Prolog
ch wusste, dass ich träumte, aber ich wusste auch, dass mich diese Erinnerung immer noch mitnahm, mich immer noch belastete. Ich bemerkte wie mir der Schweiß ausbrach und ich wusste, das war real. Gut, ich hatte bei dieser Episode keine körperlichen Schäden erlitten, aber umso größer waren die Wunden in der Seele. Verrat ist immer schlimm, aber wenn es ein Freund und Kamerad ist der einen verrät, ist es umso schlimmer. Es war ein Albtraum der mich immer noch verfolgte!
* * *
Clemens, Rene und ich, bei der Seefahrt als Kalle bekannt, trafen uns damals an Bord eines Seeschiffes. Wir fuhren eine Zeitlang zusammen und erzählten uns von unseren gemeinsamen Träumen, einmal durch Afrika zu fahren, einmal Afrika entdecken, einmal auf eigene Faust durch Afrika fahren. So kam es, dass wir nach und nach einen Plan entwickelten um unseren gemeinsamen Traum zu verwirklichen.
Wir wollten über Ungarn, durch die Türkei über Syrien nach Israel fahren. Dort ein paar Tage pausieren, uns ein wenig umsehen und im Mittelmeer baden gehen. Dann sollte es weiter nach Ägypten gehen, den Nil hinunter, in den Sudan und weiter in die Central African Republik. Hier solle die Fahrt nicht mehr Richtung Süden weiter gehen, von hier wollen wir durch das Herz Afrikas nach Kamerun fahren. Direkt durch die Wüste weiter durch Nigeria, Algerien und weiter nach Marroco in die Stadt Al-Hoceima. Hier hatten wir dann vor ein paar Tage zu bleiben. Danach wollten wir über Gibraltar wieder nach Hause fahren. Wir planten es in vier Monate zu schaffen und sparten Geld auf ein gemeinsames Konto an. Jeder überwies pro Monat eine abgesprochene Summe, dann, nach sechs Monaten, war der Zeitpunkt gekommen den Plan zu verwirklichen. Wir heuerten ab und nahmen unseren Urlaub. Jeder hatte seine Aufgaben zugewiesen bekommen.
Clemens, unser Österreicher, besorgte uns von der österreichischen Armee zwei ausgediente Steyer Geländewagen.
Die fingen an, sie nach unseren Vorstellungen um zu baut. In jedem Wagen wurden an den linken Seitenwänden zwei Betten eingebaut. Wir hatten uns deshalb für zwei Betten pro Fahrzeug entschieden, damit wir flexibler waren, so konnten wir wenn es nötig wurde, auch zu dritt in einem Auto fahren. Im hinteren Teil wurden je eine Küche eingebaut und zwar so, dass wen man die hintere Klappe öffnete, den Kücheschrank mit der Kochplatte herausziehen konnte. Wir haben uns für Gasbrenner entschieden und hatten als Reserve auch Espit Brenntabletten dabei um im Notfall auch ohne Gas kochen zu können. An der rechten Seitenwand wurden die Kisten mit unseren Utensilien verstaut. Auf den Dachträgern wurde eine Art Hochsitz gebaut, hinter und vor den Hochsitzen wurden Staukästen montiert, die auch als Schutz dienen konnten. Links und rechts hatten wir Sandsäcke befestigt, die auch vor einen Beschuss Schutz boten.
An den Hecktüren wurden statt einen, zwei Reservereifen angebaut und noch zwei auf das Dach über der Fahrerkabine gelegt. Die Frontpartien der Fahrzeuge wurden von uns durch sogenannte Stierfänger verstärkt. Metallrohre die Scheinwerfer und Kühler schützen sollten, dazwischen wurden Seilwinden angebaut. So hatten wir zwei identische Fahrzeuge die in der Lage waren überall durchzukommen, oder sich gegenseitig zu helfen und zur Not kamen wir auch nur mit einem Fahrzeug weiter. Die Tanks haben wir vergrößert und von außen auch noch durch Matten vor Beschuss geschützt, ein Leck im Tank konnte in der Wüste den sicheren Tod bedeuten. Oben auf den Dächern, zwischen den Kisten, wurden noch Reservekanister, jeweils sechs Stück mit je zwanzig Liter befestigt. Drei waren mit Benzin und drei mit Wasser gefüllt.
Clemens war Mechaniker und hatte die Leitung beim Umbau der Autos übernommen. So hatten wir unsere Fahrzeuge in gut vier Wochen fertig. Da wir genug Geld gespart hatten und freies Wohnen hatten, gab es keine finanziellen Probleme. Auf unserem gemeinsamen Konto hatte jeder von uns zehntausend Mark eingezahlt, für unsere Vorbereitungen und als Reisegeld für die nächsten vier Monate die wir in Afrika verbringen wollten. Für den täglichen Bedarf nahmen wir unsere Heuer und das Urlaubsgeld.
Sobald ich beim Umbau nicht mehr benötigt wurde kam das Organisatorische an die Reihe, dass war meine Aufgabe.
Ich erstellte eine Liste aller deutschen Konsulate in den Ländern die wir durchfahren wollten und reichte sie im Außenministerium ein, mit der Bitte, die Botschafter zu informieren dass wir uns in den auf der Liste angegebenen Zeitpunkten melden und auch eventuell Bargeld benötigen würden. Es wurde eine Bankvollmacht verlangt die ich dann noch nachreichte.
Dann habe ich in den jeweiligen ausländischen Botschaften der Länder die wir durchfahren wollten, für jeden ein Visum oder eine Durchreisegenehmigung beantragt. Das habe ich gleich mit einer Erlaubnis, Jagdwaffen mitführen zu können, Verbunden. Wir mussten angeben, dass wir diese Waffen nur zum schießen von Essen oder um uns gegen wilde Tiere zu wehr setzten zu können, mitführen wollten.
Dann, als alles soweit erledigt war, fuhren wir noch alle drei in das Tropeninstitut nach Hamburg, um uns für alle möglichen oder auch nicht möglichen Krankheiten Impfen zulassen und uns Informationen und Tipps, über Afrika zu besorgen. Ein Tropenarzt hat uns dann eine Liste aller notwendigen Medikamente und Seren mitgegeben, die wir benötigen würden und die wir uns kaufen mussten. Da ich während meines Fachschulbesuches Seefahrt auch ein Semester Medizin hatte und ich in dieser Zeit auch im Unfallkrankenhaus Altona gearbeitet habe, konnte ich auch mit Spritzen umgehen. Deshalb war auch der medizinische Bereich während der Expedition mein Part. Clemens hat sich dann noch ein Werkzeugkoffer zusammengestellt, um für alle eventuellen Reparaturen gerüstet zu sein.
Rene war unser Scout, zuständig für Route, Landkarten und Streckenführung. Er besorgte uns Generalstabskarten, bis Israel war das nicht mal so ein großes Problem, aber wo bekommt man gute Karten aus Afrika her? Er fuhr die Botschaften ab, der Vorteil war dass wir uns ja schon überall angemeldet hatten, dass man uns kannte und so bekam er nach und nach auch Kartenmaterial von Afrika.
Man hielt uns für Verrückt und gab uns gute Ratschläge mit, aber wir wussten was auf uns zukam und was alles passieren konnte. Aber sage einem Bergsteiger einmal, er soll nicht auf den Berg steigen, weil er ja abstürzen könnte. Was sagt er dann? Ein Risiko gibt es überall, auch wenn ich über die Strasse gehe und das war auch unsere Meinung.
Unsere Freundschaft wuchs von Tag zu Tag mehr und wir konnten uns voll auf dem anderen Verlassen. Wir gingen immer wieder alle Möglichkeiten, die eventuell Vorkommen könnten, durch.
Von Krankheiten über Fahrzeugausfall bis zu eventuellen Überfällen, solange bis wir alles im Schlaf konnten. Um ganz sicher zu gehen, belegten wir noch ein Überleben Land-Lehrgang. Hier lernten wir zu überleben, ohne etwas zu haben außer, die von der Natur bereit gestellten Nahrungsmittel. Da wir aber in Afrika meistens mit Sand zu tun hatten, haben wir uns auch damit beschäftigt und viel über die Sahara und den Tücken des Landes gelesen.
Dann war es soweit, alle Ausrüstungsgegenstände waren verstaut, wir hatten alles am Mann was man brauchen konnte, Jagdmesser am Oberschenkel, die Macheten lagen griffbereit neben den Sitzen und die Jagdgewehre waren hinter den Vordersitzen in Kisten sicher eingeschlossen.
Ich verabschiedete mich von meiner damaligen Frau und versprach, dass wir uns von unterwegs, bei den vorgegebenen Punkten, den Konsulaten, immer wieder melden würden. Die erste geplante Etappe verlief recht zügig, über die Autobahn bis zur Österreichischen Grenze. Von hier sollte es dann am nächsten Tag weiter gehen Richtung Türkei. Die erste Nacht verbrachten wir auf einem Rastplatz, saßen am Abend zusammen und fieberten den nächsten Tag entgegen. Denn da sollte es schon in unbekanntes Land gehen.
Clemens und Rene schliefen in dem einen und ich, alleine, in dem zweiten Fahrzeug. Am frühen Morgen, es war noch dunkel, klopfte es an der Seitenwand und ich hörte Rene rufen:
»Kalle, komm schnell rüber. Clemens geht es nicht gut, der hat Fieber und ist ganz weggetreten.«
»Ich komme«, sagte ich und rutschte von der Liege, schnappte mir meinen Medikamentenkoffer und stieg aus. Wir hatten zum schlafen alle unsere Trainingsanzüge an und so konnte ich gleich zum anderen Fahrzeug gehen. Rene hatte schon die Tür geöffnet und ich stieg ein, man konnte schon riechen dass es hier um mehr als eine Erkältung ging. Es roch nach Schweiß und Extremitäten. Ich hielt meine Hand an seine Stirn und zuckte zurück, kochen heiß war sie.
»Rene gib mir mal ein Becher Wasser«, sagte ich zu ihm und nahm ein Aspirin aus der Tasche um sie darin aufzulösen. Das sollte erst einmal helfen, jedenfalls bis wir im Krankenhaus waren.
»Lass uns ins nächste Krankenhaus fahren, Du fährst den Wagen und ich komme mit dem andern hinterher. Schau mal auf der Karte nach wo das nächste Krankenhaus ist.«
Er setzte sich auf den Fahrersitz und schnappte sich die Karte. Ich gab Clemens einen Schluck aus dem Becher zu trinken, dass hätte ich mal lieber nicht machen sollen, er schrie auf und wand sich noch mehr auf der Liege.
»Er muss etwas mit dem Darm haben. Rene, fahr vorsichtig er hat starke Schmerzen«, sagte ich, nahm meine Tasche und stieg aus.
»Hast du schon ein Krankenhaus gefunden?«
»Ja, hier in zirka fünfzehn Kilometer Entfernung.«
»Gut dann mal los«, war meine Antwort.
Ich schloss die Tür und ging zu dem zweiten Wagen zurück während Rene schon losfuhr. Ich stieg ein und fuhr ihm hinterher.
Ich konnte mir absolut nicht vorstellen was Clemens mit dem Darm haben sollte, haben wir uns doch alle Wochen vorher von Ärzten untersuchen und durchchecken lassen. Ich stellte mir vor, was wäre gewesen, wenn das in der Wüste passiert wäre? Ich glaube dann wären die Spaten, die wir natürlich auch dabei gehabt hatten, zum Einsatz gekommen. Nach gut einer halben Stunde fahrt, bog Rene in die Auffahrt des Krankenhauses ein, stoppen an der Tür für die Notaufnahme. Kaum waren wir ausgestiegen, wurde die Tür zur Notaufnahme von innen aufgestoßen und wir wurden angebrüllt.
»„Was macht ihr den mit den Fahrzeugen in der Krankenwagenauffahrt? Ihr habt hier nichts zu suchen, dass ist doch kein Parkplatz.«
Ich konnte erkennen, dass es ein Pfleger der Notaufnahme war und antwortete ruhig.
»Ganz ruhig Mann, wir haben einen Notfall im Auto. Unser Freund hat tierische Schmerzen im Unterbauchbereich, vielleicht eine Blinddarmentzündung oder ein Magendurchbruch. Schnell holen Sie eine Liege«, dass musste ich ihm nicht zweimal sagen. Wie von der Tarantel gestochen macht er kehrt, lief wieder ins Haus und rief dabei laut:
»Ein Notfall, ein Notfall, in den OP damit. Verdacht auf Blindarmdurchbruch«, und schon kam er mit einer Liege angelaufen mit zwei Schwestern und einen Arzt im Schlepptau. Der Arzt stieg in den Wagen und untersuchte Clemens in dem er ihn den Bauch abdrückte, was einen tierischen Schrei seinerseits nach sich zog. Der Arzt zuckte erschrocken mit der Hand zurück und sah mich an.
»Das kann kein Blindarm sein, dass sieht er wie ein Magendurchbruch aus. Seit wann hat er den die Schmerzen?«, fragte er.
Ich sah zu Rene hinüber und er zuckte nur mit der Schulter.
»Wir haben nichts davon bemerkt dass er Schmerzen hatte und er hat auch nichts gesagt. Erst heute Morgen, als er starkes Fiber hatte, wurden wir darauf aufmerksam.«
»Wie dem auch sei, helfen Sie uns doch mal ihn aus dem Wagen zu hieven, ohne das er allzu viel Schmerzen dabei hat«, bat uns der Arzt.
Wir versuchten in dem engen Kofferwagen mit vier Mann und zwei Schwestern ihn langsam heraus zu heben und ihn auf die Liege zu legen, was auch soweit ganz gut klappte. Er hat dabei nur dreimal vor Schmerzen Aufgeschrien. Sofort schnappte sich der Pfleger die Liege und schob ihn rein, nicht ohne uns vorher noch über die Schulter zuzurufen.
»Die Auffahrt müsst ihr aber sofort wieder frei machen. Parkt vorne am Eingang«, und schon viel die Tür hinter ihnen ins Schloss.
Wir stiegen in die Fahrzeuge ein, fuhren um das Krankenhaus herum zum vorderen Eingang, suchten uns zwei Parkplätze, stellten die Fahrzeuge ab und gingen durch den Haupteingang wieder rein. Beim Pförtner erkundigten wir uns, wo die Notaufnahme ist und gingen bis zur Tür auf der : „Notaufnahme! Kein Zutritt für Unbefugte. Bitte im Schwesterzimmer melden“, stand.
Das Schwesterzimmer lag direkt daneben, wir klopften an und gingen hinein. Es war leer, na klar, die waren ja alle bei Clemens im OP. Wir ließen die Tür auf, damit wir hören konnten, wenn jemand vom hinteren Bereich aus in das Schwesterzimmer kam und setzten uns beide im Flur auf eine Holzbank.
»Was machen wir den jetzt mit unserer Expedition. Sollen wir jetzt alleine fahren?«, fragte mich Rene.
»Wir können Clemens jetzt nicht alleine hier liegen lassen. Erst mal hören was die Ärzte sagen und dann sehen wir weiter. Im Prinzip könnten wir die Tour auch alleine machen. Aber erst wenn es Clemens besser geht.«
»Gut, dann warten wir mal ab was Sache ist. Wollen wir gleich in die Kantine gehen und Frühstücken«, fragt er mich.
»Am besten wäre es, wenn einer immer hier ist. Die wissen doch gar nicht wer Clemens ist und wo wir dann sind. Geh du schon mal los und löse mich dann ab.«
»Gut, dann Tschüss«, sagte er, stand auf und ging den Flur runter.
>Wieso Tschüss<, dachte ich, bevor sich meine Gedanken wieder auf anderes richteten.
Es verging eine, es verging zwei Stunden. Weder Rene noch eine Schwester kamen vorbei. Dann wurde die Tür zur Notaufnahme aufgerissen und der Pfleger kam raus.
»So, es ist alles gut gelaufen, er wird Überleben und wieder gesund werden. Jetzt brauche ich noch die Daten ihres Freundes. Wo ist den der andere geblieben?«, fragte er mich. Ich zuckte nur mit den Schultern.
»Weis ich nicht, er wollte nur Frühstücken gehen und mich dann hier ablösen damit ich auch was zwischen die Zähne bekomme.«
»Das können Sie ja gleich tun, erst füllen wir mal die Unterlagen zusammen aus«, sagte er bestimmt.
Wir gingen in das Schwesterzimmer und ich setzte mich neben den Schreibtisch um seine Fragen zu beantworten. So langsam wurde es Zeit das ich etwas zwischen die Kiemen bekam, dass Krankenhaus füllte sich auch immer und ich ging in die Kantine.
An der Tür schaute ich mich um und hielt Ausschau nach Rene, war er noch hier, oder ist er schon zur Station zurückgegangen. Da ich ihn nicht sehen konnte, ging ich zur Theke und bestellte ein Frühstück mit Kaffee und einem Ei, setzte mich damit an einem Tisch und fing an zu Essen. Ich ließ mir Zeit damit und holte mir noch eine Tasse Kaffee, bevor ich das Tablett wieder zurück. Ich dachte an Clemens und ging wieder zurück zur Notaufnahme und fragte den Pfleger der uns heute Morgen empfangen hatte:
»Haben Sie meinen Freund gesehen, der heute Morgen mit dabei war?«
»Nein, hier war niemand. Aber ihr anderer Freund liegt jetzt auf der Intensiv.«
»Schön und wie komme ich da hin«, fragte ich ihm.
»Die Intensivstation liegt eine Etage höher im Flur B, dann am besten die Stationsschwester fragen ob Sie schon zu ihm können. Müssen dann aber einen Kittel anziehen.«
»Danke für die Hilfe«, sagte ich und ging zum Treppenhaus und eine Etage höher. Hier klopfte ich an die Tür zum Schwesternzimmer und öffnete die Tür.
»Guten Tag, ich wollte zu meinen Freund Herrn Clemens Binzel. In welchem Zimmer liegt er den?«, sprach ich die Schwester die an ihrem Schreibtisch saß an. Sie sah mich von oben bis unten an und sagte dann.
»Ah, ist schon Besuch für Herrn Binzel da. Das geht aber so nicht, da müssen Sie sich einen Kittel überziehen.«
»Ja und wo bekomme ich den her?«
»Tja, und dann dürfen natürlich nur engere Angehörige auf die Intensivstation. Sind Sie der Bruder?«, fragte Sie mich lauernd und gab mir damit eine wunderbare Vorlage.
»Na klar doch, wer sonst. Wo bekomme ich den jetzt den Kittel her?«, fragte ich um möglichst weitere Fragen von Ihr vorzubeugen.
Sie rührte sich nicht von ihrem Stuhl und sah mich noch misstrauischer an.
»Sie sehen sich aber gar nicht ähnlich«, stellte sie fest.
»Na ja, ist doch klar. Wir haben verschiedene Väter«, log ich was das Zeug hergab und ohne zu zögern um hier endlich weg zu kommen. Jetzt bewegte sie ihr, ich muss zugeben, recht ansehnliches Fahrgestell vom Stuhl hoch und kam auf mich zu.
»Na, dann kommen sie mal mit«, sagte sie immer noch nicht ganz zufrieden gestellt. Sie ging an mir vorbei und bog links ab zu der, mit Intensivstation! Durchgang Verboten beschriftete Tür, öffnete sie und ging gleich in das erste Zimmer auf der linken Seite. Ich immer folgsam hinter ihr her.
»Hier ziehen sie sich das über, ich warte draußen vor der Tür«, sagte sie und reichte mir einen grünen langen Kittel aus dünnem Stoff. Dieses Bekleidungsstück kannte ich auch schon aus dem Unfallkrankenhaus Altona in dem ich gearbeitet hatte. Ich zog ihn mir über und ging raus zu ihr.
»So, dann wollen wir mal zu ihrem Bruder gehen. Er ist aber von der Narkose noch etwas weggetreten. Die OP ist sehr gut verlaufen, nur braucht er noch zwei Wochen, bis er entlassen werden kann«, erklärte sie mir den Gesundheitszustand meines Bruders. Sie öffnete eine Tür und ging hinein.
»Hallo Herr Bienzel, hier ist schon der erste Besuch für Sie da, ihr Bruder. Wie fühlen sie sich denn?«, sprudelte es aus ihr heraus. Clemens sah mich noch weggetreten und verdutzt an und ich nickte ihm zu.
Er nahm die Situation sofort auf und checkte was gemeint war, trotz Narkose. Er hob die Hand als Gruß zu mir und nuschelte etwas zu der Schwester was sich wie:
»Es geht. Ich habe Hunger“, anhörte.
»Sie dürfen erst mal noch nichts Essen Herr Bienzel, Sie hatten immerhin einen Magendurchbruch. Aber ich mache ihnen einen Lappen mit Wasser nass, da können sie sich dann die Lippen mit anfeuchten, gegen den Durst«, fügte Sie noch hinzu.
»Bleiben Sie nicht zu lange, ihr Bruder ist noch geschwächt. Kommen Sie lieber morgen noch mal wieder«, sagte Sie an mich Gewand und ging hinaus.
»War Rene schon bei dir«, fragte ich Clemens Neugierig. Obwohl ich die Antwort ja schon kannte. An diesem Drachen von Schwester kam keiner Vorbei, aber Rene war auch mit allen Wassern gewaschen. Clemens schüttelte vorsichtig den Kopf und sah mich fragend an.
»Ja, heute Morgen als du Operiert wurdest, wollte er Frühstücken gehen und seit dem ist er weg und ich habe ihn nicht mehr gesehen«, versuchte ich ihn die Situation zu erklären. Er nickte wieder und nuschelte wieder vor sich hin:
»Rene mag keine Krankenhäuser«, sagte er. Das genuschel kam von dem Schlauch den man, während einer OP, in den Hals bekommt und dadurch alles wund wird.
»Na ja, es hat ja Gott sei Dank keine Komplikationen bei der OP gegeben. Ich werde jetzt erst mal raus zum Wagen gehen und mich etwas frisch machen. Ich komme heute Nachmittag wieder und schau nach dir, lass es dir bis dahin gut gehen. Tschüss Clemens bis später.«
Beim hinausgehen hob ich grüßend die Hand und verlies das Zimmer. So langsam musste ich mal nachsehen, wo Rene steckte. Ich ging hinunter auf den Parkplatz und stellte überrascht fest, dass das Fahrzeug von Rene war weg. Ich hatte das Gefühl, als wenn in meinen Magen Ratten tätig waren und an meiner Magenwand knabberten.
>Warum war er weggefahren? Hatte er etwas zu besorgen?< Ich ging zu meinen Wagen in der Hoffnung, eine Nachricht von ihm vorzufinden. Nichts!
>Jetzt machst du dich erst einmal fertig<, dachte ich mir. Rasieren, waschen, umziehen und dann sieht man weiter. Als ich mit meiner Morgentoilette fertig war, war es schon Mittag. Ich setzte mich auf einen Klappstuhl neben den Wagen und überlegte was ich am besten machen könnte.
»He, Sie da. Hier ist kein Campingplatz, das ist ein Krankenhaus Parkplatz«, wurde ich mit scharfer Stimme von hinten angesprochen.
Ich drehte mich um, um mir die Person anzusehen die mich da anmachte. Da stand ein Wachmann vom Krankenhaus, die Hände in die Hüften gestemmt und sah mich mit strenger Mine an.
»Tja, ich weiß. Aber ich habe heute Morgen meinen Freund mit Magendurchbruch eingeliefert und wohne in Hamburg.
Deshalb bin ich hier gleich stehen geblieben um nachher noch mal zu ihm rein zu gehen. Wir wollten eigentlich eine Expedition durch Afrika machen und sind hier hängen geblieben.«
Er kam interessiert näher und seine Mine wurde etwas freundlicher.
»Ah so. Sie sind auf der Durchreise nach Afrika, deshalb auch der umgebaute Wagen. Wann fahren sie den weiter?«
»Das weiß ich im Moment noch nicht so genau. Ich warte noch auf einen Freund mit dem zweiten Wagen. Der ist weggefahren und ich weis nicht wohin.«
»Ja, den habe ich bei Schichtbeginn vom Parkplatz fahren sehen. Er ist Richtung Stadt gefahren.« Die Ratten in meinem Magen verstärkten ihre Tätigkeit schon wieder, warum nur?
»Gut, dann werde ich mal hinterher fahren. Kann ich denn vielleicht heute Nacht hier stehen bleiben. Damit ich morgen früh gleich wieder meinen Freund besuchen kann?«, fragte ich ihn mit der nettesten Stimme die ich hervor bringe kann.
»Na ja, das Campen ist hier ja verboten. Aber wenn Sie nichts draußen stehen lassen, sieht man ja nicht ob jemand da drin schläft. Ich sage meiner Ablösung bescheid, dann geht es schon mal.«
»Schön und vielen dank dafür. Dann werde ich jetzt mal in die Stadt fahren und nachsehen, wo mein Freund bleibt.« Ich verstaute den Klappstuhl im Fahrzeug, schwang mich ins Fahrerhaus und fuhr vom Parkplatz runter und Richtung Stadt. Die war nicht weit entfernt und ich war schon nach kurzer Fahrzeit mitten auf dem Marktplatz. Schon beim Einparken versammelten sich einige Menschen um den Wagen herum und schauten ihn neugierig an. Ich stieg aus und versuchte mich zu Orientieren.
»He, ist hier irgendwo ein Nest? Gibt es noch mehr von Euch«, wurde ich von einem Jugendlichen gefragt. Ich sah ihn an und ging langsam auf ihn zu.
»Wieso? Hast du heute schon einmal so einen Wagen gesehen«, fragte ich ihn, die Antwort schon im voraus kennend.
»Ja, heute Morgen ganz früh als ich zur Schule ging. Der hat mich gefragt, wo hier eine Bank ist«, kam die Antwort. Jetzt hatten die Ratten die Magenwand durchbissen, ich brauchte unbedingt etwas Hartes zum trinken um sie zu beruhigen.
»Und wo ist die nächste Bank?«, fragt ich ihn.
»Gleich hier um die Ecke, wenn sie herkommen können sie Sie sogar sehen«, sagte er und zeigte nach rechts auf die Häuserecke.
»Gut danke. Bist du so lieb und passt mir etwas auf den Wagen auf?«
»Ja klar, aber nur wenn ich nachher mal reinschauen kann.«
»Gut. Abgemacht. Wenn ich zurückkomme zeige ich dir alles«, gab ich ihn geistesabwesende zur Antwort. Ich war schon auf dem Weg zur Bank und in Gedanken versuchte ich mir vorzustellen, was Rene hier wohl gewollt hatte. Ich hatte Glück, sie hatte gerade noch auf und ich ging zum Schalter. Da ich der einzige Kunde war kam ich auch gleich dran.
»Guten Tag. Ich würde gern eine Kontoauskunft von meinem Konto einholen«, sprach ich die Schalterkraft an.
»Tja, kein Problem. Sagen Sie mir doch bitte ihre Kontonummer.«
»Es ist so, ich habe das Konto nicht bei Ihre Bank. Sie müssten bitte bei meiner Bank anrufen und sich die Information geben lassen. Hier ist mein Ausweis und meine Kontovollmacht, die Sie dem Kontoverantwortlichen bei meiner Bank dann bestätigen können.«
»Wie stellen Sie sich das den vor? Wer soll dann das Telefonat bezahlen und das ganze hin und her geh doch nicht... «, war ihre abweisende Antwort. »...Es ist ja schon das zweite mal heute, dass ein Kund so etwas machen will. Wo kommen wir den hin, wenn wir für andere Banken die Arbeit machen würden und auf den Kosten hängen bleiben.«
»Könnten sie mir den sagen ob er Geld abgehoben hat? Dann brauchen sie auch nicht bei meiner Bank anzurufen«, versuchte ich Sie zu locken.
»Wo kommen wir den da hin, wenn ich von einem Kunden von anderen Kunden Informationen weiter gebe«, sagte Sie spitz.
»Aber ich denke er war kein Kunde von ihnen«, versuchte ich es mit Logik.
»Immer diese Spitzfindigkeiten, natürlich ist er Kunde, wenn wir ein Geldgeschäft mit ihm tätigen«, antwortete Sie aufgebracht.
»Gut, dann sind Sie doch so lieb und rufen bei meiner Bank an«, redete ich weiter. Obwohl sie meine Frage ja schon beantwortet hatte und mein Verdacht zur Wahrheit wurde. Aber vielleicht hatte Rene auch keine Lust mehr alleine weiter zu machen und hat nur seinen Anteil abgehoben.
»Heute Nachmittag, wir haben jetzt Mittagspause. Kommen Sie um fünfzehn Uhr wieder dann machen wir wieder auf«, antwortet Sie trotzig, kam um den Schalter herum und ging zur Tür um sie abzuschließen.
Ich resignierte, drehte mich und verließ die Bank. Langsam ging ich zu meinen Wagen zurück, an diesem lehnte mein junger Freund und hatte einen Pulk gleichaltrige um sich versammelt.
»Na, alles klar bei dir«, fragte ich ihm als ich am Wagen ankam.
»Ja klar doch. Zeigen Sie uns jetzt alles?«, kam die Frage wie aus der Pistole geschossen.
Da ich ja sowieso Zeit hatte und nichts Besseres vorhatte, machte ich eine Besichtigungstour um den Wagen und gab Erklärungen ab, zeigte den Jungs auch alles von drinnen, beantwortete alle ihre Fragen und ließ Sie auf das Dach steigen So langsam leerte sich der Markt und es wurde ruhiger.
»Danke das Sie sich so viel Zeit genommen haben uns alles zu erklären«, sagte mein junger Freund der noch als einziger bei mir stand.
»Gern geschehen, hat mir auch Spaß gemacht, kann man hier irgendwo etwas zu essen bekommen«, fragte ich Ihn, da mein Magen sich schon wieder meldete, aber diesmal aus Hunger.
»Ja, klar. Kommen Sie ich bringe Sie hin, es ist gleich dort drüben in der Nebenstrasse«, sagte er und ging schon los. Ich folgte Ihn und musste einen Zahn zulegen so schnell lief er.
»Die Gaststätte ist gut, das Essen schmeckt und es ist nicht zu teuer, sagt mein Onkel immer«, erzählte er im gehen.
»Musst du nicht nach Hause, wartet niemand mit dem Essen auf dich?«, fragte ich ihn, weil es mich doch verwundert, dass er der einzige ist der noch hier blieb.
»Nein, meine Mutter kommt erst heute Abend von der Arbeit und dann gibt es etwas zu Essen. Hier sind wir«, sagte er und deutet auf die Eingangstür einer Gaststätte.
»Hast du Lust mir etwas Gesellschaft zu leisten und was mitzuessen. Ich lade dich ein?« Ich wollte jetzt nicht alleine sein und mir Gedanken machen müssen die, die Ratten in meinem Magen wieder aufwecken könnten.
»Ja, das wäre toll. Da können Sie mir noch etwas mehr über die Expedition erzählen«, sagte er voller Begeisterung. Wir gingen in die Gaststube, setzten uns an einen Tisch, suchten uns etwas von der Speisekarte aus und gaben die Bestellung auf. Während des Essens und auch noch danach, unterhielten wir uns über alles Mögliche und im Besonderen über die Expedition nach Afrika. Dann hatte ich eine Eingebung.
»Sag mal, kennst du die junge Frau in der Bank?«
»Na klar, das ist doch meine Tante, die Frau von meinem Onkel Josef«.
»Gut, und was mag Sie besonders gern? Wie kann ich Sie dazu überreden etwas für mich zu tun?«, wollte ich eine Eingebung umsetzten. Was hatte ein kleines Geschenk schon alles bewirkt.
»Oh, das ist gar kein Problem. Eine kleine Süßigkeit reicht aus um sie um den Finger zu wickeln, so ein paar Pralinen die es im Feinkostgeschäft am Markt gibt. Da steht Sie voll drauf und wenn das alles nicht reicht komme ich mit rein«, sprudelte es aus ihm heraus und er lachte dabei.
»Was soll Sie den für Sie tun«, kam auch schon die nächste Neugierige Frage.
»Sie soll mir nur bei meiner Bank den Kontostand besorgen, damit ich auf den Laufenden bin.«
»Ach, das ist doch gar kein Problem. Da komme ich mit rein und wenn Sie sieht das wir uns kennen, macht sie alles für Sie«, sprach er selbstbewusst weiter. So verging die Zeit. Um fünfzehn Uhr machten wir uns dann auf den Weg ins Feinkostgeschäft, besorgten ein paar Pralinen für seine Tante und gingen zur Bank.
»Guten Tag«, sagte ich höflich als wir zusammen in die Bank gingen.
»Hi Tante«, sagte mein junger Freund gutgelaunt.
»Was machst du den mit dem fremden Mann hier«, fragte Sie ihn lauernd.
»Wir habe den ganzen Nachmittag zusammen gegessen und uns über Afrika unterhalten, er ist mein Freund«, setzte er Selbstbewusst hinzu.
»Ich möchte mich für ihre Hilfe erkenntlich zeigen«, sagte ich und schob Ihr das Pralinenpäckchen über die Theke.
»Könnten Sie mir jetzt vielleicht die Information besorgen?«, fragte ich Sie direkt da ich mich nicht den ganzen Tag damit beschäftigen wollte, Sie zu überreden. Sie sah zu meinen jungen Freund, nahm das Pralinenpäckchen von der Theke und sagte:
»Geben sie mir doch mal ihren Ausweis und die Kontovollmacht, dann rufe ich bei Ihrer Bank an.« Nachdem ich Ihr alles gegeben hatte, ging Sie rüber zu Ihrem Schreibtisch und rief unsere Bank an. Ich sah zu meinem Freund rüber und er zwinkerte mir zu. Wir hörten Sie telefonieren und Daten abgleichen, dann schrieb Sie etwas auf einem Zettel, legte den Hörer auf die Gabel und kam wieder zu uns an die Theke. Sie legte meine Papiere und den Zettel vor mir hin.
»Das ist ihr derzeitiger Kontostand«, sagte Sie dabei.
Ich nahm den Zettel und las:
>Der Kontostand beträgt fünf Mark.<
Ich starte auf den Zettel und konnte es nicht fassen. Das Konto war geräumt worden und das konnte nur Rene gemacht haben.
»Stimmt etwas nicht…«, fragte Sie mich schnippisch und sah mich grinsend an. »… Das Geld hat ihr Freund heute Morgen abgehoben, etwas mehr als Zwanzigtausend Mark«, setzte sie hinzu. Ich sah Sie gedankenverloren an.
»Ja, danke«, sagte ich, drehte mich um, verabschiedete mich von meinem jungen Freund und ging hinaus.
Langsam und total Leer gebrannt ging ich den Weg zum Wagen und stieg ein. Was sollte ich tun? Kalte Wut stieg langsam in mir auf, ich hätte sonst was mit ihm machen können, wenn er jetzt hier wäre. Dieser Verräter!
Bei der erst besten Gelegenheit beklaut er seine Freunde so ein Schwein. Ich startete den Wagen und fuhr langsam zurück ins Krankenhaus. Eine Frage beschäftigte mich immer noch, was soll ich tun? Was gab es für Möglichkeiten?
Ich könnte meine alten Verbindungen von früher wieder aktivieren und ihn suchen lassen. Oder mich alleine auf die Socken machen um ihn zu finden. Die letzte Möglichkeit wäre dann noch, einfach alles vergessen und wieder an die Arbeit gehen.
Mit der Vergangenheit wollte ich ja gerade nichts mehr zu tun haben, also blieb nur noch die Möglichkeit zwei und drei. Ich war mir ziemlich sicher, dass er Richtung Osten unterwegs war, das er sich in die Türkei abgesetzt hat um erst einmal in Sicherheit zu sein. Aber dort hatte ich keine Verbindungen und wollte auch keine aufbauen, aber ganz so einfach davonkommen lassen wollte ich ihn auch nicht. Ich kam am Krankenhaus an und hatte eine Idee.
Ich musste doch nur in der Türkei ein Gerücht ausstreuen. Das so ein Typ unterwegs ist mit viel Geld unterwegs war, seine Beschreibung und die des Wagen im Gespräch einstreuen und schon hatte ich die Neugier der Gesprächspartner geweckt. Warum sollte ich nicht andere für mich arbeiten lassen, davon würden wir zwar das Geld auch nicht mehr zurückbekommen, aber er würde seine Strafe bekommen.
Das er mit seinem Leben bezahlen würde, weil diejenigen die hinter dem Geld her waren nicht zimperlich mit ihm umgehen würden, war mir egal.
Jetzt werde ich wohl erst einmal Clemens davon erzählen müssen, wenn er schon dazu in der Lage war es zu verdauen. Ich stieg aus und ging ins Krankenhaus, die Treppe hoch und meldete mich im Schwesterzimmer, zog mir den grünen Kittel über und ging in sein Zimmer.
»Hi Clemens, alles klar bei dir«, begrüßte ich ihn.
»Hi Kalle. Ja, danke. Kann wieder sprechen ohne Halsschmerzen zu haben«, begrüßte er mich.
Ich nahm mir einen Stuhl und setzte mich an sein Bett. Kaum saß ich wurde die Tür aufgerissen und eine Schwester kam herein geschossen.
»Wir haben noch keine Besuchszeiten. Bitte verlassen Sie das Zimmer und kommen später wieder«, keifte Sie mich an. Ich war nicht in der Stimmung mich mit so einer Zicke herum zu ärgern und deshalb kam auch eine sehr patzige Antwort von mir zurück.
»Lassen Sie mich in Ruhe und machen die Tür von außen zu. Habe mit meinem Bruder was Wichtiges zu Besprechen und ich werde bestimmt nicht bis zur Besuchszeit draußen rum hängen und warten bis es ihnen wieder passt«, sagte ich und funkelte sie böse an.
»So eine Frechheit, das wird folgen haben. Ich hole den Chefarzt«, drohte sie mir und weg war sie.
Es war mir total egal wen sie holte, ich hatte so eine aufgestaute Wut in mir das ich jeden eigenhändig aus dem Zimmer werfen werde der mich stören würde. Clemens sah mich verdutz an, so kannte er mich nicht.
»Ist was passiert? Wo ist Rene?«, fragte er mich auch gleich.
»Das ist genau der Punkt über den ich mit dir reden muss. Das Schwein hat unser Geld abgehoben und hat sich verpisst... «, erzählte ich aufgebracht. »...Der ist heute Morgen gleich zur Bank gefahren und hat alles, bis auf fünf Mark, abgehoben...«, erzählte ich weiter. »...Wahrscheinlich ist er in die Türkei abgehauen um nicht gefunden zu werden.«
Clemens wirkte in sich gekehrt und nachdenklich. Da wurde die Tür schon wieder aufgerissen und die Schwester kam mit einem Weiskittel reingestürmt.
»Was geht hier vor? Was machen Sie hier außerhalb der Besuchszeit? Der Patient braucht seine Ruhe«, redete der Weiskittel auf mich ein.
»Wer sind Sie denn? Wenn Sie weniger Krach machen würden hätte er auch mehr Ruhe. Raus, beide, wir haben wichtiges zu besprechen. Dann bin ich auch gleich wieder weg«, schnauzte ich ihn an und meine Augen mussten Feuer versprühen denn er drehte gleich wieder ab und verlies mit der Schwester den Raum. Ich schätze mir blieb nicht sehr all zu viel Zeit um unser Problem mit Clemens zu besprechen.
»Was meinst du, soll ich ihn zum Abschuss frei geben? Dann hat er wenigstens auch nichts von dem Geld und seine gerechte Strafe bekommen«, fragte ich Clemens, der so aussah, als wenn er von dem Disput mit dem Weiskittel nichts mitbekommen hatte. Er hob den Kopf und sah mich an, als wenn er mich erst jetzt wahrnehmen würde.
»Was heißt das, zum Abschuss frei geben?«, fragte er mich überrascht.
»Ich gebe ein Gerücht raus, dass so ein Typ mit Geld in der Tasche in der Türkei unterwegs ist und das wird mit einer Beschreibung von ihm und dem Auto verbunden.«
»Aber an wem gibt du den die Beschreibung?«, fragte mich Clemens.
»Ganz einfach, ich fahre über die Grenze und frage an dem ersten Autobahnrastplatz herum ob jemand ihn gesehen hat. Ganz nebenbei erwähne ich das mit dem geklauten Geld, die Summe kann man ja etwas erhöhen um den Anreiz und die Motivation etwas größer zu machen«, erklärte ich ihm.
»Woher weist du so etwas?«, fragte mich Clemens.
Bevor ich eine Antwort geben konnte wurde wieder die Tür aufgerissen und es stürmten vier Personen rein. Die Krankenschwester, hatte wohl nichts anderes zu tun, der Weiskittel, wahrscheinlich ein Krankenpfleger, ein streng dreinblickender älterer Herr, wahrscheinlich der Stationsarzt und unser bekannter Notaufnahme Pfleger von heute Morgen. Bevor Sie auch nur etwas sagen konnten ging ich zum Gegenangriff über.
»Ja toll, wie soll den da der Patient bei diesen laufenden Störungen zur Ruhe kommen? Aber nicht aufregen ich gehe ja schon«, blaffte ich die vier an und zu Clemens gewand.
»Na was ist, was sollen wir jetzt tun?«, fragte ich ihn.
»Sie verlassen auf der stelle das Krankenhaus. Sonst bekommen sie Hausverbot«, übernahm der Arzt das Wort.
»Ach Herr Doktor, die beiden kenne ich. Das ist der Magendurchbruch auf dem Weg nach Afrika und seinem Freund«, klärte der Pfleger den Doktor auf. Es scheint sich im Krankenhaus schon herum gesprochen zu haben wer wir waren.
»Ach so, aber so geht es trotzdem nicht meine Herren. Auch für Sie gelten die Besuchszeiten«, redete er, schon etwas beschwichtigt, auf uns ein.
»Ja, ich bin auch gleich wieder weg. Müssen uns nur noch über den weiteren Ablauf einig werden«, klärte ich ihn auf.
»Aber das können Sie ja auch heute Abend noch machen«, stellte er klar.
»Nein Herr Doktor, dann ist es schon zu spät. Noch fünf Minuten und ich bin wieder weg.«
»Nun gut, fünf Minuten und dann gehen Sie aber sofort«, sagte er mit strenger Stimme um seine Autorität zu nicht zu verlieren.
»Danke Herr Doktor«. Sie dreht sich alle um und gingen hinaus, unsere alter Bekannter, der Krankenpfleger, zwinkerte uns beim hinausgehen noch zu.
»So Clemens, was meinst du, sollen wir es jetzt so machen?«, fragte ich ihn, nachdem wir wieder alleine waren und hatte die Hoffnung dass er seine letzte Frage vergessen hatte und so war es auch.
»Kalle, meinst du nicht, dass du eine Chance hättest ihn selbst zu finden?«, gab er die Hoffnung nicht auf.
»Nein! Ich alleine in der Türkei und nach ihm suchen? Das ist wie eine Nadel im Heuhaufen suchen, da haben wir keine Chance auf Erfolg.«
»Na gut, dann soll er wenigstens nicht ungeschoren davon kommen. Mach es.«
»Gut Clemens, dann fahre ich gleich los damit ich bald wieder zurück sein kann. Soll ich noch jemanden für dich Anrufen? Verwand oder Bekannte?«
»Nein, das erledige ich alles von hier aus. Fahr du mal los und erledige alles«. Ich stand auf, stellte den Stuhl wieder zurück an den Tisch und ging zur Tür.
»Gut Clemens, dann mach es mal gut. Bis später. Tschüss«, sagte ich und öffnete die Tür.
»Ja Kalle. Tschüss bis später.« Als ich raus ging sah ich die Schwester schon lauernd im Türrahmen des Schwesternzimmers stehen und mich beobachten. Ich ging lächelnd an ihr vorbei und sagte lächelnd zu ihr:
»Tschüss Schwester, bis später.« Sie drehte sich beleidigt auf dem Absatz um und ging ohne ein Wort zu sagen in ihr Zimmer zurück. Jetzt ging es darum den Plan umzusetzen, also in die Türkei fahren und an der Grenze herumfragen.
Die nötigen Papiere hatten wir ja und an Bargeld mangelt es auch nicht. Wir haben uns Geldgürtel vom Schuster anfertigen lassen, mit eingebauten Taschen. Diesen trugen wir verdeckt um den Bauch, hier war alles sicher aufgehoben. Wir hatten so viel Geld in dem Gürtel dabei, dass wir immer mit einem Flugzeug nach Hause kamen, egal wo wir uns gerade aufhielten. So das wir auch von den jeweiligen Konsulaten und Banken unabhängig waren. Die verschiedenen Devisen hatten wir uns auch schon besorgt, für Österreich, Juguslavien, Griechenland und für die Türkei.
Es war eine weite Strecke die ich fahren musste, gut zweitausend Kilometer über Graz, Zagreb, die Mittelmeerküste runter bis Alexandroupolis in Griechenland und dann Richtung Malkara in der Türkei. In Ipsala hatte ich dann vor, dass Gerücht über die angebliche Suche zu verbreiten. Entweder es klappt oder auch nicht, aber ich musste etwas tun und wenn es auch nur die viertausend Kilometer waren die ich fahren musste.
Ich hatte einen eingefahrenen Tagesablauf, fahren, essen, schlafen und alles wieder von vorne. Am Tag schaffte ich so um die achthundert Kilometer, dass machte zwei und einen halben Tag bis ich unten war. Nach der Ankunft habe ich bei Tankstellen, Gaststätten und Hotels herum gefragt und die teilweise erfundene Story erzählt. Dass ich den Lumpen unbedingt finden muss weil es mein Geld war und ich ohne das Geld pleite war, was ja auch stimmte. Um es glaubhafter zu machen habe ich ein Finderlohn versprochen und hatte Zettel mit meiner falschen Adresse und Telefonnummer verteilt. Mir war klar das selbst wenn man den Übeltäter erwischte, dass Geld nicht heraus gerückt werden würden. Als ich alle interessante Orte abgeklappert hatte machte ich mich am späten Nachmittag wieder auf den Rückweg, habe dann noch am Mittelmeer einen kurzen Stopp gemacht, um etwas zu Baden und zu erholen, bevor ich dann weiter fuhr.
Gut eine Woche später fuhr ich wieder am Krankenhaus vor und ging zum Zimmer von Clemens. Hier auf dem Flur wurde ich auch gleich von der Stationsschwester, diesmal war es eine andere, aufgehalten. Sie teilte mir mit, dass Clemens nicht mehr auf der Intensiv lag sonder nach unten in die normale Station gebracht wurde. Also kehre ich um und ging zwei Etage tiefer und siehe da, lag er doch in einem schönen Sonnendurchfluteten Zimmer mit Blick auf den Wald.
»Guten Tag Clemens, wie ich sehe geht es dir wieder gut«, sagte ich beim Eintreten. Er lag nicht alleine im Zimmer, es war noch ein anderer Patient da.
»Hi Kalle, ja es geht mir wieder gut. Wie war es denn bei dir?«.
Ich setzte mich auf die Bettkante und erzählte ihn von meiner Odyssee in die Türkei.
»Da hast du ja eine Mammuttour hinter dir, mal so locker viertausend Kilometer fahren. Bis du kaputt?«, fragte er mich.
»Na ja, es geht. Aber ein paar Tage Ruhe könnten mir schon gut tun.«
»Ja mach das. Fahr nach Hause. Ich fahre sowieso, wenn ich entlassen werde, auch nach Hause. Da brauchst du nicht hier rum zu hängen.«
»Dann werde ich alles zurück rufen und die Botschaften informieren, verkaufe den Wagen und die Ausrüstung und überweise dir die hälfte vom Geld«, schlug ich vor.
»Gut, mach das. Ich werde mich auch bei dir melden, wenn ich wieder zu Hause bin. Also los, düse ab und eine gute Fahrt. Grüß mir Deine Frau.«
»Ja Danke. Tschüss Clemens. Schnelle Genesung und bis bald vielleicht«, sagte ich und stand auf.
»Tschüss Kalle«, sagte er. Ich verlies das Krankenhaus und ging zum Auto um nach Hause zu fahren.
Vorher rief ich aber noch bei meiner Frau an und erzählte ihr was alles passiert ist und das ich jetzt auf dem Wege nach Hause bin. Von Rene haben wir nie wieder etwas gehört, dass Geld haben wir natürlich auch nie mehr gesehen. Clemens fuhr, als er entlassen wurde, wieder nach Österreich zurück und ist nie mehr zur See gefahren. Er hat sich einen Job an Land gesucht. Auch ihn hat der Verrat hart getroffen.
Sardinien
in lauwarmer Wind weht über meinen Körper und ich höre die Wellen an die Bordwand unserer Yacht schlagen. Unser Boot, die Sea King, schaukelte leicht in der Dünung und machte mich schläfrig. Ich liege auf dem Sonnendeck und genieße die untergehende Sonne. Es war zwanzig Uhr und die Sonne ging als feuerroter Ball langsam hinter dem Horizont unter.
»Carlo, möchtest du auch ein paar Scambis zum Abendbrot?«, hörte ich Eva, meine Frau, aus der Kombüse rufen.
»Ja gern. In Knoblauchsoße und mit einem Weißwein dazu?«, fragte ich zurück.
»Ja klar.« Ich räkelte mich noch ein wenig auf der Sonnenliege, bevor ich mich faul aufraffte um nach unten zu gehen und mir etwas anzuziehen.
»Schatz, essen wir oben an Deck?«, fragte ich Eva auf dem Weg zu unserer Kabine.
»Ja, ist doch noch sehr warm«, antwortete sie mir. Ich ging in unsere Kabine und zog mich an. Es war sehr angenehm hier unten, durch die Klimaanlage wurde die Temperatur immer auf gleichbleibende dreiundzwanzig Grad gehalten. Ich schaute mich im Spiegel an, ich sah einen sportlichen einmeterfünfundsiebzig großen, braungebrannten, Kerl mit grauen Haaren. Die weiße Leinenhose und das weiße Hemd unterstrichen noch die braune Hautfarbe. Zufrieden nickend ging ich nach oben an Deck. Hier hatte Eva schon alles auf dem Tisch vorbereitet und wartete auf mich. Ich schaute sie an und lächelte glücklich. Vor mir saß eine schlanke, einmetersiebzig große, braungebrannte Frau mit blauen strahlenden Augen und langen schwarzen Haaren.
»Was schaust du mich so an«, fragte sie mich aus meinen Gedanken reißend.
»Ich habe mir gerade gedacht, was sieht sie doch wieder gut aus.«
»Du Schamör du, lass das jetzt und setz dich endlich hin, ich habe Hunger«, sagte sie lachend.
Es war einfach schön hier auf dem Meer, alleine mit seiner schönen Frau, etwas Leckeres zu essen und seinen Lieblingswein trinkend. Wir lagen mit der Jacht ein paar Seemeilen vor Capo Teulada auf Sardinien.
Wir sind zum Tauchen hier her gefahren, einen Sport, dem wir uns beide verschrieben haben. Wir genossen unser Abendessen, den Wein und die Ruhe.
»Hast du heute Abend Lust auf ein Spielchen?«, fragte mich Eva.
»Da kommt es aber darauf an, was du mit mir spielen willst«, antwortete ich ihr Augenzwinkernd.
»Na, na Seemann. Mal nicht so frech. Das kommt später dran. Ich meine ein Kartenspiel, oder hast du Angst gegen mich zu verlieren?«
»Gegen dich verliere ich gern, mein Schatz. Es ist immer so schön dir unterlegen zu sein«, setzte ich unser Wortspiel lachend fort.
»Ach, wenn du das meinst, bin ich ab und zu aber auch ganz gern der Verlierer. Aber was sagt du den jetzt erst einmal zu einem Kartenspiel?«
»Ja gut. Dann werde ich dir mal abräumen helfen und die Karten holen«, sagte ich und stand auf. Wir brachten alles in die Kombüse und ich holte die Spielkarten aus dem Schrank und ging, mit zwei Gläser Wasser in der Hand wieder nach oben. Als wir alles beisammen hatten, teilte sie die Karten aus und wir begannen unser Spiel. Wir spielten bis dreiundzwanzig Uhr und zogen uns dann in unsere Kabine zurück. Nicht, ohne vorher noch das Schiffswarngerät am Radar einzustellen, das uns bei Schiffsannäherung unter zwei Meilen alarmieren würde, und den Anker noch mal überprüft zu haben, ob er auch fest sitzt. In der Kabine setzten wir unser gemeinsames Spiel fort, bis wir ziemlich müde in unsere Koje gingen und einschliefen.
Ein lauter auf und ab schwellender Ton weckte mich. Ich wusste sofort, dass es das Annäherungsradar war und sprang aus der Koje. Auch Eva war wach geworden, setzte sich auf und schaute auf die Uhr.
»Carlo, wer fährt um diese Zeit hier herum? Es ist vier Uhr morgens und noch dunkel. Hast du die Positionslampen angemacht?«
»„Na klar, sind doch auf Automatik geschaltet. Ich schau mal nach.«
Schon während des Gespräches hatte ich mir eine Hose übergezogen und die Tür geöffnet. Jetzt lief ich den Niedergang hoch in den Steuerstand und schaute mich um. Es war, wie Eva schon sagte, noch dunkel. Mit der linken Hand schaltete ich den Ton aus und mit der rechten Hand hole ich mir meine Pistole aus dem Versteck unter dem Steuerstand hervor. Ich konnte auf dem Wasser nichts erkennen und schaute auf das Radar.
Ein kleiner Punkt näherte sich vom offenen Meer her unsere Jacht von Backbord. Ich griff zum Dachstrahler und brachte ihn in Position, dann schaltete ich ihn ein.
Der starke Lichtstrahl glitt über das Wasser und viel auf ein kleines Kajütenmotorboot, das ohne Licht in unsere Richtung fuhr. Auch nachdem ich das Boot angestrahlt hatte tat sich dort nichts. Sie steuerten genau auf uns zu und waren gerade mal noch ein paar hundert Meter von uns entfernt. Sofort setzte ich die Ankerwinde in betrieb und holte den Anker elektrisch ein, startete die Schiffsmotoren und gab ein Hupsignal ab. Eva kam den Niedergang hoch und schaute sich besorgt das Schauspiel an.
»Was hat der vor. Will der uns Rammen?«, fragte sie mich und sprach das aus was ich auch dachte.
»Ich weis nicht, kann aber auch niemand an Deck oder hinter den Scheiben sehen.« Das Boot war uns jetzt so nah gekommen, dass ich nicht mehr viel Zeit hatte zu reagieren. Ich schob den Maschinenhebel auf volle Kraft voraus und riss das Steuerrad herum, so das wir auf parallel Kurs zu dem Boot kamen. Die „Sea King“ sprang wie ein Panter los, drehte gleichzeitig ihr Heck aus der Fahrtrichtung des Bootes und war auch schon an ihm vorbei geschossen. Ich drehte die „Sea King“ um den Boot zu folgen, betätigte wieder das Signalhorn und schon waren wir auch schon längsseits.
»Eva, kannst du was sehen?«
»Nein, das Boot scheint leer zu sein.« Ich drosselte die Geschwindigkeit und passte sie dem des Bootes an.
»Kannst du bitte das Steuer übernehmen. Ich will rüber und sehen was da passiert ist.«
»Bist du Verrückt? Doch nicht während der Fahrt. Wenn Du zwischen die beiden Boote fällst wirst Du erdrückt oder von den Schrauben gehäckselt.«
»Er fährt ja nicht so schnell und die Küste ist nicht so weit weg. Müssen uns beeilen. Komm bitte.« Sie kam zu mir und übernahm das Ruder.
»Halt sie ganz dicht dran und wenn ich drüben bin gehst du auf Abstand.«
»Ja, ja. Bring dich nur um«, sagte sie resigniert.
Ich ging nach draußen auf die Bachbordseite, hängte die Pfänder über Bord damit die Boote bei Berührung nicht beschädigt werden konnten und machte mich bereit zum springen. Es war ein kleiner Kabinekreuzer mit einem Steuerstand im Heck und genau da musste ich Reinspringen. Eva steuerte unsere Jacht noch dichter heran und ich sprang. Landete, die Wucht des Sprunges abfedernd, an Deck des Bootes.
Meine Pistole hatte ich in die Hose gesteckt und die holte ich jetzt wieder heraus, drehte mich um und gab Eva das O.K. Zeichen. Sofort ließ sie unsere Jacht etwas nach Steuerbord abfallen um den Abstand zu vergrößern. Beobachtete aber alles genau was bei mir passierte und ließ dabei aber nicht, die immer schneller auf uns zukommende Küste, aus den Augen.
Ich näherte mich dem Niedergang der in die Kabine führte. Alles war dunkel dort unten. Erst musste ich das Boot einmal stoppen was ich auch tat, in dem ich den Leistungshebel im Steuerstand auf Stopp schob. Die Maschine verstummte und das Boot schaukelte in den Wellengang, den die beiden Boote verursacht hatten. Ich hörte wie Eva auch unsere Jacht stoppte und dann ganz langsam zurück kam um auf gleicher Höhe anzuhalten.
Ich tastete mit der linken Hand nach dem Lichtaschalter im Niedergang und fand ihn auch. Gerade als ich ihn betätigen wollte, wurde meine Hand gefasst und ich wurde gewaltsam in die Kabine gezogen. Den Sturz konnte ich nicht mehr vermeiden oder auch nur annähernd abfangen, denn meine linke Hand wurde immer noch festgehalten und in der rechten Hand hatte ich ja auch noch meine Pistole. Ich landete recht unsanft auf den Rücken und versuchte meine linke Hand zu befreien. Mein Gegner nutzte meine schlechte Lage aus und drehte den Arm um, so dass ich der Drehrichtung folgen musste, wenn ich es nicht riskieren wollte das mein Arm gebrochen wurde. Als ich auf dem Bauch zum liegen kam setzte er sich Rittlings auf mich und wollte meine zweite Hand auch auf den Rücken drehen.
Mir tat durch den Fall der Rücken und die Hüfte weh, hatte mir wohl durch den Sturz eine Prellung zugezogen. Jetzt hatte ich aber genug von der Spielerei, langsam wurde ich wütend und der Schmerz, durch den Sturz bedingt, tat sein übriges dazu. Ich ließ die Pistole los, packte mit der rechten Hand hinter mir und erwischte den Kopf des Angreifers. Da er bis jetzt ein leichtes Spiel mit mir hatte, rechnete er nicht mit einem Angriff und ich zog ihn mit voller Wucht an den Haaren mit dem Kopf Richtung Boden. Es gab einen dumpfen Schlag und er erschlaffte. Ich schüttelte ihn ab, stand auf, suchte den Lichtschalter und machte das Licht an.
Es war eine kleine Kabine, links vom Niedergang gab es eine kleine Küchenzeile, rechts eine Toilette. Vorne im Bug zwei Betten und einen Tisch und genau zwischen den Tisch und der Treppe lag ein junger Mann. Auf den Betten konnte ich noch eine Frau liegen sehen.
Langsam ging ich zu ihr hin um zu sehen was mit ihr los war. Ich hatte gerade meine Hand nach der Frau ausgestreckt, als der Mann am Boden leicht Stöhnend wieder zu sich kam. Er stand auf und stürzte sich auf mich, es bereitete mir keine große Anstrengung den Angriff abzuwehren denn ich hielt ihn einfach die Pistole unter die Nase, die ich natürlich wieder an mir genommen hatte. Was ihn gleich ruhiger machte und so langsam stieg die Angst in seine Augen.
»Ganz ruhig junger Mann. Keine unnötigen Bewegungen oder schnelle Reaktionen, dann passiert auch nichts. Ist das klar? Setzt dich auf die Koje und warte bis du dran bist.« Wie es aussah hatte es ihn die Sprache verschlagen, denn er nickte nur und setzte sich hin. Inzwischen rührte sich auch die junge Frau auf der anderen Koje. Sie drehte sich um und sah mich ängstlich an und sagte mit zittriger Stimme:
»Wer sind Sie und was wollen sie von uns?«
»Das wollte ich eigentlich Euch gerade fragen. Ihr rast mit dem Boot auf uns zu und hätten uns beinahe gerammt. Dann steuert ihr weiter auf die Küste zu und wärt dort wahrscheinlich zerschellt. Wolltet Ihr euch umbringen?« Sie starte mich mit großen Augen an und sah dann rüber zu dem jungen Mann.
»Bist du total Verrückt. Du wolltest uns umbringen nur weil ich mit dir Schluss gemacht habe?«, fragte Sie ihn mit immer lauter werdender Stimme.
»Carlo, ist alles in Ordnung bei dir da drin«, hörte ich die Stimme von Eva über die Außensprechanlage unserer Jacht.
»Ich will euch beide gleich an Deck sehen, ohne etwas in der Hand«, sagte ich zu Ihnen und ging nach oben. Hier gab ich Eva das Zeichen das alles in Ordnung war und setzte mich ans Heck und hielt den Niedergang im Auge. Kurz darauf kamen Sie an Deck, zuerst die junge Frau und dann der Mann. Ich hielt meine Pistole immer noch in der Hand und deutete mit ihr auf die Backbordreling.
»Setzt Euch dorthin und verhaltet Euch ruhig. Ich stelle hier die Fragen. Weshalb seit Ihr am schlafen und bekommt nichts mit was um euch herum passiert?« Die junge Frau antwortete mir:
»Wir hatten uns heute Nacht gestritten und zuviel Alkohol getrunken. Michael wollte nicht akzeptieren das ich mich von ihm trenne will.« Ich schaute zu Michael, der saß zusammen gesunken an der Reling und sagte nichts.
»Wer hat das Boot gestartet und sich nicht weiter darum gekümmert?«, fragte ich weiter.
»Das war ich... «, antwortete Michael und sah mich an; »„...Vor lauter Verzweiflung habe ich in ihrem Weinglas, eine Schlaftablette rein getan.«
»Bist du von allen guten geistern verlassen? Das ist genau das, warum ich mich von dir trennen will. Immer diese Eifersucht und das nicht Akzeptieren wollen von Tatsachen.«
»O.K. dann haben wir die Situation ja jetzt geklärt. Wie heißt du und wo kommst du her?«, fragte ich die junge Frau.
»Ich heiße Selina und komme aus Gonnesa.«
»Ah... aus Gonnesa, da wohnen Freunde von uns. Woher kommst du?«, fragte ich den jungen Mann der Niedergeschlagen an der Reling saß.
»Ich komme aus Deutschland. Arbeite hier zurzeit in Decimomannu bei der Bundeswehr.«
»Gut, dann bringst du mal das Boot zurück, wo du es her hast. Selina kommt zu uns rüber. Wir bringen sie nachher nach Hause.« Er nickte und stand auf. Ich beobachtete ihn weiter, immer darauf gefasst noch eine Überraschung zu erleben.
»Ich hole die Sachen von Selina hoch«, sagte er und ging in den Niedergang hinunter.
»Ich glaube das mache ich lieber selbst«, sagte Selina und folgte Ihn. Ich schaute zu Eva rüber, die alles vom Steuerstand aus beobachtete. Nach ein paar Minuten kam Selina zurück und hatte eine Tasche in der Hand.
»So fertig. Wir können.«
»Meinst du er kommt alleine klar?«, fragte ich sie, nahm ihre Tasche und reichte ihr die Hand, damit sie auf unsere Jacht hinübersteigen konnte. Dann stieg ich hinterher.
»Das schafft er schon«, gab sie mir zu Antwort.
»Gut, ich glaube wir könnten noch etwas Schlaf gebrauche. Ich zeige dir deine Kabine, da kannst du dich auch etwas frisch machen.«
Im Hintergrund hörte ich wie der junge Mann den Motor anließ und sich von uns entfernte. Ich ging mit Selina ins Schiff und zeigte ihr, ihre Kabine.
»Wir wecken dich heute Früh, versuche noch etwas ruhe zu bekommen.«
»In Ordnung, ich versuche es mal. Bis nachher«, sagte Sie und schloss die Tür hinter sich. Ich ging nach oben auf die Flybridge zu Eva.
»Na, hast du sie untergebracht?«
»Ja, ich habe ihr die Bugkabine gegeben.«
»Das ist gut. Ich kann aber nicht mehr schlafen.« Ich hielt Ausschau nach dem Boot und antwortete ihr:
»Ich glaube, ich auch nicht. Lass uns langsam zurück fahren.«
»Das ist eine gute Idee.«
Ich schaute auf das Radar und konnte sehen wie sich das Boot des jungen Mannes langsam entfernte. Ich startete die Maschinen und ein kräftiges, dumpfes dröhnen war zu hören. Die Maschinen waren gut Isoliert, aber man konnte ihre Kraft spüren. Langsam schob ich den Leistungshebel nach vorne auf viertel Kraft und sie pflügte langsam durch das Wasser. Ich drehte so lange am Steuerrad, bis die Jacht auf Kurs lag. Dann schaltete ich die Steuerautomatik und das Annäherungsradar wieder an. So konnten wir uns, ohne groß aufpassen zu müssen, miteinander unterhalten. Wir tranken Kaffe und genossen die Ruhe auf dem Meer und sahen die Sonne aufgehen. Um acht Uhr kam Selina zu uns hoch.
»Guten Morgen. Das ist ja eine tolle Jacht.«
»Guten Morgen Selina. Schön das Sie dir gefällt. Was hältst du von einem Frühstück?«, fragte sie Eva.
»Oh ja, könnte schon was vertragen. Seeluft macht hungrig«, antwortete sie fröhlich lächelnd.
»Gut, dann werde ich mal nach unten gehen uns was zaubern. Hast du Lust mir zu helfen?«
»Ja gern«, sagte Selina.
»Selina, willst du zu Hause anrufen damit man dich abholt?«, fragte ich sie.
»Ja, das sollte ich wohl machen.«
»Sag Bescheid, dass wir in zwei Stunden in Porto Paglia ankommen. Vielleicht kann dich dort jemand abholen.«
Ich reicht ihr das Funktelefon und sie wählte eine Nummer und bat ihre Mutter sie im Hafen abzuholen. Dann reichte Sie mir das Telefon zurück und sagte, bevor sie zu Eva nach unten ging:
»Danke, meine Mutter wird mich abholen.«
Wir frühstückten in Ruhe und hatten dann auch schon Porto Paglia erreicht, wo Selina abgeholt wurde. Danach fuhren wir zur Bucht vor unserem Haus und gingen vor Anker.
»Schatz, lass uns kurz nach den Tieren sehen und dann wieder losfahren. Ich möchte noch etwas Tauchen gehen und die Ruhe unter Wasser genießen«, sagte Eva und ich war nur zu gern einverstanden.
Hamburg
urch das Klingeln des Handys wurde Peter Steiner aus seinen Gedanken gerissen. Er sah auf dem Display, dass es seine Sekretärin war und meldete sich:
»Hallo Frau Fiebold, was ist passiert?«, nahm er das Gespräch an. Denn wenn sie am Abend um zwanzig Uhr bei ihm anruft, war immer etwas im Busch.
»Ich habe auf der anderen Leitung eine junge Frau, die dringend mit ihnen reden möchte. Sie ist sehr durcheinander und aufgelöst. Sie sagt, dass ihre Eltern und ihre Tochter entführt worden sind, ihr Name ist Galvi, Pia Galvi.«
»Gut Frau Fiebold, danke. Dann verbinden sie mich mal mit ihr«, sagte Peter Steiner und hörte wie die Verbindung weitergeschaltet wurde. Er meldete sich:
»Peter Steiner, E + K Holding GmbH. «
»Guten Abend Herr Steiner, entschuldigen Sie die Störung, aber ich brauche unbedingt Ihre Hilfe. Sie helfen doch Leuten die nicht mehr weiter wissen, oder?«, hörte er die verstörte und ängstliche Stimme einer Frau am anderen Ende der Leitung.
»Guten Abend Frau Galvi, dass macht nichts. Wie kann ich Ihnen denn helfen? Wo sind Sie denn im Moment?«
»Ich bin auf dem Weg nach Italien zum Haus meiner Eltern und im Moment hier in Hamburg auf dem Flughafen. Ich habe schon Frau Fiebold gesagt, dass es um meine Eltern und meine Tochter geht.«
»Sie sagte es geht um Entführung?«, hakte er nach.
»Ja, genau. Man hat meine Eltern und meine Tochter Francy entführt.«
»Woher wissen Sie das und warum sollten Sie entführt sein? Erpresst man Sie? Wie lange haben Sie Aufenthalt in Hamburg?«, stellte er seine nächsten Fragen.
»Ich habe drei Stunden Aufenthalt, bevor ich weiter fliege. Nein! Ich werde nicht erpresst und ich kann nur ahnen worum es dabei geht. Aber keiner glaubt mir, alle sagen, sie können nichts machen solange es keine Beweise dafür gibt.«
»Ich schließe daraus, dass Sie schon mit der Polizei gesprochen haben?«
»Ja, hier in Deutschland und mit der Polizei in Italien. Sie müssen wissen meine Eltern sind Italiener und leben auf Sizilien. Aber alle sagen, dass es keine Beweise für eine Entführung gibt und Sie darum nur die Augen offen halten können.«
»Gut Frau Galvi, ich werde raus kommen zum Flughafen damit wir persönlich über alles reden können. Wir treffen uns in der Lufthansalonge, sagen sie, dass Sie mit mir verabredet sind. Ich bin in dreißig Minuten da und bringe noch eine Kollegin mit.«
»Vielen Dank Herr Steiner«, kam die erleichterte Stimme über die Leitung und Sie legte auf. Steiner unterbrach die Telefonverbindung auch und wählte mit der Schnellwahltaste neu.
»Hallo Peter, wenn du anrufst gibt es doch bestimmt was Wichtiges«, meldete sich Monika. Monika Reimers, bei der E + K Holding GmbH im Personenschutz tätig und seit dem Vorfall letzten Jahres, bei der Eva, die Frau von Carlo, entführt wurde, in der Operation Group tätig.
Die Operation Group ist das Herzstück der E + K Holding GmbH. Die Holding setzt sich aus mehreren Firmen zusammen, Speditionen und ein Autohaus, eine Elektrofirma und Sportschulen in ganz Deutschland. Seit kurzem gehören noch ein paar namhafte Hotels dazu.
»Hallo Monika, ich benötige Dich am Flughafen. Ich treffe mich dort mit einer Frau Pia Galvi. Ihre Eltern und die Tochter sind wahrscheinlich entführt worden und sie bittet uns um Hilfe. Sie fliegt in drei Stunden weiter nach Sizilien, wo ihre Eltern leben. Wir haben uns in der Lufthansalonge verabredet«, klärte Peter Monika in kurzen Sätzen über das Wichtigste auf.
»Ist gut. Ich fahre sofort los«, bestätigte Sie und legte auf. Peter unterbrach auch die Verbindung und steckte das Handy ein. Er stand auf, zog sich seine Jacke an und verabschiedete sich im Hinausgehen von seiner Frau. Es kommt nicht selten vor, dass Hilfesuchende sich auch spät bei ihm melden. Die Operation Group ist bekannt dafür, Hilfesuchenden, die sonst kein Ohr für ihr Problem finden, zu helfen. Die Mitarbeiter sind natürlich am Flughafen bekannt und deshalb ist es nicht verwunderlich, sich dort in der abgeschlossenen Longe zu treffen. Am Flughafen ging Peter gleich zur Lufthansalonge. Hier sah er schon Monika und diese Pia in ein Gespräch vertieft sitzen.
»Guten Abend meine Damen, Sie haben sich schon bekannt gemacht?«, eröffnete Peter das Gespräch.
»Ja Peter, das scheint ein sehr interessanter Fall zu sein«, sagte Monika.
»Guten Abend Frau Galvi, dann erzählen Sie mal.«
»Also, meine Eltern wohnen in Sizilien. Sie sind dort geboren und in jungen Jahren nach Deutschland gekommen, wo sie mich bekommen haben. Als Sie alles erreicht hatten was Sie sich vorgenommen hatten, sind Sie wieder zurückgegangen. Ich bin in Deutschland geblieben, habe geheiratet und Francy bekommen. Als sie acht Jahre alt war, haben mein Mann und ich uns scheiden lassen, dass war vor vier Jahren. Francy verbringt ihre Ferien immer bei ihren Großeltern, sie liebt Sizilien und spricht auch perfekt italienisch. Ich glaube sie wird, wenn Sie achtzehn ist, zu ihren Großeltern ziehen. Sie war auch jetzt in den Ferien bei Ihnen unten«, erzählte sie.
»Gut, und wie kommen Sie jetzt darauf dass sie entführt worden sind?«, fragte Peter.
»Ja, das ist ganz einfach. Man hat mich angerufen und es mir gesagt.«
»Wie, da ruft Sie einfach jemand an und erzählt ihnen in aller Ruhe, dass er die drei entführt hat?«, fragte Monika Sie überrascht.
»Ja, er sagte ich sollte keine Polizei einschalten und mich ruhig verhalten.«
»Hat er sonst keinerlei Forderungen gestellt? Geld oder etwas anderes?«, fragte Peter Sie weiter um noch mehr Informationen zu bekommen.
»Nein! Nur dass ich mich ruhig verhalten soll und keine Polizei einschalten darf. Was ich aber trotzdem gemacht habe, aber die haben gesagt, dass sie, ohne stichhaltige Beweise, nichts tun können.«
»Hat die Polizei auf Sizilien einmal im Haus ihrer Eltern nach geschaut?«, stellte Monika die nächste Frage.
»Ja, die sind dort vorbei gefahren und haben die Haushälterin angetroffen, die hat ihnen gesagt, dass meine Eltern und Francy unterwegs seien. Aber meine Eltern haben keine Haushälterin.«
»Wie kommen Sie denn an unsere Telefonnummer?«, schoss Peter blitzartig seine nächste Frage ab.
»Die hat mir ein deutscher Polizist gegeben und gesagt, wenn die Polizei nicht helfen kann, diese Personen können es bestimmt. Wer sind Sie denn, dass ein Polizist so etwas sagt?«
»Wir helfen Personen die sonst keine Hilfe bekommen können. Aber gerade aus diesem Grunde müssen wir sehr vorsichtig sein«, erklärte ihr Peter.
»Ich verstehe zwar immer noch nicht alles, aber die Hauptsache ist für mich, Sie können mir helfen«, antwortete sie unsicher.
»Wenn wir Ihnen helfen sollen, benötigen wir Fotos von Francy und Ihren Eltern, kurz Ihren Personalausweis, Ihre Anschrift und die Adresse Ihrer Eltern. Sie müssen uns ein Dokument unterschreiben, in dem Sie bestätigen, dass wir in Ihrem Namen auftreten können, Ihre Telefongespräche mitschneiden dürfen und Zugang zu allen Grundstücken, die Ihnen und Ihren Eltern gehören, haben. Dann Telefon- und Handynummern von Ihnen und Ihren Elter, wenn Francy auch ein Handy hat auch diese Nummer. Sind Sie damit einverstanden, Frau Galvi? Dann können wir sofort loslegen und wir werden, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, Männer unten auf Sizilien, die Sie unauffällig beschützen, einsetzen.«
»Wie, so schnell geht das? Ja, natürlich bin ich einverstanden. Ich habe zwei Bilder dabei und hier ist mein Ausweis«, sagte sie und kramte in ihrer Handtasche um alles heraus zu holen. Monika griff neben ihren Sessel, legte ein Notebook auf den Tisch, schaltete ihn ein und startete die nötigen Programme. Dann zog Sie noch ein Kombigerät mit Scanner- und Druckerfunktion aus der Tasche und schloss es an den Computer an.
Peter hatte in der Zwischenzeit sein Handy zur Hand genommen, eine Nummer gewählt er wartete bis die Verbindung stand und sagte:
»Guten Abend Dietmar, hier ist Peter. Ich benötige eins von unseren Auftragsformularen. Kannst du mir einen Antrag rüber senden, am besten an die Email-Aderesse von Monika?«
»Hallo Peter, ja ich schicke es euch gleich rüber«, sagte Dietmar, Rechtsanwalt der Holding und langjähriger Freund von Carlo.
»Brauchst du sonst noch etwas?«, fragte er noch.
»Nein danke, den Rest machen wir morgen. Gute Nacht und vielen Dank«, sagte er und unterbrach die Verbindung. Pia hatte in ihrer Handtasche alles gefunden und auf den Tisch gelegt, zwei Bilder, eins mit Francy und eins von ihren Eltern, sowie den Personalausweis. Monika nahm alles zu sich und scannte alles in den Computer ein.
»So, ich mache jetzt Folgendes«, sagte sie zu Pia. »Ich werde die Bilder nach Italien zu unserer dortigen Zweigstelle schicken und Peter wird gleich zwei Leute losschicken.
Die sind dann vor Ihnen da, bitte schreiben Sie noch alle Angaben, die wir benötigen auf«, sagte sie und schob ihr ein Blattpapier und einen Stift zu. Dann nahm Monika ihr Handy und wählte die Nummer Ihres Chefs:
»Hallo Thomas, hier ist Monika Reimers. Ich benötige eine Personalüberprüfung. Kannst du das eben für mich tun oder hast du jetzt keine Zeit«, fragte Sie.
Dann, nachdem sie die Antwort hatte und ihr Gesprächspartner wohl zugestimmt hatte, gab sie die Personalausweisnummer durch. Nach ein paar Minuten, die Sie in den Hörer lauschte, nickte Sie, bedankte sich und unterbrach die Verbindung. Thomas Kraus ist Leiter des Komlei One, die Deutsche Einsatzgruppe der Operation Group.
»O.K. es scheint alles in Ordnung zu sein. Wir können loslegen Peter.«
»Gut, dann Druck schon mal den Auftrag aus und ich rufe in der zwischen Zeit Italien an«, er nahm wieder sein Handy und wählte eine Nummer in Italien.
»Hallo Giovanni, wir haben gerade einen neuen Auftrag bekommen der uns nach Sizilien führt. Wir übermitteln dir gleich alle Informationen und Bilder die wir haben. Bitte schicke schnellstmöglich ein Team nach Sizilien. Unsere Kundin fliegt in zwei Stunden von Hamburg nach Sizilien. Das Team soll sie am Flughafen abholen und mit ihr zum Haus ihrer Eltern fahren. Vorsicht! Es soll sich dort eine angebliche Haushälterin herumtreiben. Sie sollen sich eine Legende mit Frau Galvi ausdenken, wer Sie sind und was Sie da machen«, gab er die Anweisung.
»Guten Abend Peter, ich werde das Quattro-Team, mit Pietro Bonci und Tom Elbers, runter schicken. Gibt es sonst noch etwas zu wissen?«, fragte Giovanni.
»Nein Danke, der Rest kommt morgen. Wünsche dir noch einen schönen Abend. Ciao Giovanni.«
»Ciao Peter.«
»Sie legen aber ganz schön los. Ich bin Überrascht und auch beängstigt. Was passiert denn jetzt alles?«, fragte Pia, von der Geschwindigkeit der Abläufe überrascht.
»Frau Galvi, keine Angst. Ich werde ihnen jetzt das weitere Vorgehen erklären. Wir müssen schnell handeln, damit Sie nicht alleine auf Sizilien sind. Wenn wirklich jemand im Haus Ihrer Eltern ist, wären Sie eventuell in Gefahr. Deshalb habe ich veranlasst, dass zwei unserer Leute nach Sizilien geschickt werden, die mit Ihnen zusammen zum Haus Ihrer Eltern fahren können.
Beide sprechen deutsch und italienisch und sind für solche Fälle ausgebildet. Die Beiden sind Pietro Bonci und Tom Elbers. Lassen Sie sich auf dem Flug schon mal eine Legende einfallen wer die Beiden sein könnten. Freunde oder Familie. Sie brauchen sich dort unten um nichts zu kümmern, beide werden alles arrangieren was nötig ist und laufend mit mir in Verbindung stehen. Haben Sie noch Fragen zum weiteren Ablauf?«
»Nein, es ist schon alles verständlich. Nur habe ich nicht mit diesem rasanten Ablauf gerechnet. Danke noch einmal dafür und was soll das alles kosten? Ich habe nicht viel Geld gespart, bin ja eine alleinerziehende Mutter. Meine Eltern sagen, ich bekomme ihr Geld erst, wenn Sie selbst nichts mehr davon benötigen. Bis dahin muss ich selbst sehen wie ich zu Recht komme.«
»Sehen Sie und genau dafür sind wir da. Machen Sie sich um die Kosten mal keine Gedanken. Sehen wir erst einmal, dass wir alle wieder frei bekommen.«
»Meinen Sie denn, dass Sie das schaffen können?«, fragte sie Peter ungläubig und schaute ihn mit großen Augen an.
Monika hatte alles eingescannt und die Gerätschaften wieder verpackt. Jetzt gab sie die Papiere an Pia zurück und antwortete:
»Pia, wir tun alles was in unserer Macht steht um deine Tochter und deine Eltern zu finden und zu befreien. Ich kann dir versichern, dass wir in dieser Richtung viel tun können.«
Die Durchsage aus dem Lautsprecher rief den Flug von Pia auf, es war eine halbe Stunde vor Abflug. Peter stand auf und reichte ihr die Hand:
»Frau Galvi, ich wünsche Ihnen einen angenehmen Flug. Wenn Ihnen noch etwas einfallen sollte, sagen Sie es unseren beiden Männern. Tschüs und guten Flug.« Auch Monika stand auf, gab ihr die Hand und sagte:
»Tschüs Pia und keine Sorge, es wird alles gut werden.«
»Ja, danke noch mal. Tschüs«, sagte sie nahm ihre Tasche auf und verließ den Raum.
»Monika, kannst jetzt Feierabend machen. War ja ein langer Abend, wir sehen uns morgen früh im Büro«, sagte Peter, verstaute seine Unterlagen und ging mit Monika zusammen zu ihren Autos.
Sardinien
angsam tauche ich aus dem Dunkel des Tiefschlafs auf. Ich nehme Geräusche war, versuche mich auf diese Geräusche zu konzentrieren und nehme jetzt auch einen wunderbaren Geruch von Kaffee und Brötchen war. Schlagartig bin ich hellwach und werfe mich mit Schwung aus der Koje. Wir waren wieder zu unserem Tauchgebiet gefahren um noch etwas zu tauchen.
>Eva macht das Frühstück und ich liege hier noch faul rum, also ab ins Bad mit dir<, dachte ich mir.
Auf dem Weg ins Bad sehe ich Eva in der Kombüse stehen.
»Guten Morgen mein Liebes. Wie hast du es geschafft, ohne mich zu wecken aus der Koje zu kommen?«, fragte ich sie lachend.
»Tja mein Schatz, auch ich kann mich wie eine Katze bewegen oder du warst zu fertig mit der Welt um mich zu hören«, antwortet sie mir schelmisch grinsend. Denn der Abend war natürlich nicht mit dem zu Bett gehen zu Ende gewesen. Wir hatten uns noch eine Flasche Sekt mit in die Kabine genommen und sehr viel Spaß miteinander gehabt.
Als ich wieder aus dem Bad kam, hatte sie schon alles nach oben getragen und den Tisch auf der Brücke gedeckt. Ich ging den Aufgang hoch und mich empfing ein traumhafter Morgen. Die Sonne hing am tiefblauen Himmel und die See war spiegelglatt und türkisfarben. Ich schaute mich um, die See war leer. Es war nirgends wo ein Schiff oder ein Boot zu sehen, wir waren alleine.
»Komm her und setzt dich du Langschläfer, lass uns zusammen frühstücken. Hinterher gehen wir tauchen damit du wieder etwas frischer wirst«, sagte Eva und sah mich dabei mit ihren glänzenden und strahlenden Augen an, dass es mir heiß und kalt dabei wurde. Wir aßen in Ruhe und gingen, wie Eva es schon gesagt hatte, tauchen. Wir verbrachten einen schönen Vormittag und wir tollten herum wie kleine Kinder. Zu Mittag gab es Pasta und Salat, wir waren vom Schwimmen total ausgehungert und ließen es uns schmecken. Wir legten uns zur Siesta auf das Sonnendeck, dass wir mit dem Sonnensegel abgedeckt hatten und gaben uns der Ruhe hin. Wir lagen uns im Arm und ich streichelte sie. Gerade war ich dabei, so langsam in den Schlaf zu gleiten, als das Handy sich meldete.
»Ach nein, wer ist den das jetzt«, sagte ich etwas mürrisch. Ging ins Cockpit und aktivierte die Ruftaste von meinem Handy, ohne auf dem Display zu sehen:
»Pronto?«, meldete ich mich und man konnte meiner Stimme anmerken, dass ich wegen der Störung verstimmt war.
»Hallo Carlo, hier ist Peter. Entschuldige die Störung, aber wir müssen über einen neuen Fall sprechen.«
»Ah, guten Morgen Peter. Ist schon gut, war nur gerade auf dem Sonnendeck am einnicken. Was ist das für ein Fall?«, fragte ich und setzte mich auf die Steuerstandbank der „Sea King“.
»Es geht um eine Entführung von Eltern und Tochter einer Frau Pia Galvi. Das ist auf Sizilien passiert. Sie hat gestern Abend mit uns Kontakt aufgenommen. Monika und ich haben uns mit ihr auf dem Flughafen Hamburg getroffen und alles besprochen und aufgenommen. Dann habe ich veranlasst, dass das Quadro-Team nach Sizilien geschickt wird um mit ihr in das Elternhaus zu fahren und alles abzusichern«, erzählte er mir die Vorgeschichte.
»Gut, aber was kann ich jetzt machen?«, fragte ich ihn. Da er ja anscheinend alles im Griff hatte.
»Genau, da beginnt das Problem. Wir haben gestern Abend noch eine Meldung vom Flughafen bekommen, dass unsere Männer mit Frau Galvi, auf dem Weg ins Elternhaus sind. Dann noch ein O.K. bei der Ankunft im Haus, aber seitdem ist alles ruhig. Wir haben keinerlei Verbindung mehr zum Team.«
»Hatten sie ihre komplette Ausrüstung dabei?«, fragte ich.
So eine Ausrüstung besteht aus Einbruchswerkzeug, Kletter-Haken aus Aluminium, Abhörgerätschaften, eine Skorpion Maschinenpistole und einer Glock achtzehn, eine neun Millimeter Reihenfeuerpistole und großem Magazin, sowie ihre Schutzwesten und den digitalen Funkgerät.
»Nein, da sie nur als Personenschutz unterwegs waren hatten sie nur ihre Pistolen im Koffer und ihr Handy dabei und waren komplett in Zivil gekleidet«, beantwortete Peter meine Frage.
»Sind die Handys nicht zu orten?«, fragte ich weiter.
»Haben wir schon versucht, aber es kommen keine Signale durch. Die sind beide abgeschaltet.
Ich spiele mit dem Gedanken, noch ein Team runter zu schicken. Diesmal mit dem Helikopter, die vor Ort klären sollen, was dort vorgefallen ist.«
»Gut Peter, mache das. In welchem Hafen liegt eigentlich die „Freya“ zurzeit?«
»Die liegt in Palermo. Meist du wir sollten sie runter schicken?«
»Ja Peter, schicke sie runter und halte mich auf dem Laufenden. Welche Teams sind den zurzeit an Bord der „Freya“?«
»Es sind zwei Teams an Bord. Das Uno-Team und das Due-Team.«
»Gut, dann schick mir noch das Echo- und das Foxtrott-Team runter. Das Xray Team mit Josef und Sascha sollen die „Sea Princess“ aus Genua mitbringen. Josef kann uns bestimmt eine große Hilfe sein, denn woanders als nach Tunesien kann man wohl kaum von Sizilien aus schnell verschwinden.«
Josef war ein ehemaliger Fremdenlegionär, bevor er zu uns gestoßen war. Nicht nur das er verschiedenen afrikanische Dialekte spricht, er kennt sich auch sehr gut mit den Gepflogenheiten in Afrika aus.
»Alles klar, ich melde mich dann wieder wenn ich mehr weiß oder alles im Einsatzort ist. Ciao Carlo«, sagte Peter und unterbrach die Verbindung.
Die „Freya“ ist ein, achtundsiebzig Meter langes und zwölf Meter breites Küstenmotorschiff, das wir umbauen ließen. Sie wird bei unseren Einsätzen als mobile Einsatzplattform eingesetzt und ist vollkommen autark. Sie schafft eine Reisegeschwindigkeit von zwölf Knoten. Der Laderaum wurde geteilt, im vorderen Teil stehen die Fahrzeuge, vier Motorräder, vier Autos und zwei Schlauchboote. Um diese Fahrzeuge von Bord hieven zu können, wird der Kran auf der Back benutzt. Im hinteren Laderaum befinden sich eine komplette Einsatzzentrale mit allen erdenklichen elektronischen Geräten und die Unterkünfte für sechs, zwei Mann Teams und dem Kommunikationsteam. Die vordere Luke ist so ausgelegt und umgebaut, dass man sie als Aufzug benutzen kann. Hier besteht auch die Möglichkeit, einen Hubschrauber unter Deck zu verbringen der auf der mittleren Ladeluke landen kann.
»Was ist passiert mein Schatz? Gibt es Probleme?«, fragte mich Eva von der Sonnliege her. Sie hatte sich aufgesetzt und sah mich mit besorgter Miene an. Sie wusste, dass man mich nur anruft, wenn es Probleme gibt.
»Ja, das Quadro-Team ist mit einer Kundin zusammen auf Sizilien verschwunden. Jetzt schickt Peter noch ein Einsatzteam runter, sie sollen nachsehen was da los ist.«
»Meinst du es ist was Schlimmes passiert?«, fragte sie mich besorgt mit ängstlicher Stimme.
»Ich hoffe nicht. Aber wir müssen mit allem rechnen. Sobald ich Näheres erfahren habe, sehen wir weiter. Ich glaube, einen Espresso und ein Grappa könnten wir beide jetzt gebrauchen. Machst du uns einen?«
In der Hoffnung, sie durch die Beschäftigung etwas vom Geschehen gedanklich abzulenken. Während Eva nach unten ging um uns einen Espresso zu machen überlegte ich mir, was wohl der Grund war, warum sich das Team nicht mehr meldet. Ich kannte die beiden Männer, Pietro Bonci war bei der italienischen Spezialeinheit für Terroristen Bekämpfung als Scharfschütze tätig, bevor er zu uns kam. Tom Elbers war bei der deutschen Sondereinheit KSK tätig. Beide hatten uns letztes Jahr bei der Befreiung von Eva unterstützt und gehören zur Abteilung Süd der Operation Group in Italien.
Die Operation Group besteht aus zwei Komlei Busse die im Norden und im Süden Europas stationiert sind. Beide Busse sind, jeder mit sieben Personen, Techniker, Kommunikations-, und Computerfachleuten, besetzt. Zu jedem Bus gehörten noch acht, zwei Mann bzw. Frauen Teams, die wir, bis auf zehn Teams, aufstocken können. Personal aus unserem Personen- und Objektschutz Unternehmen. Zu einem Komlei Bus gehört auch ein Technik Truck, der die nötigen Fahrzeuge transportiert und technisch wartet. Ein Komlei Team setzt sich zusammen aus einem Bus, einem Track bestückt mit vier Motorräder und zwei Wagen und acht Teams mit jeweils einem Fahrzeug. Diese befinden sich aber nicht immer im Umkreis des Busses. Vier dieser Teams sind in einem Umkreis von zwei- bis dreihundert Kilometer um den Bus verteilt. Nur vier Teams befinden sich direkt beim Bus. Alle Fahrzeuge und Personen kommunizieren über ein gemeinsames Kommunikationsnetz.
Eva kam mit Espresso und Grappa wieder auf die Brücke. Sie setzte sich zu mir und wir nahmen beide den Grappa in die Hand.
»Auf das Wohl der Kundin und unseren beiden Männer«, sagte sie und prostete mir mit besorgter Miene zu.
»Ja, auf ihr Wohl«, pflichtete ich ihr bei und dachte im Stillen:
>Hoffentlich ist nichts Schlimmes passiert.<
In diesem Moment meldete sich mein Handy wieder.
»Pronto«, meldete ich mich sofort.
»Ah, Carlo. Hier ist Mario. Ich wollte euch beiden, Eva und dich, für morgen einladen. Ich gebe eine kleine Party und hätte euch gern dabei gehabt, wo treibt ihr euch denn zurzeit herum?«, hörte ich unseren alten Freund Mario Galvanese am anderen Ende der Leitung. Er hatte ein riesiges Anwesen an der Costa Smeralda und gab jeden Monat ein rauschendes Fest. Alles was Rang und Name in Italien hatte war dann immer bei seinen Partys anwesend.
»Salve Mario. Du weißt doch, dass wir nicht gern auf diese großen Partys gehen. Diesen ganzen Schnickschnack mögen wir doch nicht so gern. Das hat aber nichts mit euch zu tun, dass weißt du. Wir liegen vor der Südküste und gehen tauchen«, sagte ich mit einem bedauernden Unterton.
»Ah Carlo, dass weiß ich ja. Aber es kommen wirklich nicht viele. Nur meine Familie und hoffentlich auch ihr. Ihr seid doch schnell hier oben, komm gib Gas und wir sehen uns heute Abend noch auf ein Glas Wein auf der Terrasse. Ich lass in Porto Cervo gleich einen Liegeplatz für dich reservieren und dann wartet Sir John mit dem Wagen auf euch«, versuchte er mich zu überreden.
Sir John war sein Chauffeur und da er aus England kommt nennt Mario ihn immer Sir John. Ich sah zu Eva rüber und fragte sie:
»Schatz, Mario und Petra haben uns für morgen auf eine Familienfeier eingeladen. Wir sollen heute noch hoch kommen. Was meinst du dazu?«
»Na ja, wir waren ja schon lange nicht mehr auf einer seiner Feiern. Lass uns fahren, lenkt uns auch etwas ab und du bleibst ja erreichbar«, gab sie zur Antwort. Ich nickte und zu Mario sagte ich:
»Ja gut Mario, wir lichten gleich den Anker und kommen hoch. So vier Stunden werden wir wohl brauchen.«
»Na prima, da wird sich Petra aber freuen. Eva und Petra haben sich ja schon lange nicht mehr gesehen und wie man so hört ist ja in der Zwischenzeit allerhand passiert. Diese Geschichte mit der Entführung von Eva musst du mir auch unbedingt erzählen. Also, bis heute Abend und eine gute Fahrt«, sagte er und unterbrach die Verbindung. Petra war seine Frau und stammte aus Regensburg. Ich legte das Handy wieder zurück und ging zu Eva.
»Na gut, dann lass uns mal zu den beiden hochfahren. Petra freut sich schon auf deine Geschichte vom letzte Jahr.«
»Das glaube ich, es gibt ja auch nur Gerüchte auf der Insel über meine Entführung. Da werde ich wohl mal so allerhand klarstellen müssen. Komm auf geht’s, brauchst dich nicht mehr faul hinzulegen. Schmeiß die Maschinen an und ab durch die Mitte, Seemann. Wir werden erwartet«, sagte sie etwas zu salopp zu mir und stand auf.
Ich rappelte mich auch wieder hoch, ging in den Steuerstand, holte den Anker mit der elektrischen Winde hoch und startete die Maschinen. Ein sattes Brummen erfüllte die Luft, mein Herz fing, voller Vorfreude auf die Geschwindigkeit, an schneller zu schlagen. In der Zwischenzeit hatte Eva alles abgeräumt und in die Kombüse gebracht. Jetzt setzte sie sich neben mich auf die Bank im Steuerstand.
Als der Anker eingefahren und gesichert war, drückte ich die beiden Fahrhebel langsam nach vorne und die Jacht nahm, immer schneller werdend, Fahrt auf. Sie hob ihren schmalen, Messerscharfen Bug aus dem Wasser, durchschnitt mit ihm die Wellen und hinterließ eine schäumende Heckwelle. Es machte einfach Spaß so ein Boot zu fahren und über das Wasser zu gleiten. Man spürte die Kraft der beiden Maschinen die die Yacht nach vorne trieb. Man hatte das Gefühl das man durch niemand gestoppt werden konnte. Eva streichelte meinen Nacken und sagte zu mir:
»Sag mal Seemann, du wolltest mir doch immer schon mal die Story aus Finnland erzählen, als du damals zur See gefahren bist. Mach das doch jetzt, wir haben ja etwas Zeit bis wir ankommen.«
Sie spielte damit auf meine Seefahrtzeit an, ich hatte am Anfang unserer Beziehung so Andeutungen gemacht, was ich alles so erlebt hatte. Ab und zu kommt die Neugierde von ihr durch und ich muss die alten Geschichten und Erlebnisse von damals erzählen.
Damals
ch hatte auf einem Kümo angemustert und die Fahrt ging nach Finnland, ein sehr schönes Land und Natur pur. Als ich an Bord kam war die erste Frage die meine neuen Kollegen mir stellten:
»Machst du mit beim Schmuggeln?«
In Skandinavien ist Alkohol sehr teuer. Die meisten Seeleute verbessern ihre Heuer mit Alkoholschmuggel, was natürlich verboten ist. Wenn ein Schiff bei dem Schmuggel erwischt wird, kommt es auf eine schwarze Liste beim Zoll und wird jedes Mal komplett durchsucht, was natürlich sehr viel Zeit kostet. Aber Zeit ist Geld und da reagiert die Reederei nicht besonders freundlich drauf. Da wird man ganz schnell entlassen und von Bord geholt. Also ist es immer ein doppeltes Risiko, denn beim Zoll muss man auch noch Strafe bezahlen, wenn sie einem erwischen.
Ich konnte und wollte auch nicht als Außenseiter dastehen.
»Na klar, mache ich mit. Wie viele Flaschen und wie läuft es bei euch ab?«, fragte ich zurück.
»Jedes Besatzungsmitglied kauft zehn Kisten Schnaps und der Koch verteilt sie in den Häfen.«
»Gut, wo lagert ihr die vielen Kisten?«, fragte ich Neugierig geworden.
»Wir stellen sie ganz unten in die Bilge und holen immer nur den Vorrat rauf, den er gerade braucht.«
Die Bilge ist beim Schiff der Bereich, in dem sich das Schmutzwasser sammelt und befindet sich an der tiefsten Stelle des Schiffes auf beiden Seiten. Wir waren zehn Mann an Bord, einschließlich des Kapitäns, der natürlich auch mit machte. Wir mussten also hundert Kisten Schnaps, pro Kiste waren es sechs Flaschen, nach Adam Riese sind das sechshundert Flaschen Schnaps verstauen. Es war sehr aufwendig, diese Flaschen immer von unten ganz nach oben zu schleppen.
Wie sage ich immer, nur die Faulen sind in der Lage etwas zu erfinden was das Leben erleichtert.
Ich dachte mir also im Laufe der Zeit ein anderes Verfahren aus, es musste ziemlich dicht an der Kombüse sein, nicht von jedem einsehbar und so sicher sein, dass es die schwarze Gang, dass ist der Zoll der die Schiffe durchsucht, dieses Versteck nicht finden konnte.
Mir kam die Idee mal wieder im Schlaf. Die Maschine, hier gab es doch bestimmt eine Möglichkeit etwas einzubauen. Gedacht getan, am nächsten Tag sprach ich mit unserem Maschinisten darüber. Hatten wir ein Rohr das groß genug war und nicht benötigt wurde? Dann die Frage, konnte er in dieser Röhre eine zweite einbauen, die dann die Flaschen aufnehmen konnte? Die erste Röhre wurde dann unter Druck gesetzt, so dass, wenn der Zoll das Ventil aufdrehte, Dampf herauskam. Wir setzten diese Idee um und bauten noch eine Klappe ein, aus der, der Koch dann immer den Nachschub herausholen konnte. Wenn man die Röhre richtig beladen hatte, gab es keinerlei Schwierigkeiten beim heraus nehmen.
So verlief unsere Reise gewinnbringend und erst im vorletzten Hafen bekamen wir ein Problem. Unser Koch verkaufte achtern, gerade eine Flasche Schnaps, als der Zoll um die Ecke kam. Geistesgegenwärtig ließ er sofort die Flasche über Bord fallen, aber der Zöllner hat natürlich gesehen das es eine Flasche war die er über Bord fallen ließ. Sofort ließ er die schwarze Gang kommen, eine Sondereinheit des Zolls, die das Schiff auseinander nehmen von oben bis unten durchsuchen sollte.
Sie bauen sogar die Wandverkleidungen ab und wehe sie finden etwas, dann lassen sie alles so liegen wie sie es auseinander genommen haben. Finden sie nichts, müssen sie alles wieder so herrichten wie sie es vorgefunden haben. Sie fanden natürlich nichts bei uns und waren deshalb nicht so gut auf uns zu sprechen, hat ihr Kollege doch gesehen wie unser Koch eine Flasche über Bord geworfen hatte und wo eine ist müssen ja auch noch mehr sein. Wir liefen natürlich alle schmunzelnd herum, was sie noch mehr auf die Palme brachten.
Dann wollten sie es uns zeigen und riefen zwei Stunden vor Auslaufen einen Zolltaucher, der das Hafenbecken um unser Schiff absuchen sollte. Das war der Zeitpunkt, wo wir etwas unruhiger wurden, sollte er etwas finden, hatten sie etwas in der Hand uns immerhin nicht auslaufen zu lassen. Sie hätten zwar nie nachweisen können, dass der Fund von uns war, aber alleine das verzögerte Auslaufen würde uns teuer zu stehen kommen. Denn wir sollten wir das unseren Reeder erklären?
Und wir hatten ja auch Terminware im Schiff, die pünktlich im nächsten Hafen sein musste. Die Zeit des Auslaufens kam immer näher und als wir so weit waren fragte der Kapitän, wann sie den endlich die Suche abrechen würden, denn sonst müsste er die Liegekosten dem Zoll zu Lasten legen. Ja, es würde noch fünfzehn Minuten dauern, war die Antwort. Nach zwanzig Minuten, startete der Kapitän noch eine Anfrage und es hieß noch dreißig Minuten. Da hatte er die Nase voll, er gab den Bordingenieur den Befehl zum hochfahren der Maschinen und gab ein Signal mit dem Nebelhorn, dass er die Maschine rückwärts laufen lassen werde. Die Zöllner, die alle an dem Kai standen und den Taucher zuschauten, fingen an zu schimpfen und gaben dann ihren Kollegen im Wasser das Zeichen raus zu kommen.
So liefen wir aus und waren heil froh so gut davon gekommen zu sein. Aber es war uns klar, dass sie uns im nächsten und letzten schwedischen Hafen auseinander nehmen würden und alles von unten nach oben stülpen würden. Also, musste eine Lösung her um den noch an Bord befindlichen Flaschenvorrat zu entsorgen.
Einfach über Bord werfen war zu teuer, aber es bestand noch die Möglichkeit, den gesamten Vorrat auf See zu verstecken und beim Auslaufen wieder aufzunehmen. Wir bauten ein Netz aus Draht und befestigten luftleere Tonnen als Bojen daran, so ging das schwere Netz nicht unter und wir konnten es schnell wieder finden. Der Kapitän suchte ein Bereich außerhalb der Drei-Meilen-Zone heraus, der nicht in der Fahrrinne zum Hafen lag und hievten alles mit der Winde über Bord.
Wir konnten schon beim Einlaufen die schwarze Gang am Pier stehen sehen, die hießen deshalb schwarze Gang, weil Sie alle schwarzen Overalls anhatten. Das Rohr hatten wir natürlich wieder unter Heißdampf gesetzt damit es nicht auffiel, dass es ein leeres Rohr mit einer Doppelwand gibt, das nicht benutzt wurde.
Tja, wie wir es uns dachten sie nahmen alles auseinander und kamen auch an unser Rohr. Hier mussten wir jetzt den Dampf ablassen und das Rohr öffnen, es war Leer und sie hatten auch kein Verdacht geschöpft, somit konnten wir es weiter als Flaschenlager benutzen. Wir lagen zwei Tage im Hafen und in dieser Zeit waren sie auch an Bord und haben gesucht. Nichts! Sie haben nichts gefunden. Nach diesen zwei Tagen liefen wir aus und fuhren zum Standort von unserem Netz. Wir fanden sie sehr schnell und holten es wieder an Bord.
Dann funkten wir die Fischer an, boten unsere Ware an und haben von ihnen auch ein Angebot bekommen.
Diese Art war zwar sehr sicher, aber sie brachte nicht so viel Geld ein wie der Verkauf im Hafen. Die Fischer wollten immer für ein Teil der Ware mit frischem Fisch bezahlen.
Unser Kapitän machte ein Treffpunkt außerhalb der Drei-Meilen-Zone aus damit uns kein Zollboot in die Quere kommen konnte, da wir ja so in Internationale Gewässer waren. Beim Treffpunkt warteten die Fischer schon mit Ihrem Fischkutter und kamen längsseits. Dann wurde die Ware ausgetauscht, Flaschen gegen Fisch und Bares.
Sardinien
n der Zwischenzeit hatten wir den Golf von Cagliarie durchquert, dass Capo Carbonara umrundet und befanden uns auf direkten Kurs nach Norden. Capo San Lorenzo hatten wir schon hinter uns gelassen und wir sahen schon die roten Felsen von Arbatax voraus.
»Ich gehe mir was zu trinken holen. Willst du auch etwas mein Schatz?«, fragte mich Eva.
»Ja, gern. Ein Glas Wasser kannst Du mir mitbringen.«
Das Meer war leer und ich hörte nur das kraftvolle Brummen der Maschinen. Auch auf dem Radar waren keinerlei Schiffsbewegungen zu erkennen. Auf der Backbordseite konnte man die Felsen sehen die direkt ins Meer ragten. Auf zehn Uhr sah man Majestätisch den Monte Gennargentu mit seinen tausendachthundertvierunddreißig Metern in den blauen Himmel ragen. Dieses Gebiet, zwischen der Costa Rei und Bari Sardo, war Natur pur. Hier gab es keine Touristen Bungalows oder Jachthäfen.
Eva kam wieder den Niedergang herauf und stellte mir ein Glas Wasser auf den Tisch. Sie setzte sich wieder neben mich auf die Bank und lehnte sich an meine Schulter.
»Sag mal Carlo, war da nicht noch so eine Geschichte mit zwei Finnischen Mädels?«, bohrte sie weiter in meine Vergangenheit.
»Komm, erzähl mir noch eine kleine Gute-Nacht-Geschichte bevor die Sonne untergeht, mein Schatz«, forderte sie mich lächelnd auf.
Wenn Sie einem mit dieser Stimme um etwas baten, konnte man ihr nichts abschlagen.
»Na gut, wir haben ja noch etwas Zeit«, gab ich nach und fing an zu erzählen.
Damals
n Bord der Schiffe auf die ich fuhr war ich immer der „Kalle“.
Wir fuhren zum dritten Mal nach Finnland und mein Kollege und ich hatten, auf der letzten Reise, jeder ein nettes finnisches Mädchen kennen gelernt. Aus diesem Grund fuhren wir diese Route auch mehrmals hintereinander.
Wir lagen mal wieder in Hamina, eine kleine finnische Hafenstadt, trafen uns wie immer zum Mittag mit unseren beiden Mädels in der Milchbar am Hafen und verabredeten uns für den Abend zum Essen an Land. Es wurde ein schöner Abend und wir haben viel gelacht.
Die Uhr zeigt zweiundzwanzig Uhr an, als wir zum Schiff zurückkamen. Beide Mädels wollten bei uns an Bord übernachten, in Finnland geht alles etwas freier zu und wir kannten uns ja auch schon etwas länger. Gerade gingen wir über die Gangway an Bord, als uns zwei Finnen entgegen kamen.
Wir sprachen sie an und fragten, was sie an Bord gesucht haben. Sie verstanden uns nicht, also haben unsere Mädchen übersetzt, da wurden Sie sauer und drohten uns Schläge an. Das ließ sich mein Kumpel nicht zweimal sagen:
»Kalle, geh mit den beiden Mädels schon mal an Bord. Ich erledige das mal eben«, sagte er zu mir und trieb die beiden von der Gangway herunter an Land damit er mehr Bewegungsfreiheit hatte. Hier fühlten sich die beiden überlegen und griffen ihn voll an, dass hätten Sie mal lieber nicht tun sollen. Er war auf dem Kiez groß geworden und als Rausschmeißer gearbeitet, er hatte keinerlei Probleme es mit zwei oder drei Typen auf einmal aufzunehmen. So hatten Sie nach kurzer Zeit, blaue Augen, Quetschungen und Verstauchungen. Sie suchten ihr Heil in der Flucht und rannten weg, was wohl auch die bessere Entscheidung war als noch mehr verprügelt zu werden.
Für uns war die Sache damit erledigt und wir dachten auch am Mittag des folgenden Tages nicht mehr daran. Auch an diesem Tag trafen wir uns, wie immer, wieder in der Mittagspause mit unseren beiden Mädels in der Milchbar. Auch die Schauerleute, die auf den Schiffen arbeiteten, nahmen hier ihr Mittagessen ein. Hier sahen wir dann auch unsere beiden lädierten Typen vom Abend wieder, dachten uns aber nichts weiter dabei.
Als wir dann raus gehen wollten, stand einer auf und rief uns etwas nach, was unsere beiden Mädels übersetzten:
»Heute abends kommen wir und dann gibt es Rache für das unfaire Verhalten von gestern abends und lasst unsere Mädels in Ruhe.«
Draußen fragten wir unsere Mädels noch mal nach, ob Sie richtig übersetzt hatten, vor allem was das unfaire Verhalten betraf. Aber sie bestätigten, dass Sie alles richtig übersetzt hatten, waren aber selbst auch etwas verwundert. Sie legten uns aber nahe, dass nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, denn Sie hätten mitbekommen, dass die Gruppe mit zehn bis fünfzehn Mann kommen und das Schiff stürmen wollten. Sie hätten auch was von Waffen gehört, sagten Sie uns und machten besorgte Gesichter.
Wir schlugen vor, dass sie an diesem Abend besser zu Hause bleiben sollten. Aber wie Frauen eben so sind und da ist es egal welche Nationalität sie sind, Sie wollten dabei sein da wir ja sowieso kein Finnisch könnten, sagten Sie. Beide waren am Abend schon ziemlich früh bei uns an Bord und setzten sich in unsere Kabinen. Wir waren froh, dass an diesem Abend der Kapitän und die Offiziere nicht an Bord waren, die Schiffsführung hatte eine Party beim Schiffsmakler an Land.
Wir fingen an, das Schiff soweit es möglich war „Sturmsicher“ zu machen. Es wurde alle drei Meter CO zwei Feuerlöscher aufgestellt. Wir schlossen Feuerwehrschläuche an, jeweils einen vor und einen hinter den Deckaufbauten und setzten sie schon einmal unter Wasserdruck. Dann wurden Feuerwehräxte griffbereit an Deck gelegt. Auch Knüppel und Vierkanthölzer wurden verteilt. Danach ließen wir die Gangway auf die Pier herunter, damit nicht gleich jeder an Bord kommen konnte. Zu guter Letzt stellten wir noch einen Mann als Wachen auf.
Der Rest der Mannschaft, dass waren noch fünf Mann, gingen in ihren Kabinen um noch etwas zu entspannen und zu warten. Die Ablösung sollte alle zwei Stunden erfolgen. Mein Kumpel wollte die letzte Wache übernehmen, aber so weit kam es gar nicht. Es war Sonnenuntergang als der Alarmruf von oben kam. Wir stürmten die Leiter hoch an Deck und stellten uns an die Reling. Da sahen wir sie kommen, wie im Film “High Noon” kamen Sie die Strasse herunter, die im neunzig Grad Winkel vom Pier abging, direkt auf das Schiff zu. Die Gruppe gingen nebeneinander, es kamen immer mehr Männer von rechts und links dazu und sie hatten Gewehre dabei, diese trugen sie locker in der Armbeuge.
»Dirk nach vorne, Sven du gehst nach hinten und bemannt die C-Rohre, Mario und ich bleiben im Mitteldeck, Peter geh zu Klaus nach oben zum beobachten und als Reserve«, gab ich die Kommandos und gab jedem ein Sprechfunkgeräte mit, dass letzte behielt ich selbst für mich. Sofort setzten sich alle in Bewegung und gingen auf ihre Positionen.
Die Finnen gingen bis zum letzten Lagerhaus vor der Pier und teilten sich dann in zwei Gruppen. Eine ging links und eine rechts hinter dem Lagerhaus in Deckung, dann war Ruhe. Es wurde langsam dunkler und wir schauten mit Argusaugen Richtung Lagerhaus um ja nichts zu verpassen.
Dann ging es los, uns flogen, im wahrsten Sinn des Wortes, die Gewehrkugeln um die Ohren. Wir stellten sofort fest dass es Kleinkaliber Waffen waren, aber selbst davon getroffen zu werden konnte gefährlich sein. Wir gingen in Deckung, was nicht ganz einfach war, da die Decksaufbauten aus Stahl waren, prellten die Patronen ab und schwirrten als Querschläger hin und her. Wir gingen ganz dicht an die Reling, oder stellten uns im Niedergang der Aufbauten rein und warteten ab wie viel Munition sie hatten.
Aus dieser Position heraus konnten wir nicht viel sehen was am Pier ablief und aus diesem Grund was es gut, zwei Mann eine Etage höher hinter starken Fenstern zu haben, von dort konnten sie alles übersehen und waren geschützt. Diese Fenster konnte man mit einem KK-Gewehr nicht kaputt schießen, dachten und hofften wir jedenfalls.
»Kalle, die rücken über die Pier an, passt im Mittelgang auf«, kam es aus dem Funkgerät.
»O.K. Danke«, war meine Antwort, und an Mario gerichtet der neben mir stand:
»Mario, achte auf die Reling, wenn Hände erscheinen einfach drauf schlagen.«
»Achtung Heck und Bug, Wasser Marsch und auf die Pier halten«, rief ich Dirk und Sven über Funk zu.
Schon ging es los, sie schleuderten Steine an die Deckwände damit sie dann, als Querschläger, in unsere Deckung zurück sprangen und uns treffen sollten. Raffiniert gemacht und ganz schön schmerzhaft, das hätte auch von dem eigentlichen Angriff abgelenkt, wenn wir nicht vorgewarnt worden wären.
Vor mir tauchten Hände an der Reling auf, sie sprangen hoch hielten sich an die Reling fest und wollten die Füssen in den Wasserabfluss stellen um Halt zu finden und dann an Deck springen zu können. Ich schlug mit dem Knüppel zu, ein Aufschrei bestätigte mir dass ich getroffen hatte. Da kam von links auch ein Aufschrei, Marion hatte auch getroffen. Die beiden Gruppen vorn und Achtern waren mir ihren Wasserschläuchen am spritzen. Dann waren es zu viele Hände und ich rief:
»CO2 einsetzen, nur auf die Hände zielen nicht ins Gesicht.« In den CO2 Feuerlöchern ist Schaum der auch zum Löschen von Elektrogeräten benutzt wird und ist eiskalt und verursacht Erfrierungen. Aber das musste ja nicht sein, Erfrierungen im Gesicht. Ich nahm das Sprechfunkgerät:
»Peter und Klaus, kommen schnell runter und helfen uns hier bei der Abwehr, es sind zu viele für uns allein.«
»O.K., wir kommen runter«, kam die Antwort aus dem Funkgerät.
In der Zwischenzeit wurde das Schießen eingestellt und die Finnen stürmten mit der ganzen Mannschaft das Schiff. Wir setzten jetzt die Feuerlöscher ein, liefen die Reling auf und ab und spritzten und schlugen um uns um alle abzuwehren.
Wir wissen nicht wann, aber uns kam es wie eine Ewigkeit vor bis sie sich endlich zurückzogen. Wir warteten noch eine Zeitlang und räumten in der Zeit schon mal das Deck auf, beseitigten alle Spuren des Kampfes, dann mussten wir noch die Gangway hoch hieven und an der Reling befestigen, damit unsere Führung nichts bemerkt, wenn sie wieder zurück an Bord kamen. Als alles fertig war, ließen wir noch eine Wache zurück, falls sie doch noch einmal zurückkommen sollten.
Am nächsten Morgen trafen wir uns alle beim Frühstück in der Messe, nach dem unsere beiden Mädels nach Hause gegangen waren. Wir waren in richtiger Hochstimmung und waren froh, dass wir das Schiff verteidigen konnten ohne dass es Fremde bemerkt hatten.
»Guten Morgen, meine Herren. Wer kann mir mal sagen was heute Nacht hier an Bord los war?«
Unser Kapitän stand an der Tür von der Mannschaftsmesse und schaute in die Runde.
»Wer hat mir meine Scheibe im Badezimmer kaputt gemacht?«, fragte er uns weiter.
Toll, ein Schock in aller Frühe und das nach der ersten Freude. Aber das kaputte Fenster könnte ich schon noch erklären.
»Was war das für eine Schießerei an der Pier? Seid ihr von allen guten Geistern verlassen so ein Scheiß zumachen? Wer war daran beteiligt? Ich muss die Polizei informieren und die Personen anzeigen.«
Er kam ganz in den Raum und da konnten wir auch sehen, dass er nicht alleine war. Der Makler und unser erster Offizier kamen hinter ihm her.
»Wir wissen nicht wer es war, vielleicht ein paar betrunkene Finnen die ihr Mütchen an uns kühlen wollten. Wer sagt denn, dass es eine Schießerei war?«, fragte ich und versuchte es ein wenig abzuwiegeln.
»Der Kapitän von dem Schiff auf der anderen Seite des Hafens hat mich informiert.«
»Na ja, sie haben ja nicht so viel kaputt gemacht«, versuchte ich ihn zu beschwichtigen.
»Was heißt gar nicht viel, es ist immerhin mein Badezimmer Fenster was einen Sprung hat«, sagte er verärgert.
»Das schauen wir uns gleich mal an«, sagte ich um ihn zu beruhigen.
»Ja, aber eine Anzeige müssen wir auf jeden Fall aufgeben, auch wenn es gegen unbekannt ist«, meldete sich der Schiffsmakler zu Wort.
»Na ja, wenn das sein muss«, gab ich ihn zur Antwort.
»Gut, dann fahren wir mal zur Polizei und ihr seht zu, dass hier alles weiter läuft«, sagte er zu mir und ging dann mit den beiden von Bord.
Wir sahen uns an und waren uns einig, dass es so, wie wir uns verhalten hatten, gut war. Niemand wird an die Polizei ausgeliefert. Wenn, dann regeln wir das alles selbst unter uns. Nach dem Frühstück schauten wir uns das Badezimmer vom Kapitän an und stellten fest, dass es zwar nur ein kleiner aber doch tiefer Riss war, aber er war nicht so, dass es bedenklich war. Kurz vor Mittag tauchte dann die Polizei mit dem Kapitän und dem Schiffsmakler auf und kam an Bord.
»Alle Mann in die Mannschaftsmesse«, rief er übers Deck. Wir gingen mit einem Mulmigen Gefühl rein und setzten uns an die Tische. Die Polizei hatte unseren Schiffsmakler als Dolmetscher eingesetzt und fragte uns nun aus, ob wir wissen, wer und warum man das gemacht hatte. Wir sagten alle wir wissen es nicht und Sie schlossen die Befragung ab und gingen wieder von Bord.
Aber die Polizei ging nicht zu ihrem Auto, Sie gingen rüber zur Milchbar. Dort saßen ja schon bestimmt unsere Gegner rum und würden jetzt einen fürchterlichen Schreck bekommne. Wir beobachteten weiter und nach gut einer halben Stunde kamen die Polizisten wieder aus der Milchbar raus und fuhren weg.
Wir gingen erst einmal in die Messe Mittagessen und danach, mit allen sechs Männern die gestern Abend das Schiff verteidigt hatten, langsam rüber zur Milchbar.
Auf dem Weg dorthin kamen auch unsere beiden Mädels mit dem Fahrrad angefahren und schlossen sich uns an.
Was mich wunderte war, dass die Finnen nicht komplett da waren. Kaum saßen wir auf unsere Stühle, kam auch schon einer zu uns und redeten auf mein Mädchen ein und Kim antwortete ihm.
»Kim, was will er von dir? Sollen wir ihn rausschmeißen?«, fragte ich meine Freundin.
»Nein mein Süßer, ich habe ihm nur mal eben die Wahrheit gesagt. Dass seine beiden Jungs vorgestern nur von einem Mann vom Schiff an der Gangway bearbeitet wurden. Er sagt, dass Sie sich entschuldigen und dass es ihnen Leid tut, das ihr Ärger bekommen habt. Was sie gut fanden ist, dass ihr der Polizei nichts gesagt habt. Deshalb würden sie euch gern Einen ausgeben«, sagte sie zu mir. Wir sahen uns an und nickten.
»Gut, damit ist dann das ganze Missverständnis ja wohl vergessen«, sagte ich zu ihm und mein Mädel übersetzte es ihm.
Am Abend trafen wir uns alle zusammen und tranken auf Kosten der Finnen. Es wurde noch eine feucht fröhliche Runde die bis in die Nacht dauerte.
Sizilien
ie Stille des Morgens wurde durch ein entferntes Blubb, Blubb, Blubb unterbrochen, das Geräusch kam immer näher. Dann tauchte über den flachen Hügel ein Helikopter auf und flog auf die, vor dem Haus liegende, freie Fläche zu und landete.
Im Haus blieb alles ruhig, der Hubschrauber drosselte seine Antriebsturbine etwas und es wurde etwas ruhiger. Dann öffneten sich beide Türen, links und rechts am Helikopter und es stiegen zwei, in voller Kampfuniform bekleidete Männer, aus und liefen sichernd auf das Haus zu. Hier angekommen, stellten sie sich rechts und linken von der Tür auf und lauschten. Nichts war zu hören. Dann ging alles sehr schnell, der linke Mann machte eine Drehung und trat, alles in einer fließenden Bewegung, mit den Kampfstiefeln die Tür ein. Der zweite Mann stürmte an ihm vorbei ins Zimmer und glitt gleich nach rechts in Deckung. Derjenige, der die Tür eingetreten hat wand sich nach links und beide waren von draußen nicht mehr zu sehen.
Nach einer geraumen Zeit hörte die Hubschrauberbesatzung über Funk:
»Feuervogel von Uno, dass Haus ist sauber, hier ist niemand mehr.«
»Gut Uno, sichert es und sucht nach Spuren. Das Quattro-Team wird doch sicher irgendetwas hinterlassen haben. Ich melde es weiter an Komlei Two«, bestätigte der Pilot die Meldung.
»O.K. machen wir«, kam die Bestätigung über Funk.
»Komlei Two, hier ist Feuervogel. Wir haben keinen Kontakt. Gehen jetzt auf Suchmodus. Over and Out.«
Man versucht den Funkspruch so kurz wie möglich und unverfänglich zu halten. Damit die Gegenstelle sich nicht mehr melden muss, quittiert man den Spruch mit Over and Out.
Nach gut dreißig Minuten kamen die Beiden vom Uno Team wieder aus dem Haus, reparierten die Tür notdürftig, kamen zum Hubschrauber zurück und stiegen ein. Während Sie sich anschnallten, gaben sie den Piloten das Zeichen zum Starten und stöpselten sich die interne Funkverbindung an ihrem Helm um mit den Piloten reden zu können:
»Wir haben einen Hinweis vom Quadro-Team gefunden. Die müssen total Überrascht worden sein. Der Hinweis lautete:
>Sind Umstellt, zehn maskierte Männer mit schweren Waffen. Ergeben uns um die Kundin zu schützen.<
Mehr war als Hinweis nicht zu finden. Das Haus wurde total von unten bis oben sauber gemacht. Keine Fingerspuren oder sonstiges zu finden. Für diese Nachricht hat das Quadro-Team den Ultravioletten Stift benutzt, das geschriebene kann man nur unter Blaulicht lesen«, meldete Luciano dem Piloten.
»Gut, wir fliegen zurück und warten auf weitere Anweisungen. Wahrscheinlich kommt Carlo persönlich rüber. Wenn es um seine Männer geht, Lässt er alles liegen und stehen«, erklärte der Pilot den Beiden vom Uno Team.
Ihr Flug ging Richtung italienischem Festland zum Komlei Two Bus. Der stand mittlerweile in Reggio di Calabria, gegenüber Sizilien und wartete auf die Rückkehr des Helikopters.