadel fallen hören können.
»Das kann nur Carlo der Organisator sein«, hörte ich Wolfgang aus dem Dunkeln sagen, der mir den Rücken zudrehte. »Ihr vier, aufstehen und rausgehen«, gab ich Anweisungen und deutete mit der Taschelampe auf die vier Personen die bei Wolfgang an dem Tisch saßen, ohne auf ihn zu achten.
»Der Rest kann gleich wieder in Ruhe sein Bier trinken, wir sind gleich wieder weg«, sagte ich, indem ich mich zu den anderen Tischen umdrehte. Wo waren Mike und Stefan, die beiden Bodyguards von Wolfgang? Hier am Tisch saßen sie nicht und im Mercedes waren sie auch nicht. Ich konnte mir später darüber Gedanken machen, jetzt ging es darum schnell zu reagieren. Pit und Theo dirigierten die vier Männer raus. Sobald sie draußen waren, sagte ich zu Paul:
»Paul, wir können. Komm raus hier.« Ich drehte mich um und ging mit ihm zusammen raus. Hier waren meine Leute gerade dabei die vier in den Transporter zu verfrachten. Ich stieg schon in unseren Wagen, den Rest konnten sie alleine erledigen.
»Achtung an alle! Abzug! Abzug! Die Maus ist in der Falle. Treffpunkt ist unser „Haus Hamburg”«, informierte ich meine Leute. Pit stieg ein und fuhr gleich los. In weniger als drei Minuten war der Spuk vorbei und die Straße lag wieder ruhig und friedlich da, als wenn nichts vorgefallen wäre. Pit beschleunigte den Wagen und wir fuhren Richtung Blankenesse, hier hatten wir unser „Haus Hamburg“ stehen. Eigentlich mehr eine Villa, schön abgelegen direkt an der Elbe und mit einer kleinen Jacht Anlegestelle.
»Thomas! Komme mit Komlei One in die Nähe von „Haus Hamburg“, stell dich ans Wasserwerk auf der Falkensteiner Ufer Strasse. Alle Teams treffen sich im Haus Hamburg. Das Foxtrott-, und Golf-Team bleibt beim Komlei One in Bereitschaft stehen. Over and Out.« Ich entspannte mich ein wenig und genoss die schnelle Fahrt über die Elbchaussee und anschließend, auf der Falkensteiner-Ufer-Strasse. Ich schaute auf die Elbe und meine Gedanken wanderten nach Sardinien, zu Eva. Gerade als ich mich entschlossen hatte anzurufen fing Pit an zu sprechen:
»Das war eine gute und schnelle Aktion. Als ich in die Kneipe kam, wollten die Typen gerade aufstehen. Es ging alles zu schnell für sie. Bevor sie wussten was los war, hatten wir sie schon im Sack.«
»Ja, unsere Leute haben gute Arbeit geleistet, sie waren schnell und präzise. Hat Spaß gemacht in so einem Team zu Arbeiten«, lobte ich alle.
»Carlo hier ist Thomas, wir kommen im Moment nicht hier weg. Es wurden alle Strassen gesperrt«, hörte ich Thomas im Kopfhörer den ich noch an hatte.
»Was ist los bei euch, brauchst du Hilfe um da raus zu kommen?«, fragte ich ihn.
»Nein, die haben erst jetzt auf unserer Aktion reagiert. Von uns wollten sie nichts, wir kommen nur nicht vom Busbahnhofparkplatz runter«, kam die Information.
»Die können doch nicht alle Busse festhalten«, sagte ich.
»Nein. Das tun sie nicht. Aber die Abfahrende Spur wurde auf eine begrenzt und da dauert es eben, bis wir hier weg kommen.«
»O.K. sieh zu das du so schnell wie möglich zu deinem Treffpunkt kommst. Kann sein das wir noch etwas zu tun bekommen heute Nacht.« Dann rief ich Mini vom Hotel Team an, die mit dem Gekaperten Mercedes und dem Fahrer unterwegs war:
»Mini, wo bist du gerade?«
»Chef, bin in unserem „Haus Hamburg“. Geht das in Ordnung?«
»Das ist gut so. Wir sehen uns dann gleich«, gab ich zur Antwort. Dann musste das Gespräch mit Eva eben noch etwas warten. Pit bog ab in den Römischen Garten und da lag auch schon die Einfahrt zu unserem Haus vor uns. Abgesperrt durch ein Stahltür und durch Nachtsichtkameras bewacht. Auf dem Grundstück gab es nicht nur Bewegungsmelder, es gab auch Hundestreifen und eine Infrarotüberwachung. Links vor der Tür stand eine Säule, auf der eine Tastatur und ein Handscanner angebracht waren. Durch eine Kamera wurde man aufgenommen und die Insassen wurden mit den gespeicherten Daten verglichen.
Pit drückte seine Hand auf den Scanner. Nach zwei Sekunden glitt das Stahltor auf und wir konnten hineinfahren. Im Vorbeifahren erkenne ich, das zwei Hundeführer noch zusätzlich auf dem Grundstück waren. Ich winkte ihnen zu und sie grüßten zurück. Gut so, das war die Auswirkung von Code „Red”. Auf einmal bekam ich so einen Knoten im Magen.
>War ich zu schnell vorgegangen? Hatte ich etwas übersehen? War ich mir zu sicher dass er von unserer Aktion vorher nichts bemerkt hatte? Hatte Wolfgang noch andere Sicherungen eingebaut?<, dacht ich mir.
Bevor ich mich weiter mit diesen Fragen auseinandersetzten konnte, fuhren wir vor dem Haus vor. Pit und ich stiegen aus und gingen die Treppe hoch zur Tür. Das Haus hatte eine Autoauffahrt die im Bogen an der Treppe vorbei führte die zu einer stabilen Haustür führte.
Oben angekommen wurde die Tür von innen geöffnet und Sascha Partü, der Hausmeister, stand lachend an der Tür und streckte mir voller Freude die Hand entgegen.
»Carlo, schön dich auch mal wieder hier zu sehen. Wie geht es Eva?«, begrüßte er mich. Sascha war mit seiner Frau Petra für das Haus verantwortlich. Sie sorgten dafür, dass alles in Ordnung war und organisierten alles rund ums Haus.
»Danke Sascha, es geht ihr bestimmt gut. Habe heute noch nicht mit ihr gesprochen und wie geht es euch, was macht Petra?« Bevor er antworten konnte, hörte ich hinter ihm Petra antworten:
»Gut geht es mir. Schön dich und die Jungs einmal wieder hier zu haben. Kommt endlich rein«, das war typisch Petra. Sie war die Hausherrin und zeigte es sogar mir immer wieder. Ich trat lachend ein, und gab ihr die Hand.
»Hallo Petra! Wie immer, frech und doch treffend in der Aussage«, gab ich zur Antwort. Sie lachte und zog mich, meine Hand noch festhaltend, Richtung Wohnzimmer.
»Carlo, die Typen sind unten im Keller untergebracht, unsere Jungs sitzen in der Küche bei Kaffee und Kuchen und du machst jetzt auch erst einmal eine Pause und trinkst einen schönen Tee. Wenn alle da sind sage ich dir Bescheid«, sagte sie und dabei bugsierte sie mich zur gemütlichen Sitzecke am Fenster. Von hier aus hatte man einen wunderbaren Blick über das Grundstück, bis hinunter zur Elbe, man konnte die Schiffe auf der Elbe sehen.
»Setzt dich, ich bringe dir gleich den Tee und Gebäck«, sagte sie energisch und verschwand Richtung Küche. Es herrschte eine Stille im Haus, man konnte kaum glauben dass sich so viele Personen hier aufhielten. Ich setzte mich in meinen Lieblingssessel mit Blick auf die Elbe und merkte, dass die letzten Tage doch so langsam ihren Tribut forderten. Die Ruhe und der friedliche Ausblick machten mich schläfrig, am liebsten hätte ich die Augen zu gemacht und wäre meinen Gedanken hinterher geflogen. Aber ich konnte es mir noch nicht leisten abzuspannen und, als wenn es ein Zeichen wäre, summte mein Handy. Ich schaute auf dem Display und sah den Namen meines Rechtsanwaltes stehen.
»Guten Abend Dietmar, wie sieht es bei dir aus?«
»Guten Abend Carlo, bist du schon im „Haus Hamburg“?«
»Ja, sitze im Wohnzimmer und Petra bringt mir gerade einen Tee.« Petra kam gerade mit einem Tablett in der Hand zu Tür herein.
Stellte das Tablett mit Tee und Gebäck auf den Tisch ab, legte zwei Stück Rohrzucker in die Tasse und goss mir den Tee ein. Danach zog sie sich wieder zurück und schloss leise die Tür hinter sich.
»Schön, gut dass du sitzt. Gibt schlechte Nachrichten«, kam es lakonisch aus dem Hörer. Aber ich konnte die Erregung in der Stimme erkennen.
»Für schlechte Nachrichten ist morgen noch Zeit«, sagte ich. Meinte es aber natürlich nicht so. Ich nahm den Löffel und rühre langsam den Tee um, damit sich der Rohrzucker besser verteilt.
»Die Polizei in Berlin hat die Kerle freigelassen, ohne irgendwelche Angaben zu machen. Konnten sie angeblich nicht mehr länger festhalten sagen sie. Dann wollen sie noch wegen dem Toten eine Anklage wegen Totschlag gegen unbekannt, einreichen. Dann wollte die Hamburger Polizei wissen was in der Langen Reihe los war. Man spricht von Entführung und Verschleppung, sagen sie. Ich habe gesagt, dass es nicht stimmt, wir hätten lediglich gute Bekannte abgeholt.« Bevor ich antwortete nahm ich einen Schluck Tee, es war ein „Ding Gu Da Fang“, ein Chinesischer Grüner Tee, mit einem milden, herb-fruchtigen Geschmack. Eine meiner Lieblings Teesorten die es überall in meinen Häusern gab. Sogleich verspürte ich die belebende Wirkung des Tees, hatte das Gefühl, als wenn neue Kraft durch meinen Körper fließen würde.
»Hast du gut gemacht. Aber, dass mit den Typen die, die Polizei freigelassen hat, gefällt mir nicht. Es sind mir zuviel Unbekannte in diesem Spiel, mache mir wirklich ernsthaft Sorgen.«
»Ja, dass kann ich dir wohl sagen. Mir gefällt das auch nicht«, gab er mir zur Antwort.
»Dietmar, gehen wir doch einmal alles durch, was wir wissen und haben... «, begann ich unser Spiel mit dem Gedankenpuzzle. Was wir immer dann machten, wenn ich in einer Sackgasse steckte; »…erstens: es werden zwei Killer auf uns angesetzt die einen Zugriff auf unsere Firma erpressen sollen,
... zweitens: wir haben drei Typen in der Wohnung der Berliner Killer erwischt und der Polizei übergeben. Die jetzt wieder freigelassen wurden,
... drittens: wir haben vier Asiaten vor der Wohnung in Berlin geschnappt. Wir haben sie ins Haus Brandenburg gebracht und die Befragung hat noch immer nichts gebracht...«.
Ich goss mir noch eine Tasse Tee ein, nahm einen Schluck und steckte mir einen von den selbstgebackenen Keksen in den Mund, die Petra immer selbst macht.
»...viertens: es tauchen in Kleinbeeren alte Bekannte auf. - Wolfgang, ein alter Bekannter der mit seinen Männern aus der Versenkung auftaucht, - Andreas Klein, tot in der Toilette, - Mike und Stefan, die Bodyguards von Wolfgang die nicht aufzufinden sind, - zwei Zuhälter, die für Wolfgang die Schmutzarbeit machen,
... fünftens: wir haben durch die Aktion in Hamburg Wolfgang geschnappt und vier Mann von seinem Stammtisch, sowie den Fahrer des Mercedes. Bei dem wir aber nicht wissen, was er wirklich für eine Rolle gespielt hat.
... sechstens: Ich frage mich, warum hat die Polizei in Berlin auf einmal alle freigelassen? Warum fangen sie auf einmal an Fragen zu stellen?« Führte ich die Aufzählung zu Ende. Ich nahm mir noch einen Keks und spülte ihn mit dem Rest des Tees hinunter. Dann hatte Dietmar wohl lang genug nachgedacht und gab mir die Antwort auf meiner Fragen:
»Das kann nur bedeuten, dass sie Druck bekommen haben. Denn unsere Polizeipräsidenten sind bis jetzt immer kooperativ gewesen, was die Zusammenarbeit betrifft.«
»Dietmar, da sind wir einer Meinung. Es ist was Höheres im Spiel, nur wer oder was steckt dahinter? Muss ja schon was ganz Großes sein, wenn sich die Polizeipräsidenten der einzelnen Städte danach richten. Wollte eigentlich auf Status Orange zurückgehen. Aber da ist mir das Risiko doch zu groß, nur wie lange halten wir das durch? War schon immer ein Problem mit den Laufzeiten der Statis, die Aufmerksamkeit der Leute lässt dann doch immer weiter nach, je länger es dauert.« Petra kam ins Zimmer und schaute in die Kanne, sie zeigte fragend auf die Teekanne. Ich nickte um ihr zu zeigen dass ich noch gern eine hätte. Sie nahm die Kanne und ging hinaus, ich redete mit Dietmar weiter:
»Muss mir was einfallen lassen um das zu verhindern. Haben wir im Moment Auftragsaktivitäten laufen?«, fragte ich ihn.
»Nein, haben nur eine Anfrage aus Italien. Ob wir helfen können zwei Kinder aus Albanien herauszuholen die von ihrem Vater dorthin verschleppt wurden. Wir sind zurzeit bei der Überprüfung des Falles. Dafür ist aber Salvatore in Rom zuständig.« Salvatore Pula war unser Leiter, der dortigen Sozitat und hatte die gleichen Aufgaben wie Dietmar in Deutschland.
»Das ist gut. Aber durch den Status Red, sind alle Aktivitäten gestoppt worden um die Einsatzkräfte für den Konzern frei zubekommen. Alle befinden sich in Alarmbereitschaft«, sagte ich und in dem Moment viel es mir wie Schuppen von den Augen. Wirklich alle? Hatte Eva etwas davon mitbekommen? Wurde sie informiert? Ist sie noch auf Sardinien?
»Carlo, ist was mit dir?«, hörte ich Dietmar fragen.
»Dietmar, ich frage mich gerade ob Eva im Rahmen der Alarmphase auch alarmiert wurde.«
»Carlo, wir legen auf und du rufst sie an. Wir können nachher noch einmal telefonieren. Ich versuche inzwischen etwas mehr heraus zu bekommen. Grüße sie von mir. Ciao.« Er legte auf und ich wählte gleich die Nummer von Eva’s Handy. Ich hörte das Freizeichen, aber sie nahm nicht ab. Ich schaute auf die Uhr, es war mittlerweile zweiundzwanzig Uhr. Normalerweise saß sie um diese Uhrzeit auf der Terrasse und genoss die Natur, oder sie hatte Besuch. Ins Bett ging sie eigentlich nie so früh. Nach scheinbar endlosen Klingelzeichen wurde die Verbindung unterbrochen, nicht einmal die Sprachbox ging an. Bevor ich noch weiter denken konnte ging die Tür auf und Petra kam mit einem frisch aufgegossenen Tee herein, sie sah mich an und ihr Lachen verschwand aus ihrem Gesicht.
»Ist was passiert Carlo. Kann ich helfen?«, fragte sie mich besorgt.
»Eva, meldet sich nicht an ihrem Handy«, sagte ich. Das Lachen kam wieder zurück, sie schenkte meine Tasse voll, stellte die Kanne auf das Tablett und sagte:
»Ach, da mach dir mal keine Sorgen. So gern wir unsere Männer ja um uns haben, sind wir doch auch mal froh alleine etwas unternehmen zu können... «, und sie zwinkerte mir zu; »...bevor ich es vergesse, Pit hat mich gebeten dir auszurichten, dass alle angekommen sind und wir mit den Verhören beginnen können«, sagte sie im hinausgehen.
»Danke dir«, sagte ich und nahm noch einen Schluck von dem Tee. Gut, dann werde ich es nachher noch einmal versuchen, aber eine SMS vorab kann ja auch nicht schaden. Ich nahm das Handy wieder in die Hand und verfasste eine SMS an Eva. Schickte sie weg, trank meinen Tee aus und stand auf um nach unten in den Keller zu gehen.
Eva
E |
va erwachte langsam. Sie machte die Augen auf und sie bekam Angst, alles blieb dunkel. Hatte man ihr etwas über die Augen gebunden?
>Wo bin ich?...<, dachte sie; >...was haben die mit mir gemacht?< Sie bemerkte, dass es leicht schaukelte und da sie selbst viel mit Booten unterwegs war, wusste sie, dass sie sich wahrscheinlich auf einem Schiff befand. Da alles dunkel war, nahm sie an dass es Abend war und die Bullaugen geschlossen waren.
>So dunkel ist es nicht einmal auf dem Meer, die Sterne oder der Mond erzeugen immer ein gewisses Licht.< Sie versuchte sich zu erinnern was geschehen war. Es war am Abend gewesen und sie war im Dorf und hatte Betti besucht. Sie war mit ihrem Auto auf dem Rückweg nach Hause. Kurz vor der Abfahrt auf ihr Grundstück, stand ein Wagen mit Warnblinkanlage. Eine Person lag unter dem Wagen, eine zweite reichte gerade ein Werkzeug nach unten. Da das Fahrzeug ein italienisches Nummernschild hatte, machte sie sich keine Gedanken über eine mögliche Gefahr. Sie hielt an um zu fragen ob sie helfen könnte. Kaum war sie ausgestiegen, drehte sich der Mann um und hielt ihr blitzartig ein Stück Tuch vor den Mund. Äther dachte sie noch und ihre Sinne schwanden.
Was weiter geschah wusste sie nicht mehr. Als sie jetzt aufwachte hatte sie einen fürchterlichen Geschmack im Mund. Sie versuchte Hände und Beine zu bewegen, es klappte, sie waren nicht gefesselt. Wer waren die beiden Männer und was wollten sie von ihr? Wollten sie Carlo mit ihr erpressen? Das Beste wird wohl sein, so schnell wie möglich einen Ausweg zu suchen und zu flüchten oder Hilfe herbei zu holen. Sie versuchte sich zu orientieren und ihre Hände tasteten die Umgebung ab. Neben dem Bett, auf dem Nachtisch, ertastete sie ein Glas. Vorsichtig nahm sie es in die Hand und trank, zuerst vorsichtig, dann aber immer durstiger bis das Glas leer war. Jetzt erst bemerkte sie den leichten bitteren Geschmack und dass sie wieder müde wurde und ihre Sinne langsam schwanden.
>Oh nein! Jetzt haben die mich schon wieder reingelegt...<, dacht sie noch; >...hoffentlich findet Carlo mich bald. Wo bleibt er nur so lange?< Ihre Sinne schwanden dahin.
Hamburg
I |
ch ging über den Flur in die Küche. Kaum machte ich die Tür auf, kam mir auch schon ein Stimmengewirr entgegen. Alle nicht benötigen Einsatzkräfte saßen um den großen Tisch in der Küche und unterhielten sich angeregt. Die Küche war ein quadratischer Raum, links von der Tür gab es Schränke und Öfen. Er war so aufgebaut, wie auf einem Schiff. Es gab einen großen Schwenkofen zum Kippen, Arbeitstische und Backöfen. Auf der gegenüberliegenden Seite stand ein langes Sideboard unter einem Fenster, rechts gab es Kühl-, und Gefrierschränke, eine kleine Sitzgruppe und in der Mitte einen riesigen Tisch. Hier hatten gut und gern sechzehn Personen Platz. Alles drehte sich zu mir um und es wurde leiser.
»Hallo, ich möchte mich bei allen für die gelungene Aktion bedanken. Es hat alles wunderbar geklappt. Wir werden in zehn Minuten eine Konferenzschaltung aufbauen, so das alle mithören können. Pit, kannst du bitte mit Thomas vom Komlei alles Nötige veranlassen?« Pit stand auf, nickte, ging an mir vorbei und nach unten in die Zentrale, die im Keller lag, um alles weitere in die Wege zu leiten.
»Ich schau mal unten nach unserem Besuch«, sagte ich und ging auch in den Keller. Hier unten hatten wir drei Räume umbauen lassen, nach dem Vorbild der Verhörräume der Polizei. Mit verspiegelten großen Fenstern zum Flur hin. Man konnte in die einzelnen Zimmer hinein sehen aber nicht raus. An jede dieser Räume grenzten zwei Zellen. Die Zellen hatten jeweils zwei Türen, eine führte in den jeweiligen Verhörraum und eine Tür ging auf den Flur. Es gab zwei Verhörzimmer auf der linken Seite und eine auf der rechten. Ganz hinten am Kellereingang gab es dann noch die Zentrale mit einem Aufenthalts- und Beobachtungsraum der mit allerlei Technik ausgestattet war um alle Räume abzuhören und zu sichern. Ich ging langsam an den Fenstern vorbei und schaute hinein, als ich am letzten Fenster angekommen war, erkannte ich Wolfgang in dem Zimmer. Ich beobachtete ihn eine Zeitlang, er machte einen ruhigen Eindruck, saß an einem Tisch und rauchte. Er war mir eigentlich zu ruhig, kein nervöses Fingerkneten oder über die Haare fahren, nichts. Mein ungutes Gefühl kam wieder zurück. Was machte ihn so sicher, so ruhig? Hinter mir ging die Tür der Zentrale auf und Gerd vom Charlie Team schaute raus.
»Chef! Es ist oben alles klar für die Besprechung.«
»Danke Gerd, ihr habt ja hier unten auch eine Verbindung und könnt alles mitbekommen«, sagte ich und ging nach oben. In der Küche saßen alle um den großen Tisch herum. An die Stirnseite hatte man noch einen kleineren gestellt, hier stand ein dreißig Zoll Widescreen LCD Monitor. Auf dem Monitor war eine Kamera installiert und davor stand ein Mikrofon. Der Bildschirm war in vier Abschnitte unterteilt. In einem sah ich Thomas, vom Komlei One, der an seinem Tisch im Bus saß und auf den Bildschirm sah. Im zweiten sah ich Manfred, Leiter der Operation Group an seinem Schreibtisch in der Firmenzentrale sitzen. Im dritten Ausschnitt sah ich Dietmar und im vierten konnte ich Peter Steiner, Geschäftsführer der Holding, sehen. Neben dem Mikrofon stand ein Glas Wasser. Ich sah auf meine Armbanduhr, es war zweiundzwanzig Uhr dreißig.
»Guten Abend. Ich möchte mich erst noch einmal bei allen Beteiligten für den reibungslosen Ablauf der bisherigen Aktionen bedanken. Es hat alles wunderbar geklappt und es ist keiner zu schaden gekommen. Ihr fragt euch bestimmt, warum wird dann der Status Red jetzt nicht aufgehoben. Diese Frage kann ich nicht so einfach beantworten. Ihr seid alle Realisten die jede Situation analysieren und dann handeln, dass tue ich im allgemeinen auch. Aber gerade in dieser Situation habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Das betrifft ganz besonders die Sicherheit von Eva.« Lautes, nervöses Gemurmel wurde laut und dann meldete sich Manfred, mein Leiter der Operation Group und heißer Verehrer von Eva, über die aufgeschaltete Leitung zu Wort.
»Carlo, was ist mit Eva.«
»Eva meldet sich nicht mehr. Ich habe im Plan Red nicht bedacht das auch Eva mit einbezogen werden muss, wenn sie nicht bei mir ist. Ich habe gedacht sie wäre in unserem Domizil auf Sardinien sicher. Was, wie sich ja bereits heraus gestellt hat, wahrscheinlich nicht der Fall ist. Da hätte ich sofort reagieren müssen, oder wenigsten ein Team zu ihrem Schutz rüber fliegen lassen müssen. Aber noch ist nichts bewiesen, vielleicht stellt sich ja auch alles als falsch heraus und sie ist nur bei Bekannten und das Handy ist leer«, führte ich meine Gedanken weiter aus.
»Ich lass sofort ein Team aus Italien rüber fliegen um nach zusehen und sie zu schützen«, sagte Manfred.
»Gut Manfred. Mach das nach der Besprechung. Jetzt geht es erst einmal um den weiteren Ablauf der Aktion und hier ist die Sachlage:
Wir haben jetzt vier Asiaten und zwei Zuhälter im „Haus Brandenburg“ einsitzen. Sechs Personen hier im „Haus Hamburg“ davon vier Kumpels von Wolfgang. Er selbst und den Fahrer des Mercedes, von dem weiß im Moment niemand wer er ist. Was mir fehlt, sind die beiden Leibwächter von Wolfgang, Mike Rau und Stefan Peiner«, ich nahm das Glas Wasser und nahm einen Schluck um meine weiteren Gedanken zu ordnen. Dann redete ich weiter:
»Jetzt kommen wir zu den weiteren Abläufen und der Einteilung der Teams.
- Das Alpha-, Bravo-, Charlie-, und Delta-Team verbleiben hier im „Haus Hamburg“ und führen die Verhöre durch.
- Foxtrott- und das Golf-Team verbleiben beim Komlei Bus in Bereitschaft.
- Das Hotel-Team fährt zurück nach Berlin und hält sich dort am Flughafen einsatzklar.
- Das Echo-Team, besetzt mit Pit und Monika, verbleiben zu meiner persönlichen Verfügung.
- Das X-ray Team, bestehend aus Sascha und Josef, der, wie ich annehme, immer noch nicht aussteigen will.. «, ich machte eine Kunstpause und fragte Josef dann direkt; »...Josef, ist das richtig? Oder willst du, was bestimmt jeder hier verstehen kann, deine Schussverletzung pflegen? Es gibt doch bestimmt ein paar schöne Frauen die das übernehmen möchten«, fragte ich ihn unter dem freundlichen Gelächter der Anwesenden.
»Das ist richtig Chef, ich meine natürlich das mit dem weitermachen und auch mit der Annahme das es Frauen gibt, die das gern übernehmen würden. Aber die müssen eben noch etwas auf mich warten«, gab er mir lachend die Antwort. Als sich die Gemüter wieder etwas beruhigt hatten, sprach ich weiter:
»Gut, dass X-ray Team übernimmt unten die Überwachung im Wachwechsel. So, das wäre die personelle Einteilung für die nächste Zeit. Nach unserer Besprechung werde ich eine Video-Konferenz mit unserem Italien Team haben und auch hier weitere Abläufe absprechen. Ich würde gern, für den Konzern, den Status Red auf Status Orange zurück nehmen. Aber für unsere Einsatzteams würde ich gern auf Red bleiben. Das kann ich aber nur intern mit euch absprechen. Seid ihr damit einverstanden?«, fragte ich sie und prompt kam die Antwort, der organisatorischen Reihenfolge nach:
»Hier ist Peter Steiner, einverstanden.«
»Hier Pfeiffer, auch einverstanden.«
»Carlo hier ist Manfred, das geht in Ordnung.«
»Chef, ich komme rüber und wir gehen auf Orange zurück. Einverstanden«, sagte Thomas.
»Alpha Team, das geht in Ordnung.« Und so bestätigte Team für Team das sie mit dieser Entscheidung einverstanden waren.
»Für das X-ray Team geht das auch in Ordnung, trotz der vielen Frauen«, kam die Stimme von Josef, der ja im Keller saß, aus dem Lautsprechen und löste eine Lachsalve aus.
»Gut dann wäre das geregelt und ich danke euch allen. Auch im Namen aller Angestellten des Konzerns, die jetzt ins Bett können«, wieder kam Gelächter auf und es beruhigte mich, dass die Leute, trotz ernster Situation, noch Lachen konnten.
»Thomas, kommst du kurz rüber. Dann beenden wir den Status und es ist bestimmt noch ein Kuchen für dich übrig. Kannst ja dann was für deine Jungs im Bus mitnehmen.«
»Gut, alleine deshalb lohnt es sich schon rüber zukommen«, sagte er.
»Alles Weitere läuft, wie immer, über Komlei One. Thomas, bitte informiere unsere italienischen Freunde und lass die Verbindungen zu ihnen aufbauen, schaltet alles nach oben in mein Arbeitszimmer auf meinen Computer. Manfred wir hören uns gleich noch bei der Videokonferenz mit Italien. Peter, danke dass du an der Besprechung teilgenommen hast. Ditmar, wir sprechen uns nachher noch. Wünsche noch allen eine ruhige Nacht. Over and Out.« Ich stellte das Mikrofon ab und auf dem Bildschirm erlosch das Bild, Thomas hatte die Verbindung abgeschaltet. Ich stand auf und ging zum Nebentisch an dem Petra saß.
»Petra, wärst du so lieb und bringst mir noch ein Tablett mit Leckereinen und Tee nach oben? Kannst du oben bitte für vier Personen decken?«, fragte ich sie. Sie stand lachend auf und antwortete:
»Natürlich wer ist oben, damit ich weiß was ich bringen soll?«
»Thomas, Pit und Monika werden da sein.«
»Gut, werde ich erledigen«, sagte sie und ging schon zum Ofen um alles fertig zu machen. Ich schaute mich suchend nach Pit und Monika um und entdeckte die beiden in einem Gespräch vertieft. Als ich bei ihnen ankam schauten sie fragend hoch.
»Monika, Pit. Seid ihr so nett und kommt nachher mit Thomas nach oben. Hätte euch gern bei der Konferenz dabei.«
»Geht in Ordnung, wir kommen dann mit nach oben«, sagte Monika etwas verwundert. Ich ließ die beiden wieder alleine und ging in den ersten Stock in mein Arbeitszimmer. Hier habe ich mir einen lebenslangen Wunsch erfüllt, auf beiden Wänden, rechts und links von der Tür, gibt es Bücherregale bis zur Decke, davor eine Fahrbare Trittleiter. Die andere Wand wurde ausgefüllt von einem riesigen Monitor, der in der Wand eingelassen war. Gegenüber eine komplette Wand aus Glas mit Blick auf die Elbe, davor stand mein Schreibtisch. Vor meinem Schreibtisch gab es einen Besprechungstisch mit sechs Stühlen. Ich ging zum Schreibtisch, setzte mich auf den Stuhl, drehte ihn um und sah nach draußen in die Nacht. Das Licht im Arbeitszimmer war gedämpft und so konnte man den Garten erkennen, der in einem leicht gelben Licht erstrahlte. Es klopfte und Petra kam mit einem Servierwagen rein gefahren. Stellte alles auf den Konferenztisch und brachte mir eine Tasse mit Tee an den Schreibtisch.
»Petra, ich wollte mich mal bedanken für eure tolle Pflege die ihr dem Haus zukommen lasst. Ich fühle mich gleich wieder wie zu Hause, wenn ich hier bin«, sie wurde leicht rot und verlegen.
»Ach Carlo, das ist doch selbstverständlich.«
»Nein. Nichts ist selbstverständlich Petra.«
»Ist schon so in Ordnung Carlo«, sagte sie und ging wieder nach unten. Mein Blick wanderte über die Außenanlage und mir ging so viel durch den Kopf, ich bemerkte nicht wie die Zeit verging und wurde erst wieder durch ein Klopfen aus meinen Überlegungen gerissen.
»Ja, kommt rein«, rief ich. Die Tür wurde geöffnet und Monika, Pit und Thomas kamen rein. Ich stand auf und ging ihnen entgegen.
»Thomas, lass uns als erstes den Status zurück nehmen«, sagte ich zu ihm und ging weiter zu dem Schrank neben der Videowand. Öffnete ihn, nahm meinen Schlüssel aus der Tasche und schloss noch eine kleine Tür in der Rückwand des Schrankes auf. Hier kamen die gleichen Apparaturen zum Vorschein wie im Komlei Bus. Thomas trat neben mich und steckte seinen Schlüssel in die dafür vorgesehene Öffnung, ich holte auch meinen Schlüssel aus der Tasche und tat das gleiche. Dann drehten wir sie herum, um die Tasten zu entsperren und drückten dann auf die Orange Taste.
»Gut, jetzt können die meisten Leute sich erst einmal entspannen«, sagte er. Ich schloss alles wieder ab und ging mit Thomas zurück an den Besprechungstisch und wir setzten uns. Monika und Pit hatten sich schon hingesetzt und sich mit den Getränken versorgt. Thomas goss sich einen Kaffee und ich mir meinen Tee ein.
»So, jetzt mal unter uns. Ich befürchte, dass Wolfgang Eva von seinen beiden Bodyguards hat entführen lassen um sie gegen mich einzusetzen. Im Tausch gegen den Firmenzugang und eventuell sogar die Übernahme. Das ist seine Methode schnell und ohne großes Geld an gewinnträchtige Unternehmen zu kommen. Ich muss dazu sagen dass diese Methode schon damals angewandt wurde, als ich noch mit ihm zusammen gearbeitet habe. Was haltet ihr von folgender Vorgehensweise.
- Erstens, wir schicken zwei italienische Teams nach Sardinien zur Überprüfung der Situation und zur Sicherung des Anwesens.
- Zweitens, ihr beiden steht auf Abruf bereit um mit mir zusammen eventuell nach Sardinien zu fliegen und Eva zu suchen und zu befreien.
- Drittens, wir holen uns sofort den Lear Jet nach Hamburg und einen Heli hier auf das Grundstück, damit wir schnell reagieren können.
- Viertens, absolutes Stillschweigen über weitere interne Aktionen unserseits. Nur die in diesem Raum befindlichen Personen und Manfred werden informiert sein. Der Rest weiß nur über seine jeweilige Aufgabe Bescheid.
- Fünftens, ich werde die „Sea Princess”, von einem Team sofort nach Sardinien bringen lassen, die „Sea King” ist sowieso unten und immer einsatzklar.
- Sechstens, werde ich in meinem Dorf anrufen und die Polizei einschalten, damit sie schon mal die Gegend absuchen lassen. Ich werde nicht eher mit Wolfgang reden, bevor wir alles an Ort und Stelle haben und auch sofort reagieren können. Ich möchte mich nicht noch einmal so linken lassen. Thomas, hast du noch Kontakte zur italienischen Air Forces?«, fragte ich ihn.
»Ja, ich habe da noch zwei Kontakte von damals, die können uns bestimmt helfen«, sagte er mir.
»Gut. Sehe zu ob du Zugang auf die AWACS Maschinen (Airborne Warning and Control System) bekommst die das Mittelmeer überprüfen. Dann könntest du diese Daten verarbeiten und an uns weiterleiten. Das Gebiet absuchen, Handyverkehr überwachen, vor allem Deutsche Handynummern die dort aktiv wurden oder werden. Das ganze Programm, hol dir noch ein paar Leute ran die dir helfen können«, sagte ich zu ihm.
»O.K. werde ich gleich veranlassen.« Ich nickte und gönnte mir noch einen Schluck von meinem Tee. Dann nahm ich die Fernbedienung und schaltete die Videowand ein.
Thomas nahm ein Gerät zur Hand, mit dem er mit dem Bus verbunden war und gab Anweisung die Video-Leitungen auf den Bildschirm zu legen. Sofort kamen die Bilder. Der Bildschirm war auch hier geteilt, nur waren es diesmal zwei Personen die zu sehen waren. Unter der Videowand war eine Kamera eingelassen die unser Bild übertrug. Zu sehen waren Manfred Kaminski, Leiter Operation Group und Giovanni Borga, Leiter des Komlei- Two in Italien.
»Guten Abend Giovanni«, eröffnete ich das Gespräch auf Italienisch.
»Guten Abend Carlo, Monika, meine Herren«, grüßte er auf Deutsch zurück. Ich sprach auf Englisch weiter, weil nicht alle italienisch verstehen konnten und Giovanni nicht so gut die deutsche Sprache beherrschte.
»Giovanni, wie du sicher schon aus dem Status Red erkannt hast, gibt es innerhalb der Firma Probleme. Man versucht unsere Firma zu missbrauchen oder gar zu übernehmen und aus diesem Grunde nehme ich an, haben sie Eva entführt.« Ich konnte erkenne wir er weiß wurde und diesen harten Blick bekam, für den er gefürchtet war.
»Diavolo, wer war das?«, fragte er aufgebracht.
»Zurzeit können wir das nur ahnen. Aber wir nehmen an, dass wir den Drahtzieher schon dingfest gemacht haben. Aber er hat zwei Leute damit beauftragt sie zu entführen und zu verstecken. Thomas hat Verbindungen zu AWACS und versucht hier an alle möglichen Informationen zu kommen. Ihr beide müsst die Kommunikation koppeln und als Netz betreiben, damit wir immer auf dem Laufenden sein können. Manfred wird in dieses Netz mit eingebunden sein und von dort alles koordinieren. Thomas und du, ihr arbeitet uns zu und liefert alles an Informationen was ihr nur bekommen könnt. So und jetzt zu deinem Part. Schick bitte zwei deiner Teams nach Sardinien auf mein Grundstück, die sollen alles untersuchen und Spuren sichern. Ein Team bleibt zur Sicherung dort, das zweite Team kann jederzeit abgerufen werden. Kommunikation über dich. Ein weiteres Team bringt die „Sea Princess“ sofort von Genua an dem Strandabschnitt vor unserem Haus, dort soll sie vor Anker gehen. So, das ist eigentlich erst einmal alles. Weitere Anweisungen erfolgen über unser internes Netz mit der normalen Sprachverschlüsselung. Informier bitte Thomas noch welche Teams du einteilst«, bat ich Giovanni und beendete meine Anweisungen.
»Gut, das werde ich sofort veranlassen und für den Netzaufbau melde ich mich nachher noch bei dir Manfred und Thomas«, sprach er Manfred an.
»Ist in Ordnung Giovanni«, antwortete Manfred.
»Gut Giovanni, dann bis gleich. Ciao«, sagte Thomas zu ihm.
»Dann viel Glück. Schnelligkeit ist jetzt wichtig. Over and Out«, sagte ich und der Bildschirm erlosch.
»Thomas, gib mir bitte Bescheid wenn alle Anweisungen durchgeführt sind.« Ich stand auf, gab Thomas die Hand und brachte ihn zur Tür. Er drehte sich noch einmal um und grüßte die anderen.
»Tschüss ihr beide und haltet die Ohren steif«, sagte er und hob die Hand zum Gruße. Was von Monika und Pit erwidert wurde. Dann ging er hinaus und ich schloss die Tür.
»So ihr beide, am besten wäre es, ihr legt euch hier ins Nebenzimmer aufs Ohr, damit ihr fit seid, wenn es losgeht«, wandte ich mich an die beiden. Sie nickten, standen auf und gingen auch hinaus. Ich war mal wieder allein. Ich sah auf die Uhr, es war dreiundzwanzig Uhr fünfundvierzig, jetzt musste ich noch Luciano, unseren obersaten Polizeibeamten in unserem Ort auf Sardinien anrufen. Ich goss mir noch eine Tasse Tee ein, ging zum Schreibtisch und setzte mich. Meine Gedanken wanderten nach Sardinien, was macht Eva jetzt wohl, wo steckte sie? Ich nahm das Handy und wählte die Telefonnummer von Luciano. Nach mehrmaligen Klingeln meldete er sich:
»Pronto?«, konnte ich seine sehr verstimmte Stimme hören.
»Ciao Luciano. Guten Abend mein Freund«, sprach ich ihn auf Italienisch an.
»Ah Dottore, du hast aber einen schweren Beruf. Wenn du um diese Zeit noch Arbeiten musst«, kam seine Spitze.
»Ja Luciano, es gibt wirklich viel Arbeit aber leider auch schlechte Nachrichten.«
»Wie kann ich Dir helfen Dottore. Sind wieder einmal Fremde auf dem Grundstück?« Ich ging auf die kleine Frotzelei nicht weiter ein und fragte ihn:
»Luciano, wann hast du Eva zum letzten Mal gesehen.«
»Oh, das ist bestimmt schon zwei Tage her. Bin nach der Verhaftung der beiden Killer noch einmal bei euch vorbei gefahren, da warst du aber schon weg und habe mich mit ihr unterhalten. Konnte aber nichts Auffälliges feststellen. Warum?«, fragt er mich.
»Ich muss annehmen, dass sie von zwei Deutschen entführt wurde, sich aber immer noch auf Sardinien oder in der Nähe aufhält.«
»Oh Teufel noch einmal, was wollen die von Eva?«
»Die wollen mich mit ihr erpressen... «, gab ich ihm die Antwort; »...könntest du eine Suche nach ihr durchführen lassen?«
»Na klar. Ich werde sofort alle Polizeistreifen informieren, dass sie besonders auf deutsche Fahrzeuge achten sollen und bei den Flug- und Fährhäfen eine Meldung raus geben.. «, redete er wie ein Wasserfall; »…gleich morgen früh werde ich einen Hubschrauber über euer Gebiet schicken der die Gegend absuchen kann und verstärkt Streife fahren lassen.«
»Danke Luciano. Ich habe auch von hier schon ein paar Möglichkeiten ausgeschöpft. Zwei Teams kommen rüber und ich habe eine Handyüberwachung angeregt.«
»Gut, dann melde ich mich wieder, sobald ich etwas in Erfahrung gebracht habe. Ciao Dottore«, grüßte Luciano und legte auf. Gut, das war im Moment alles was ich machen konnte. So langsam bemerkte ich, wie die Müdigkeit hoch kam. Aber an Schlaf war nicht zu denken. Ich stand auf und ging in den Nebenraum, hier war ein Schlafraum für mich eingerichtet mit angrenzendem Bad.
Ich zog mich aus und stellte mich, unter die auf heiß gestellte Dusche und genoss das entspannende Gefühl. Anschließend, zum wach werden, stellte ich das Wasser noch auf eiskalt. Jetzt war ich wieder frisch und konnte Bäume ausreißen, wenigstens für die nächsten zwei Stunden. Aus dem Schlafzimmerschrank nahm ich frische Wäsche, zog mich an und ging in den Keller hinunter um mir den Fortgang der Verhöre anzusehen. Hier waren alle drei Zimmer besetzt und die Verhöre wurden mir Nachdruck durchgeführt.
Im ersten war der Fahrer des Mercedes zu sehen und Michael vom Alpha-Team führte die Befragung durch, ich nahm den Kopfhörer aus der Halterung an der Wand und hörte eine Zeitlang zu. Aber es kam nichts Weltbewegendes heraus. Dann ging ich ein Fenster weiter und konnte einen der vier Typen aus der Kneipe erkennen. Hier war gerade „Theo” vom Bravo-Team im Raum um ihn zu verhören. Auch hier hörte ich eine Zeitlang zu und stellte fest, dass er ganz schön nervös war. Mein Verhörspezialist bedrängte ihn ganz schön und trieb ihn immer mehr in die sinnbildliche Ecke. Es war eine Freude zuzuhören wie „Theo” den Kerl in die Mangel nimmt.
Nach ein paar Minuten ging ich auf die andere Seite, zum dritten Fenster und letzten Verhörraum. Hier saß Wolfgang immer noch gelassen am Tisch und wurde von Gerd und Helmut vom Charlie-Team bearbeitet, er hatte schon etwas von seiner sonst gesunden Gesichtsfarbe eingebüßt und sah etwas blass aus. Ich nahm mir den Kopfhörer von der Wand um auch hier etwas zuzuhören. Gerade hörte ich Wolfgang sagen:
»Also Jungs, ihr könnt reden soviel ihr wollt. Ich sage erst etwas, wenn der Organisator persönlich hier vor mir steht. Also brecht ab und legt euch schlafen, ich bin auch müde und will so langsam ins Bett.« Einer meiner Männer antwortete darauf:
»Daraus wir wohl heute Nacht nichts, hier haben sie nichts zu bestimmen oder anzuordnen. Wir machen die ganze Nacht durch wenn sie nicht reden. Also kooperieren sie mit uns und sagen uns, was wir wissen wollen. Der Chef wird zur gegebenen Zeit bestimmt mal vorbeikommen, wenn er Zeit hat und wieder da ist. Noch schneller würde er kommen, wenn sie alles gesagt haben.« Sofort setzte Wolfgang nach:
»Wie der Organstor ist gar nicht hier?«, fragte er lauernd.
»Lassen sie uns weitermachen mit der Beantwortung unserer Fragen. Also, was hatten sie mir ihrer Aktion vor und warum?«, fragte mein Mann weiter.
»Na, ist doch klar und das wisst ihr doch schon. Wollte mit Hilfe von Carlo die Möglichkeiten eurer Firma nutzen.«
»Woher wussten sie von unserer Firma?«
»Na, wer so viel Gutes tut wie ihr, ist eben bekannt wie ein bunter Hund und es spricht sich rum was ihr für technische und organisatorische Fähigkeiten habt. Da bleibt es doch nicht aus, dass sich auch andere dafür interessieren.«
»Wie sind sie an die verschiedenen Adressen unserer Firma gekommen?«
»Ha, ihr meint die Privatadresse vom Organisator auf Sardinien? Das möchtet ihr wohl wissen, aber das bleibt mein Geheimnis. Bin doch kein Verräter.« Das war es, er war müde und hatte mit dieser Aussage einen Fehler gemacht. Verraten kann man ja nur jemanden der etwas Verbotenes macht oder vorhat. Hatte er Kontakt zu einem meiner Leute? Hatte mich einer meiner eigenen Leute verraten? Meine beiden Verhörspezialisten ließen sich nichts anmerken und fragten ganz normal weiter.
»Was wollten sie denn mit ihrem Wissen anfangen? Sollten unsere Leute für sie arbeiten?« Er antwortete sehr schnell auf diese Frage. Das zeigte mir, dass er seinen Fehler nicht bemerkt hatte.
»Ja, das wäre wirklich das Beste gewesen. Hättet ihr nicht Lust auch für mich zu arbeiten? Ich zahle gut und es gibt viel Spaß bei mir«, versuchte er eine plumpe Abwerbung bei den beiden. Das Wort >auch< ist ihm unbemerkt herausgerutscht. Das kommt einmal von der Müdigkeit und zum anderen beschäftigt sich das Gehirn bei einem Verhör mit unwahrscheinlich viele Gedankengänge und man ist darauf aus, so wenig wie möglich zu sagen, aber genau das ist auch das Problem. Diese Kombination, mit der langsam wachsenden Unkonzentriertheit, nutzen Verhörspezialisten immer für sich aus.
Man darf auch nicht gleich, wenn dieser Fehler gemacht wurde nach haken, dann fällt es dem Verhörten gleich auf, dass er ein Fehler gemacht hat und blockt ab. Jetzt gab es schon zwei Hinweise die er uns gegeben hat, wir hatten einen Maulwurf unter uns. Eigentlich wollte ich mich noch etwas hinlegen, aber das Gespräch nahm doch eine sehr interessante Wendung. Die Gespräche wurden alle auf Band aufgenommen, aber Life ist doch etwas anderes. Ohne auch nur im Geringsten auf sein Angebot einzugehen machten die beiden weiter, sie fragten immer im Wechsel, wobei der eine links und der andere rechts von ihm saß. So musste er auch immer den Kopf hin und her bewegen um sie anzusehen, kleiner psychologischer Trick. So konnte immer einer meiner Leute sein Profil und seine Reaktion sehen.
»Was sollten wir denn für sie tun?«, kam die nächste Frage.
»„Fragt doch mal den Organisator was er die ganzen früheren Jahre gemacht hat. Das mache ich jetzt immer noch und zwar im großen Stil.«
»Wir fragen Sie aber jetzt«, kam die Antwort.
»Mit dieser Organisation könnte man die anderen Konkurrenten auf dem Markt gegen die Wand spielen.«
»Was sollte es für eine Arbeit sein die wir für sie machen sollten?«. Die Tür der Zentrale, am Ende vom Flur, ging auf und Paul vom Bravo Team kam heraus.
»Guten Morgen Carlo, bekommst du kein Auge zu?«, fragte er mich. Wohl wissend dass es so ist.
»Ja, bin unruhig und wollte mal nachsehen was Wolfgang macht«, gab ich zur Antwort.
»Ja, verstehe ich. Löse jetzt „Theo” ab. Schau das du auch noch ein wenig Schlaf bekommst«, sagte er und ging in den Verhörraum gegenüber. Kurz danach ging die Tür wieder auf und „Theo” kam heraus.
»Hi Carlo, leg mich jetzt was hin. Gute Nacht«, sagte er und verschwand in der Zentrale. Inzwischen ging das Verhör mit Wolfgang weiter, aber ich wollte nicht weiter zuhören. Ich hängte den Kopfhörer an die Wand und ging nach oben in die Küche. Hier saßen noch Petra, Monika, Sascha und Pit am Tisch und redeten, als sie mich sahen winkte Petra gleich zum Tisch.
»Komm Carlo. Kannst du auch nicht schlafen? Haben noch etwas Kuchen übrig. Ich kann dir aber auch ein Brot machen, wenn du willst.«
»Nein danke, ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee reichen mir«, sagte ich.
»Den haben wir ja immer hier stehen«, sagte sie und goss mir gleich eine große Tasse ein. Ich setzte mich an den Tisch uns sagte zu Monika und Pit:
»Na ihr beiden, ihr könnt auch nicht schlafen?«
»Nein…«, sagte Monika; »…aber du warst doch sicher unten im Keller und hast geschaut was da so läuft.«
»Ja, das war ich und habe in der kurzen Zeit auch etwas Interessantes herausgefunden«. Sie schaute zu Pit und den anderen beiden.
»Und was?«
»Wir haben einen Maulwurf unter uns. Was aber noch unter uns bleiben sollte«, sagte ich und alle wurden eine Spur weißer im Gesicht.
»Das kann doch nicht sein... «, ergriff Pit das Wort; »...ich würde für jeden einzelnen unserer Leute die Hand ins Feuer legen. Kann es nicht sein, dass er nur Zwietracht sähen will?«
»Möglich ist alles, aber um das festzustellen müssen wir uns die Bänder noch einmal komplett ansehen. Gerd und Helmut sind ausgezeichnete Leute und ich werde mir ihre Meinung zu diesem Thema anhören. Nur, was ich in dieser kurzen Zeit gehört habe, macht mich schon stutzig. Er hat ihnen auch einen neuen Job angeboten und versucht sie abzuwerben. Was die beiden natürlich vollkommen ignoriert haben.«
»Ja klar. Das will ich doch meinen«, sagte Petra ganz empört.
»Aber überlegt doch mal. Mich kann er schon gefunden haben, durch irgendwelche Informationen im Kundenbereich der Firma. Obwohl wir nicht öffentlich auftreten, das überlassen wir ja Peter Steiner.
Aber er könnte doch durch Grundbucheinträge und im Firmenmelde- register erfahren haben wer dahinter steckt. Aber wie kommt er an die Adresse in Sardinien? Ich habe nie mit ihm über Sardinien gesprochen, weil auch alles nach seiner Zeit war. Selbst innerhalb unserer Organisation wussten es nicht alle und genau die, die es wussten, müssen wir jetzt heraus selektieren.«
»Ja, aber da sind wir doch auch mit dabei«, sagte Petra voller Vorwurf.
»Klar, wusstet ihr das auch. Aber meinst du ich würde mit euch so offen darüber reden, wenn ich auch nur den geringsten Verdacht hätte?« frage ich sie.
»Nein. Das stimmt. Wohl kaum«, sagte sie ein wenig kleinlaut. Ich nahm mir noch ein Stück Kuchen, spülte alles mit dem restlichen Kaffee runter und stand auf.
»Jetzt werde ich erst einmal mit Manfred telefonieren. Schaut, dass ihr noch etwas Schlaf bekommt«, sagte ich und ging aus der Küche. Im Flur war alles still, kein Wunder um diese Zeit, es war mittlerweile drei Uhr morgens. Ich hatte große Lust noch einmal in den Keller zu gehen, überlegte es mir aber dann doch anders und ging rauf ins Büro.
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